Bei uns ist gerade unsere Enkelin auf Besuch. Wie kann ich ihr erklären, was wir mit ihrer Zukunft anstellen? Weltweit gesehen lebt „die Menschheit“ ab heute „auf Pump“: wir haben all jene Ressourcen für dieses Jahr verbraucht, die in einem Jahr auf der Erde regenieriert werden können und deshalb nutzbar sind. Aber „wir“ verbrauchen trotz diesem Wissen immer mehr und immer mehr.

Die folgende Abbildung zeigt, in wievielen Tage im Jahr wir seit 1971, als die Bilanz noch recht ausgeglichen war, die nutzbaren Ressourcen bereits verballern:

Gerade in dem Jahr, in dem ich geboren wurde, wurde dieser Tag der „Erdüberlastung“ zum ersten Mal berechnet. Da hatte die Menschheit am 31. Dezember noch Ressourcen übrig. Erst seit ich ungefähr 10 Jahre alt bin, begann die Überschreitung. Natürlich durchschnittlich gesehen… Die Natur sieht uns nicht an, ob wir zu den Reichen oder Armen gehören, sie reagiert, lokal unterschiedlich, auf die Summe von allem. Auf jeden Fall bräuchten wir jetzt 1,75 Erden, um das zu regenieren, was wir verbrauchen.

Um wenigstens ein wenig Differenzierung hinein zu bekommen: Für uns in Deutschland gilt allerdings noch schärfer: Mit einem Verbrauch wie bei uns bräuchten wir bereits 3 Erden! Für Deutschland war der sog. Erdüberlastungstag („Overshot-Day“) schon am 4 Mai 2022!

Um noch mehr Differenzierung zu bekommen, wechseln wir mal das Thema und den Maßstab. Schauen wir auf das CO2-Budget, also die Menge an CO2, die ohne schlimme Folgen in die Atmosphäre emittiert werden kann. Wenn wir auch zum Teil die historischen Emissionen einbeziehen, dann war das Budget für die USA bereits im Jahre 1999 aufgebraucht und das der BRD bereits im Jahr 2005! (Selinger 2022: 13)

„Die BRD“ ist natürlich wie auch „die Menschheit“ noch mal in sich differenziert und sogar gespalten in eine große Menge armer Menschen und eine kleine Schicht Superreicher. Die nächste Abbildung zeigt den prozentualen Anteil der entsprechenden Gruppen an den CO2-Emissionen:

„Nur 10% der Weltbevölkerung sind die mit Abstand erstrangigen Zerstörer des Weltklimas, also der Lebensbedingungen von 100% der Weltbevölkerung.“ (Garnreiter 2022: 21)

Wir sehen jetzt an den moralisierenden Gas-Einspar-Appellen: Grad die Armen können als Einzelne da wenig tun. Viel mehr hängt an den gesellschaftlichen Infrastrukturen, der Art und Weise, welche Art Wohnung man sich leisten kann oder ob in der Gesellschaft vernünftig entschieden wird, was auf welche Weise produziert wird oder eben nicht.

Die Appelle sollten also weniger an die Einzelnen gehen („Verbraucht weniger“!), während ihre Arbeitsplätze daran hängen, dass auch ihre Firma weiter jeden Mist herstellen und verkaufen kann und während die Superreichen auch bei erhöhten CO2-Preisen sich weiter alles leisten können, was sie wollen.

„Wenn die 10% der weltweit Höchstemittierenden pro Kopf nicht mehr emittieren würden als die 90% der übrigen Weltbevölkerung, dann lägen die weltweiten CO2-Emissionen um ein Drittel weniger.“ (ebd.)

Es ist zu personalisierend, nur die Reichen und Superreichen anzugehen, aber ein notwendiger Zwischenschritt zur Politisierung könnte die Forderung nach einer Abschöpfung der Klimaschuld bei den Reichen sein, die in einen globalen Klima-Reparationsfond gesteckt wird und zur Grundlage eines „UN-Klimafonds“ werden könnte (Selinger 2022: 15). Dasselbe vielleicht für andere Umweltzerstörungs-Folgen?

Nachhaltiger im doppelten Sinne, also „sich auf längere Zeit auswirkend“ und ökologisch-human-verträglicher, dürfte „sicher eine tiefgreifende antikapitalistische revolutionäre Änderung der gesamten globalen Wirtschafts- und Gesellschaftsweise“ (ebd.: 11) sein!


Quelle:

Garnreiter, Franz (2022): Klimazerstörung in Zeiten zunehmender sozialer Spaltung und zügelloser Militarisierung. Bemerkungen eines an Zuversicht Verarmenden. In: isw-Report Nr. 129: Vom „Rio-Erdgipfel“ bis Glasgow. 30 Jahre in Etappen in die Klimakatastrophe. (bestellbar unter www.isw-muenchen.de) S. 17-25.

Selinger, Helmut (2022): Klimaschutz als weltumspannendes Handeln. Neuausrichtung der Klimaverhandlungen – Berechnung konkreter Klimaschulden. In: isw-Report Nr. 129: Vom „Rio-Erdgipfel“ bis Glasgow. 30 Jahre in Etappen in die Klimakatastrophe. (bestellbar unter www.isw-muenchen.de) S. 11-17.