Uncategorized


„Nichts ist gefährlicher, als das jeweilige Ideal in ein abstraktes Normativ zu verwandeln,
in eine wie auch immer gefärbte Brille, durch welche die Wirklichkeit nur noch als
mehr oder minder gelungene Verkörperung des Ideals zu sehen ist.“ (Brie 1990: 8)

In manchen Debatten wird angenommen, dass wir in einer nachkapitalistischen, besseren Gesellschaft nicht mehr „arbeiten“ müssen. Klar müssen noch genug Sachen hergestellt werden, damit wir leben zu können, aber dieses Tun soll nicht mehr „Arbeit“ genannt werden, sondern zum Beispiel „Tätigkeit“. Das Wort „Arbeit“ wird dann nur auf seine Bedeutung aus dem Mittelhochdeutschen als „arabeit“ in der Bedeutung von Mühsal und Not reduziert. Es gibt in diesem Sinn auch eine Verwandtschaft mit dem Wort „rabota“, was von- „rabu“ (= Knecht, Leibeigener) hergeleitet ist. Inhalte von Worten und Begriffen haben sich historisch häufig gewandelt. Im Englischen gibt es wenigstens noch die Unterscheidung von work und labour.

Vor allem die bisherigen Unterdrückungsgesellschaften füllten die Worte mit Inhalten, die deren Praxen entsprachen. Müssen wir deshalb die ganze Sprache neu erfinden? Oder sollten wir ausweichen auf anscheinend „unverbrauchte“, „unverschmutzte“ Worte, wie von „Arbeit“ zu „Tätigkeit“ oder von „Eigentum“ zu „Verfügung“? Ich bin in solchen Fällen immer dafür, den Begriffsumfang in aller Geschichte genau zu erkunden und dann zu versuchen, auf den allgemeinsten hier vorkommenden Begriff zurück zu kommen, um dann Unterschiede als Besonderungen zu bestimmen. Der Begriff von „Arbeit“ hat eine besondere Bedeutung, gilt er doch im marxschen Kontext als wichtige Unterscheidung für das Menschliche gegenüber allem, was Tiere tun können.

(mehr …)

Ich denke, ich lese nicht recht. Als Physikerin im Beruf musste ich immer peinlich genau darauf achten, dass alle Messungen und Berechungen auch wirklich stimmen. Schon im Studium lernt man (hoffentlich), dass man wenigstens die Größenordnung der Ergebnisse stets kritisch beäugen sollte.

Nun stellt sich heraus, dass die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zugeben musste, dass in einer Studie über den Infraschall von Windkraftanlagen von 2005 die Werte dieses Infraschalls um mehrere Tausend mal zu hoch angesetzt worden waren. In diesem Bericht werden Infraschallwerte von mehr als 100 Dezibel angegeben. Und das wäre wirklich ganz schön heftig – das entspricht einem Drucklufthammer oder dem Lärm in einer Diskothek!. Niemandem fiel auf, dass in so einem Schallsignal viel mehr Energie hätte stecken müssen als im gesamten Schallsignal (also über alle Wellenlängen hinweg, nicht nur im Infraschallbereich) (soviel zum kritischen Beäugen).

Aber genau dieser Wert wird seither von Gegnern der Windkraft als Argument verwendet. Das ist ja mal dumm gelaufen. Einen schönen Einblick in die Wissenschaft des Schalls gibt Stefan Holzheu. Er erläutert, inwiefern Schallwellen im Infraschallbereich (also einem Ausschnitt aus dem Wellenlängen- bzw. Frequenzbereich, in dem Schallwellen auftreten können) zwar nicht hörbar sind, wenn sie allerdings viel Energie in sich tragen, d.h. sehr laut sind, doch hör- und spürbar werden können.

(mehr …)

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Wir, die weit entwickelten Länder der Welt, die sich nur auf Kosten der Ausbeutung von Mensch und Natur so weit entwickeln konnten, müssen zurück stecken. Wir können der ökologischen Zerstörung, speziell der Gefahr von Klimakatastrophen nicht mit bloßen technischen Veränderungen entkommen. Bisher hofften viele, wir könnten dieser Gefahr zu entkommen, indem weitere technische Innovationen und damit auch Profitquellen entwickelt werden könnten. Elektro- statt fossile-Energie-Antriebe…, Photovoltaik statt Kohle… und wenn das nicht reicht noch ein wenig Climate Engineering…

Denkste…

(mehr …)

(Die Foliennummern entstammen der dazugehörigen Präsentation)

 

In unserer Ortsgruppe „Extinction Rebellion“ haben wir gegen Ende des vorigen Jahres ein Positionspapier erarbeitet, um uns zu den Kritiken an der Bewegung „Extinction Rebellion“ zu positionieren. In den Prinzipien dieser Bewegung wird vom „toxischen System“ gesprochen. In Jena einigten wir uns darauf, den Kapitalismus bei seinem Namen zu nennen. Natürlich wirken für das naturfeindliche Verhalten auch andere Verhaltensweisen und Verhältnisse eine Rolle, aber wir wollten den zentralen Kern der verhängnisvollen Dynamik präziser benennen.

Dies forderte Kritik heraus. So bekamen wir in einer Email mitgeteilt (Folie 1):

„Ich bin aber über eine Formulierung gestolpert und habe mich gefragt, ob ihr sie bewusst gewählt habt. Und zwar der „weltweit agierende Kapitalismus“ […].
Ist euch bewusst, wie sehr diese Formulierung sich anlehnt an Erzählungen von antikapitalistischen Antisemit*innen? […] Und wenn ihr behauptet, der Kapitalismus würde „agieren“, dann ist das eine ähnliche Verschwörungserzählung.
Denn Kapitalismus agiert nicht. Es sind Menschen, die agieren.

In dem folgenden Bild werden unvermittelt beide Positionen verbunden: der Kapitalismus tötet und Kapitalisten könnten die Mörder sein (Folie 2):

(mehr …)

Ich hatte gestern ein recht streitbares Gespräch mit jemandem, der das neue Buch von Fabian Scheidler wärmstens empfohlen hat (Danke für die Anregung 😉 ). Auch für Ernst Ulrich von Weizsäcker ist dieses Buch „ein großer Wurf“. Es handelt sich um den Titel: „Der Stoff aus dem wir sind. Warum wir Natur und Gesellschaft neu denken müssen“.

Ich bin mir noch unsicher, ob ich dieses Buch lesen möchte. Ich habe schon ein ganzes Regal voller Bücher aus den 90er Jahren über das damalige „Neue Denken“, deren Echo ich in der Leseprobe auf der Website von F. Scheidler höre:

Fabian Scheidler zeigt, wie sich die Vorstellung einer durch und durch berechenbaren, maschinenartigen Welt, die vom Menschen beherrscht werden kann, zusammen mit dem Kapitalismus über die letzten 400 Jahre entwickelt hat.[…]
Währenddessen haben die Wissenschaften selbst jedoch eine ganz andere Entwicklung genommen: Von der Quantenphysik über die moderne Biologie bis zur Bewusstseinsforschung haben sie eine Welt zutage gefördert, die auf Verbundenheit, Selbstorganisation, Empathie und Kreativität beruht.

Etwas mehr kann ich auf TELEPOLIS nachlesen. Hier schreibt Scheidler von einer „mechanistischen Wissenschaft, die in der Neuzeit entstand und prägend für unsere Zivilisation werden sollte“. Und dass diese die Natur als „aus von Menschen getrennte Objekte, die sich beliebig zerlegen, analysieren, neu zusammensetzen und kontrollieren ließen“ behandeln würde. Dann verweist er darauf, dass wir auch „in unserem alltäglichen Bewusstsein und Handeln“ die Natur noch als etwas behandeln würden, das „unabhängig von uns „da draußen“ existiert“. Naja, der Andromeda-Nebel da oben ist schon ziemlich unabhängig von mir, oder bin ich so fundamental für die Welt, dass er in seiner Existenz und Verhaltensweise wirklich von MIR abhängig ist??? Aber Scheidler meints natürlich anders.

(mehr …)

Hier dokumentiere ich eine unvollendete Studie von mir zur Entstehung des Feudalismus, die eine gewisse Bedeutung bei der Frage hat: Wie entstehen eigentlich Gesellschaftsformationen – gibt es dabei eher verallgemeinerbare Abfolgen und Prinzipien oder eher nicht? Sie ist Teil der Bemühungen, uns im Kontext von Commoning-Debatten mit dem Thema „Weltgeschichte und Transformation“ (WuT) zu beschäftigen.


Was ist eigentlich und
wie entstand der „Feudalismus“?

Der Begriff „Feudalismus“ ist häufig eingebettet in eine marxistische Geschichtstheorie und bezeichnet eine der historisch-konkreten Gesellschaftsformationen. Die Produktions- und Lebensweise der Menschen in einer bestimmten Gesellschaftsformation ist durch bestimmte qualitative Wesenszüge bestimmt, die nur dieser Gesellschaftsformation zukommen und die sie zu einem Ganzen machen, in dem viele Charakteristika zusammen gehören und nicht voneinander trennbar sind.

„Feudalismus“ kennzeichnet die Epoche zwischen dem 7./8. Jahrhundert und dem 17. Jahrhundert in Mitteleuropa; ob auch andere Zivilisationen als „Feudalismus“ zu betrachten sind, hängt von den Inhalten des Begriffs „Feudalismus“ ab. Um ihn zu bilden, muss man ihm mindestens eine besondere „Konfiguration struktureller Beziehungen“ (Hilton 1978a: 11) zuschreiben.

Heute möchte ich in diesem Zusammenhang vor allem über einen Text aus dem Buch von Otto Hintze: „Wesen und Verbreitung des Feudalismus“ aus dem Jahr 1929 (hier aus dem Buch „Feudalismus – Kapitalismus“ von 1970) berichten. Für ihn ist der Feudalismus ein „Prinzip der Kriegsverfassung und der Wirtschafts- und Sozialverfassung“ (Hintze 1929/1970: 14). Die von mir bisher gelesenen marxistischen Autoren konzentrieren sich stark auf den ökonomischen Aspekt, dazu werde ich im Anschluss noch etwas ergänzen. (mehr …)

An dieser Stelle dokumentiere ich einen Auszug aus meiner Broschüre

„Der Klassenkampf …. da ist er aber immer noch…!!

In dem Kapitel „Kampf und Logik – Klassenkampf reloaded“ geht es um das Verhältnis der ersten ca. einhundert Seiten des „Kapitals“ von Marx zum „Rest“ und wie die Aufeinanderfolge der Argumentationsschritte zu verstehen ist.

Dies gehört zur kritischen Auseinandersetzung mit der sog. wertkritischen Lesart des „Kapitals“.

Hier gibts die PDF dieses Beitrags
(der Link  unten funktioniert nicht,
die neuen WordPresstools funktionieren beschissen;
jetzt ist auch noch der weitere Text hier im Blog verschwunden…
Ich lass es so, schaut Euch die PDF-Datei an…)

 

„Lesen, bis der Kommunismus kommt…“

Wie weit darf man gehen, um die Welt zu retten?

Um diese Frage geht es im Klima-Thriller „Klima. Deine Zeit läuft ab“ von David Klass. Im Jahr 2020 ist das Buch auf Englisch erschienen und nach eigenen Aussagen haben ihn Gespräche mit seiner Tochter über den Klimawandel inspiriert.

In seinem Roman gibt es vorerst noch keine politische Klimabewegung wie die „Fridays for Future“. Es gibt, wie schon lange, viele Gruppen, die sich für Umweltschutz einsetzen. Aber angesichts der Gefahr, wie sie jetzt fast unabwendbar auf uns zukommt, reicht das offensichtlich nicht. Deshalb geht ein Öko-Aktivist weiter und es kommt zu Opfern, die auch er nicht bringen wollte. Es gibt ein Gedankenexperiment aus der Ethik, in dem danach gefragt wird, wie man für einen heranbrausenden nichtbremsbaren Zug die Weiche stellen würde: Ohne Eingreifen würde er in eine größere Menschengruppe fahren – wenn ich die Weiche herumreiße, würde nur ein einziger Mensch sterben. Was tun? Und wie mit dem Wissen um die Folgen leben?

Im Roman „Klima. Deine Zeit läuft ab“ bewegen sich der Öko-Terrorist und ein FBI-Ermittler unaufhaltsam aufeinander zu. Der FBI-Ermittler kann sich gespenstig gut in den „Green Man“ einfühlen und man verwünscht dies beim Lesen fast. Auch er selbst ist nicht so glücklich damit, denn er kann es nicht verhindern, dass ihn die Argumente von „Green Man“ für die Erdrettung überzeugen. Sie treffen tatsächlich aufeinander und nur einer verlässt den das brennende Fracking-Ölfeld.

Heute fand nach längeren Vorbereitungen eines Vorbereitungsteams die Eröffnung der Kampagne zum Klimaentscheid für ein klimaneutrales Jena im Jahr 2035 statt.

Wir wissen wohl inzwischen alle, was wir in den nächsten Jahrzehnten verlieren werden, wenn sich nicht bald etwas tut auf dem Weg zu mehr Klimaschutz und Klimagerechtigkeit. Häufig seufzen wir dann und drehen uns weg von dem Thema, denn WAS KÖNNEN WIR DENN SCHON TUN???

Mindestens können wir uns in unserem Ort einsetzen für ein Bürger*innenbegehren bzw. einen Bürger*innenentscheid dafür, in der eigenen Region mehr fürs Klima zu tun. In Jena geht es jetzt damit los, es haben sich Arbeitsgruppen gebildet, z.B. für das Ansprechen von Menschen, um ausreichend viele Unterschriften zu bekommen, damit ein Bürger*innenbegehren zustande kommt.

Ich selbst bin ja schon angesichts des Ziels skeptisch. Damit eine Stadt wirklich klimaneutral sein könnte, dürften keine Produkte in ihr hergestellt werden, die dem Klima und vielleicht sogar dem Frieden schaden (mit Beiträgen zur Rüstungsproduktion), jeder Arbeitsplatz müsste auf den Prüfstand, ob auf ihm wirklich menschliche Bedürfnisse befriedigt oder z.B. im Marketing bloß zugunsten des Profits erzeugt werden. Und niemand sollte mehr Dinge herstellen müssen, die schnell kaputt gehen, nicht reparaturfreundlich sind und bei der Rohstoffversorgung, der Herstellung oder Entsorgung der Natur und dem Klima schaden. Und wir müssten nicht durch soziale Not erpresst werden können, alle möglichen solche Arbeiten machen zu müssen. Und wir müssten nicht jede*r einzeln zig Kilometer mit dem eigenen Auto hinfahren müssen und … und … und… Und es müssten jene Anteile der Umwelt- und Klimaschäden mit berücksichtigt werden, die wir mit hergeschafften Produkten mit verursachen und mit unserer Lebensweise überhaupt, die gar nicht direkt unserem Ort zuschreibbar sind, aber eben unserer Lebens- und Arbeitsweise. Wenn man das mit einrechnet, müsste sich seeeeeehr viel mehr ändern, als im Klimaentscheid diskutiert wird.

Aber fangen wir erst mal an damit an, das, was unsere demokratisch gewählten Vertreter*innen auf ihren Posten in unserem Interesse tun können, zu beeinflussen! Wer sich langfristig intensiv damit beschäftigen will, kann sich in Jena auch beim „Runden Tisch Klima und Umwelt“ engagieren, der ein Ergebnis der andauernden Demonstrationen von „Fridays for Future“ und ihrer Verbündeten ist.

Wer sich außer an Demos nun weiter aktiv engagieren möchte, ist herzlich eingeladen, beim Klimaentscheid nicht nur einmal zu unterschreiben, sondern die ganze Kampagne aktiv zu unterstützen. Diese Initiative gibt es nicht nur in Jena, in allen Regionen sollten sie mittlerweile zu finden sein. Startpagen (statt „googeln“) hilft!

Man könnte denken, sie kapierens langsam. Auf der tagesschau-Website wird über die Intiative „KLIMA vor acht“ informiert. Es gibt dazu einen Offenen Brief, der gern noch weiter unterschrieben werden kann!!!, darin steht u.a.:

Wir, die Vertreter:innen und Unterstützer:innen der Initiative KLIMA° vor acht, fordern Sie auf, eine wissenschaftlich fundierte und verständliche Klimaberichterstattung anzubieten, täglich und zur besten Sendezeit.

Während zum Thema „Wirtschaft“, inclusive „Börse vor acht“ 618 Beiträge gesendet wurden, gab es bei der ARD nur 128 Sendungen mit dem Begriff „Klima“ im Titel. Was brauchen wir dringender zum Überleben, eine intakte Umwelt oder die Börse? Bewahrheitet es sich, dass sich Menschen eher einen kaputten Planeten Erde vorstellen können, als einen Wechsel unserer Wirtschaftsordnung zugunsten von bisher ausgebeuteten Menschen und der Mit-Welt? Die Dominanz des Börsenthemas in den Medien bestärkt dies.

Dagegen nun das Thema der Umwelt- bzw. Klimagefahren aufzubringen, ist nun laut Antwort des gesschäftsführenden Redakteurs bei der ARD „erstmal eine parteiische Interessengruppe“. Und der Journalismus soll ja „unabhängig“ bleiben. Wie unparteiisch die Folgen des schon beginnenden Klima-Umbruchs zuschlagen, erleben ja nun mittlerweile auch wir und immer öfter berichten alle Medien über diese Folgen in den alltäglichen Katastrophenmeldungen. Davon wird sich niemand „unabhängig“ halten können.

Über die existentiellen Gefahren der ökologischen- und Klimagefahren Alarm zu schlagen, ist längst nicht mehr nur „Interessengruppen-„Vertretung! Es geht uns alle an, deshalb geht es um unser aller Interessen!!!

Deshalb: KLIMA vor Acht – immer und überall!

Nächste Seite »