Annette Schlemm zum zweiten Mal zur Vorbereitung eines Seminars
des Gesprächskreises Dialektik & Materialismus mit Fritz Reusswig

Am 12.11.2021 findet online ein Seminar mit Dr. Fritz Reusswig vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) statt. Dieses Seminar wird vom Gesprächskreis Dialektik & Materialismus gestaltet. Ich habe bereits einen Text von F. Reusswig referiert und eigene Ergänzungen angefügt (Schlemm 2021a). Zu diesem Thema, das zwei meiner Hauptinteressengebiete vereint, fühlte ich mich nun herausgefordert, selbst nachzudenken. Dies ist der Inhalt meines zweiten Textes zur Vorbereitung des Seminars.


Natürlich liegt es nahe, zuerst darzulegen, was eigentlich Klima- Umbruch und was Dialektik ist, wenn man sie in Beziehung bringen will. Zum Klima-Umbruch gibt’s sehr viel von mir (Schlemm 2009ff.). Zur Dialektik auch. Aber zusammengedacht hatte ich das noch nie so explizit. Was Klima-Umbruch ist, thematisiere ich hier nicht, aber auf den Begriff der Dialektik kommt es schon an.

Dialektik wurde häufig als Denken in Widersprüchen verstanden, wobei eine Position in die andere umkippen kann. Ein Beispiel dafür ist Homer Simpson: Angesichts der Schneemassen vor seiner Haustür sagt er höhnisch: „Es sieht ganz so aus, als ob ich morgen drei Meter globale Erwärmung wegschaufeln muss!“. Seine Tochter erklärt ihm den realen Umschlag ins Gegenteil im Klimageschehen: Globale Erwärmung verursacht extreme Wetterlagen, auch in Richtung von zeitweiser extremer Kälte.[1] Homer ist nun ganz verwirrt: „Du sagst also, die Erwärmung macht es kälter. Du bist die Königin vom Irrenland: Alles ist das Gegenteil von dem, was es ist!“

1 Was ist Dialektik?

Bei der Bestimmung dessen, was Dialektik ist, entsteht ein Problem: Entweder man nimmt einen so allgemeinen Begriff, dass alles, was mit „Dialektik“ etikettiert worden ist, darunter fällt und bekommt dadurch nur eine sehr vereinfachte Vorstellung von dem, was Dialektik eigentlich sein kann.[2] Oder man erkennt nur das als Dialektik an, was den höchsten Ansprüchen an Komplexität genügt, dann reduziert man Dialektik auf die Dialektik des Denkens von reflexiven Antinomien. Ich differenziere deshalb zwischen unterschiedlichen Arten von Dialektik für die unterschiedlichen Strukturniveaus der Materie (siehe Schlemm 2019a). Im Denken besteht die Dialektik darin, in noch nicht vollständig begreifenden Denkinhalten Widersprüche zu erkennen, die darauf hindeuten, dass implizit noch mehr drin steckt, was auf dem Weg des Durchdenkens der Widersprüche erst noch explizit gemacht werden muss (im „Sein“ steckt implizit etwa das „Werden“, in der Erscheinung das Wesen etc.). In der Geschichte gibt es widersprüchliche Entwicklungsmomente, deren Zusammenwirken dazu führt, dass jeweils ein bestimmter historischer gesellschaftlicher Zustand sich bis zu seinem Untergang verändert und manchmal auch neue gesellschaftliche Verhältnisse entstehen. Dies ist ein historischer Aspekt. Daneben können auch strukturelle Aspekte der Dialektik, z.B. innerhalb der gesellschaftlichen Verhältnisse des Kapitalismus, aufgezeigt werden. Diese können auf bestimmte Weise (nicht einfach automatisch) mit historischen Veränderungen zusammen hängen. Und in der Natur wiederum… nun ja, was ist da dann die Dialektik? Man wird auf materialistischer Basis wohl kaum sagen können, dass da Implizites explizit wird oder dass gesellschaftliche Widersprüche wirken. Ich mag es gar nicht, wenn nun bereits jedes Einander-Entgegenwirken wie bei dem Verhältnis von „Anziehung und Abstoßung“ als Dialektik bezeichnet wird. Auch der Verweis auf Bewegung und Zusammenhang ist mir eigentlich zu flach für die „wirkliche“ Dialektik.[3] Im Folgenden werde ich etwas inkonsequent auch auf solche Phänomene verweisen.[4] Was es in der Natur wohl auf jeden Fall gibt, sind Zusammenhänge und Wechselwirkungen. Auch zeitliche Veränderungen. Diese haben aber häufig eher mit der Veränderungen von Umweltbedingungen zu tun als mit inneren Widersprüchen (Schlemm 1996). Das jeweils Dialektische darin kann m.E. nur dort gefunden werden, wo es eine widersprüchliche Selbstbezüglichkeit gibt. Dies gilt strukturell für inhaltliche Bestimmungen und reale Entsprechungen, die einander entgegen gesetzt sind, aber einander bedürfen oder in zeitlicher Veränderung, wenn etwa die Bedingungen, deren Veränderung zu einem Wandel in der Zeit führen, durch das sich Wandelnde selbst verändert werden.

2 Welche Momente der Dialektik gibt’s beim Klima-Thema?

Ich bin etwas vorsichtig und versuche, nur auf einige Momente der Dialektik hinzuweisen, statt „die“ Dialektik zu suchen. Dabei unterscheide ich zwischen unterschiedlichen Ebenen. Indem ich zuerst vom Erkenntnis-Subjekt-Objekt-Verhältnis ausgehe (2.1), stelle ich auch klar, dass unser Wissen über die sog. „objektive Dialektik“ unser Wissen von ihr ist und kein unmittelbarer Ausdruck des Objektiven sein kann. Das, was wir wissen, können wir nicht kennen, ohne dass wir es wissen… Das Ontische haben wir nur wissend, in einer onto-epistemischen Einheit. Was wir aus diesem Wissen über die objektive Welt erfahren können, wie sie wäre, wenn wir sie nicht erkennen würden, thematisiere ich dann unter dem Stichwort “Objektives“[5] (2.2). Danach gehe ich noch kurz auf das Subjektive ein (2.3).

2.1 Verhältnis von Erkenntnis-Objekt und -subjekt

Zur Dialektik gehört es, zu berücksichtigen, dass unsere Erkenntnisresultate nicht einfach die Wirklichkeit spiegeln. Die Widerspiegelungsmetapher führt manchmal dazu, dass zwischen dem, was gespiegelt wird und dem Spiegelbild wie beim Spiegel selbst eine „Isomorphie“ (also eine „Gleichgestaltigkeit“) erwartet wird. Dann wird z.B. das Denken der Dialektik bloß als „Abbild“ der objektiven Dialektik betrachtet. Tatsächlich jedoch gibt es vielerlei Vermittlungen zwischen der „Welt da draußen“ und den Resultaten der Erkenntnis. Die Keplersche Formel ist ja z.B. nicht einfach der Planetenbewegung „gleichgestaltig“ und trotzdem ein wahres Erkenntnisresultat.[6] Und genau so wenig ist das Denken der Dialektik einfach „gleichgestaltig“  mit Dialektik in der „Welt da draußen“.

Bei der Betrachtung des Erkenntnisprozesse ist das Erkenntnissubjekt nicht der einzelne Mensch und gleich gar nicht einer, der die Welt nur (kontemplativ-)betrachtend erkennen will. Wissenschaftliche Erkenntnis vollzieht sich in der gesellschaftlichen Praxis, spezieller als eine Form der Arbeit innerhalb von Arbeitsprozessen. Der Zusammenhang zwischen Theoretischem und Praktischem, den etwa Hegel in seiner „Naturphilosophie“ (HW 9) thematisiert (vgl. Reusswig 2013), erklärt sich aus dieser Praxis. Theoretisches taucht dann zweimal auf: einmal als Bestandteil z.B. der wissenschaftlichen Praxis und dann noch einmal in der wissenschaftsphilosophischen Reflexion dieser Praxis.

Die Erkenntnis bezieht sich zwar auf ihre sachlichen Grundlagen (so z.B. auf natürliche Zusammenhänge), ist aber in ihrer Art und Weise (Auswahl des Gegenstands, der Fragestellung, der Methoden…) auch von der jeweiligen gesellschaftlichen Aufgabenstellung und der Einbettung darin mitbestimmt. In antiken gesellschaftlichen Verhältnissen wird die Welt unter der Form der Dinge betrachtet; es geht um „das Bewegliche“, bzw. das Wahre, Gute und Schöne in substantialisierter, d.h. verdinglichender Form. In der neuzeitlichen Wissenschaft wird die Welt dagegen unter dem Aspekt der Bewegung bzw. der Wechselwirkungen und der Funktionen gefasst. Bewegung ist dann kein Prädikat mehr (Etwas wird bewegt oder bewegt sich), sondern es ist selbst der Gegenstand der Wissenschaft (das Ergebnis der wissenschaftlichen Arbeit sind dann z.B. Bewegungsgleichungen) (vgl. Wahsner 1996: 55). Teilweise werden dann die Bewegung bzw. die Relation verabsolutiert und nicht mehr das Verhältnis zwischen etwas, was sich bewegt, bzw. was in Relation steht und der Bewegung bzw. Relation selbst mit betrachtet. Solchen verabsolutierenden Gegenteilen: einmal der Verabsolutierung des Dings, das andere Mal der Verabsolutierung der Bewegung/Beziehung – wirkt eine richtig verstandene Dialektik entgegen. In einer dialektischen Betrachtung wird die Einheit[7] dessen, was sich bewegt mit seiner ganz spezifischen Bewegungsfähigkeit, und der Bewegung selbst erfasst. Dialektik, wieder recht vereinfacht verstanden, ist die Einheit von einander widersprechenden Gegensätzen. Es ist kein „sowohl als auch“. Sondern die Einheit des Widersprechenden ist etwas Neues, es erfasst beide widersprechenden Momente und begründet sie auch. Das „Werden“ ist so beispielsweise nicht ein Sowohl-als-auch von „Sein“ und „Nichts“, sondern die Einheit von Entstehen und Vergehen, die als Bewegung vom „Nichts“ zum „Sein“ bzw. „Sein“ zum „Nichts“ verstanden werden können.

Bei der Erkenntnis „der Welt“ ist zu beachten, dass Einzelwissenschaften nicht die Aufgabe haben, die Welt einfach „abzubilden“ bzw. uns zu sagen WAS etwas nun eigentlich sei. Hinter der Frage, „was“ ein Schwarzes Loch sei, steckt aus physikalischer Sicht: Welche physikalischen Prozesse (Bewegungen) laufen ab und nicht, welche „Eigenschaften“ hat das „Ding Schwarzes Loch“. Eine Einzelwissenschaft erkundet die spezifischen Bewegungsmöglichkeiten ihrer spezifischen Gegenstände (physische, chemische, biotische, soziale, gesellschaftliche, logische…). Die Erkenntnis“gegenstände“ sind letztlich diese Bewegungsmöglichkeiten, nicht irgendeine substantielle Verfasstheit von Dingen/“Gegenständen“.[8] Um diese Bewegungsmöglichkeiten erkennen zu können, muss die Einzelwissenschaft die unendliche Vielfalt der Zusammenhänge und Wechselwirkungen auflösen und Unterscheidungen/Trennungen einführen und z.B. dialektische Widersprüche „dualisieren“, wie Horst-Heino von Borzeszkowski und Renate Wahsner (1989) für die Physik zeigten. Diese Methoden der wissenschaftlichen Arbeit, die sie braucht, um ihre Aufgabe zu erfüllen, müssen reflexiv in Rechnung gestellt werden, wenn in ihren Resultaten nach Dialektik gesucht werden soll. (Schlemm 2021b)

Trotzdem tendieren im Laufe der fortschreitenden Erkenntnis auch die Gegenstände/Bewegungen vieler Einzelwissenschaften auch dazu, bestimmten Charakteristika ihrer Gegenstände/Bewegungen mehr Aufmerksamkeit zuzuschreiben, die vorher noch keine große Rolle spielten (deutlich sichtbar bei Wissenschaften nichtlinearer Prozesse, von Komplexität, Selbstorganisierung, Chaostheorie usw.). Im Marxismus-Leninismus wird das auch oft als „Zwang zur Dialektik“ (z.B. Hörz 1984: 133)[9] thematisiert.[10]

Einige typische Denkbewegungen, die in die Richtung von Dialektik führen, seien im Folgenden genannt:

Vom Isolierten zum Zusammenhang: Einzelne Erscheinungen hängen mit anderen und ggf. auch mit dem Ganzen zusammen. Dies gilt A) bezüglich der Erkenntnis der natürlichen Zusammenhänge: So werden in der Erdsystemwissenschaft immer mehr Bereiche der natürlichen Wirkungssysteme in Modellen zusammen gefügt. (vgl. Schellnhuber, Wenzel 1998, Gramelsberger 2010: 137ff.)  B) bezüglich der gesellschaftlichen Zusammenhänge: Das Verhalten einzelner Menschen, z.B. in Bezug auf (un-)ökologisches Verhalten, hängt nicht nur mit ihrer individuell-psychischen Verfasstheit und ins Belieben gestellter Entscheidungen ab, sondern dieses ist eingebettet in und eingerahmt von gesellschaftlichen Verhältnissen.

Von der Unmittelbarkeit zur Vermittlung:

Die Bedürfnisbefriedigung und sogar die Entwicklung und Ausprägung von Bedürfnissen der Individuen ist vermittelt mit der gesellschaftlichen Praxis ihres Orts und ihrer Zeit. Auch die Technik, so wie sie uns erst mal unmittelbar entgegen steht und unmittelbar als „Megamaschine“ erscheint, ist tatsächlich nur begreifbar vermittels ihrer spezifischen Funktion innerhalb konkreter gesellschaftlicher Verhältnisse. Werden solche unmittelbaren Erscheinungen ohne diese Vermittlung gedacht, werden sie „fetischisiert“, wie Marx es formuliert. Es gibt dabei nicht bloß die von Marx erwähnte Fetischisierung z.B. von Geld, sondern auch die „negative Fetischisierung“, indem nur diese Fetische (wie „das Geld“ oder „die Technik“) kritisiert und angegriffen werden und nicht tieferliegende gesellschaftliche Verhältnisse.

Das Verharren im Unmittelbaren zeigt sich bei gesellschaftlichen Problemen üblicherweise als „Personalisierung“, z.B. bei Schuldzuweisungen. Zwar werden gesellschaftliche Verhältnisse nur im Handeln von Menschen konstituiert, aber dieses Handeln bzw. ihre Handlungsmöglichkeiten hängen weitgehend von den gesellschaftlichen Verhältnissen ab. Die Verhaftung im Unmittelbarkeitsdenken ist ein typisches Merkmal für derzeitiges Alltagsdenken. Da die gesellschaftlichen Verhältnisse als Ganzes nicht angreifbar erscheinen, wird auf ihr Be-Denken verzichtet und man hält sich an das anscheinend greifbarere Unmittelbare.

Von der Erscheinung zum Wesen:

Der vermittelte Zusammenhang ist nicht nur ein Netzwerk gleichwertiger „Knoten“, sondern es gibt „wesentliche Kerne“, die zum Grund für Phänomene werden. Die Phänomene haben ihren Grund nicht in sich selbst, sondern eben in diesem Wesen. Man könnte sich bei der Suche nach der Ursache für die Naturzerstörung auf einen Zusammenhang von Phänomenen beschränken, wie „falsches Denken“, „Gier“, „Raubbau“ usw.. Letztlich kommt es jedoch darauf an, deren gemeinsamen Grund, ihre Wurzel, d.h. die konkrete herrschende Produktions- und Lebensweise mit ihrem kapitalistischen Kern zu finden, um auf dessen Beseitigung zu orientieren.  

Vom Existierenden zum sich Entwickelnden:

Die Orientierung vom Ding (mit Eigenschaften) weg hin zur Bewegung (von Objekten mit Wirkfähigkeiten) begann mit dem neuzeitlichen Denken. Neben solchen recht einfachen Bewegungen wie der Ortsbewegung z.B. von Planeten fokussierte sich das Interesse später auf Veränderungen von qualitativen Zuständen, letztlich von Entwicklung. Hierzu müssen Bedingungsänderungen untersucht werden. Solche Veränderungen von Bedingungen führen unter anderem zu Widersprüchen in dem Sinn, dass frühere Existenzweisen (auf Grundlage von verschwindenden/verschwundenen Bedingungen) unmöglich werden und auf der Grundlage der neu entstandenen Bedingungen neue Möglichkeiten für andere Zustände entstehen, die den alten u.U. „widersprechen“. Dabei kann Neues im Sinne von höherentwickelten Zustandsformen entstehen (wobei das Kriterium für „Höher“ konkret bestimmt werde muss) oder die vorher vorhandenen Zustandsformen verschwinden einfach. Bei einer unbedachten Übertragung der („idealistischen“) logischen Entwicklung Hegels auf („materielle“) historische Entwicklungen wird die Wahrscheinlichkeit einer Höherentwicklung jedoch systematisch überschätzt. Das durch die anthropogenen Treibhausgasemissionen verursachte Herausstoßen des Klimas aus den recht stabilen Bedingungen des Holozäns ist für das Klima selbst neutral, für viele Tier-und und Pflanzenarten führt es – neben anderen von Menschen verursachten Veränderungen – zum Aussterben; für die Menschheit verschärft es die Existenzbedingungen ebenfalls extrem. Hier ist für historisch „kurze“ Zeiträume von Jahrhunderttausenden vor allem der Verlust bisheriger komplexer Bio- und gesellschaftlicher Verhältnisse zu beklagen, keine dialektische „Höher“-Entwicklung zu erhoffen.

Vom Harmonischen oder einseitig Gegensätzlichen zum Widersprüchlichen:

Nach Hegel tritt die Philosophie „mitten in die sich widersprechenden Bestimmungen hinein, erkennt sie ihrem Begriff nach, d. h. als in ihrer Einseitigkeit nicht absolut, sondern sich auflösend, und setzt sie in die Harmonie und Einheit, welche die Wahrheit ist“ (HW 13: 138). Oft wird der Hegelschen Philosophie deshalb vorgeworden, ihr Denken sei nur „versöhnend“. Tatsächlich behandelt diese Philosophie nur eine Allgemeinheit, aus der nichts herausfällt. Untersuchungsgegenstände, die nicht das gleiche Wesen teilen, also „wirkliche Extreme“, sind nicht Gegenstand dieser Philosophie (was Marx kritisch bemerkte, MEW 1: 292). Aber die in einer Sichtweise nicht wesensgleichen „wirklichen Extreme“ sind häufig nur auf der Basis einer eingeschränkten Perspektive nicht wesensgleich. Das ist nur eine Frage der Betrachtungsebene: Während die unterschiedlichen Wesen der kapitalistischen und der nachkapitalistischen Gesellschaftsform als „wirkliche Extreme“ erscheinen können, sind sie als Gegenstände der Perspektive der Geschichte der Menschheit durchaus beide Erscheinungsformen des gemeinsamen möglichen Wesens menschlicher Gesellschaftlichkeit. Allerdings, hier sehen wir es wieder: sie sind einander entgegen gerichtet und trotzdem in der Gesamtheit möglicher menschlicher Gesellschaftsformationen enthalten.

Allgemeines, das nicht abstrakt-Allgemeines ist, sondern konkret-Allgemeines, besteht bei Hegel aus der widersprüchlichen Bewegung der einander entgegen gesetzten besonderen Momente. Ganzes ist hier nur scheinbar ein harmonisches Miteinander – hinzu gehört das Gegeneinander. Auf diese Weise ist das Identische bei Hegel nie wahrhaft nur mit sich selbst identisch, dies wäre ein nur abstrakt Identisches. Bei Hegel ist das wahre Identische stets die widersprüchliche Bewegungseinheit von Identischem und Gegensätzlichem.

Solange sich Menschen in ihrer Umwelt geborgen fühlen und erst recht wenn sie aus dieser Geborgenheit herausgerissen werden, streben sie nach Harmonie. Spirituelle Weltanschauungen versprechen, sie wieder zu finden und zu bestärken. Die Ganzheit wird dem Fragmentarischen entgegen gestellt. Dem Zerreißen der natürlichen Zusammenhänge durch die Menschheit wird oft eine Vorstellung der ursprünglichen Einheit in der Natur entgegengesetzt. Tatsächlich jedoch konstituieren sich auch die scheinbar harmonischen Zusammenhänge, die hier beschworen werden, als Lösung von Widersprüchen, die nur auf den ersten Blick harmonisch wirken. Gegenüber einer früheren Überbetonung des Konkurrenzcharakters der Beziehungen zwischen den Tierarten in der Biologie scheint sich heutzutage eine Überbetonung von Kooperation und Symbiose durchzusetzen. Trotzdem findet in der Biologie gerade die Kooperation ihre Funktion vor allem in wettbewerblichen natürlichen Kontexten. Das offensichtlichste ökologische Netzwerk ist das der in sich verwobenen Nahrungskette, also doch des Fressens und Gefressenwerdens.[11]

2.2. Objektive Dialektik

Aufgrund der Tatsache, dass wir nur wissen, was wir wissen, ergibt sich nicht, dass wir keine Kenntnisse über die Verfasstheit der Welt, wie sie ohne uns wäre, haben. Im Objekt-Subjekt-Verhältnis sehen wir auch das Objekt. Wenn wir darauf reflektieren, dass in der Physik Widersprüche dualisiert werden, sehen wir, dass es Widersprüche gibt, die dualisiert werden müssen. Das Erkennen dieser objektiven Dialektik erfordert aber viel mehr Vermittlungs-Arbeit als dass sie direkt in den Resultaten der Wissenschaft auffindbar und dann daraus „abstrahierbar“ wäre. Das spricht nicht gegen Engels[12], aber dagegen, nicht weiter als er zu gehen. Friedrich Engels abstrahierte aus dem Wissen über die Natur und die menschliche Gesellschaft drei „allgemeinste Gesetze“ der Dialektik: „das Gesetz des Umschlagens von Quantität in Qualität und umgekehrt; das Gesetz von der Durchdringung der Gegensätze; das Gesetz von der Negation der Negation“. (MEW 20: 348) Diese treten objektiv in Natur, Gesellschaft und Denken auf, nicht nur im Erkenntnisprozess. Ebenso verweisen die von Herbert Hörz zusammengefassten nicht weiter ableitbaren sog. „Grundprinzipien der Dialektik“ auf damit vorausgesetzte Charakteristika der von ihr untersuchten Objekte: Unerschöpflichkeit des materiellen Geschehens, Strukturiertheit der Materie, dialektische Determiniertheit (meint Bestimmtheit und Bedingtheit) sowie Entwicklung (Hörz 2009: 67f.).

Strukturelle Momente der Dialektik wie Zusammenhänge, Wechselwirkungen und Entgegensetzungen finden wir einerseits im Bereich der Natur selbst, andererseits natürlich, wenn wir die Beziehung der gesellschaftlichen Menschen zu ihren natürlichen Verhältnissen hinzunehmen. Wie sie jeweils in Einzel-, bzw. in Strukturwissenschaften dargestellt werden, ist unterschiedlich, aber keine davon kann auf einmal alle diese Zusammenhänge erfassen. Dass Kausalerklärungen nur eine begrenzte Rolle spielen, wie Fritz Reusswig erwähnt (Reusswig 201: 45), ist mit dem Verweis auf Wechselwirkungen ebenfalls angedeutet. Engels schriebt dazu: „Erst von dieser universellen Wechselwirkung kommen wir zum wirklichen Kausalitätsverhältnis. Um die einzelnen Erscheinungen zu verstehn, müssen wir sie aus dem allgemeinen Zusammenhang reißen, sie isoliert betrachten, und da erscheinen die wechselnden Bewegungen, die eine als Ursache, die andre als Wirkung.“ (MEW 20: 499)

Bei den Zusammenhängen und Wechselwirkungen ist auch wichtig zu sehen, dass in der wirklichen Welt zwar nichts aus dem Netz der Zusammenhänge ganz herausfällt, dass aber auch nicht alles gleichermaßen mit allem zusammen hängt.

Fritz Reusswig erwähnt auch die „Betonung des Werdens“ (Reusswig 2013: 44) als Weg zur Dialektik. Dies richtet sich auf die Hegelsche Sphäre des Daseins[13]. Etwas, das da ist, war einmal nicht da und wird einmal nicht mehr da sein. Der Begriff des „Werdens“ enthält seine beiden entgegengesetzten, aber einander bedingenden Momente „Entstehen“ und „Vergehen“ als Bewegungen vom „Nichts“ zu „Sein“ und vom „Sein“ zum „Nichts“.[14]

Genau genommen muss noch unterschieden werden zwischen Bewegung und Entwicklung, speziell Höherentwicklung.[15] In einer Bewegung erfolgt die Selbstreproduktion, z.B. der kapitalistischen Ökonomie. Auch in der Natur reproduziert sich ein Organismus durch die einander entgegen gesetzten Prozesse von Assimilation und  Dissimilation – primär erst einmal selbst bei Beibehaltung seiner Grundqualität. Beispiele aus der Biologie in diesem Sinne werden häufig mit der Bezeichnung „Autopoise“ beschrieben. Wenn Widersprüchlichkeit mit Bewegung verbunden ist, wenn also bestimmte Widersprüche durch die Bewegung der Selbstreproduktion gelöst werden, so ist damit noch nicht automatisch auch eine Weiterentwicklung gegeben. Marx schreibt etwa: „Man sah, daß der Austauschprozeß der Waren widersprechende und einander ausschließende Beziehungen einschließt. Die Entwicklung der Ware hebt diese Widersprüche nicht auf, schafft aber die Form, worin sie sich bewegen können. Dies ist überhaupt die Methode, wodurch sich wirkliche Widersprüche lösen. Es ist z.B. ein Widerspruch, daß ein Körper beständig in einen andren fällt und ebenso beständig von ihm wegflieht. Die Ellipse ist eine der Bewegungsformen, worin dieser Widerspruch sich ebensosehr verwirklicht als löst.“ (MEW 23: 119) Manchmal jedoch, unter bestimmten Bedingungen, endet die Existenz einer Grundqualität und andere Qualitäten entstehen, die gegenüber der vorigen Grundqualität eine niedere, gleichartige oder höhere Qualität darstellen (wobei das Kriterium für die Bewertung des Niedrigeren oder Höheren mit angegeben werden muss). Der Behauptung, dass die diese Entwicklungen auslösenden Widersprüche immer nur innere Widersprüche seien, kommt aus der unvermittelten Historisierung der logischen Dialektik im Versuch, letztere materialistisch „umzustülpen“, und sie halten einer Untersuchung von kosmischen und biotischen Evolutionsprozessen nicht stand (Schlemm 1996). Ob und wie welche gegensätzlichen Momente in ihrem Aufeinanderwirken zu Entwicklungsprozessen führen, gibt keine ihnen äußerliche „Dialektik“ vor, sondern hängt ab von den realen Bedingungen im untersuchten Wirklichkeitsbereich und den jeweiligen „Kräfteverhältnissen“ der gegeneinander wirkenden Momente. Im Fall der tatsächlichen Höherentwicklung können die dazu passenden Bedingungen und der Prozess selbst auch als Einheit betrachtet werden (wir sehen, dass wir um die onto-epistemische Verfasstheit unserer Aussagen nicht herum kommen). Wenn das, was wir als Untersuchungsgegenstand verstehen, jeweils weiter gefasst wird, so werden auch vorher als äußere Faktoren verstandene Bedingungen zu ebenfalls inneren Momenten. Spätestens hier gelangen wir in das Feld der Selbstbezüglichkeit, was ich weiter oben als wichtig für Dialektik erwähnt hatte. Mathematisch zeigt sie sich als Nichtlinearität. In solchen Systemen erleben wir, dass bei einer durchaus kontinuierlichen Veränderung von bedingenden Parametern sich die Zustandsparameter des Systems rapide ändern können. Die folgende Abbildung zeigt eine Populationsdynamik in Abhängigkeit vom Verhältnis der Geburtenrate zum Nahrungsangebot (vgl. Schlemm 1998):

U.a. hier begegnen wir der Tatsache, dass zuerst nur quantitative Veränderungen in Zustandsänderungen der Grundqualität umschlagen können. Dabei können plötzlich aus der Interaktion der Bestandteile neue Systemqualitäten entstehen, was auch „Emergenz“[16] genannt wird. Oder die vorherige Ordnung bricht einfach zusammen – nicht umsonst heißt eine dieser Theorien „Katastrophentheorie“. Es können auch chaotischere Zustände entstehen; dies ist beispielsweise für das Klimasystem der Zukunft zu erwarten. Das Klima wird ja nicht verschwinden, aber es wird aus seinem über 10 000 Jahre lang recht stabilen Zustand des sog. Holozäns gestoßen. Die Temperatur erhöht sich dann nicht einfach nur kontinuierlich weiter, sondern es ist ein ständiger recht abrupter Wechsel der klimatischen Verhältnisse zu erwarten, an die man sich schwer anpassen kann.

Veränderungen, die durch die Menschheit in Gang gesetzt wurden, die solche „sensiblen Phasen“ für abrupte Veränderungen haben, werden beispielsweise bei der Untersuchung der sog. „Planetaren Belastungsgrenzen“ (Rockström 2009, Steffen et al. 2015) zugrunde gelegt. Auch beim Klima gibt es solche Schwellwerte, die sich vor allem aus dem Zusammenspiel (der überwiegend positiven Verstärkung) der verschiedenen Kipp-Elemente des Klimas ergeben. Während man früher annahm, erst bei einer Erhöhung der globalen durchschnittlichen Temperatur um ungefähr drei Grad bestünden mäßige Risiken für diese großräumigen Diskontinuitäten, so wird der Beginn des Risikobereichs jetzt schon bei einem Grad gesehen, was inzwischen schon überschritten (global-durchschnittlich sind wir bei 0,8…1,3 Grad mehr im Vergleich zum Zeitraum 1850-1900, auf Landflächen sogar schon zwischen ca. 1,3 … 1,8 Grad (IPPC 2021 WGI: AR6_WGI: SPM-6)).

Was jeweils nach dem Überschreiten von Schwellwerten geschieht, welche anderen oder neuen Qualitäten eintreten, hängt auch von den Bedingungen unmittelbar beim „Kippen“ ab, sie ergeben sich nicht eindeutig als „bestimmte Negation“ aus dem alten Zustand (wie es beim fortschreitenden logischen Denken wäre).

Ich bin mir sicher, dass ich hiermit nicht alle „dialektischen“ Momente in den Themen der Klimaforschung erfasst habe. Es ist vielleicht sinnvoll, die gesamte Logik, vor allem die Wesenslogik (neben der Naturphilosophie, die Fritz Reusswig zu Rate gezogen hat) durchzuforsten nach möglichen dialektischen Denkformen, die für das Klimathema interessant sein könnten.

2.3 Subjekt-Dialektik

Unter einer „subjektiven Dialektik“ wird i.a. die Dialektik des Denkens von Subjekten verstanden, die ihren klarsten Ausdruck in Hegels „Wissenschaft der Logik“ fand (HW 5,6,8) fand.[17] Die antinomische Selbstreflexivität entsteht hier aus dem Selbstbezug: Das Subjekt (das Denken) denkt sich selbst. Auch materialistisch kann die (sich auf sich selbst beziehende) Entwicklung des individuellen Subjekts und geschichtlicher Subjektivität durchaus im Laufe der Zeit nachverfolgt werden. Dabei entwickelt sich auch die Erkenntnisfähigkeit und diese Fähigkeit wandert schließlich auch ins Alltagsdenken hinein. Typisch ist für Menschen auch die wenigstens grundsätzlich mögliche, aber nicht immer bewusst durchgeführte „Durchbrechung der Unmittelbarkeit“ (Holzkamp 1983: 193).

Nicht nur das „Denken“ sollte Thema der Untersuchung des Subjektiven sein. An der Uni Jena erforscht eine Nachwuchswissenschaftsgruppe auch „Mentalitäten im Fluss“, bei der vor allem thematisiert wird, ob und wie die fossile Mentalität an ihr Ende kommen könnte (Büttner, Schmelzer 2021).

2.4 Grenzen der Dialektik

Hegel sagt an einer Stelle (die ich grad nicht finde), dass alles als Beispiel der Dialektik[18] betrachtet werden könne. Er macht aber auch einem Herrn Krug klar, dass es nicht Aufgabe der Philosophie sei, auch noch dessen Schreibfeder aus dem philosophischen System abzuleiten (HW 2: 194). Karl Marx schreibt von einer „Dialektik, deren Grenzen zu bestimmen“ seien (MEW 13: 640; MEW 42: 43). Die dialektische Form der Darstellung sei nur richtig, „wenn sie ihre Grenzen kennt“ (wie Marx in der Urfassung des „Kapitals“ formulierte). Wie Wolfgang Fritz Haug betont, „unterbricht er beim Übergang vom Geld zum Kapital den Gang der begrifflichen Entwicklung“ (Haug 2001: 959). Marx muss an dieser Stelle historische Voraussetzungen ergänzen, denn diese „historischen Existenzbedingungen“ des Kapitals, die freien Arbeiter, sind „durchaus nicht da mit der Waren- und Geldzirkulation“ (MEW 23: 184). Man kann den entwickelten wirklichen Kapitalismus also nicht allein logisch aus den Bestimmungen der Ware oder des Gelds ableiten.

Auch von Hegel wird klargestellt, dass er in seiner dialektischen Darstellung der Weltgeschichte nur jene Wege bis hin zu seiner Zeit rekonstruiert, in denen es tatsächlich einen „Fortschritt im Bewußsein der Freiheit“ (HW 12: 32) gab. Daneben jedoch, das weiß er, gibt es viele „Gestaltungen“, die nur „beschränkter Art sein können“ (ebd.: 54). Diese werden in der der (dialektischen) Darstellung der Entwicklung der Vernunft in der Geschichte nicht thematisiert. Wenn man sich die Evolution als Verzweigung und teilweise Wiedervereinigung in einem Geflecht von sich ausbreitenden Wechselbeziehungen betrachtet, so wird mit der Dialektik nur je ein Pfad von einem erreichten Zustand aus in die Vergangenheit zurück verfolgt und dann von seinem Beginn an in Richtung der Gegenwart rekonstruiert.

Daher kommt auch die Bestimmung der Negation bei der zeitlichen Rekonstruktionsmethode (die Negation ist von dem bestimmt, was danach entstand). In jedem Moment der Gegenwart gibt es jedoch noch viele unentschiedene Möglichkeiten: Erst wenn jeweils im Moment des Übergangs von der Gegenwart zur Vergangenheit eine bestimmte Möglichkeit zur realisierten Möglichkeit „gerinnt“, bildet die dann jeweils vorliegende Bedingungsgesamtheit die notwendige Bestimmung dessen, was gerade existiert und woraus sich weitere Möglichkeitsfelder ergeben (während sich andere in jedem Moment auch schließen). Deshalb gilt die dialektische Teleologie nur für die Rekonstruktion des Vergangenen und deshalb weigert sich Hegel auch, Aussagen für die Zukunft zu treffen (Schlemm 2008, 2009, 2019): Die „Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug“ (HW 7: 28). Grenzen der Dialektik liegen also darin, dass sie nicht alle beliebigen Geschehnisse einbezieht und nicht als Prognosetool für die Zukunft geeignet ist.

4 Dialektik im Klima-Umbruch

Nun können wir noch einmal zur Ausgangsfrage zurückkommen: Inwiefern kann uns ein Verständnis von Dialektik nutzen, um mit dem Klima-Umbruch umzugehen? Warum sollten die jungen Leute von Fridays for Future Dialektik lernen?

Zuerst einmal ist es wichtig zu wissen, wie naturwissenschaftliche Resultate in einem Zusammenwirken der sachlichen Wirkfähigkeit und Bewegungsformen und der menschlichen Erkenntnispraxis entstehen. Insbesondere die Klimawissenschaft ist nicht nur ein einfaches Abbild der Wirklichkeit, sondern um ihre Ergebnisse verstehen und bewerten zu können, muss auch berücksichtigt werden, wie diese entstehen. In der Klimawissenschaft werden Experimente in Form von mathematischen Simulationen vorgenommen und das Vorgehen unterscheidet sich grundlegend von dem in anderen (nicht simulierenden) Wissenschaften (vgl. Falk 2019). Neue Evaluationsstrategien müssen gefunden werden. (Gramelsberger 2010: 207, 196. Bernhardt 2009)[19] Neben der neuen nichtlinearen Komplexität wäre mit Hegel aber auch darauf zu verweisen, dass diese Fachgebiete nicht nur im abstrakten, d.h. auch mathematisierbarem Sinne komplexer sind, sondern es geht hier um „qualifizierte Materie“ (HW 9: 107).

So gern auch die Klimabewegungen auf die „Fakten“ der Wissenschaft verweisen: Fakten gibt es nur in der Realität und auch da kommt es darauf an, ob und wie sie z.B. gemessen werden können. In der Klimawissenschaft bekommt das Verhältnis von Zufall und Notwendigkeit, das auch oft „dialektisch“ genannt wird, eine besondere Rolle (Bernhard 2009: 128). Der ganze wissenschaftliche Apparat kann nur dann vertrauenserweckende Resultate erzeugen, wenn sein Umgang mit dieser Komplexität auch wissenschaftstheoretisch gründlich verstanden wird.

Dieses Verständnis ist auch notwendig für das Einbeziehen von gesellschaftlichen Aspekten in diese Thematik. Nachdem zuerst die rein naturwissenschaftlichen Faktoren in den Modellen integriert wurden (Atmosphäre, Ozean, Biosphäre…), werden nun auch ökonomische Faktoren und ihr Zusammenhang mit den natürlichen untersucht. Dabei konzentriert man sich nicht nur aus ideologischen Gründen auf solche Steuerungsmechanismen wie eine CO2-Bepreisung bzw. Besteuerung. Die Reduzierung der Ökonomie auf jeweils wenige Zahlen entspricht auch wunderbar der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, in der sie stattfindet (kritisch dazu Schlemm 2019c, Gleiss 2019). Qualitative Brüche mit den herrschenden ökonomischen Verhältnissen und der Gesellschaftsordnung selbst geraten dadurch völlig aus dem Blickfeld.[20]

Kommen wir nun zu weiteren Momenten der Dialektik:

Vom Isolierten zum Zusammenhang, von der Unmittelbarkeit zur Vermittlung, von der Erscheinung zum Wesen:

Eine ökologische Orientierung, in die auch alle Klimafragen eingebettet sind, orientiert sich grundsätzlich sehr stark an einem Denken in Zusammenhängen und Netzwerken. Nichts wird mehr als isoliert betrachtet oder isoliert gesehen. In solchen Netzwerken sind stets nichtlineare und damit im Kern „selbstreflexive“ Zusammenhänge vorhanden: Etwas bezieht sich, vermittelt über ein Anderes, wieder auf sich selbst. Ein Ausgleich von negativen und positiven Rückkopplungen kann ein netzwerkartiges Gesamtsystem weitgehend stabil halten – stabil im Sinne eines Fließgleichgewichts. Geht dieser Ausgleich verloren, kann das Netzwerk aufhören zu funktionieren, es entstehen andere Existenzformen, die entweder ein Rückfall hinter die erreichten Entwicklungskriterien (wie Komplexität) sind, oder sie können höheren Organisierungsformen Möglichkeiten bieten.

Abgesehen von diesen Netzwerkgedanken ist derzeit die Unterscheidung zwischen Erscheinungen und Wesen weniger typisch, sie wird eher als „Essentialismus“[21] kritisiert. Auf diese Weise werden häufig nur Netzwerke von Erscheinungen betrachtet und nicht ihre Verankerung in stabileren Wurzeln, die damit vor einer notwendigen Kritik verborgen bleiben.

Menschen leben nicht nur als beliebige Individuen in einer Natur, sondern sie führen notwendigerweise Arbeiten zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse aus, wobei die vorgefundenen Naturzustände verändert werden. Dies machen sie nicht in beliebiger Weise, sondern die Art und Weise des Natureingriffs hängt ab von der besonderen konkret-historischen Gesellschaftsformation (die wiederum auch abhängt vom Stand der Produktivkraftentwicklung der Menschen). Ökologische Fragen dürfen deshalb nicht nur unspezifisch als „Mensch-Natur“-Verhältnis thematisiert werden, sondern als „Menschen in Gesellschaftsformation – Natur“-Verhältnis (Schlemm 2021c). Daraus folgt auch, dass weniger je individuell beeinflussbares Verhalten zu ökologischen oder unökologischen Folgen führt, sondern dieses Verhalten innerhalb gesellschaftlicher Verhältnisse und der dadurch gegebenen Bedingungen des Verhaltens betrachtet werden muss.

Im Fall der gegenwärtigen Überschreitungen der planetaren Belastungsgrenzen und human- sowie ökologieverträglicher Temperaturverhältnisse sind die gegenwärtigen herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse als Kapitalismus zu analysieren. Das heißt, alle Erscheinungen  müssen in Bezug auf die dadurch bestimmten wesentlichen Handlungsbedingungen, z.B. in Bezug auf die Eigentumsverhältnisse und dadurch gegebene unterschiedliche bis gegensätzliche Interessen, diskutiert werden und nicht bloß im Unmittelbarkeitsmodus. Dabei kommt es darauf an, bis zum Grund dieser Verhältnisse vorzustoßen (durch Eigentumsverhältnisse bestimmte Klassenverhältnisse) statt Einzelaspekte wie Technik oder Geld negativ zu fetischisieren (d.h. sich nur auf deren Beseitigung zu konzentrieren).

Orientierung auf Bewegung und Entwicklung:

Friedrich Engels war sich auch bewusst, dass die Menschheit wohl nicht ewig existieren wird. Ihm zufolge rückt „unerbittlich die Zeit heran, wo die sich erschöpfende Sonnenwärme nicht mehr ausreicht, das von den Polen herandrängende Eis zu schmelzen, […] wo nach und nach auch die letzte Spur organischen Lebens schwindet […].“ (MEW 20: 324) Allerdings scheint es, dass wir Menschen selbst unser Ende viel schneller hinkriegen können. Wir sind noch nicht aus den gesellschaftlichen Verhältnissen herausgekommen, für die Engels erkannte: „Gegenüber der Natur wie der Gesellschaft kommt bei der heutigen Produktionsweise vorwiegend nur der erste, handgreiflichste Erfolg in Betracht; und dann wundert man sich noch, daß die entfernteren Nachwirkungen der hierauf gerichteten Handlungen ganz andre, meist ganz entgegengesetzte sind…“ (ebd.: 455). Früheres dialektisches Denken stützte sich stark auf eine angenommene vorherrschende Tendenz zur Höherentwicklung. Entwicklung in diesem Sinne wurde z.B. bestimmt als „die Tendenz zum Entstehen höherer Qualitäten, die sich durch Stagnationen, Regressionen und Herausbildung aller Elemente einer Entwicklungsphase in Entwicklungszyklen durchsetzt“ (Hörz, Röseberg 1990/2013: 22). Heute jedoch agieren wir eher nicht innerhalb einer wirklichen Tendenz zur Höherentwicklung, sondern gegen den inzwischen wesentlich wahrscheinlicheren Untergang.

Weil die Dialektik darauf orientiert, alles scheinbar Stabile in seiner Bewegung zu betrachten, kann auch der Klima“wandel“ als die normale Daseinsweise des Klimas verstanden werden (vgl. Bernhard 2009: 134). Klima verändert sich immer, nur können das Ausmaß[22] und die Geschwindigkeit dieser Veränderungen an Grenzen für die Existenz bestimmter Biosysteme bzw. des menschlichen Lebens stoßen. 

Vom Harmonischen oder einseitig Gegensätzlichen zum Widersprüchlichen:

Ein Ausweg aus dem „Riss“ zwischen menschlichen Aktivitäten und der natürlichen Regenerationsfähigkeit scheint die Herstellung einer „Harmonie“ zwischen Mensch und Natur zu sein. Die Natur wird heutzutage weniger als wild, gefährlich und deshalb zu beherrschen dargestellt, sondern ihre Funktionsweise erscheint als allgemeine Harmonie.

Der Wunsch, die Menschen mögen sich wieder einordnen in die „Harmonie der Natur“ entspringt einer Illusion, die der oberflächlichen Erscheinung von Ordnung folgt, die aber im Untergrund auf der Lösung von Widersprüchen beruht. Hierbei soll nur die Betrachtungsweise der unmittelbaren Erscheinung gewechselt werden, statt die wesentlichen Beziehungen in ihrer Widersprüchlichkeit zu studieren: Man sieht (an der Oberfläche) nur noch die Harmonie, während man früher nur den Kampf bzw. die Konkurrenz gesehen hat.

Hierzu gehört auch die Illusion des Überflusses. Aktuelle Forderungen, menschliche Aktivitäten wieder auf ein „natürliches Maß“ herunter zu fahren, wollen von den damit verbundenen Opfern nichts wissen, weil sie der Natur generell eine Produktivität und einen Überfluss zuschreiben, den es höchstens ausnahmsweise und lokal je gegeben hat. Nachdem über lange Zeit hinweg die Notwendigkeit der Natur“beherrschung“ mit realen Mangelsituationen begründet wurde, wird auch hier derzeit eher das abstrakte Gegenteil propagiert.

Wahrscheinlich werden die Erfahrungen der Zukunft mit einer erneut sehr wilden, chaotischen und kargen Naturproduktivität dieses harmonistische Bild durch Erfahrung korrigieren. Gleichzeitig belehrt durch die verhängnisvollen Wirkungen der Betonung der „Herrschaft“ werden hoffentlich Formen gefunden, mit den entstandenen und jeweils wieder in neuen Formen immer wieder neu entstehenden Widersprüchen produktiv umzugehen.

Von Dialektik ist hier weniger eine Orientierung zu erwarten als früher oft angenommen wurde. Entgegen dem Trend, Dialektik nach dem Modell der hegelschen streng deterministischen Logik zu verstehen, betont Wolfgang Fritz Haug mit Bertold Brecht die Bedeutung von Dialektik als „Operierenkönnen mit Antinomien“ für deren „Lösung es keine allgemeine Formel geben kann“ (Haug 2016: 1).

Zusammenfassend kann man sagen, dass Dialektik vor allem eine heuristische Funktion hat, da sie die Erfahrung der Menschen in aller Geschichte zusammen fasst, dass Isoliertes in Zusammenhängen existiert, dass unmittelbare Erscheinungen mit wesentlichen Grundzügen von Verhältnissen verknüpft sind, „dass nichts bleibt, wie es ist“ (Schlemm 1996) und Höherentwicklung möglich, aber nicht selbstverständlich ist. Solche Erfahrungen werden im Konzept der Dialektik zusammengefasst und tradiert. Sie stehen zur Verfügung für eine Thematisierung der Klima-Problematik.


[1] Wir kennen heute die konkreten Mechanismen davon ziemlich genau: Die stärkere Erwärmung im Bereich der Arktis verändert den Jetstream (Schlemm 2019b).

[2] In der Definition, Dialektik sei „die Wissenschaft von der Struktur, Veränderung und Entwicklung in Natur, Gesellschaft, Technik, Menschheit und menschlichen Individuen“ und ihrer „Begriffe und Theorien“ sowie der „menschlichen Anschauungsweisen der Wirklichkeit“ (Hörz 2009: 60) gibt es überhaupt keine Unterscheidung mehr zwischen der Dialektik und irgendwelchen anderen Formen der wissenschaftlichen Erkenntnis.

[3] Ein zu ausuferndes Berufen auf „die Dialektik“ führt auch dazu, dass viel zu häufig gesagt wird: “Das ist halt dialektisch“. Dies scheint eine Antwort und Erklärung zu geben, während es doch bloß verhindert, präziser und tiefer nachzufragen.

[4] Genau genommen gehören Bewegungen und Zusammenhänge nur dann zur Dialektik, wenn sie als auf Widersprüchen beruhend betrachtet werden. Dialektische Widersprüchlichkeit ist aber nicht identisch mit jeglicher Gegenläufigkeit oder Gegensätzlichkeit (vgl. Philippi, Schlemm, Strobel 2019).

[5] im Sinne von: objektiv = „unabhängig vom einzelnen Subjekt und seinem Bewußtsein“ (Kröber 1976: 885)

[6] Und in der „Logik“ von Hegel wird nicht die Entwicklung der wirklichen Phänomene thematisiert, sondern die Entwicklung von Kategorien des Denkens, letztlich von Begriffen und Denkweisen. Von diesen Kategorien direkt auf das Objektive zu schließen, wäre kurzschlüssig. Viele Fehlinterpretationen und damit auch Vorwürfe gegenüber Hegel erklären sich aus solchen kurzschlüssigen Interpretationen.

[7] In der Hegelschen Begrifflichkeit ist dies das „spekulative“ Moment der  Dialektik. Er unterscheidet die drei logisch aufeinanderfolgenden Stufen: 1. abstrakt Verständiges: hier bleibt das Denken „bei der festen Bestimmtheit und der Unterschiedenheit derselben gegen anderes stehen“ (HW 8: 169), 2. das dialektische (das negativ-vernünftige) Moment: Hier gehen die endlichen Bestimmungen über in ihre entgegengesetzten (ebd.: 172). Hier wird die Entzweiung, die Entgegensetzung gedacht. Dies geschieht in der bestimmten Negation, indem das zuerst Feste und Isolierte negiert wird. Die Einheit der Bestimmungen und ihrer Entgegensetzung wird erst in der 3. Stufe denkbar, und diese nennt Hegel: „das Spekulative oder Positiv-Vernünftige“ (ebd.: 176). „Der Sinn der Spekulation ist es, diese Entgegensetzung als eine Einheit als ein notwendiges Verhältnis zu begreifen.“ (Holz 2010: 39) In dem, was nach Marx und Engels als „Dialektik“ verstanden wird, sind i.a. alle drei Momente enthalten.

[8] Dies macht sie praktisch seit Beginn der Neuzeit, auch ohne dass die aus heutiger Sicht scheinbar neuen Formen des „neuen Denkens“ (z.B. bei Fabian Scheidler 2021) hätten erfunden werden müssen.

[9] Herbert Hörz schrieb später hierzu: „Der „Zwang zur Dialektik“ ist kein Zwang zur Verwendung dialektischer Termini, sondern die sich durchsetzende Einsicht in die Komplexität des Geschehens mit seinen Nicht-Linearitäten, die wir durch Symmetrisierung und Linearisierung zu begreifen suchen, um auf Asymmetrien zu stoßen.“  (Hörz 2003).

[10] … wenn auch häufig verabsolutiert, indem die notwendige Spezifik der einzelwissenschaftlichen Methode negiert wurde. Interessant ist hier die konkrete Analyse der Entstehung und Lösung von sog. „Problemantinomien“ in der Entwicklung der Wissenschaften, die jeweils tiefer in das Gegenstandsverständnis hineinführen. (siehe hierzu u.a. Röseberg 1984, Röseberg 1990/2013a: 150f., Röseberg 1990/2013b :185)

[11] Natürlich ist es notwendig, den entstandenen „Riss“ zwischen Menschen und Natur zu schließen, allerdings nicht auf illusionärer Basis.

[12] Engels selbst hatte auch nicht unbedingt kohärente Positionen. Einerseits will er z.B. die dialektischen Grundgesetze in der Natur (vermittelt über das Wissen der Naturwissenschaften) auffinden und aus ihr entwickeln (MEW 20: 12, vgl.: 334, 348), andererseits bittet er um Nachsicht, dass er „Naturvorgänge und Naturgesetze als beweisende Exempel meiner allgemeinen theoretischen Auffassungen“ anführt (ebd.: 329-330).

[13] Das „Dasein“ ist wie das „Sein“ oder die „Realität“ und die „Existenz“ und die „Wirklichkeit“ ein ganz spezifischer Hegelscher Begriff, deren Bedeutungsinhalte zu unterscheiden sind.

[14] Dies scheint jedoch nur für jeweilige Teilbereiche des Universums bzw. „der“ Natur zu gelten, nicht für das gesamte Universum und „die“ Natur.

[15]Zur Unterscheidung von Widersprüchen der  Bewegung und Widersprüchen der Entwicklung siehe u.a. Philippi, Schlemm; Strobel 2019.

[16] Ein Wort, das häufig nur scheinbar etwas erklären soll, aber meistens nur ein Etikett für etwas Unverstandenes bleibt.

[17] Für ein einzelnes Individuum wird die fortschreitend-bereichernde Subjektentwicklung (in Wechselwirkung mit ihrer Objektbeziehung) in der „Phänomenologie des Geistes“ (HW 3) behandelt. Das Fortschreiten des „Bewusstseins der Freiheit“ der menschlichen Subjekte in der Geschichte ist Thema der „Vorlesungen zur Philosophie der Geschichte“ (HW 12) und speziell der philosophischen Wissenschaften in den „Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie“ (HW 18-20).

[18] siehe hierzu auch Fußnote 2.  Für das bloß negativ-Vernünftige (bei Hegel als das Dialektische bestimmt) wird es auch mehr Beispiele geben als für das positiv-Vernünftige.

[19] So wird hier mit ganzen Ensembles von Simulationen gearbeitet. Oder das Modell und die Simulation werden für Prozesse der Vergangenheit durchgeführt und überprüft, ob seine „Vorhersagen“ mit dem, was wirklich geschehen ist, stimmen. Nach jedem experimentellen Simulationsdurchlauf kann auch zur Kontrolle ein Testlauf in einer höheren räumlichen Auflösung folgen (Gramelsberger 2010: 218, 246).

[20] Die Bedeutung des sozialwissenschaftlichen Teils in den IPCC-Berichten nimmt aber tendenziell zu. Die „Wechselwirkung zwischen Macht, Politik und Wirtschaft“ wird als Hemmnisfaktor angesprochen und demgegenüber eine „Transition“ eingefordert (IPCC 2021 WG III: AR6_WGIII-leaked: 1-5).

[21] Hierbei wird eine Art Herrschaft des Wesens über seine Erscheinungen vorgestellt, was jedoch nicht die dialektische Ansicht zum Verhältnis von Wesen und Erscheinungen trifft.

[22] Zum Maß als „Grenze, […] durch deren Überschreitung die Qualität verändert wird“ siehe HW 8: 226.


Literatur

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