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Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Weg muss dem Ziel entsprechen

Ich kann der Argumentation, dass es nicht sinnvoll ist, „mit Gewalt eine Gesellschaft ohne Gewalt“ (S&S: 54) zu schaffen, viel abgewinnen. Nicht teilen kann ich die Behauptung, dass im Marxschen Übergangskonzept „die möglichen Gewalttaten zur Erreichung des Sozialismus […] eingeplant“ (ebd.: 89) gewesen wären. Es geht nicht um ideengeschichtliche Pläne, es geht um reale Erfahrungen. Und noch nie in der Geschichte (bis dahin und auch bis heute) konnte eine Befreiungsbewegung ohne den Widerstand durch die Vertreter des zu Überwindenden agieren und einfach frisch, frei und fröhlich „das Neue konstituieren“. Wir kennen das Schicksal der Pariser Commune. Den brutalen Vernichtungsfeldzug gegen die südamerikanischen Linken in den 70er Jahren schildert z.B. nachdrücklich Naomi Klein (2009). Es war ja nicht der Wunsch der Revolutionäre, mit Gewalt vorzugehen, mindestens, um sich zu schützen. Gerade das Bild einer Barrikade ist hier tragend: Hinter Barrikaden verschanzt man sich, um das gewonnene Terrain zu verteidigen. Solange es Konterrevolution gibt, ist ohne Barrikaden auch keine Konstitution des Neuen möglich. (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Dem entspricht auch der Verzicht der Thematisierung der Klassenstruktur in Klassengesellschaften. Als neue Begriffe der Unterscheidung dessen, wovon die Transformation ausgeht und wohin sie führen soll wird nicht mehr vom Übergang von Klassengesellschaften zu einer klassenloser Gesellschaft gesprochen, sondern vom Überwinden der Exklusionslogik und der Durchsetzung der Inklusionslogik als gesellschaftliches Prinzip (S&S: 155). Exklusionslogik kennzeichnet Bedingungen, die den Menschen nahelegen, ihre Bedürfnisse auf Kosten anderer zu befriedigen (ebd.: 31), während die Bedingungen in einer inklusionslogischen Struktur den Menschen nahelegen, die Bedürfnisse anderer mit einzubeziehen (ebd.: 34). (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


5.1. Aufhebungstheorie

Das gerade vorgestellte kategorial-utopische Ziel soll durch eine aufhebende Transformation aus dem jetzigen Zustand heraus  erreicht werden. Kategorial-utopisch wurden Bedingungen des Commonismus genannt, die dann verwirklicht sein sollen: Freiwilligkeit und kollektive Verfügung, wie sie auch im idealisierten Commonsbegriff enthalten sind. Aus der Möglichkeit, wie sie erst einmal unabhängig von konkret-historischen Bedingungen entwickelt wurde, soll eine konkret-historische Wirklichkeit nach dem Kapitalismus werden. (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“. (Version 1.10, 05.02.2019)


In mehreren Gesprächen mit den Autoren des Buches wurde mir erklärt, dass der Anspruch nicht darin bestand, zu behaupten dass ein Zustand, der dem „Begriff vom Menschen“ ohne Einschränkung entspricht als nächstes verwirklicht würde, gleich gar nicht mit Notwendigkeit. Es ginge nur darum die Möglichkeit wissenschaftlich herzuleiten: „Wir haben die Möglichkeit wissenschaftlich hergeleitet, Nicht, dass das als nächstes kommt“ steht in einem entsprechenden Protokoll. (mehr …)

Schon mehrere Blogbeiträge beschäftigten sich mit dem Thema, was das Kennzeichnende an der Gesellschaftsformation „Kapitalismus“ ist. Eine Herausforderung dazu ist die Verbreitung der Ansicht, der Kapitalismus sei primär durch einen Zwang zur Beteiligung am Markt gekennzeichnet, während die Ausbeutung nicht als wesentlich angesehen wird (S&S: 37). Ich hatte das schon in meinem kritischen Kommentar zum Buch „Kapitalismus aufheben“ (S&S) unter Punkt 3.2.1 angesprochen. Simon Sutterlütti thematisiert dies auch in einem Keimform-Beitrag.

Eng damit verbunden ist auch die Frage, wie sich Geld und Kapital zueinander verhalten. Wichtig ist die Frage, um zu wissen, worin die Wurzel des Kapitalismus besteht, die wir ziehen müssen, wenn wir ihn „aufheben“ wollen.

Henne und Ei? Was ist Wesen und was Erscheinung?
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Frigga Haug hat im vorigen Jahr ein neues Buch mit vorwiegend schon älteren Texten veröffentlicht, die sie durch Vor- und Zwischenworte nachträglich in einen persönlichen Entwicklungs- und Erkenntnisweg einordnet. Ich kann es nur empfehlen, wenn man sich mit der Vielfalt ihrer Gedanken und Praxen einlesen möchte oder mehr Hintergründe dazu wissen möchte. Deshalb habe ich auch eine Rezension für die junge Welt geschrieben.

Zur Rezension bei der jungen Welt


In Katovice wird über die Zukunft der Welt beraten, aber wie eigentlich immer, wird wohl nix rauskommen. Nur die Weltbank hat beschlossen, ab 2019 keine Kohle- und Gasprojekte mehr zu fördern (mit Ausnahmen). Ansonsten gibt es keinen wirklichen Plan, das Ruder herumzureißen bei den CO2-Emissionen. Im früheren Vorreiterland Deutschland wurde die Förderung der erneuerbaren Energien längst zugunsten der Energiefossile abgewürgt. Die Treibhausgasemissionen werden bis 2020 nicht um die angezielten 40% verringert, sondern nur um 32 Prozent. In den USA, die trotz des Ausstiegs von Trump aus dem Pariser Abkommen ihre CO2-Emissionen ein wenig reduzieren konnten, sank in der gleichen Zeit auch das Bruttosozialprodukt und es wurde mehr auf Kernkraft gesetzt [1]. Und Öl schmiert noch immer die Weltwirtschaft, kurzfristige wirtschaftliche Interessen von wenigen regieren die Welt.

  1. http://et-energie-online.de/Zukunftsfragen/tabid/63/NewsId/1524/Der-Clean-Power-Plan-der-USA.aspx
  2. Zur Rolle der genannten Staaten bei der Klimakonferenz in Katovice
  3. Die größten Ölförderer der Welt

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