Teil I


Am Nachmittag dieses ersten Tags des Summits fanden 11 Workshops, u.a. Videokonferenzen mit Menschen in Nigeria und Peru, statt. Besonders spannend war wohl die Beteiligung am Escape-Spiel „Escape Climate Change“ mit Vivienne Kobel von der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen. Das Thema der Klimagerechtigkeit wurde u.a. weitergeführt mit dem sog. Anti-Bias-Ansatz: Hierzu wird von Hanna Göhler (Digital Habitat) erläutert:

„Das englische Wort „bias“ bedeutet übersetzt „Voreingenommenheit“ oder auch „Einseitigkeit“. Anti-Bias versteht sich als intersektionaler Ansatz, der die verschiedenen Formen von Diskriminierung als Ausdruck gesellschaftlich ungleicher Positionen und Machtverhältnisse und ihre vielschichtigen gesellschaftlichen Verstrickungen in den Blick nimmt.“

Weitere Workshops beschäftigten sich mit der „Kunst der Verständigung“ (Stephan G. Geffers von parto), mit der Frage von Entscheidungsprozessen im Handlungsnotstand (mittels der „Betzavta-Miteinander“-Methode mit Petra Eickhoff von parto) und auch der Frage, wie wir trotz der Unsicherheit, Angst, auch Trauer und Verzweiflung wegen der Zerstörungen trotzdem so etwas wie Selbst-Ermächtigung („Empowerment“) erleben und entwickeln können (mit Prof. Kathrin Rothenberg-Elder von den Psychologists for Future). Auch die Nachhaltige Ernährung in der Schule Saskia Meyer, fooderstand Köln), sowie das Stoppen des Wachstums-Mantras (Rainer Kopp, Forum Eltern und Schule) waren Themen.

In „meinem“ Workshop „Wie viel Zeit haben WIR noch? Ich habe die Wahl“ wiederholte ich einige Argumente aus meinem schon online vorhandenen Vortrag zum Thema „Wie viel Zeit haben wir noch?“ Ich treffe darin die Aussage, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse darauf hindeuten, dass es schneller schlimmer kommen könnte, als wir bisher hofften.

Außerdem werden wir mit Aussagen, dass es noch nicht zu spät sei, ziemlich eingelullt, denn 1. weist die Aussage, es sei „geophysikalisch“ noch möglich, eine global-durchschnittliche Temperaturerhöhung auf 1,5 Grad zu begrenzen, darauf hin, dass das offen lässt, ob es technologisch überhaupt noch möglich ist, rechtzeitig alle Energie-, Industrie-, landwirtschaftlichen und Infrastrukturen auf eine klimaneutrale „Fahrweise“ umzustellen –von den gesellschaftspolitischen und politökonomischen Faktoren, die da einen abrupten Richtungswechsel vollziehen müssten, ganz abzusehen. 2. wurde „hinterrücks“ eingeführt, dass nicht mehr davon gesprochen wird, dass die Treibhausgas-, insbesondere die CO2-Emissionen bis 2050 (in Industrieländern möglichst früher) auf Null gesenkt werden müssen, sondern es wird von „Netto-Emissionen“ gesprochen. Diese fast unbemerkte Bezeichnungsänderung verweist darauf, dass auf die Hoffnung jetzt darauf gesetzt werden muss, dass vor allem nach 2050 wieder viel von dem bereits übermäßig emittierten CO2 in der Luft wieder „zurückgeholt“ und unschädlich gemacht werden könnte. In früheren IPCC-Berichten waren solche Vorhaben immer als ziemlich aussichtslos bewertet worden. Erstens setzt man hier (wieder einmal) auf Techno-Fixes, obwohl die bisherigen Versuche dazu i.a. nicht sehr erfolgreich waren und zweitens setzen die vielleicht technisch noch vertretbarsten Techniken (BECCS) auf einen ungeheuren Verbrauch von Land, das für den Ackerbau oder andere ökologisch wichtige Zwecke verloren geht (siehe mehr dazu hier).

Für den zweiten Teil meines Vortrags hatte ich kaum noch Zeit: Hier geht es darum, was es gesellschaftlich bedeutet, dass wir an einem historischen Gabelungspunkt stehen, an dem wir über die Zukunft der Menschheit für viele Jahrtausende bestimmen. Und die Frage, wer das WIR überhaupt ist! Auch innerhalb unserer Gesellschaft gibt es Kräfte, die die Naturzerstörung und Treibhausgasemissionen stärker verantworten als andere, die unter den gegebenen Strukturen gar nicht so viel erreichen können. Wenn wir vor allem letzteres immer wieder erleben, dann landen wir schnell im „Tal der Verzweiflung“, aus dem uns auch noch so gutes Zureden nicht so schnell rausholt. Nach Angaben von Gregor Hagedorn von den Psychologists for Future gehören bereits 30% der Menschen bei uns zu den „Resignierten“, die annehmen: „Es wird keine Lösung geben und diese Tatsache belastet mich so sehr, dass ich am liebsten gar nicht daran denke“ (nach Buba, Globisch 2008: Ökologische Sozialcharaktere).

Ich muss zugeben, dass es auch mir oft schlecht geht wegen der Sorge um unsere Zukunft und ich trauere und Wut habe über die schon jetzt vorhandenen Zerstörungen in der Natur und für das Leben unzähliger Menschen – dass aber genau solche Veranstaltungen wie dieser Change School Summit mir ungemein helfen. Sie verschaffen mir nicht die Sicherheit, dass nun doch noch alles gut werden würde. Aber es gibt mir die Hoffnung, dass es immer Menschen wie diese hier geben wird und dass wir immer, unter allen Bedingungen, gemeinsam mehr erreichen können als alleine. Man kann sich aufregen in dieser Zeit, aber dass wir in aufregenden Zeiten leben, hat auch etwas Spannendes, gibt unserem Leben eine Bedeutung…

Petra, die meinen Workshop begleitete, bat die Teilnehmenden dann darum, das, was sie gerade denken und fühlen, aufzuschreiben. Die Methode nennt sich PowerWriting und tatsächlich saßen schnell alle über ihren Papieren und die Stifte flogen über das Papier und einige lasen ihr Geschriebenes vor:

„Ich habe Angst, ich bin gelähmt, ich bin wütend…“

„Mein Kopf ist leer und gleichzeitig suuuper voll“

„Sorgen – Was ändern? – Wie ändern?

Wie sich zeigt, wird dieses Negative wenigstens ein wenig ausbalanciert:

„… hab keine Angst, die lähmt nur und das bringt dich nicht weiter…“

„Es ist nicht genug, nur zu versuchen meine Schule nachhaltiger zu gestalten! Aber es ist ein Anfang.“

„Weniger ist das Mehr der Zukunft, die gestern begonnen hat!“

Stephan aus dem Veranstaltungsteam fragte mich nach dem Summit, welche Situation für mich dabei am schönsten und wichtigsten gewesen sei. Die kam mit dem Power-Writing: Ganz spontan fragte ich, ob einige mir ihren Text geben würden für ein Buch, das ich plane zu schreiben. Anonym oder mit Namen, einige schrieben auch ihre Schule dazu… Ich fühle mich sehr beschenkt und nun natürlich sehr verpflichtet, das Buch endlich endgültig zu beginnen. Danke!!!

Morgen dann noch mehr von dieser Veranstaltung…