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Aktuell zum 1. Mai 2017:

Nach 7 Jahren erneuter Kapital-Lektüre in der Gruppe konnte ich es nicht lassen, auch das unvollendete letzte Kapitel von Marx ernst zu nehmen. Außerdem gibt es ja genug Neues seit Marx über den Klassenkampf, worüber zu berichten ist. Das Ergebnis gibts nun auch als Broschüre beim Packpapier-Verlag (für 4 Euro zu bestellen):

 

 

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Gasparazzo
Bei der Arbeit an den Texten „Kampf und Logik – Klassenkampf reloaded“ und „Klassenkampf in der kapitalistischen Entwicklungsdynamik“ hatte ich einige Zusammenfassungen zu Begriffen wie „Arbeit“, „Arbeiterklasse“ und „Klassenkampf“ geschrieben, die nicht in dieser Ausführlichkeit in den Texten verwendet wurden. Sie beziehen sich vor allem auf die Beiträge der sog. „autonomen Marxisten“ zu diesen Begriffen. Hier werden sie nachgeliefert (obwohl die Ausarbeitung noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden kann). (Die Literatur wird in den eben genannten Texten angegeben)

ZeroWorks
Arbeit im Kapitalismus
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Gasparazzo

Die anderthalb letzten Seiten des dritten Bands des „Kapital“ von Marx lassen mich lange nicht los. Das dort behandelte Thema des Klassenkampfs hat seit Marx nun auch schon wieder eine lange Geschichte. Der Hoffnung auf den Klassenkampf als Erlösung aus der schlechten Wirklichkeit folgte die Ernüchterung, die bei manchen zu einer fast reflexartigen Ablehnung von Ansichten führen, die sich heute noch mit Klassenkampf beschäftigen.

In unserer Kapital-Leserunde wurde viel Wert gelegt auf die Analyse der Argumentations- bzw. Darstellungsweise bei Marx. Wir nahmen seine Ausführungen aus den „Grundrissen…“ (MEW 42) ernst und verstanden die Abfolge des Gedankengangs in den drei Bänden des Kapitals als „Aufsteigen vom Abstrakten zum Konkreten“ im Hegelschen Sinne. Der Gegenstand des „Kapitals“, die kapitalistische Gesellschaft, wird dabei zuerst nur so aufgefasst, dass von seinen mannigfaltigen Beziehungen, seiner inneren Struktur und seinen wesentlichen Widersprüchen noch abstrahiert wird. Zwar kann eine Aussage über das „Abstrakte“ schon wahr sein – aber, wie schon der Dichter Volker Braun sagte: „Es genügt nicht die einfache Wahrheit.“

Hier gehts weiter (pdf-Datei).


Bild: Gasparazzo, das Maskottchen der Bewegung „Lotta Continua“ (1972)
(Bildquelle und mehr Infos hier)

 „Wenn man „Klassen“ und Klassenverhältnisse einfach aus den Kategorien
und damit aus dem politischen Diskurs entfernt, verhindert man aber noch lange nicht,
dass sich all jene kollektiv im Stich gelassen fühlen, die mit den Verhältnissen
hinter den Wörtern objektiv zu tun haben.“ (Eribon 2016: 122)

Es gab schon einmal mindestens drei Klassenkonferenzen in Jena (2010, 2011, 2012). Bei der aktuellen Nummer wurde an diese Tradition nicht direkt angeknüpft, sondern es hieß gleich „Klasse neu denken“.

Es war deutlich zu spüren: Diesmal wird Ernst gemacht. Vor allem im gerade entstehenden „Projekt Klassenanalyse Jena“ an der Uni Jena. Diese Dynamik liegt vor allem daran, dass „Klassen und Klassenpolitik mit Wucht in den öffentlichen Diskurs zurückgekehrt“ sind, wie Klaus Dörre sagte (zitiert aus der Veröffentlichung: Dörre 2018).

Von einem „Klassenkampf von oben“ wurde seit Anbruch des „Neoliberalismus“ schon immer mal gesprochen. Derzeit jedoch führt das Fehlen einer angemessenen Re/-Aktion „von unten“ zu fatalen Folgen: Klaus Dörre führt den Erfolg der rechten Strömungen darauf zurück, dass diese in die Lücke stoßen, die sich auftut zwischen der Zunahme der klassenspezifischen Ungleichheiten und der Schwäche von politischen und gewerkschaftlichen Organisationen, die „um den Gegensatz von Kapital und Arbeit gebaut“ (ebd.) sind.

Klaus Dörre formuliert dann einige Thesen, von denen ich einige Gedanken hier – anders gegliedert – vorstellen will. Gleichzeitig sehe ich die hier genannten Überlegungen auch immer im Kontrast zum gerade herausgekommenen Buch „Kapitalismus aufheben“ von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz (die diesbezüglichen Verweise stamme nicht aus der Tagung, sondern von mir):

1. Zur Definition des Begriffs „Klasse“
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Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“. (Version 1.9 seit 10.11.)


„Wenn man „Klassen“ und Klassenverhältnisse einfach aus den Kategorien
und damit aus dem politischen Diskurs entfernt, verhindert man aber noch lange nicht,
dass sich all jene kollektiv im Stich gelassen fühlen, die mit den Verhältnissen
hinter den Wörtern objektiv zu tun haben.“ (Eribon 2016: 122)

Auffallend für alle*, die Marx und den Marxismus kennen, ist die Leerstelle der Klassenverhältnisse im Buch von Stefan und Simon. Sie tauchen lediglich auf, wo die Autoren den abgelehnten „traditionellen Marxismus“ mit seinen Vorstellungen von Kapitalismus als Klassenherrschaft kurz darstellen (S&M: 57) und sie zweifelnd referieren, dass es früher eine Konzeption gegeben habe, dass sich die „Nebenwidersprüche“ mit den Klassenverhältnissen auflösen würden (ebd. 199). Die Autoren machen sich also schon gar nicht mehr die Mühe, die Klassen irgendwie in eine kritische Gesellschaftstheorie einzuordnen. Mehr zur Verabschiedung des Klassenbegriffs steht noch in dem Buch von Stefan Meretz: „Die „Grundlegung der Psychologie“ lesen“ von 2012. Gegenüber der noch von Klaus Holzkamp vertretenen Konzeption betonte Stefan hier: (mehr …)

Eine kleiner Verweis in einem Blogkommentar verwies mich auf ein neues Buch von Bini Adamczak: „Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende.“ Sie untersucht bestimmte Merkmale der revolutionären „Sequenzen“ von 1917 und 1968 und macht Vorschläge für eine Dritte, die hoffentlich kommende. Dabei verflechten sich mehrere Themenstränge, die eine Perspektive aus der Sicht der Kulturen und Beziehungen einnehmen. Ich werde im Folgenden einige der Inhalte vorstellen und gleichzeitig eigene Erinnerungen oder Gedanken einflechten. (mehr …)

Ich lese mich seit einigen Wochen durch einen immer größer werdenden Bücherstapel zur Geschichte. Wie üblich finde ich in jeder Quelle mindestens ein bis zwei neue Hinweise auf Bücher oder Texte, die ich mir dann übers Internet oder auch antiquarisch besorge. Als ich in einem Mailwechsel vor einigen Tagen schrieb, dass gerade 24 Bücher noch warten, kamen eine Stunde später drei weitere mit der Post und seitdem noch einmal zwei.

Warum tue ich mir das an? Nun ja, seit ich einige Fragen habe, finde ich es spannend, die möglichen Antworten dazu nachzulesen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn andere etwas zitieren oder auch referieren, sie längst nicht alles für mich Wichtige erfasst haben. Was mich besonders ärgert ist die Praxis, dass oft jemand etwas liest, was ihn (oder sie) überzeugt und dann wird genau diese Position als „Wahrheit“ wie ein Banner weiter herumgetragen, ohne zu prüfen, ob es noch Alternativen zu dieser Position gibt.

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Begriffsverwirrung

An einem Wort können sich Streite entzünden. Dabei scheint es so einfach zu sein. Marx schrieb im „Kapital“ zu den Gebrauchswerten:

„Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer ihre Form sei.“ (MEW 23: 50)

Demnach wird ein Ding zum Gebrauchswert, wenn es „menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt“ (ebd.: 49), d.h., wenn es nützlich ist.

Auf späteren Seiten im „Kapital“ wird der Gebrauchswert aber nur noch als Moment der Waren im Kapitalismus thematisiert, wobei der Gebrauchswert nun untrennbar vom Tauschwert wird, ja wo er zu so etwas wie „zur Erscheinungsform seines Gegenteils, des Werts“ (MEW 23: 70) wird. Man kann den Gebrauchswert nun nicht mehr trennen von dem, dessen Erscheinungsform es ist, dem Wert. (mehr …)

Dieser Text gehört zur „Langen Antwort an Simon“ zu seinem Kommentar hier im Blog.  Insgesamt gehören mehrere Blogbeiträge zu dieser Antwort.


Verhältnis einer kategorialen Theorie des Menschlichen zur (transformierenden) Praxis

… (vorheriger Abschnitt siehe oben)… Damit sind wir innerhalb unseres Dialogs im Zusammenhang mit dem Kommentar von Simon bei der Frage des Verhältnisses von Theorie und Praxis. Dies ist derzeit im Umfeld der Keimform-Debatten wichtig. Bei der Diskussion der Vorstellung von progressiven nachkapitalistischen Verhältnissen kommt das Gespräch häufig ins Stocken, weil Gegenargumente vorgebracht werden, die in den Bedingungen der jetzigen Verhältnisse begründet sind. Deshalb schlug Stefan Mz. vor, zwei Diskurse zu unterscheiden: Der „Diskurs 1“–- der „Commonismus-Diskurs“ – bezieht sich auf die Zukunftsvorstellung und das allgemein-Menschliche, während der „Diskurs 2“ den „Transformationsdiskurs“ darstellt. Beide Diskurse haben einen theoretischen Anspruch (nicht umsonst sind sie „Diskurse“), aber der zweite verbindet sich stärker mit praktischen Handlungen. Es gibt eine Verbindung: Aus der „kategorialen Analyse“ sollen Kriterien gewonnen werden, „die für unser heutiges Handeln relevant sind, also Gegenwart mit Zukunft verbindet“. An anderer Stelle schreibt Stefan nochmal, dass wir „Kritieren der (Selbst-)Entwicklungsrichtung“ brauchen. Die kategoriale Analyse im Diskurs soll keine konkretistische „Auspinselung“ einer Wunschwelt sein, sie soll auch nicht lediglich in einer abstrakten Kritik (etwa der Aussage „Ende jeder Herrschaft“) stecken bleiben. (mehr …)

Dieser Beitrag gehört zum Themenkomplex:
„Bedürfnisse über den Kapitalismus hinaus – bei Marx und Heller“


In diesem Teil werde ich nicht nur die Schrift von Agnes Heller referieren, sondern auf eine philosophische Basis hinweisen, der gegenüber eine kritische Distanz notwendig ist.

Agnes Heller bezieht sich auf einen Maßstab, an dem sich das Ungenügen des Kapitalismus zeigt. Dieser Maßstab wurde schon in der 4. Bedeutung des Begriffs der „gesellschaftlichen Bedürfnisse“ bei Marx genannt. Es sind die „reichen menschlichen Bedürfnisse“. (Heller 1974/1980: 40). Bei Lucien Séve tritt dieser Maßstab auf als „mittelbare[s], reiche[s] Bedürfnis, das heißt freie Bestreben des weitgehend sozialisierten Individuums“ (Séve 1969/1977: 335).

Die Verhältnisse im Kapitalismus werden, dem frühen Marx folgend, als „entfremdete“ bezeichnet. Dies unterstellt etwas, wovon sie entfremdet sind, etwas Nicht-Entfremdetes.

„Als Wertmaßstab dient […] der „an Bedürfnissen reiche“ Mensch“ (Heller 1974/1980: 48)

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