Dieser Beitrag gehört zum Thema: „Mentalitäten und sozial-ökologische Transformation“


Die Forschungsgruppe um Dennis Elversberg ergänzte in der im vorigen Beitrag gezeigten Abbildung die gesellschaftlichen Naturverhältnisse (ebd.: 76):

Der ergänzte Teil links in der Abbildung wird im allgemeinen nicht bewusst erfahren, d.h. er ist „externalisiert“ und deshalb ist es besonders bedeutsam, ihn offen zu legen.

Das Studium der Mentalitäten der Bevölkerung ist nicht nur von akademischem Interesse. Sie spielen eine starke Rolle für eine erwünschte sozial-ökologische Transformation:

„Wenn Mentalitäten, wie hier aufgezeigt, ein Ergebnis spezifischer Erfahrungen sind, dann muss es vor allem darum gehen, die objektiven Strukturen zu verändern, innerhalb derer die jeweiligen Erfahrungen gemacht werden.“ (Eversberg u.a. 2021: 34)

Es gibt z.B. in Jena eine Gruppe, die positive Visionen für ein klimaneutrales Jena entwickeln will. Dann muss man sich aber die Frage stellen: „Könnten von diesen ökologisch nachhaltigen und sozial gerechten Visionen, die im Ergebnis für alle vorteilhaft wären, auch alle überzeugt werden, würden sie nur in geeigneter Weise allgemein bekannt gemacht, mit guten Argumenten begründet und in praktischen Experimenten vorgelebt?“ (ebd.: 8). Solche Überzeugungsarbeit trifft auf die unterschiedlichen Mentalitäten und „[d]as Beispiel der Pandemie zeigt: Wenn eine Gesellschaft ihre Sozial- und Naturbeziehungen verändern will oder muss, dann sind sowohl Widerstände wie auch unterstützende Kräfte und sich im Prozess ergebende eigenlogische Veränderungsprozesse auf mentaler Ebene zu erwarten“ (ebd.: 11). Wie wir gesehen haben, richtet reine aufklärerische Überzeugungsarbeit allein wohl wenig aus; wichtig wäre die Ermöglichung von anderen Lebens- und Produktionspraxen auf Grundlage struktureller Veränderungen. Die Einsicht kann einem Mentalitätswandel vorausgehen, aber ihn nicht ersetzen. Diese Veränderung hängt auch nicht nur von willentlich individuell und kollektiv veränderbarem Denken und Tun hab, sondern auch von sog. „Dispositiven“ (Begriff nach Foucault), d.h.: von „aus materiellen, institutionellen und diskursiven Infrastrukturelementen zusammengesetzten Komplexe[n] von Rahmenbedingungen, Regeln und Festsetzungen, die das Handeln von Seiten der objektivierten sozialen Strukturen her strukturieren und damit ebenfalls hegemoniale Wirkungen entfalten“ (ebd.: 63).

So wird vermutet und durch Studien auch bestätigt, dass Menschen in Ländern, in denen sie ein hohes Vertrauen in die Regierung, staatliche Institutionen und gesellschaftliche Organisationen haben (können), „die Bevölkerung eher mit umweltpolitischen Eingriffen einverstanden ist als in anderen Ländern“ (Fritz 2021: 85).

„Demokratische  Mitbestimmung und Mitgestaltung vermitteln ihnen Selbst- und Kollektivwirksamkeit und stärken den Zusammenhalt. Staatliche Regulation und Steuern erscheinen hier nicht wie im marktliberalen Kontext als Belastungen, sondern als der Mechanismus, mit dem der demokratisch erzielte gesellschaftliche Konsens praktisch umgesetzt wird, wobei auch Kritik möglich und erwünscht ist.“ (ebd.)

Aber auch die Arbeitsbedingungen spielen eine Rolle: „Ein Wandel der Arbeitswelt hin zu mehr zwischenmenschlichen und fürsorgenden Tätigkeiten […] könnte die sozialökologische Transformation der Gesellschaft begünstigen“ (ebd.: 98).


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