Politische Theorie


Ich kann mich nur noch vage daran erinnern, aber es waren Veranstaltungen während den Ferienunis „Kritische Psychologie“, die mich darauf aufmerksam machten, dass es zwischen der individuellen und der gesellschaftlichen Ebene noch soziale Orte gibt, die für die Orientierungen und Begründungen von Handlungen von Individuen wesentlich sind. Insbesondere den Namen Josef Held merkte ich mir. Vor kurzem las ich nun die IG-Metall-Jugendstudie aus dem Jahr 2002 (Bibouche, Held 2002) und fand darin interessante inhaltliche Ergebnisse zu Orientierungen von Jugendlichen zur damaligen Zeit (immerhin von vor 20 Jahren), aber auch wertvolle konzeptionelle Ergänzungen zu dem, was ich aus der Kritischen Psychologie kenne. Ich denke, diese sind wichtig 1. für das inhaltliche Konzept der Kritischen Psychologie wie auch 2. für die daraus abgeleiteten Praxen der Kollektiven Selbstverständigung. (mehr …)

Gerade die individuelle Möglichkeitsbeziehung verweist also auf die Notwendigkeit eines systemischen Zusammenhangs, eines „in sich funktionsfähige[n] Erhaltungssystem[s]“ (Markard 2009: 162), „durch das die Lebenssicherung des Einzelnen vermittelt ist“ (ebd.: 86). Solche „in sich funktionsfähigen Systeme“ sind auch Gegenstand von System- und Selbstorganisationstheorien. Dort wird von ihrem sachlichen Inhalt abstrahiert und allgemeine Zusammenhänge für solche Systeme erkundet. Es wäre unangemessen, direkt aus der dort vorliegenden abstrakten Sphäre direkte Schlüsse auf konkrete inhaltlich bestimmte Systeme, wie z.B. das gesellschaftliche zu ziehen (vgl. Bühl 1987), aber heuristische Hinweise können auf jeden Fall entnommen werden. Was könnte aus diesen Theorien für unser Thema interessant sein?

Zunächst einmal wird davon ausgegangen, dass Systeme „höherer“ Ordnung jeweils auf Grundlage der Bewegung von Elementen der „niederen“ Systeme entstehen, wobei „Hö-herentwicklung“ mit wachsendem Komplexitätsgrad verbunden ist und damit, dass jeweils „niedere“ Systeme ohne die „höheren“ existieren können, aber nicht umgekehrt.
(mehr …)

Benni Bärmann führte neben dem Begriff der Interpersonalität und der Transpersonalität noch den Begriff Metapersonalität ein. Es geht dabei um „Beziehungen zwischen Menschen“. Bei interpersonalen Beziehungen sind „die konkreten Personen mit ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen in ihrer Gesamtheit […] wichtig und nicht austauschbar“, bei transpersonalen Beziehungen dagegen sind „die konkreten Personen mit ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen in ihrer Gesamtheit in ihr nicht wichtig und austauschbar“. Stefan Meretz präzisiert diese Bestimmungen und meint, dass es bei interpersonalen Beziehungen um „konkret Andere“ geht und bei transpersonalen um „allgemeine Andere“, wobei letztere nur vermittelt möglich sind.

Zusätzlich zu diesen Beziehungen zwischen Menschen wird, so meint Benni richtig, noch eine umfassendere („Meta-“)Ebene benötigt, nämlich die gesellschaftliche. Beziehungen auf dieser Ebene nennt er „metapersonal“. Sie lassen sich nicht interpersonalisieren (was für die transpersonalen Beziehungen noch gilt). Folgende Phänomene spielen sich auf dieser Ebene ab: Sprache, Kultur, Wissenschaft, Diskurse, Technik, heteronormative Praxis und die Warenproduktion.

Simon Sutterlütti spricht in der Diskussion schon davon, dass sich die metapersonale Ebene durch „Emergenz“ ergibt. Benni antwortet: „Aber das ändert ja gar nix. […]„Emergenz“ ist für mich vor allem so ein Handwedelbegriff, den man immer dann hervorholt wenn man nicht mehr weiter weiß und der im Grunde nix erklärt“ (dazu dann hier im Punkt 2.)

1. Bezug zu Begriffen der Kritischen Psychologie

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“. (Version 1.10, 05.02.2019)


In mehreren Gesprächen mit den Autoren des Buches wurde mir erklärt, dass der Anspruch nicht darin bestand, zu behaupten dass ein Zustand, der dem „Begriff vom Menschen“ ohne Einschränkung entspricht als nächstes verwirklicht würde, gleich gar nicht mit Notwendigkeit. Es ginge nur darum die Möglichkeit wissenschaftlich herzuleiten: „Wir haben die Möglichkeit wissenschaftlich hergeleitet, Nicht, dass das als nächstes kommt“ steht in einem entsprechenden Protokoll. (mehr …)


Gelbe Westen (gfrz. gilets jaunes) sind seit einigen Wochen ein Symbol, aber kaum jemand weiß so ganz genau, wofür es steht. Linke haben gleich einen Rechtspopulismusverdacht.

Ich fand in einem Gespräch mit Didier Eribon, Edouard Louis und Geoffroy de Lasagnerie eine interessante Bemerkung zum Umgang mit solch unklaren Bedeutungen:

Die gilets jaunes haben keine vor­gegebene Bedeutung, an deren Heraus­bildung können und müssen wir mitarbeiten.

(mehr …)

War da nicht heute was? Auch ja: Der Klimagipfel in Kattowice. Kümmert das irgendwen? Außer ein paar Journalisten, die nun mal wieder kurz die Titelseiten bekommen?

Wann war es jemals so deutlich geschrieben worden:

„Revolution oder Klimakatastrophe“ (ND, 1./2. Dezember 2018)

 

Einer der neuen Direktoren des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Johan Rockström (wahrscheinlich nur Insidern bekannt als Mitautor der Studien zu den „Planetaren Grenzen„) schreibt dazu:

„Wenn die Regierungen heute ihre Versprechen zur
Stabilisierung unseres Klimas nicht einhalten, so wird man sich über
Generationen hinweg an ihr Versagen erinnern.“

Aber man wird sich nicht nur an das Versagen der Regierungen erinnern. Wer folgt denn derzeit dem allgemeinen Run der Lemminge auf die Weihnachtsgeschenke, wo es nur noch darum geht, ob man das online macht oder wenigstens im Einzelhandel? Grad die Weihnachtszeit wäre eine mögliche Zeit der Besinnung darauf, was uns wirklich wichtig ist. Sind es Berge von umweltverbrauchenden und -vermüllenden Dingen oder eben mehr Zeit für Muße und füreinander?


Hier dazu entsprechende Illustrationen…

Diese Blogbeiträge erfassen meinen Beitrag für die Zeitschrift „Aufhebung“. (Annette Schlemm: Trägt oder trügt die Hoffnung aus einer dialektischen Geschichtsphilosophie? In: Aufhebung. Zeitschrift für dialektische Philosophie. #12/2018. Berlin: Gesellschaft für dialektische Philosophie Eigenverlag. S. 49-69.  Zitierung wurde für den Blog umformatiert.)


Von der Notwendigkeit des Fortschritts sind wir längst nicht mehr so überzeugt wie früher. Können wir wenigstens Hoffnung auf den »dialektischen Gang der Geschichte« haben? Was geschah, als Marx und Engels die Hegelsche Dialektik materialistisch »umstülpten« und welche Probleme sind damit verbunden? Der drohende Klima-Umbruch der nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte sollte uns Geschichtsphilosophien überdenken lassen, die sich bisher allzu leicht von der Hoffnung auf die Dialektik tragen ließen.


 

Nächste Seite »