Essay


Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Von den logischen fünf Schritten des Keimformkonzepts vollziehen sich bei Simon und Stefan die letzten drei auch als zeitlicher „tatsächliche[r] Entwicklungsprozess“ (S&S: 204). Die ersten beiden (logischen) Schritte umfassen die Vorbedingungen (1), bei denen es einen Entwicklungswiderspruch (2) gibt. Danach entsteht im Funktionswechsel (3) eine Keimform, die noch im Alten möglich ist bzw. es sogar stützen kann (wie z.B. Freie Software, bzw. jetzt schon existierende Commons innerhalb des Kapitalismus). Erst danach – auch wieder durch einen bestimmten Entwicklungswiderspruch vorangetrieben – kann diese Form dominant werden (4) und schließlich das ganze System (bis hin zum Erreichen des „Commonismus“) umstrukturieren (5). Der eigentliche „Sprung“ geschieht vor allem im 4. Schritt. Die Dominanz zeigt sich – das wäre zu ergänzen – vor allem darin, dass nun die eigenen (gesellschaftlichen) Existenzbedingungen selbst erzeugt werden. Das nun dominant Gewordene „geht nicht mehr von Voraussetzungen aus, um zu werden, sondern ist selbst vorausgesetzt und, von sich ausgehend, schafft die Voraussetzungen seiner Erhaltung und Wachstums selbst.“ (MEW 42: 372) (mehr …)

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Simon und Stefan „glauben aber, dass die Fünfschritt-Heuristik auch qualitative Veränderungen in anderen Systemen – z.B. Gesellschaften – beschreiben kann“ (S&S: 202). Die Gliederung eines qualitativen Wandels in 5 Schritte ist als Abfolge von „logischen Schritte“ konzipiert: 1. Vorbedingungen, 2. Entwicklungswiderspruch 1 (später folgt ein zweiter Entwicklungswiderspruch), 3. Funktionswechsel, 4. Dominanzwechsel, 5. Umstrukturierung (ebd.: 203). Weiterführend gegenüber anderen Vorstellungen zu Qualitätssprüngen aus Dialektik und z.B. Evolutionsbiologie (vgl. Schlemm 1996: 123ff.) ist bei Holzkamp die Unterscheidung zwischen Funktions- und Dominanzwechsel (Holzkamp 1983: 79f.). Dabei ist es bei Holzkamp eine irgendwann im alten Zustand neu entstandene, später relevant werdende, „Partialfunktion“, deren Entstehung bereits im ersten Schritt untersucht wird, und deren Funktion im dritten Schritt wechselt, bis sie im vierten Schritt dann dominant wird und im fünften zur Umstrukturierung des gesamten Systems führt. (mehr …)

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Für die Wissenschaft der Geschichte können drei Ebenen unterschieden werden: Da ist zuerst (1) jener Bereich, in dem bestimmte zeitlich, räumlich oder auch thematisch beschränkte geschichtliche Geschehnisse empirisch und theoretisch untersucht werden. In der damit befassten Wissenschaft „Geschichte“ geht es darum, „der Bewegung des Konkreten so wie es ist genau auf der Spur zu bleiben“, was „ jedoch stets bedroht ist von der Gefahr, sich in seiner unausschöpflichen Besonderheit zu verlieren, ohne daß es gelingt, die allgemeine innere Notwendigkeit zu fassen“ (Séve 1976: 137). (mehr …)

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Weg muss dem Ziel entsprechen

Ich kann der Argumentation, dass es nicht sinnvoll ist, „mit Gewalt eine Gesellschaft ohne Gewalt“ (S&S: 54) zu schaffen, viel abgewinnen. Nicht teilen kann ich die Behauptung, dass im Marxschen Übergangskonzept „die möglichen Gewalttaten zur Erreichung des Sozialismus […] eingeplant“ (ebd.: 89) gewesen wären. Es geht nicht um ideengeschichtliche Pläne, es geht um reale Erfahrungen. Und noch nie in der Geschichte (bis dahin und auch bis heute) konnte eine Befreiungsbewegung ohne den Widerstand durch die Vertreter des zu Überwindenden agieren und einfach frisch, frei und fröhlich „das Neue konstituieren“. Wir kennen das Schicksal der Pariser Commune. Den brutalen Vernichtungsfeldzug gegen die südamerikanischen Linken in den 70er Jahren schildert z.B. nachdrücklich Naomi Klein (2009). Es war ja nicht der Wunsch der Revolutionäre, mit Gewalt vorzugehen, mindestens, um sich zu schützen. Gerade das Bild einer Barrikade ist hier tragend: Hinter Barrikaden verschanzt man sich, um das gewonnene Terrain zu verteidigen. Solange es Konterrevolution gibt, ist ohne Barrikaden auch keine Konstitution des Neuen möglich. (mehr …)

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Dem entspricht auch der Verzicht der Thematisierung der Klassenstruktur in Klassengesellschaften. Als neue Begriffe der Unterscheidung dessen, wovon die Transformation ausgeht und wohin sie führen soll wird nicht mehr vom Übergang von Klassengesellschaften zu einer klassenloser Gesellschaft gesprochen, sondern vom Überwinden der Exklusionslogik und der Durchsetzung der Inklusionslogik als gesellschaftliches Prinzip (S&S: 155). Exklusionslogik kennzeichnet Bedingungen, die den Menschen nahelegen, ihre Bedürfnisse auf Kosten anderer zu befriedigen (ebd.: 31), während die Bedingungen in einer inklusionslogischen Struktur den Menschen nahelegen, die Bedürfnisse anderer mit einzubeziehen (ebd.: 34). (mehr …)

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5.1. Aufhebungstheorie

Das gerade vorgestellte kategorial-utopische Ziel soll durch eine aufhebende Transformation aus dem jetzigen Zustand heraus  erreicht werden. Kategorial-utopisch wurden Bedingungen des Commonismus genannt, die dann verwirklicht sein sollen: Freiwilligkeit und kollektive Verfügung, wie sie auch im idealisierten Commonsbegriff enthalten sind. Aus der Möglichkeit, wie sie erst einmal unabhängig von konkret-historischen Bedingungen entwickelt wurde, soll eine konkret-historische Wirklichkeit nach dem Kapitalismus werden. (mehr …)

Ich habe bereits einen ersten Teil meiner Kommentierung und Kritik an dem Buch „Kapitalismus aufheben“ von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz veröffentlicht.

In den nächsten Tagen wird der zweite Teil erscheinen, der sich auf auf das Thema Transformation/Keimformtheorie bezieht.

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