Ich komme im Moment kaum dazu, das was ich inhaltlich erarbeite, als Blogbeitrag online zu stellen (Themen Geschichte und Dialektik). Deshalb füge ich hier und vielleicht auch später wieder einen kleinen Text ein, den ich als Antwort auf eine Frage in einer  Mail geschrieben habe…


Frage von W.: „Mir fällt noch was ein: „Modernes Gemeinwesen ohne Geld“. – Wie kann so etwas funktionieren? … Mein Beispiel war ja: Zugfahrt nach Wladiwostok, dort eine Woche Hotel und Flug zurück. Wie könnte man/ich diese Leistungen gerecht kompensieren?“

Zuerst einmal muss man den Gedanken aufgeben, dass alles „gerecht kompensiert“ werden muss. Erstens wird auch heute so gut wie gar nichts „gerecht kompensiert“, sondern die Produktionsmitteleigner werden immer reicher gemacht, während die arbeitsamen Menschen immer ärmer werden.

Schon heute werden mehr als 50% der Tätigkeiten, die Menschen für Menschen tun, nicht „kompensiert“, schon gar nicht gerecht. Diese Art der Tätigkeiten (umsorgen, pflegen, sich kümmern…) wurde nur nie als „wirtschaftliche Leistung“ betrachtet, weil vor allem Frauen sie eben doch tun…

Auch sonst werden Tätigkeiten ja nicht nur wegen der „Kompensation“ gemacht, sondern aus Spaß an der Freude. Hättest Du nicht auch gern wissberierige Kinder gelehrt, wenn Deine Lebensgrundlagen ohne Gegenleistung gesichert gewesen wären? Grade Eisenbahnbetrieb: Wieviele Eisenbahnbegeisterte gibt es, die das dann auch gerne machen würden? Und Fliegen erst – ist das nicht eh der Traum vieler, die sich gern zum Piloten ausbilden lassen würden? Hotels brauchts vielleicht nicht, wenn viele Menschen, die gerne Gäste haben, ihre Wohnungen dementsprechend gestalten und öffnen würden, weil sie ansonsten keine Not haben?

Es gab ja historisch so einen Ablauf: Zu Beginn der Klassengesellschaften wurden Menschen versklavt. Welcher der Herren hätte geglaubt, die Menschen würden auch für ihn arbeiten, wenn er sie nicht besitzen und damit zwingen könnte? Die Feudalherren fanden eine Möglichkeit. Hier gab es dann auch Unterschiede. Am zwangsähnlichsten waren die Frondienste. Bei denen betrugen die Bäuerlein ihre Herren aber gern mal und wo es auf sorgfältige Arbeit und tiefes Pflügen ankam, war es besser, ihnen nur Naturalabgaben oder Geldabgaben aufzuerlegen.

Mit der Lohnarbeit erweiterte sich die Freiheit noch einmal. Der arbeitende Mensch war nicht mehr an die Scholle gebunden, sondern konnte sich seinen Ausbeuter wenigstens aussuchen. Uns gefällt das zwar auch nicht, aber für die Menschen war das ein großer Fortschritt.

Aber wenn man sieht, wie oft das sich schon geändert hat und wie dabei der Freiheitsgrad immer erhöht wurde, warum soll man da nicht annehmen, dass nach einer Abschaffung der Ausbeutung Menschen nicht noch freier sein könnten und trotzdem tätig sein/arbeiten würden?

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