Politische Theorie


Begriffsverwirrung

An einem Wort können sich Streite entzünden. Dabei scheint es so einfach zu sein. Marx schrieb im „Kapital“ zu den Gebrauchswerten:

„Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer ihre Form sei.“ (MEW 23: 50)

Demnach wird ein Ding zum Gebrauchswert, wenn es „menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt“ (ebd.: 49), d.h., wenn es nützlich ist.

Auf späteren Seiten im „Kapital“ wird der Gebrauchswert aber nur noch als Moment der Waren im Kapitalismus thematisiert, wobei der Gebrauchswert nun untrennbar vom Tauschwert wird, ja wo er zu so etwas wie „zur Erscheinungsform seines Gegenteils, des Werts“ (MEW 23: 70) wird. Man kann den Gebrauchswert nun nicht mehr trennen von dem, dessen Erscheinungsform es ist, dem Wert. (mehr …)

Gibt es außerhalb des Kapitalismus auch „Arbeit“? Kann man für die Zeiten vorher schon von „Wirtschaft“ sprechen? Wie sieht es mit „Gebrauchswerten“ aus, wie mit „Subjekten“, mit „Vernunft“, mit „Politik“? Zu all diesen Begriffen gibt es in linken Kreisen immer mal wieder erbitterte Debatten darüber, ob sie in allen menschlichen Gesellschaften (sozusagen „überhistorisch“) vorhanden sind, oder nur dem Kapitalismus zuzuordnen sind. Wenn jemand einen der Begriffe überhistorisch verwendet, wird dies häufig als „Ontologisierung“ kritisiert und zurückgewiesen, so z.B. hier von Wertkritikern:

„Die abstrakte „Arbeit“ erschien demzufolge auch nicht als historische Realkategorie des Kapitalismus, sondern als ontologische ewige Menschheitsbedingung.“ (Ernst Lohoff, Robert Kurz 1998).

Ich selbst habe so etwas in einem aktuellen Blog-Kommentar „beinah als eine „Enteignung“ von Begriffen“ bezeichnet. Der Anlass war ein Vorwurf gegenüber einem anderen Autoren, dass die Aussage „Wirtschaft hat es immer gegeben“ eine Ontologisierung sei. (mehr …)

Noch ist eine Begrenzung der Reduktion des Temperaturanstiegs auf 2 Grad möglich. Dazu wären große Reduktionsraten notwendig (vgl. Rahmstorf 2017). Diese Reduktionsraten sind umso höher, je später die Reduktion beginnt:

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Ich hatte in einem der letzten Texte zum Verhältnis von Wissenschaft und Politik geschrieben:

„Die Aufgabe von Wissenschaft ist, Möglichkeiten zu erkunden, also zu prognostizieren, was welche Handlungen und Unterlassungen mit bestimmter Wahrscheinlichkeit für Folgen haben.“

Die Aussagen über die Möglichkeiten sind natürlich wie immer mit Unsicherheiten behaftet. Während der IPCC-Prozesse wurden hier Vereinbarungen entwickelt, die eigentlich vorbildhaft für viele andere wissenschaftliche Aussagen werden könnten. Schon bei einfacher Labortätigkeit gehört zu jedem Messwert auch eine Angabe der Messunsicherheit, aber bei so komplexen Themen wie dem Klima ist die Herausforderung sehr groß. Das Ergebnis klingt dann z.B. so: (mehr …)

Man soll aus Erfahrungen lernen. Bisher ist nicht zu erkennen, dass es gelingen könnte, die Treibhausgasemissionen auf einen Stand zu begrenzen, bei dem gefährliche Folgen abgewendet werden könnten. Das „Fenster der Möglichkeiten“ dafür schließt sich gerade, während sich gleichzeitig die Menschen langsam an die Gefahrenmeldungen gewöhnen und sie umso weniger ernst nehmen. Dabei stellen wir jetzt die Weichen für die Gestaltung der Lebensbedingungen unserer Nachkommen. Die Temperaturen können sich schon in der nächsten Generation um 3,6 Grad erhöhen, in den nächsten 90 Jahren insgesamt um 7,2 Grad.

Die folgende Abbildung (leicht ergänzt aus DWD 2017) zeigt diese Bedingungen für die Lebenszeit von jetzt geborenen Kindern und deren Kindern:

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Neben der gesundheitlichen Gefahr der direkten Temperatureinwirkungen hat die Erwärmung viele andere negative Folgen für die Gesundheit. Durch die Erwärmung breiten sich vor allem gefährliche Organismen weiter aus wie für die BRD Zecken, allergene Ambrosia-Pflanzen und exotischen Mücken. Viele Krankheiten werden der sich ausbreitenden Wärme folgen: so die Wurmkrankheit Schistosomiasis, Gelb- oder Dengue-Fieber, Malaria, Riftalfieber, Ostküstenfieber, West-Nil-Fieber; afrikanische Schlafkrankheit und auch die Cholera.

„Experten betonen, dass der Klimawandel „die größte Bedrohung der Weltgesundheit im 21. Jahrhundert“ darstellt.“ (zit. in Schellnhuber 2015: 395)

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Dies ist ein zwischengeschobener Text, der auf einen Kommentar innerhalb dieser Beitragsserie eingeht…, inzwischen auch in Version 2 (am 9.5.2017 um einige nachrecherchierte Daten ergänzt)


In einem Kommentar meines Blogs wird vermutet, es gäbe „bisher keine Einigkeit über die Ursache des Prozesses“ und die Diskussion sei „allgemein sehr stark politisch dominiert“. Es sei „wohl noch nicht endgültig bewiesen, dass die Klimaveränderung kein Vorgang ist, der nicht auch so eintreten könnte.“ Den „den Beitrag des Menschen zweifelsfrei nachzuweisen halte ich für schwierig, da die Qualität und Aussagekraft der Daten über die Prozesse, die sich über Jahrhunderte und Jahrtausende erstrecken, sehr unterschiedlich ist“.

Woher haben wir unser Wissen?
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