Es gibt eine neue Studie – diesmal vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie – über die Erfüllbarkeit des Ziels, die globale Temperaturerhöhung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die Studie wurde von Fridays for Future beauftragt, die auch dessen Ergebnisse veröffentlichte.

Es ist ja nicht die erste derartige Studie, aber in dieser sind einige Bemerkungen enthalten, die aufhorchen lassen. In einer Mail für unsere Gruppe der Parents for Future habe ich einiges dazu geschrieben. Ohne weiter in die Tiefe zu gehen, möchte ich diese ersten Gedanken dazu auch hier mitteilen:

In der Mailinggruppe wurde geäußert:

Ist der gesellschaftliche und politische Wille gegeben, stehen der Zielerreichung keine unüberwindbaren Hindernisse entgegen.

Dazu antwortete ich:

Der Wille müsste aber sehr weit reichen. Z.B. müssten die Eigentümer von Ackerland willig sein, bio- und klimagerechte Landwirtschaft einzuführen – die meisten besitzen es aber nur als Kapitalanlage. Dieses Verhältnis, dass Eigentum als Kapital Profite einbringen muss, ist nicht nur durch Willensänderung aufzuheben.

In den Studienergebnissen steht: „Der Aufbau der Infrastruktur für eine klimaneutrale Industrie muss schon beginnen, bevor die Nachfrage danach vorhanden ist. Andernfalls wird die Zeit für den Umbau nicht reichen.“

Das ist richtig. Aber man muss sich bewusst sein, dass das quasi die Marktwirtschaft aushebelt, denn es wird zugegeben, dass auch keine der üblichen marktwirtschaftlichen Nachfragestimulatoren, die bisher genannt wurden, wie die CO2-Bepreisung, mehr ausreichen (oder sie müsste so exorbitant hoch sein, dass damit auch nicht mehr zu wirtschaften ist). Eigentlich wird damit gesagt, dass andere Mechanismen der Wirtschaftsentwicklung her müssen, die letztlich ziemlich restriktiv das durchsetzen müssen, was sachlich notwendig ist…

Und es müsste auch der Wille sein, materiell und energetisch mit viel weniger auszukommen. Und – mal unabhängig von Politik, sondern rein sachlich – es müsste der Wille und die Möglichkeit da sein, sofort fast alle landwirtschaftlichen, Industrie- und anderen Prozesse technologisch so umzubauen, dass sie öko- und klimagerecht werden. Sogar wenn der Wille da ist, braucht dieser technologische Umbau mehr Zeit als bis 2035. Diese technologische Umstellungszeit (allein der Bau der Solarzellen und der Fabriken für Solarzellen… und Windräder ist weder ressourcenfrei noch zeitunkritisch zu realisieren) wird in solchen Studien so gut wie nie berücksichtigt. Diese Lücke wird neuerdings gefüllt mit der Aussage, dass das, was man selber nicht schaffen kann, durch Import von Energie aus Erneuerbaren gemacht werden müsse. Bloß woher? Damit ist das Problem bloß territorial verschoben…

Nicht umsonst sagen die IPCC-Leute jetzt meist: „Es ist GEOPHYSIKALISCH noch möglich, das Ziel zu erreichen…“. Damit lassen sie außen vor, was nicht ihr Fachgebiet ist (die Technologie der Umstellung der Re-/Produktionssysteme und die Politik) – aber man darf diese Aussage eben nicht zu hoffnungsvoll bewerten, dass sie damit eine Aussage über die Realität machen würde, die eben all die längerdauernden Prozesse auch mit enthält.

Interessant, weil so scharf noch nie geäußert, finde ich die Aussage: „Ebenso reicht die verbleibende Zeit nicht mehr, um technologieoffen alle Möglichkeiten der klimaneutralen Produktion zu erkunden.“

Aber ich finde sie auch gefährlich, denn damit wird zum ersten Mal eine Haltung an den Tag gelegt, die einer angstgetriebenen Technokratie Tür und Tor öffnet. Es wird so weit kommen, dass wir uns gezwungen sehen, in Kernenergietechnik einen Ausweg zu sehen, nur um weiter unseren Energiehunger zu stillen, ohne dass die Kernkraftgegner noch eine wirkliche Chance haben, gesellschaftlich gehört zu werden. Gefährlich ist daran nicht nur die Kernkraft, sondern die gesellschaftliche Situation der Ausweglosigkeit! In diese Situation bugsieren wir uns genau jetzt hinein, weil wir für andere Alternativen die Zeit verplempern/verplempert haben (…).

Ich glaube, wir Klimabewegungen müssen uns sehr ernst darauf einstellen, was wir sagen, wenn es immer offensichtlicher wird, dass all die hoffnungsvollen Meldungen nur „Pfeifen im Walde“ sind.

Worauf wir uns dann einstellen müssen, ist ja schon klar: Man setzt dann die Hoffnung auf ausreichende Kapazitäten für Negativemissionen ohne nicht verantwortbare Nebenwirkungen. Ob diese Hoffnung gedeckt ist und wenn ja zu welchen Kosten… wird ja leider noch gar nicht diskutiert und es wird immer mehr zu spät dafür.