Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Heute stellt sich die Frage nach der gesuchten perfekten Gesellschaft mit den Worten von Simon und Stefan so:

„Wollen wir allgemeine Inklusion wirklich erreichen, ist es notwendig, die inklusionslogischen Bedingungen in einer Gesellschaft zu schaffen, in welcher ich meine Bedürfnisse am besten durch das Einbeziehen anderer befriedigen kann.“ (127)

In gewisser Form ist das jetzt schon so, denn „[n]icht vom Wohlwollen des Fleischers, Brauers oder Bäckers erwarten wir unsere Mahlzeit, sondern von ihrer Bedachtnahme auf ihr eigenes Interesse.“ (Smith 1775/2005: 19) Weil das so ist, muss die gemeinte neue Qualität der kategorialen Utopie genau gegen dieses noch Ungenügende abgesetzt werden. Aufgrund der Ungleichverteilung des Eigentums an den wichtigsten Produktionsmitteln können nur die Eigentümer dieser Produktionsmittel über den Zweck der Produktion bestimmen und der besteht (für sie aus Konkurrenzgründen notwendigerweise) in der Erzeugung und Aneignung von immer mehr Mehrwert (bzw. der Erwartung darauf). Die mehrwerterzeugenden arbeitenden Menschen dagegen müssen sich diesem fremden Zweck unterwerfen. (Diese Charakterisierung des Kapitalismus von mir unterscheidet sich etwas von jener, die Simon und Stefan geben, siehe 3.2.1.) Auf diese Weise ist es doch nur beschränkt so, dass „ich meine Bedürfnisse am besten durch das Einbeziehen anderer befriedigen kann“. Sondern die Produktionsmitteleigentümer*in bezieht nur die Bedürfnisse von mir ein, die sie gebrauchen kann, weil ich durch diese gezwungen bin, für sie zu arbeiten. Alle anderen Bedürfnisse, die über meine Brauchbarkeit für jene, die die Zwecke der Re/Produktion und auch der vorherrschenden Konsum- und Freizeitformen setzen, hinausgehen, verdorren tendenziell. Außerdem werde ich in diesen Verhältnissen in Konkurrenz gesetzt u.a. zu den anderen, die Arbeitsplätze oder bezahlbaren Wohnraum etc. brauchen und ich bin aufgrund meiner Abhängigkeit von Löhnen, die den von mir erarbeiteten Mehrwert nicht enthalten, gezwungen, möglichst kostengünstige Konsumgüter zu nutzen, was auf Kosten der zu noch billigeren Preisen arbeitenden Menschen in aller Welt geht. Die gesellschaftlichen Strukturen determinieren nun mein Handeln nicht eindeutig, aber sie begrenzen meine Möglichkeiten, anders, also nicht in Konkurrenz und auf Kosten anderer handeln zu können. Diese Begrenzung ist primär dadurch verursacht, dass ich die dafür notwendigen Produktionsgrundlagen nicht besitze. Dass das Eigentum an Produktionsmittel in Hand von sozialistischen Staaten nicht ausreichte, alle Unterdrückungsformen aufzuheben, reduziert die Bedeutung des Eigentums an Produktionsmitteln nicht (wie bei Simon und Stefan, siehe 3.2.3), verweist aber auf zusätzliche Erfordernisse.

Wie sähe nun aber eine Gesellschaft aus, in der diese Beschränkungen nicht mehr gälten? Gefragt wird nun doch nach konkreten gesellschaftlichen Bedingungen und letztlich soll das, was eigentlich der von einem den Gesellschaftsformen abstrahierende „Begriff vom Menschen“ beinhalten soll, nun einer konkreten, hoffentlich baldig-zukünftigen Gesellschaftsform zugeschrieben werden. Die Utopie soll wirklich werden. Welche strukturellen Bedingungen werden dafür gebraucht?

Vorformen solcher Verhältnisse können im wirklichen Leben schon gefunden werden. Einerseits im persönlichen Umfeld, in Freundschaften und bestimmten Gemeinschaften. In der Einheit von Lebens- und Produktionsweisen werden solche Vorformen auch in den sog. „Commons“ gefunden. Benni postete dazu eine Nachricht:

„Kommunismus ist keine ferne Utopie, sondern er findet jeden Tag statt, nämlich immer dann, wenn die Gründe menschlichen Handelns keine anderen sind, als Bedürfnisse und Fähigkeiten der Menschen.“ (Benni 2018)


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