So langsam krieg ich ein Déjà-vus. Bei wievielen Klimastreiks war ich schon dabei? Heute ist wieder ein Klima-Streiktag, zur Kundgebung noch Jena fahre ich gleich. Hier aber erst noch mein inhaltlicher Beitrag zum Thema für heute:

Klassenkampf scheint sich heutzutage oft auf Klassismus-Debatten zu reduzieren. Und die globalen Öko- und Klimaprobleme sind noch mal was anderes, oder? Tatsächlich jedoch zeigt sich auch in diesen fortschreitenden katastrophalen Verhältnissen das für die kapitalistische Seite noch zu erfolgreiche Klassenverhältnis. Als Klassen stehen sich im Kapitalismus jene Kräfte gegenüber, die sich selbst auf Grund ihrer Verfügung über die Produktionsmittel selbst reproduzieren, und denen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um über den Umweg des erarbeiteten Lohns zu ihren Existenzmitteln zu kommen. Die über die Produktionsmittel verfügen, bestimmen auch über den Zweck der Produktion und als einzelne Kapitalist*innen unterliegen sie dem Zwang, dabei so viel Profit zu machen, dass sie die gesellschaftliche Durchschnittsprofitrate nicht unterschreiten. Wenn sie das nicht schaffen, gehen sie pleite, so dass nur jene übrig bleiben, die – gemessen an der Durchschnittsprofitrate und nicht etwa ihrem Maß an Gier – genügend Profit erwirtschaften.

Der Profit kommt im Wesentlichen aus der ausgebeuteten Lohnarbeit (die Lohnarbeitenden erhalten weniger Wert in ihrem Lohn zurück, als sie während der Arbeit erzeugt haben), aus der nichtreproduktiven Ausplünderung von natürlichen Ressourcen und neuerdings mehr und mehr aus Erwartungen in zukünftige Ausbeutungserfolge (Finanzspekulationen). Alle anderen Menschen, so vielfältig ihre Existenzgrundlagen auch sein mögen, hängen in einer kapitalistisch-globalisierten Wirtschaft davon ab, ob die Profitmaschinerie „rund“ läuft, oder nicht. Alle anderen? Manchmal wird die Logik des Kapitalismus tatsächlich so interpretiert, als würden all jene, die nur durch Löhne (oder Lohnderivate) zu ihren Existenzmitteln kommen, so abhängig vom System sein, dass sie grundsätzlich nicht als Kraft dagegen wirken könnten. Aber mehr und mehr wird offensichtlich, dass sehr viele, zu viele Menschen und erst recht die Natur sich auch im und mit dem System nicht mehr reproduzieren können. Was bleibt nicht alles auch bei Lohnarbeitenden auf der Strecke an menschlichen Entfaltungsmöglichkeiten, wie katastrophal erhöht sich die Zahl der für die Profiterwirtschaftung „überflüssigen“ Menschen und wie tief geht bereits der „Riss“ zwischen kapitalistischer Wirtschaftstätigkeit und Reproduktionskreisläufen der Ökosphäre.

Gerade die Erfahrung, dass die Klimabewegungen, die auf eine Ökologisierung des real existierenden Kapitalismus hoff(t)en, ständig wie in einer Gummizelle an die Grenzen des kapitalistisch Möglichen stoßen, sollte deutlich machen, welche Kräfte in Wirklichkeit auf dem wirtschaftlichen Gebiet das Sagen haben. Was nützt das Ausrufen des „Klimanotstands“ in einer Stadt, wenn weiterhin alles getan wird, um das „Kapital“ zu halten und anzuziehen. Öko- und Klimaziele können nur gegen jene erkämpft werden, die es aus Gründen der Verfügung über die Produktionsmittel weder wollen noch können, weil ihre Profitabilität sonst sinkt. Denn: die Umwelt und das Klima können nicht als zahlungskräftige Nachfrager auftreten. Wenn ihre Übernutzung bezahlt werden muss (wie bei CO2-Preisen o.ä.) sind es nicht die Unternehmen, die ihre Profite dafür kürzen – sondern das läuft auf eine Umverteilung der Kosten zu Lasten derer ab, die nur ihre Arbeitskraft zu verkaufen haben. Genau an dieser Stelle sind unmittelbar Kämpfe gegen diese Umverteilung zu führen. Wir sitzen nicht alle im selben Boot, sondern die einen sitzen am Steuer des Schiffs in Richtung des verhängnisvollen Strudels und die anderen müssen für Lohn in ihren Untergang rudern – wenn sie sich denn nicht doch noch gegen die Steuermannschaft erheben und eine andere Richtung ansteuern.


Link zum Redebeitrag „Klimagerechtigkeit und Klassenfrage“ der Gruppe „Klima und Klasse“