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Wenn ich die Bildrechte dafür hätte, würde ich jetzt auch noch links Angela Merkel, fürs Foto posierend vor dem schmelzenden Arktiseis, zeigen und rechts daneben als ach so mitleidende Kanzlerin im deutschen Hochwasserkatastrophengebiet…

Der Jenaer Stadtrat beschloss:

Jena soll bis 2035 klimaneutral werden.

Jetzt kommts auf die Umsetzung an. Es wird an einem Klima-Aktions-Plan gearbeitet, bei dem wir auch mitreden wollen. Und bei der Umsetzung wird auch tatkräftige Hilfe gebraucht.

Aus meiner Sicht kommt es auch nicht nur darauf an, Forderungen an „die Politik“ zu stellen, sondern selbst Initiativen zu entwickeln, auf die sich mehr und mehr Menschen positiv beziehen können, wo sie mitmachen können und wollen. Urbane Gärten, Neugründung von „Jena als Transition-Town“ (früher schon mal als „Stadt im Wandel“) … mit allen möglichen Projekten…

Ein erster Vorschlag zur Umsetzung: Durchführung von vielen Bewohner:innenversammlungen… zur Entwicklung von Ideen und Initiativen hierfür.


P.S. Natürlich kann ich mir auch ein gewisses Meckern nicht verkneifen: Wirklich klimaneutral wird Jena nicht werden bis 2035. Denn hierzu müssten auch jene Schäden zusätzlich eingerechnet werden, die all die Produkte, die wir von woanders her beziehen, eingerechnet werden. Das nennt sich auch „graue Emissionen“. Aber vielleicht überrascht mich ja der Klima-Aktions-Plan und dies ist dann doch schon mit eingerechnet…


 

Seit mehr als 10 Jahren hat mich die Hoffnung verlassen, dass es mit der Menschheit bald weiter bergauf gehen könnte. Bergauf mit dem Wohlstand für immer mehr Menschen, bergauf auch mit der Emanzipation von Unterdrückung und der Befreiung von Ausbeutung. Ich hatte grad eine Vortragsserie zu „utopischen“ Gesellschaftsentwürfen hinter mir und merkte, dass ich ihnen selbst nicht mehr glauben konnte, weil ich parallel dazu auch zur Kenntnis nehmen musste, dass die Berichte des Weltklimarats (IPCC – Intergovernmental Panel on Climate Change) den Temperatur- und damit auch den Zeitbereich, ab dem es für uns kritisch werden würde – wegen der vielen dramatischen Umweltveränderungen u.a. durch die globale Temperaturerhöhung – immer näher an die Gegenwart heranrückte. Und gleichzeitig war und ist nichts in Aussicht, das die Treibhausgasemissionen im erforderlichen Maße zu reduzieren verspricht. Aufrufe zu mehr „Hoffnung“ erschienen mir seitdem fehlgeleitet. Die Hoffnung darauf, dass es schon nicht so schlimm werden würde, ist eine der Ursachen dafür, dass nicht rechtzeitig umgesteuert wurde. Deshalb entstand nach meiner „utopischen“ Broschüre „Selbstentfaltungsgesellschaft als konkrete Utopie“ (2006) der Text „Schönwetter-Utopien im Crashtest“ (2013).

Wenn wir noch über Utopien reden wollen, so müssen wir sie als „Utopie in der Dystopie“ behandeln, so diskutierten wir in einer Gruppe des Commons-Instituts. Neuere Überlegungen in diesem Rahmen beschäftigen sich tatsächlich mit der Frage danach, inwieweit vielversprechende Praxen des Commoning resilient (also widerstandsfähig) gegenüber den zu erwartenden natürlichen und sozio-ökonomischen Desastern sind bzw. sein können (Euler, Helfrich, Schlemm 2021). Einen Lichtblick verschaffte mir das Buch „A Paradise Built in Hell“ („Ein in der Hölle gebautes Paradies“) von Rebecca Solnit.

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Verbittert

über das Schon-zu-spät,

Gelähmt von der Angst

ängstigen zu müssen,

Tief ergriffen

von den erschrockenen Augen

derer, die zum ersten Mal aufwachen,

Begeistert

Wissen teilen zu dürfen

über die kommenden Schrecken,

Himmelhoch erleichtert

endlich weinen zu dürfen

Glücklich ist

wer nicht allein ist

in der Verzweiflung.


Dies bezieht sich auf solche Überlegungen wie hier…


 

… und überall. Hier nun aber ein aktueller Aufruf aus Jena:

https://youtu.be/1ge1p9j_CJw

Version 2. 1, 13.06.2021

Ich hatte seit längerer Zeit einen neuen Text zum Klima-Umbruch vorbereitet, aus dem ich hier einen Teil veröffentliche. Es geht um die Kipp-Elemente, bei denen auch befürchtet wird, dass sich diese Kipp-Elemente nacheinander gegenseitig anstoßen könnten. Seit einiger Zeit werden Schätzungen, ab wann das geschehen könnte, ernster gesehen als vorher. Hier also meine Übersicht dazu. Ich habe übrigens bei der Auswertung von eher zusammenfassenden Artikeln versucht, so viel wie möglich Originalpaper einzuarbeiten. Zuerst eine kleine Unterscheidung: Nicht alles, was sich beschleunigt, sind auch Kipp-Elemente des Klimas:

Beschleunigung der Erderwärmung

Leider deutet sich an, dass auch die bisher schlimmsten Temperaturerhöhungs-Szenarien übertroffen werden. Die Emissionen steigen schneller, als angenommen, die (kühlenden) Aerosolbelastungen (aus Luftverschmutzungen) sinken auch schneller und außerdem rutscht die Erde sowieso in eine leichte Warmperiode (wegen der Interdecadal Pacific Oscillation) (Xu et al. 2018: 31). Weil die Ozeane in der Arktis weniger von Eis bedeckt sind, absorbiert das dunklere Meerwasser auch mehr Energie von der Sonneneinstrahlung, die sich in Wärme umwandelt (Xu et al. 2017: 10317). Eine global durchschnittliche Temperaturerhöhung um 1,5 Grad könnte deshalb schon 2030 erreicht sein, anstatt wie bisher angenommen, erst 2040 (vgl. CONSTRAIN 2019: 02). Bei 2 Grad sind wir dann schon 2045. Mit immerhin 50%iger Wahrscheinlichkeit könnte die global durchschnittliche Temperatur im Jahr 2050 schon um 2,4…2,6 Grad gestiegen sein und 2100 um 4,1…5 Grad. (ebd.) Mit 5% Wahrscheinlichkeit wird 2100 der Bereich der existentiellen Risiken erreicht (ebd.: 10318) Die folgende Abbildung zeigt diese sich gegenüber den bisherigen Erwartungen beschleunigende Erwärmung bis 2050 (Xu et al. 2018: 31):

Sich selbst verstärkende Prozesse

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Version 1.1, 29.05.2021

Was sind die Ausgangspunkte unseres Handelns? Sicher die Befriedigung von Bedürfnissen. Bedürfnisse sollen auch im Mittelpunkt einer befreiten Gesellschaft stehen – diese soll sich nur noch um die Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen drehen, wozu auch eine intakte Um- und Mitwelt besteht und ein Klima, in dem das Leben nicht unerträglich wird. Zu „Bedürfnissen“ habe ich schon einmal einiges hier im Blog (Schlemm 2017a) geschrieben. Aber wie verhält es sich nun mit dem „Interesse“?

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Ich habe mich bisher immer gedrückt um eine klare Einschätzung jener polit-ökonomischen Systeme über 70 Jahre hinweg, die sich am Ende meistens als „real existierender Sozialismus“ bezeichneten (bei mir hier benannt als „Realsozialismus“).

In einer politisch-theoretischen Debatte, die mit der Weiterführung des von mir schon kritisierten Buchs „Kapitalismus aufheben“ von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz (2018) verbunden ist, fühle ich mich nun herausgefordert, meine Position schon vor einer eventuellen Kritik dieser Weiterführung vorzustellen, um eine Debatte dazu zu ermöglichen.

Um sich abzusichern, muss man vielleicht heutzutage überhaupt erst mal eine Distanzierungsklausel formulieren: Nein, ich will die DDR, so wie sie war, nicht zurück! ABER: Sie war auch nicht dasselbe wie der Kapitalismus. Ich hätte es nie gedacht, aber auch das wird heutzutage behauptet. Und dagegen richtet sich der folgende Text:


Zum Kapitalismus

Version 1.0, 28.05.2021

Der Ausgangspunkt der von mir kritisierten Kapitalismuskritik ist die sog. „Wertkritik“ nach Robert Kurz, später von den Zeitschriften „Krisis“ und später „Exit“ vertreten. Diese wurde genau in den „Wende-“ -Jahren breit rezipiert und galt als Erneuerung des Marxismus, als Rettung des  „wahren“ Marxismus aus einer Dogmatik, wie sie in den realsozialistischen Ländern entwickelt worden sei. Man konnte nun weiter MarxistIn sein, ohne die Dogmatik mittragen zu müssen, wie befreiend!

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Unsere Aktion vom Samstag ist vorbei, sogar JenaTV hat berichtet.

(Nur noch 15% des Waldes
in Thüringen gilt als „gesund“)

Geplanter, beim Reden gekürzter
Redebeitrag auf der Trauerfeier für den sterbenden Wald
am 22.05.2021 in Jena

Der utopische Kommunist Théodor Dézamy schrieb im Jahr 1842 etwas, das auch für unsere Haltung hier und heute gelten kann:

„Ich gehöre nicht zu jenen Unglückspropheten, die nur Sturm und Umsturz verkünden. Im Gegenteil: weil ich den Sturm herannahen und schon das alte Gebäude in seinen Grundfesten krachen höre, komme ich, vom Eifer für die gesellschaftliche Ordnung beseelt, meinen Stein zum großen sozialen Bauwerk beitragen…“

Diese Frage steht immer noch: In welcher gesellschaftlichen Ordnung können wir gut leben, ohne unsere Mitwelt und die stabilen Klimabedingungen zu zerstören? Eine Studie von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Konzeptwerk Neue Ökonomie untersuchte, wie sehr wir unser Leben ändern müssen, wenn die global-durchschnittliche Temperaturerhöhung unter 1,5 Grad bleiben soll.

Was also muss – nach dieser Studie – geschehen?  

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