Wissenschaft


Ein Vierteljahrhundert geht dieser Zirkus nun schon. Eine Umwelt- und Klimakonferenz jagt die nächste. Jetzt macht der Zirkus wieder mal in Deutschland halt, beim Bonner Klimagipfel 2017. Die Lage könnte nicht ernster sein. Gerade wurde mitgeteilt, dass im Jahr 2016 die CO2-Konzentration um 50 Prozent schneller stieg als im Schnitt der vergangenen 10 Jahre. Neben einem Einfluss durch den El Nino-Effekt sind dafür wieder menschliche Aktivitäten verantwortlich. Und das hat Folgen (WMO 2017). Die bisherigen Emissionen führen bereits zu einem deutlichen globalen durchschnittlichen Temperaturanstieg seit mindestens 40 Jahren:


Und in dem Vierteljahrhundert, seitdem Bemühungen um eine Reduzierung begonnen haben, wurde nur wenig erreicht. Der Anstieg überschreitet die damals prognostizierten pessimistischsten Szenarien. Dabei ist inzwischen bekannt, dass die Folgen einer globalen Erwärmung drastischer ausfallen, als noch gedacht wurde, als das 2-Grad-Ziel ausgerufen wurde. In Paris wurde deshalb anerkannt, dass der Temperaturanstieg bei unter 1,5 Grad gehalten werden müsse, um große Schäden zu verhindern. Davon sind wir weiter entfernt als je zuvor. (mehr …)

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Grenzen der Dialektik

Dialektik hat bei jenen, die unverdrossen nach einer Alternative zum globalen Kapitalismus suchen, immer noch einen guten Klang. Es rettet uns kein höhres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun – aber vielleicht die Dialektik? Im traditionellen Marxismus wurde die Dialektik als allgemeine Methode der Philosophie der Siegesgewissheit überhöht. Kann sie heute wenigstens eine Philosophie der Hoffnung tragen? Alles fließt, alles entwickelt sich – also wird auch das heute Schlechte überwunden werden, wir müssen nur den dialektischen Gang der Geschichte verstehen und dementsprechend handeln. So einfach war das einmal – ist es aber wohl doch nicht mehr.
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Begriffsverwirrung

An einem Wort können sich Streite entzünden. Dabei scheint es so einfach zu sein. Marx schrieb im „Kapital“ zu den Gebrauchswerten:

„Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer ihre Form sei.“ (MEW 23: 50)

Demnach wird ein Ding zum Gebrauchswert, wenn es „menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt“ (ebd.: 49), d.h., wenn es nützlich ist.

Auf späteren Seiten im „Kapital“ wird der Gebrauchswert aber nur noch als Moment der Waren im Kapitalismus thematisiert, wobei der Gebrauchswert nun untrennbar vom Tauschwert wird, ja wo er zu so etwas wie „zur Erscheinungsform seines Gegenteils, des Werts“ (MEW 23: 70) wird. Man kann den Gebrauchswert nun nicht mehr trennen von dem, dessen Erscheinungsform es ist, dem Wert. (mehr …)

Gibt es außerhalb des Kapitalismus auch „Arbeit“? Kann man für die Zeiten vorher schon von „Wirtschaft“ sprechen? Wie sieht es mit „Gebrauchswerten“ aus, wie mit „Subjekten“, mit „Vernunft“, mit „Politik“? Zu all diesen Begriffen gibt es in linken Kreisen immer mal wieder erbitterte Debatten darüber, ob sie in allen menschlichen Gesellschaften (sozusagen „überhistorisch“) vorhanden sind, oder nur dem Kapitalismus zuzuordnen sind. Wenn jemand einen der Begriffe überhistorisch verwendet, wird dies häufig als „Ontologisierung“ kritisiert und zurückgewiesen, so z.B. hier von Wertkritikern:

„Die abstrakte „Arbeit“ erschien demzufolge auch nicht als historische Realkategorie des Kapitalismus, sondern als ontologische ewige Menschheitsbedingung.“ (Ernst Lohoff, Robert Kurz 1998).

Ich selbst habe so etwas in einem aktuellen Blog-Kommentar „beinah als eine „Enteignung“ von Begriffen“ bezeichnet. Der Anlass war ein Vorwurf gegenüber einem anderen Autoren, dass die Aussage „Wirtschaft hat es immer gegeben“ eine Ontologisierung sei. (mehr …)

Noch ist eine Begrenzung der Reduktion des Temperaturanstiegs auf 2 Grad möglich. Dazu wären große Reduktionsraten notwendig (vgl. Rahmstorf 2017). Diese Reduktionsraten sind umso höher, je später die Reduktion beginnt:

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Ich hatte in einem der letzten Texte zum Verhältnis von Wissenschaft und Politik geschrieben:

„Die Aufgabe von Wissenschaft ist, Möglichkeiten zu erkunden, also zu prognostizieren, was welche Handlungen und Unterlassungen mit bestimmter Wahrscheinlichkeit für Folgen haben.“

Die Aussagen über die Möglichkeiten sind natürlich wie immer mit Unsicherheiten behaftet. Während der IPCC-Prozesse wurden hier Vereinbarungen entwickelt, die eigentlich vorbildhaft für viele andere wissenschaftliche Aussagen werden könnten. Schon bei einfacher Labortätigkeit gehört zu jedem Messwert auch eine Angabe der Messunsicherheit, aber bei so komplexen Themen wie dem Klima ist die Herausforderung sehr groß. Das Ergebnis klingt dann z.B. so: (mehr …)

Man soll aus Erfahrungen lernen. Bisher ist nicht zu erkennen, dass es gelingen könnte, die Treibhausgasemissionen auf einen Stand zu begrenzen, bei dem gefährliche Folgen abgewendet werden könnten. Das „Fenster der Möglichkeiten“ dafür schließt sich gerade, während sich gleichzeitig die Menschen langsam an die Gefahrenmeldungen gewöhnen und sie umso weniger ernst nehmen. Dabei stellen wir jetzt die Weichen für die Gestaltung der Lebensbedingungen unserer Nachkommen. Die Temperaturen können sich schon in der nächsten Generation um 3,6 Grad erhöhen, in den nächsten 90 Jahren insgesamt um 7,2 Grad.

Die folgende Abbildung (leicht ergänzt aus DWD 2017) zeigt diese Bedingungen für die Lebenszeit von jetzt geborenen Kindern und deren Kindern:

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