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Zu einem Artikel von Fritz Reusswig zu diesem Thema

Annette Schlemm zur Vorbereitung eines Seminars
des Gesprächskreises Dialektik & Materialismus mit Fritz Reusswig

Am 12.11.2021 findet online ein Seminar mit Dr. Fritz Reusswig vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) statt. Dieses Seminar wird vom Gesprächskreis Dialektik & Materialismus gestaltet. Beteiligte am Seminar bereiten sich bereits vorher auf das Thema vor und mein folgender Text ist ein Teil davon. Ich werde im Folgenden vor allem einen Text von Fritz Reusswig referieren und Ergänzungen aus meiner Sicht einfügen, die vor allem an Kritiken an Hegels Naturphilosophie von Renate Wahsner anknüpfen.


1 Fritz Reusswig zu Hegel und dem Klimaproblem

1.1 Die Bedeutung von Philosophie

Die Bedeutung von Philosophie für bestimmte Problembereiche hat Hegel selbst thematisiert. Er schrieb in seiner „Differenzschrift“ von 1802:“ Wenn die Macht der Vereinigung aus dem Leben der Menschen verschwindet […], entsteht das Bedürfnis der Philosophie“ (HW 2: 22). Reusswig konstatiert: „In der Klimadebatte ist es jetzt soweit: der Geist der Vereinigung – wenn es ihn je gab – hat dem Geist der Entzweiung Platz gemacht“ (Reusswig 2020). Fritz Reusswig sieht dabei insbesondere das dialektische Denken als einen der „Ansatzpunkte, um die Herausforderungen, die der anthropogene Klimawandel für Natur und Gesellschaft bietet, kognitiv und dann auch politisch-praktisch besser zu bewältigen“ (Reusswig 2013: 1). Für jede Gesellschaftstheorie habe die „normative Generalthese“ zu gelten, die „Gesellschaft so zu denken, dass ihre physische Reproduktion über die Zeit (und unter Einschluss des guten Lebens aller Gesellschaftsmitglieder) möglich bleibt“ (ebd.: 2). Leider herrsche derzeit eher eine „Krise einer naturvergessenen Sozialwissenschaft“ (ebd.).

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In der Zeitschrift politische ökologie 166 ist ein Beitrag erschienen, den ich gemeinsam mit Johannes Euler und Silke Helfrich verfasst habe. Wir haben uns mit dem Thema beschäftigt, ob und wie Commoning uns zu mehr Resilienz (flexible Widerstandsfähigkeit) gegenüber den schon vorhandenen und sich verstärkenden ökologischen und sozialen Krisen verhelfen kann.

Wir haben dazu auch mit Teilnehmenden der Sommerschule „Commoning“ 2021 in Bechstedt sprechen können. Leider war der Platz natürlich wie immer viel zu gering, um alles darlegen zu können. Wer zu dem Text mit uns, bzw. mit mir ins Gespräch kommen will, bitte gerne schreiben…

Friedrich Engels:

„Und so werden wir bei jedem Schritt daran erinnert, daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand, der außer der Natur steht – sondern daß wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehn, und daß unsre ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug vor allen andern Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und richtig anwenden zu können.“ (MEW 20: 453)

Wir haben als Menschheit bereits vier der neun sogenannten „Planetaren Belastungsgrenzen“ überschritten. Die Folgen, vor allem abrupte klimatische Veränderungen, lassen sich nicht mehr verleugnen. Für die Gesellschaftsordnung, die die Welt prägt, ist das bisher aber noch keine Störung ihres „Business as usual“. Solch eine Störung kam mit einer anderen Rückwirkung der Natur auf unser Tun, mit der Viruspandemie Covid-19. Andreas Malm schildert in seinem Buch Klima|x ausdrücklich, wie das Vordringen der Menschen in die Natur und auch die Klimaveränderungen fast unausweichlich zu einem weiteren Wachstum von Pandemiegefahren führen. Wir werden wohl weiterhin ständig mit neuen Pandemien leben müssen und die scheinbar so unaufhaltbare kapitalistische Wirtschaftslogik läuft sich vielleicht unter anderen an damit weiteren mit dem Klimawandel verbundenen sozialen Folgen fest.

1. Sicht: Mensch vs. Natur

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Ich habe nun als Einleitung zu meinen zwei Beiträgen zum aktuellen IPCC-Bericht noch eine Einführung in das, was der IPCC macht, geschrieben. Hier ist sie:


Sogar Expert*innen versprechen oder verschreiben sich gelegentlich und sagen „IPPC“ statt „IPCC“. Die Buchstaben kürzen den englischen Namen „Intergovernmental Panel on Climate Change“ ab, was auf Deutsch auch nicht unkomplizierter klingt: „Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen“. Glücklicherweise ist es üblich, das als „Weltklimarat“ abzukürzen. Dieser Weltklimarat wurde 1988 vom Umweltprogramm der Vereinigten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gegründet und vereint 159 Regierungen als Mitglieder, während mehr als 120 Organisationen als sog. Beobachter registriert sind.

 

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Die beiden Beiträge zum IPCC-Bericht sind derzeit mit den originalen englischsprachigen Abbildungen versehen. Mag jemand die englischen Bezeichnungen übersetzen und in die Abbildungen einbauen, so dass sie auch für Englisch-Nichtkenner*innen verständlich werden? Ich schaffs nicht…

(Version 1.1, mit kleinen Korrekturen seit 02.09.2021, 10 Uhr)


Triggerwarnung: Es ist nicht mehr Minuten oder Sekunden „vor Zwölf“. Wir müssen die Wahrheit sagen können, aber wir dürfen uns dadurch nicht fertig machen lassen. Helfen wir uns gegenseitig, tun wir uns zusammen – alle, denen das weh tut!

Wir sind so was von am Arsch. Die Botschaften des neuen IPCC-Berichts haben viele Wissenschaftler*innen so verstört, dass sie sich darum kümmerten, dass ihre Erkenntnisse vor ihrer politischen Behandlung an die Öffentlichkeit kommen. Erfahrungsgemäß werden vor allem die „Zusammenfassungen für Entscheidungsträgerinnen“ vor der Veröffentlichung in ihren Aussagen aus politischen Gründen abgeschwächt. So wird aus einem Treffen der Vorbereitung des 6. Sachstandsberichts (AR6-SCOP/Doc.2 2017) aus der Arbeitsgruppe III über die Erarbeitung des 5. Sachstandsberichts berichtet:

„Schließlich äußerte eine Reihe von Ländern, dass sie mit der Verwendung der einkommensbasierten Ländergruppierungen, die in Teilen des Berichts der WG III AR5 verwendet wurden und die für den SPM während der Verabschiedung gestrichen wurden, nicht einverstanden sind und sich auch nicht daran gebunden fühlen. Ein erheblicher Teil des Textes über Minderungsmaßnahmen und Institutionen wurde ebenfalls aus dem SPM entfernt.“ (AR6-SCOP/Doc.2 2017: 32) (SPM ist die Abkürzung für „Summary for Policymakers“, d.h. „Zusammenfassung für die Entscheidungsträger“)

Dies soll nicht wieder passieren, deshalb wurden die Entwürfe des SPM und des ersten Kapitels für den Bericht der Arbeitsgruppe III (Working Group, WG III) des 6. Sachstandsberichts (AR6) diesmal geleaked. Einige der Wissenschaftler*innen aus der Scientist Rebellion bekennen sich sogar namentlich per Videobotschaft dazu, was ihnen auch in der Wissenschaftswelt nicht nur Sympathie einbringen wird. Aber sie wissen es am besten:

„Wir müssen jetzt handeln, es ist keine Zeit mehr!“

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Gerade erscheint im Neue Impulse Verlag das neue Heft der Marxistischen Blätter (5_2021). Darin befindet sich meine Rezension zum Buch „Digitalisierung als Distributionskraft….“ von Sabine Pfeiffer (S. 137-138) und der Beitrag „Plattformen aneignen!?“ von mir als Beilage (S. 1-31).

Eine gekürzte Version erschien am 12.10.21 auch in der jungen Welt.

Die Beitragsreihe zur Vorstellung des Buches „Omnia Sunt Communia“ von Massimo de Angelis ist nun abgeschlossen. Zum besseren Nacheinanderlesen stelle ich hier die Links zu allen Beiträgen zusammen:

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Dieser Text gehört zur Vorstellung des Buches „Omnia Sunt Communia“ von Massimo de Angelis.

Übersicht über alle Beiträge dazu.


Aderhold, Jens; Jutzi, Katrin (2003): Organisation als soziales System. In: Elke Welk, Rainhart Lang (Hrsg.): Moderne Organisationstheorien2. Strukturorientierte Ansätze. Wiesbaden: Gabler. S. 153-188.

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Dieser Text gehört zur Vorstellung des Buches „Omnia Sunt Communia“ von Massimo de Angelis.


Zweifel an der präfigurativen Politik

Die bei Massimo de isngelo vertretene Strategie des Zurückdrängens der kapitalistischen Produktion, das durch Kämpfe und Konstitution von neuen Lebens- und Wirtschaftsformen erreicht werden soll, erinnert mich an die Konzeption des „Auskooperierens“, die in dem Diskussionszusammenhang „Oekonux“ lange Zeit vertreten wurde (Meretz 2008). Im Konzept von de Angelis wachsen dabei die alternativen Produktionsweisen schließlich an und diese sind dann die materielle Bedingung für die nachfolgende, den Prozess abschließende politische Umwälzung. Diese Theorie der sog. präfigurativen Politik ist seit langem in libertären, anarchistischen Debatten bekannt. Sie sagt zwar, was sie will, aber sie hat sich meines Wissens auch nicht wirklich mit dem Gegenargument beschäftigt, das ich aus meinen ML-Zeiten her kenne und das mir noch nicht widerlegt scheint: Die Gesellschaftsordnung des Kapitalismus konnte sich durchaus im Schoße des Feudalismus ökonomisch „wie ein Maulwurf“ vortunneln und die ökonomisch-materiellen Voraussetzungen für den Kapitalismus schaffen, dessen Macht dann „nur“ noch durch politische Revolutionen bestätigt zu werden brauchte. Denn die frühere feudale Macht reproduzierte sich nicht primär als ökonomische/ökonomiedominierte Gesellschaftsordnung, so dass ihr die materiellen Bedingungen „unterm Hintern weggenommen“ werden und entsprechend der neuen Gesellschaftsformation umgestaltet werden konnten. Die kapitalistische Gesellschaft basiert jedoch im Wesen auf der Trennung von Menschen vom Eigentum an den wichtigen Produktionsmitteln. Deshalb können sie, eigentlich per definitionem, den Kapitalismus nicht austricksen, indem sie sich von dessen Reproduktionsform unabhängig machen, indem sie sich mit eigenen Mitteln ökonomisch reproduzieren. Alle Hoffnungen, per Grundeinkommen oder nach-und-nach-Aufkaufen-Praxen, in den Besitz der zur Reproduktion notwendigen Mittel zu kommen, setzen darauf, dass darüber das Klassenverhältnis ausgetrickst werden könnte. Dies gelingt aber beim derzeitigen Kräfteverhältnis nur für die vom Kapital nicht mehr verwertbaren Reste an Ressourcen und Mitteln. Diese können mehr oder weniger prekäre Lebensgrundlagen für Menschen bieten (vgl. das Umsonstladenkonzept von Hamburg), was für den Kapitalismus, der mehr und mehr Menschen nicht mal mehr ausbeuten will, recht bequem sein kann. Aber wirklich verallgemeinerbar ist das nicht für alle Regionen, in denen sich die Industrialisierung als Hauptproduktionsweise durchgesetzt hat. Hier führt das Herummogeln um die Marxsche Frage nach der Enteignung der wesentlichen (!) Produktionsmittel durch das Ausweichen auf landwirtschaftlich-handwerkliche Subsistenzproduktion nicht weiter. Den Bereich, in dem der Kapitalismus seine Stärke gewann, den industriellen, kann man nicht „an ihm vorbei“ präfigurativ umgestalten. Hier wäre daran zu erinnern, dass „über Marx hinaus“ nicht an ihm vorbei gehen sollte.


Übersicht über alle Beiträge.


 

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