Häufig werden die Worte „Klimawandel“ oder „Erderwärmung“ inzwischen als zu verniedlichend für das, was geschieht und geschehen wird, gesehen. Von „Katastrophe“ will aber auch kaum jemand wirklich sprechen, also wird etwas zaghafter, wenn auch verschärfend von „Klimakrise“ gesprochen.

Zum Wort „Krise“ fand ich gerade in einem alten Büchlein mit dem auch heute noch spannenden Titel „Wieviel Katastrophe braucht der Mensch?“ (Antwort: nie genug) eine schöne Auseinandersetzung mit der Beschönigung, die bei „Krise“ enthalten ist:

Christina Thürmer-Rohr schreibt da:

„Ich gehe nicht davon aus, daß wir in der „Krise“ stecken. Wer es dennoch tut, sagt. „Im Augenblick ist die Lage zwar ernst, aber es wird wieder.“ „Durch die Krise muß man durch. Nach jeder Talsohle geht es wieder aufwärts.“ Wer Krise sagt, sagt auch, daß alles mal besser war und wieder besser wird; daß die Entwicklung (von Sicherheit, Fortschritt, Meinungen, wirtschaftlichem Wachstum und so weiter) eben so ist: Auf und Ab. Auf Regel folgt Sonne und auf Sonne folgt Regen; schließlich aber doch: Durch Nacht zum Licht.

Das ist alles ablenkendes und dummes Gerede. Das Wort Krise bagatellisiert und vernebelt. Der Zustand von Erde und Menschen, der in der Absurdität des atomaren Mordes an jedem einzelnen Lebewesen lediglich gipfelt, und der moralische Zustand der Menschen, die dieses Faktum geschaffen haben, ist mit dem Terminus „Krise“ überhaupt nicht gekennzeichnet.“

Tatsächlich hängt an der Bedeutung von „Krise“ die immer wieder aufgerufene Beziehung zur Chance. Symbolisiert im selben chinesischen Schriftzeichen für „Krise“ und „Chance“… Im eben zitierten Buch schreibt dementsprechend Dieter Keupp: Die „Krise sollten wir vor allem als Chance und nicht bloß als Gefahr sehen“ – wer könnte den Klima-Umbruch, der viele Katastrophen mit sich bringt und bringen wird, noch wirklich als Chance begreifen?