Gelesen


Den meisten Büchern, die anlässlich des Marxjahres erschienen, bringe ich kein Interesse entgegen. So führte mich auch nur ein Hinweis aus der Veranstaltungsreihe, innerhalb derer ich in drei Wochen in Hamburg sein werde, zu dem Buch von Kurz Bayertz mit dem nicht so besonders aufregenden Titel: „Interpretieren, um zu verändern. Karl Marx und seine Philosophie.“

Gleich das erste Kapitel, das ich las, begeisterte mich jedoch wegen der analytischen Klarheit. Hier geht es um die „philosophischen Voraussetzungen“ der Marxschen Theorie“, die Marx zu einem großen Teil nicht explizit erläuterte. Bayertz wählt für seine Darstellung das „Prinzip der wohlwollenden Interpretation“:

„Die Marxsche Theorie soll so stark gemacht werden wie möglich – aber nicht stärker. Wohlwollen zeigt sich nicht darin, dass man Unklarheiten und Inkonsistenzen kaschiert.“

Im folgenden Beitrag werde ich aus dem Kapitel V: „Geschichte, Fortschritt, Revolution“ berichten. (mehr …)

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Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Im Stigmergie-Konzept bleibt das Gesamte den einzelnen Menschen weiterhin verborgen. Sie beziehen sich nicht auf das Gesamte, sondern beziehen sich nur auf die Teilaufgabe, für die sie auch nur das wissen müssen, was sie für die Aufgabe wissen müssen. Das ist nicht zufällig, denn die Herkunft dieser Metapher aus dem Zusammenwirken von Termiten beinhaltete auch schon, dass die Termiten nicht darüber kommunizieren brauchen, „wer wann wo was und wie zu tun hat“ (Heylighen 2007: 174). Es können damit erstaunliche Termitenhaufen entstehen. Bei Wikipedia zeigt sich aber schon, dass deren Gestaltung nicht nur in der Summe des Abarbeitens der roten Links besteht, sondern wesentlich in der aktiven Aufrechterhaltung und Gestaltung der gesamten Infrastruktur – an der sich nur ein Bruchteil der insgesamt Beteiligten beschäftigt. Aber auch so wären nicht wirklich sachlich komplex ineinander verwobener Produktionsprozesse zu gestalten – überhaupt geht der Gestaltungsanspruch fürs Ganze verloren oder wird an jene delegiert, die in den „Hubs“ dafür sorgen. Da diese dann eingreifen in die Infrastrukturgestaltung und -festlegung – für die es keine Alternativen geben kann, wenn sie das globale Netzwerk betreffen – kann hier nur sehr träumerisch an das ewige Fortbestehen einer nur eingebetteten Allgemeinheit geglaubt werden. (mehr …)

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Da für die Vorstellungen zur gesellschaftlichen Arbeitsteilung ohne direkten Zwang oder indirekten Zwang durch das ökonomische Wertgesetz oder eine zentrale Planung die Stigmergie wichtig ist, möchte ich noch einmal darauf zurück kommen. Schon in der Oekonux-Debatte wurde für diese Frage das Vorbild der Herstellung Freier Software zu Rate gezogen (Merten, Meretz 2005). Später wurde eine Verbindung zur Stigmergie erkannt (vgl. Heylighen 2007), das nach Wikipedia ein „Konzept zur Beschreibung einer besonderen Form der Koordination von Kommunikation in einem dezentral organisierten System, das eine große Anzahl von Individuen umfasst“, ist (Wikipedia: Stigmergie). (mehr …)

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Freiwilligkeit bezieht sich insbesondere auf den eigenen Beitrag zur Reproduktion der Gesellschaft und der Erzeugung der zum Leben notwendigen Produkte. Dies ist direkt aus der im „Begriff vom Menschen“ verankerten Situation, dass die gesellschaftlichen Handlungsnotwendigkeiten für die Individuen lediglich Handlungsmöglichkeiten darstellen, abgeleitet bzw. ableitbar. Wie anders als durch lediglich individuelle Gründe sollte ein freies Individuum dazu motiviert sein, sich an der gesellschaftlichen Reproduktion zu beteiligen? (mehr …)

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Heute stellt sich die Frage nach der gesuchten perfekten Gesellschaft mit den Worten von Simon und Stefan so:

„Wollen wir allgemeine Inklusion wirklich erreichen, ist es notwendig, die inklusionslogischen Bedingungen in einer Gesellschaft zu schaffen, in welcher ich meine Bedürfnisse am besten durch das Einbeziehen anderer befriedigen kann.“ (127)

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Vorbildhaft sind für die Commons-Debatten bei keimform.de schon lange die historischen und zeitgenössischen realen Commons gewesen. Im Kapitel über „Keimformen“ wird in Simons und Stefans Buch über die traditionellen Commons berichtet, die vor allem Elinor Ostrom untersucht hat (S&M: 221ff.) und im Kapitel über den „Commonismus“ wird der Bezug auf die „Commons“ in einem Kasteneinschub erläutert (ebd.: 156). Für mich bleibt dieser Bezug seltsam blass, wahrscheinlich auch, weil bewusst alle Konkretisierungen zugunsten der bloß „kategorialen“ Sicht ausgeblendet sind. (mehr …)

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Auch in manchen politischen Texten spielt die Vorstellung, dass Menschen „gemeinsam verschieden“ (S&M: 127) sein können und die Gesellschaft quasi von unten her selbst gestalten, eine zentrale Rolle, worauf Holger Marcks hinweist. In einem Flyer zu den „Anarchistischen Prinzipien“ wird festgestellt: „Nur in Beziehungen der „Freiheit/Freiwilligkeit“ können Menschen die Bedürfnisse anderer mitdenken, lernen, sich in andere hinein zu versetzen sowie soziale Verantwortung zu übernehmen und basisdemokratische Aushandlungsformen zu finden.“ Das Grundprinzip für die Vermittlung ist die „freiwillige Vereinbarung“ (vgl. Kropotkin 1892: 142ff.). Schon Kropotkin antwortet hier auf die zweifelnde Frage, wer sich denn in der zukünftigen Welt um die Verkehrsregelung kümmern solle… (ebd.: 149f.). Solche Gedanken und auch Praxen haben eine lange Geschichte. Ich möchte nur einiges dazu herausgreifen: Für Michael Bakunin war klar: (mehr …)

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