„Die Klimakrise als treibende Kraft für eine zukünftige Schule“

  • Wie gehen Schulen mit Unsicherheiten im Umgang mit den drohenden Klima-Umbrüchen und den unterschiedlichen Interessenlagen und Anforderungen an Schule um?
  • Welches neue Wissen und welche neuen Methoden brauchen Lehrkräfte (s.Kommentar 1) unten), Schülerschaft und Eltern, um gemeinsame Lernprozesse für die Gestaltung einer wünschenswerten Zukunft zu initiieren?
  • Wie entwickeln sich Entscheidungsstrukturen und Aktionsräume, die alle Beteiligten einbeziehen und ermutigen, die Veränderung der eigenen Schule hin zur Nachhaltigkeit voranzubringen?

Dies waren die Leitfragen für den ersten Change School Summit, der vor nun schon zwei Wochen in Köln stattfand. Hier trafen sich am 1. und 2. Oktober fast 70 Menschen aus 13 Schulen, die sich nicht nur über die Klimakrise informieren wollten, sondern auch vorhatten neue Vorhaben für ihre Schule zu planen. Organisiert wurde die Tagung von einer Veranstalter-Kooperation zwischen der parto gUG gemeinnützige Gesellschaft für Partizipation und Organsationsentwicklung Köln, dem Wuppertal Institut und Germanwatch. Für die Teilnahme war es Bedingung, dass sich pro Schule jeweils Schüler*innen und Lehrer*innen beteiligen, damit die Impulse tatsächlich in den Schulen weiterwirken.

Unter Coronabedingungen in einem recht großen Raum sowie weiteren Seminarräumen und ständig mit Maske trafen sich hier Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern und zeitweise gab es Videokonferenzen mit Teilnehmer*innen als Kolumbien, Nigeria und Peru. Ich selbst war auf einem der Workshops als Impulsgeberin eingeladen.

Ich mag es immer, nicht nur für meinen Vortrag oder meinen Workshop zu einer Veranstaltung zu kommen. Diese beiden Tage waren aber selbst für mich außergewöhnlich. Ich erlebte eine ungemein lebendige Veranstaltung, in der die Inputs kurz und passend waren und die Workshops methodisch so vorbereitet waren, dass sie durch die Beteiligten mit enormem Elan selbst inhaltlich gefüllt werden konnten.

Am ersten Tag tauchten wir ein in die Problematik, beginnend mit einem Einführungsvortrag von Oliver Wagner vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Die Bilanz: Ja, es ist schon (fast?) zu spät für eine günstige Prognose der Zukunft und Ja, nur individuelle Veränderungen reichen nicht aus. Für letztere Aussage zog er CO2-Bilanzrechnungen (wie sie z.B. hier online ausprobiert werden können) zu Rate. Wenn man dort mal alle Angaben so macht, als würde man alle Faktoren mit der ökologisch besten  Bilanz erfüllen (kleine Wohnung in gedämmtem Haus, nur erneuerbare Energie, kein Flug und kein Auto…), dann kann man seinen CO2-Fußabdruck nur auf etwas über 4 Tonnen pro Jahr herabdrücken, von einem Durchschnitt in Deutschland von ca. 11 Tonnen. Benötigt würden aber unter 2 Tonnen, am besten nur ca. 1 Tonne!!! (Dieselbe Rechnung zeigen wir von der Zukunftswerkstatt Jena bei öffentlichen Veranstaltungen zum Klima in Jena seit Jahren).


Überhaupt wurde auch bei späteren Inputs immer wieder wiederholt: Die Zeiten, in denen vor allem und nur die individuelle Verantwortung angesprochen werden muss, sind vorbei. Inzwischen ist es unabdingbar, auch an die Strukturen zu gehen. Ohne strukturelle Transformationen können die individuellen Appelle und Anstrengungen nicht zum Ziel führen. In einem späteren Vortrag von Stefan Rostock wurde dazu folgendes Bild gezeigt (Quelle. Lukas Dorsch, Text dt. v. AS):

Ein Grund, warum bei uns das Klima-Problem so gut verleugnet und verdrängt werden kann, ist das zeitliche und räumliche Auseinandertreten von Verursachung und Folgen des Klima-Umbruchs. John Acude, der aus Nigeria stammt, zeigte uns jedoch eindringlich, wie sich die „Klimakrise aus dem Blickwinkel des Globalen Südens“ zeigt. Was z.B. bei uns als Konflikt zwischen Christen und Muslimen bewertet wird, ist tatsächlich ein Konflikt zwischen landbebauenden Menschen und viehzüchtenden, die aufgrund der zunehmenden Dürre in Konflikte um Land geraten. Und von denen, die längst vor den Hitze-, Dürre- und Überschwemmungskatastrophen fliehen mussten und müssen, bleiben die allermeisten in umliegenden, ebenfalls leidenden, Regionen und Ländern in Afrika. Dabei haben Menschen aus Afrika nur einen Anteil von 4% an den globalen CO2-Emissionen, obwohl sie 16% der Weltbevölkerung stellen.

Das Problem der Menschheit ist also keinesfalls die Bevölkerungsentwicklung, sondern der übermäßige Anteil der Menschen in unseren Industrieländern an der Zerstörung und Gefährdung der Welt. Die folgende Illustration zu diesen beiden Inputs auf der Tagung wurde von Jonas Heidebrecht erstellt (die Bilder von ihm werden wahrscheinlich bei der parto gUG auch als Poster zu erwerben sein):


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