Andere Kategorien in Bezug zur „Hoffnung“

Dies ist Teil 2 eines Textes über „Hoffnung“.


Zu unterscheiden ist die Hoffnung zuerst einmal von Wünschen, Verlangen und Sehnsucht. Das Verlangen zielt auf ein unmittelbar Begehrtes (Fahrenbach 2021: 45), während die Sehnsucht sich aufs Unendliche richtet (ebd.). Ein Wunsch ist die zumeist „haltlose“ Bekundung der eigenen Bedürftigkeit (ebd.: 30), wobei sich das „haltlos“ darauf bezieht, dass nicht auf die jeweils tragenden Möglichkeiten geschaut wird.

Helmut Fahrenbach setzt den Begriff der Hoffnung weiterhin in Bezug zu anderen zukunftsbezogenen Einstellungen. Dabei unterscheidet er zuerst vorstellungsbezogene, d.h. „passive“ und praxis- bzw. entwurfsbezogene, d.h. „aktive“ Einstellungen. Zu den vorstellungsbezogenen gehören Prognose und Utopie, zu den praxis- und entwurfsbezogenen die Planung und die Hoffnung.

Eine Prognose ist „der Versuch, aufgrund der Beurteilung des Gegebenen bzw. einer Situation und gesetzesartiger Annahmen über Verlaufszeiten und Entwicklungsmöglichkeiten etwas von dem vorauszusehen und vorauszusagen, was vermutlich oder wahrscheinlich kommen wird und demgemäß als zukünftig zu erwarten ist.“ (Fahrenbach 2021: 148) Dabei geht man „von den Gegebenheiten und Entwicklungstendenzen bzw. -möglichkeiten der Gegenwart aus“ (ebd.). Eine prognostizierte Zukunft ist Zukunft „das wahrscheinliche Produkt schon jetzt gegebener Bedingungen und laufender Entwicklung“ (149, kursiv AS). In diesen Kontext gehört auch die Erwartung: Hier wird von einer relativ sicheren Gegenwart her auf die wahrscheinliche Ankunft von etwas gewartet (ebd.: 30, vgl. S. 40f.).

Eine Utopie ist das Entwerfen von „Möglichkeiten anderen und besseren Lebens als mögliche Zukunft“ (ebd.: 151), d.h. eine „nach normativen, idealen Gesichtspunkten entworfene Zukunft“ (ebd., kursiv AS) Allerdings sollte eine gute Utopie nicht abstrakt im Blochschen Sinne (PH: 1237) sein:

„Denn eine die Realität „überfliegende“ abstrakte Utopie mag mit ihren Wunschvorstellungen gegen das „schlecht Vorhandene“ noch so sehr im Recht sein, sie bleibt aufgrund ihrer Unvermitteltheit mit realen Veränderungsmöglichkeiten unfähig zum praktischen Eingriff und zur Veränderung.“ (Fahrenbach 1983: 112)

Planung ist eine Handlungsantizipation im Sinne einer Zweck-Mittel-bezogenen Entwurfs- und Vollzugsdifferenzierung (ebd.: 155), d.h. ein „differenzierter und systematischer Entwurf von Handlungsdirektiven, die den Realisierungsprozess von Handlungszielen -jeweiligen Zielvorstellungen – nach Zweck-Mittel-rationalen Gesichtspunkten leiten sollten“ (ebd.: 156). Zukunft erscheint hier als „Produkt planvollen Handelns bzw. von Planungsrealisation“ (156). Eine Prognose gehört zu den Bedingungen der Möglichkeit von Planung (ebd.: 158), möglich ist auch eine  „utopische Planung“ (ebd.).

Hoffnung ist, im Unterschied zu den drei genannten zukunftsorientierten Einstellungen, zu verstehen als eine „“praktisch zuversichtliche“ und haltgebende Einstellung zur Zukunft“ (ebd.: 159). Sie ist auch dann möglich, wenn Prognose nicht möglich ist und Planungen keinen Anhaltspunkt haben (ebd.).

„Hoffen bedeutet zwar nicht, das Gehoffte mit subjektiver Sicherheit und objektiver Wahrscheinlichkeit voraussehen und erwarten und es heißt schon gar nicht, sein Eintreffen planen und durch planvolles Hadeln herbeiführen zu können, aber es bedeutet – diesseits oder jenseits der Grenze von Prognose, Erwartung und Planung -, ungewiss oder bedrohlich Zukünftigem mit „praktischer Zuversicht“ auf einen guten Ausgang entgegensehen und auf die so in der Prospektive des Gelingens antizipierte Zukunft hin handeln zu können.“ (ebd.: 160)

Hoffnung ist damit eine strukturelle Bedingung für eine insbesondere utopisch-planende „Prospektive“:

„Prognose ohne Planung ist erkenntnistheoretisch motivationslos, Planung ohne Utopie ist normativ ziellos (und kritiklos), Utopie ohne Hoffnung ist unverbindlich und somit praktisch orientierungslos.“ (ebd.: 167)

Als Gegenbegriffe zur Hoffnung werden genannt die Angst, die Furcht und die Verzweiflung. Der eigentliche Gegenspieler der Hoffnung ist nach Fahrenbach die Verzweiflung (ebd.: 63). In ihr ist jede die Existenz tragende Hoffnung verschwunden (ebd.: 64). Angst ist die Grundgestimmtheit, in der sich die Verzweiflung hält (ebd.). In der Angst ist das „Vertrauen in überwindende Möglichkeiten“, das zur Hoffnung gehört, verschwunden (ebd.: 65). In ihr ist die der Zukunft entgegengerichtete Haltung aber noch nicht entschieden, in der Verzweiflung dagegen dominiert die „definitive Erwartung eines Negativen“ (ebd.: 249)

Deshalb richtet sich diese allgemeine Grundgestimmtheit nicht auf eine konkrete Bedrohung, sondern bleibt diffus. In der Furcht dagegen wird ein konkretes Übel befürchtet (ebd.: 46). Furcht bezieht sich auf etwas Bestimmtes, das „Wovor“ der Angst bleibt dagegen unbestimmt (ebd.: 243). Helmut Fahrenbach betrachtet, auch in Nachfolge von existentialistischen Denkern und Ernst Bloch, Angst wie Hoffnung als existenzerhellend und welterschließend. Weil Menschen sich auf ihre Zukunft hin entwerfen, zeigt sich in ihren Ängsten und Hoffnungen etwas von ihnen selbst und auch von der Welt, in der sie leben. Ängste kennzeichnen „die Situation der Freiheit vor der Entscheidung“ (ebd.: 250), sie können überwunden werden, sie sind bei Heidegger gar ein „notwendiges Durchgangsstadium zur eigentlichen Existenz“ (ebd.: 251).