Gelesen


Frigga Haug hat im vorigen Jahr ein neues Buch mit vorwiegend schon älteren Texten veröffentlicht, die sie durch Vor- und Zwischenworte nachträglich in einen persönlichen Entwicklungs- und Erkenntnisweg einordnet. Ich kann es nur empfehlen, wenn man sich mit der Vielfalt ihrer Gedanken und Praxen einlesen möchte oder mehr Hintergründe dazu wissen möchte. Deshalb habe ich auch eine Rezension für die junge Welt geschrieben.

Zur Rezension bei der jungen Welt

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In Katovice wird über die Zukunft der Welt beraten, aber wie eigentlich immer, wird wohl nix rauskommen. Nur die Weltbank hat beschlossen, ab 2019 keine Kohle- und Gasprojekte mehr zu fördern (mit Ausnahmen). Ansonsten gibt es keinen wirklichen Plan, das Ruder herumzureißen bei den CO2-Emissionen. Im früheren Vorreiterland Deutschland wurde die Förderung der erneuerbaren Energien längst zugunsten der Energiefossile abgewürgt. Die Treibhausgasemissionen werden bis 2020 nicht um die angezielten 40% verringert, sondern nur um 32 Prozent. In den USA, die trotz des Ausstiegs von Trump aus dem Pariser Abkommen ihre CO2-Emissionen ein wenig reduzieren konnten, sank in der gleichen Zeit auch das Bruttosozialprodukt und es wurde mehr auf Kernkraft gesetzt [1]. Und Öl schmiert noch immer die Weltwirtschaft, kurzfristige wirtschaftliche Interessen von wenigen regieren die Welt.

  1. http://et-energie-online.de/Zukunftsfragen/tabid/63/NewsId/1524/Der-Clean-Power-Plan-der-USA.aspx
  2. Zur Rolle der genannten Staaten bei der Klimakonferenz in Katovice
  3. Die größten Ölförderer der Welt

Den meisten Büchern, die anlässlich des Marxjahres erschienen, bringe ich kein Interesse entgegen. So führte mich auch nur ein Hinweis aus der Veranstaltungsreihe, innerhalb derer ich in drei Wochen in Hamburg sein werde, zu dem Buch von Kurz Bayertz mit dem nicht so besonders aufregenden Titel: „Interpretieren, um zu verändern. Karl Marx und seine Philosophie.“

Gleich das erste Kapitel, das ich las, begeisterte mich jedoch wegen der analytischen Klarheit. Hier geht es um die „philosophischen Voraussetzungen“ der Marxschen Theorie“, die Marx zu einem großen Teil nicht explizit erläuterte. Bayertz wählt für seine Darstellung das „Prinzip der wohlwollenden Interpretation“:

„Die Marxsche Theorie soll so stark gemacht werden wie möglich – aber nicht stärker. Wohlwollen zeigt sich nicht darin, dass man Unklarheiten und Inkonsistenzen kaschiert.“

Im folgenden Beitrag werde ich aus dem Kapitel V: „Geschichte, Fortschritt, Revolution“ berichten. (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Im Stigmergie-Konzept bleibt das Gesamte den einzelnen Menschen weiterhin verborgen. Sie beziehen sich nicht auf das Gesamte, sondern beziehen sich nur auf die Teilaufgabe, für die sie auch nur das wissen müssen, was sie für die Aufgabe wissen müssen. Das ist nicht zufällig, denn die Herkunft dieser Metapher aus dem Zusammenwirken von Termiten beinhaltete auch schon, dass die Termiten nicht darüber kommunizieren brauchen, „wer wann wo was und wie zu tun hat“ (Heylighen 2007: 174). Es können damit erstaunliche Termitenhaufen entstehen. Bei Wikipedia zeigt sich aber schon, dass deren Gestaltung nicht nur in der Summe des Abarbeitens der roten Links besteht, sondern wesentlich in der aktiven Aufrechterhaltung und Gestaltung der gesamten Infrastruktur – an der sich nur ein Bruchteil der insgesamt Beteiligten beschäftigt. Aber auch so wären nicht wirklich sachlich komplex ineinander verwobener Produktionsprozesse zu gestalten – überhaupt geht der Gestaltungsanspruch fürs Ganze verloren oder wird an jene delegiert, die in den „Hubs“ dafür sorgen. Da diese dann eingreifen in die Infrastrukturgestaltung und -festlegung – für die es keine Alternativen geben kann, wenn sie das globale Netzwerk betreffen – kann hier nur sehr träumerisch an das ewige Fortbestehen einer nur eingebetteten Allgemeinheit geglaubt werden. (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Da für die Vorstellungen zur gesellschaftlichen Arbeitsteilung ohne direkten Zwang oder indirekten Zwang durch das ökonomische Wertgesetz oder eine zentrale Planung die Stigmergie wichtig ist, möchte ich noch einmal darauf zurück kommen. Schon in der Oekonux-Debatte wurde für diese Frage das Vorbild der Herstellung Freier Software zu Rate gezogen (Merten, Meretz 2005). Später wurde eine Verbindung zur Stigmergie erkannt (vgl. Heylighen 2007), das nach Wikipedia ein „Konzept zur Beschreibung einer besonderen Form der Koordination von Kommunikation in einem dezentral organisierten System, das eine große Anzahl von Individuen umfasst“, ist (Wikipedia: Stigmergie). (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Freiwilligkeit bezieht sich insbesondere auf den eigenen Beitrag zur Reproduktion der Gesellschaft und der Erzeugung der zum Leben notwendigen Produkte. Dies ist direkt aus der im „Begriff vom Menschen“ verankerten Situation, dass die gesellschaftlichen Handlungsnotwendigkeiten für die Individuen lediglich Handlungsmöglichkeiten darstellen, abgeleitet bzw. ableitbar. Wie anders als durch lediglich individuelle Gründe sollte ein freies Individuum dazu motiviert sein, sich an der gesellschaftlichen Reproduktion zu beteiligen? (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Heute stellt sich die Frage nach der gesuchten perfekten Gesellschaft mit den Worten von Simon und Stefan so:

„Wollen wir allgemeine Inklusion wirklich erreichen, ist es notwendig, die inklusionslogischen Bedingungen in einer Gesellschaft zu schaffen, in welcher ich meine Bedürfnisse am besten durch das Einbeziehen anderer befriedigen kann.“ (127)

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