Dieser Beitrag gehört zum Text „Trägt oder trügt die Hoffnung aus einer dialektischen Geschichtsphilosophie?“


Natürlich ist es sinnvoll, den Weg der Entfaltung von Freiheit und Vernunft weiter zu beschreiten. Aber nichts verbürgt das, außer einer dementsprechenden Praxis der Menschen, für die sie sich bewusst entscheiden müssen und können. Vielleicht ist es angesichts der angestoßenen massiven Veränderungen der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen sogar not-wendig, diesen Weg zu beschreiten und alle anderen Wege sind, zumindest langfristig, abgeschnitten. Not-Wendig ist dann aber auch nur, dass sich massive Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse vollziehen. Wie sie erfolgen, ist noch nicht absehbar. Aus den vorliegenden Bedingungen werden Voraussetzungen für das Folgende. Dazu gehören die noch nicht getroffenen Entscheidungen der Menschen und die Ergebnisse von Kämpfen um die Gestaltung der Zukunft.
Wenn wir in diesen Kämpfen und für unsere Entscheidungen eine Orientierung suchen, so kann uns die Dialektik durchaus leiten. Vor allem die Dialektik des Zusammenhangs von Tendenz und Kontingenz. Wir können mögliche gewünschte Zukunftsoptionen antizipieren. Wir können uns gedanklich als „Eule der Minerva“ an diesen (relativen) Endpunkt der Entwicklung setzen, quasi als „virtuelle Eule der Minerva“ (Schlemm 2008) und von daher virtuell rekonstruieren, wie wir die Bedingungen so verändern müssen, dass sie als Voraussetzungen für die von uns gewünschte Zukunft wirken können. Schönwetter-Utopien sind dabei beim gegenwärtigen Stand der ökologischen Zerstörung leider schon ausgeschlossen. Wir mögen dazu verleitet sein, den Aspekt der Tendenz, der „Gesetzmäßigkeit“ und der Wiederholung typischer Strukturmuster von gesellschaftlichen Transformationen überzubetonen. Geschichtliche Erfahrungen verweisen aber darauf, dass bei den bisher geschehenen Transformationen eher kontingente Bedingungen wesentlich waren. Diese sind vom Prinzip her nicht vollständig vorhersehbar, deshalb ist die Zukunft ja auch wirklich offen.

Wir können nicht auf einen irgendwie vorauszusetzenden „dialektischen Gang der Geschichte“ vertrauen, wir können daraus keine Zuversicht ableiten. Wir erhalten dadurch mehr Verantwortung für das, was wir selber tun. Wir müssen uns die Frage stellen, was wir tun müssen, damit Vernunft und Freiheit sich weiter entfalten können.

 


Zur Literatur.


 

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