Heute fand die große Demo statt. Sie begann vor den Parteizentralen von SPD und CDU, kurz vor den Wahlen soll sich zeigen, welche Partei für Menschen, die nicht in einen menschengemachten KLima-Umbruch rasseln wollen, wählbar ist. Ein paar tausend Menschen waren es schon, aber weniger, als ich auch schon bei anderen Themen in Berlin erlebt habe.

„Wir sind hier für Oma, Opa, Mama, Papa, Schwester, Bruder, Tante, Onkel,
Neffen, Nichten, Freunde, Nachbarn und alle, die KEINE ZEIT haben.“

Keine Zeit für die Zukunft, die nun wirklich auf dem Spiel steht.

Hitzesommer, Flutkatastrophen, ein gerade herausgekommener aktuelle IPCC-Bericht … wenn das nicht noch mehr Leute auf die Strasse treibt, dann haben wirs nicht anders verdient. Soll wohl so sein. Ich sehe ein, dass nicht jeder arbeitende Mensch werktags schon um 15 Uhr an einer Demo teilnehmen kann. Wenn wir alle wirklich ernst nähmen, was vor uns liegt an Verlusten und Opfern, wäre es ein Leichtes, auch dafür eine Lösung zu finden. Und wenn es endlich auch mal echte Erwachsenen-Streiks gäbe. Ein auch schon älterer Herr trug dieses Schild:

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Besondere Qualität der Commons

Die inhaltliche Bestimmung der „Commons“ von de Angelis fokussiert auf das Gemeinsame, d.h. auf einen Menge an Mitteln zur Bedürfnisbefriedigung (Gemeingüter), die durch Commoners in Form von Commoning re-produziert werden. Gleichzeitig verweist er auch auf geteilte Werte, wie Loyalität gegenüber Freunden, Konvivialität, gegenseitige Hilfe und Care (de Angelis 2017: 12). Diese begründet er nicht weiter theoretisch. Er unterscheidet sich damit von anderen inhaltlichen Bestimmungen dessen, was „Commons/Commoning“ ist, z.B. bei Andreas Exner und Brigitte Kratzwald, die die Reziprozität (im Gegensatz zum Tausch im Kapitalismus) betonen (Exner, Kratzwald 2011: 29ff.), bei Simon Sutterlütti und Stefan Meretz, die den Inklusionscharakter der Beziehungen im „Commonismus“ betonen (Sutterlütti, Meretz 2018: 132) oder bei Silke Helfrich und David Bollier, die angelehnt an Christopher Alexander der gefühlten „Lebendigkeit“ eine große Rolle bei der Bestimmung der Qualität des Commoning geben. Friederike Habermann schließlich entwickelte Prinzipien einer auf Commoning beruhenden „Ecommony“ (Habermann 2016: 46ff.): „Besitz statt Eigentum“, „Teile, was du kannst“, „Beitragen statt Tauschen“ (siehe hierzu auch Siefkes 2008) und „Freiwilligkeit/Öffentlichkeit“.

 


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Bisher habe ich das Buch von de Angelis (2017) vorwiegend referiert und ein wenig ergänzt durch andere Quellen und eigene Hinweise (z.B. aus der Hegelschen Philosophie). Im Folgenden möchte ich einige weiterführende Fragestellungen zur Diskussion stellen.

Verhältnis Individuen – Commons

Der Fokus in der Commons-Theorie von Massimo de Angelis liegt auf der sich selbst reproduzierenden Commonseinheit. Die Individuen und ihr Handeln sind als Commoners und Commoning Bestandteile dieser Einheit. Da die Einheit, also die Commons sich, ihre Bestandteile und Grenzen selbst (re-)produzieren, erhalten die Commoners ihre commonsspezifischen Charakteristika nur im Zusammenhang mit und in diesen gesellschaftlichen Einheiten (vgl. Zibechi 2012: 17f.). Diese Bestimmung „durch die Einheit/das System“ ist jedoch von anderer Art als die einer Unterordnung oder Auslöschung der Besonderheit. Sie ist gerade die Bestimmung zur Emanzipation, d.h. auch der individuellen Befreiung (de Angelis 2017: 367). Es gibt dafür keine „Modelle“, sondern auch dieser Prozess der individuellen Befreiung ist immer unvollendet und kann nur individuell erfahren werden ( (ebd.: 358). Diese Emanzipation ist immer an Kämpfe gebunden, aber eben nicht nur an Widerstand sondern auch an der Beteiligung an der Entwicklung von neuen gesellschaftlichen Verhältnisse, „die alternative Ziele haben“ (ebd.: 115).

Es sind jeweils die Individuen selbst, die das Maß ihrer Zwecke festlegen und dementsprechend agieren, wie es auch von der „Kritischen Psychologie“ (Holzkamp 1983) auf Grundlage des Subjektstandpunkts ausgearbeitet wurde (vgl. Schlemm 2002[1]).


[1] http://www.thur.de/philo/kp/subjekt.htm


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Heute gings weiter. Zuerst am Brandenburger Tor. Eine Menge Menschen mit Forderungen zu einem radikalen und sofortigen Handeln saßen plötzlich auf der Straße. Eine andere Kundgebung mit Menschen aus Afghanistan kam etwas später dazu. Klimawandel, Kriege, Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen. Wer jetzt nicht irgendwo und irgendwie dabei ist, wird sich von den Enkeln fragen lassen müssen: UND WAS HAST DU GEMACHT???

Nachdem ich auch in der brütenden Hitze am Brandenburger Tor war, machte ich mich mit meiner Gruppe auf zum Monbijou-Platz, dem nächsten Ort, an den es viele Protestler zog. Obwohl die Polizei uns nicht reinlassen wollten, waren wir irgendwie doch bald drin. Andere saßen da schon längst auf den Bäumen:

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Auch heute war ich wieder beim Festival des August-Aufstands (August RiseUp) eines Bündnis von Klimabewegungen. Ich nahm dabei an zwei Workshops teil. In einem Workshop wurde über eine internationale Bewegung zur Gründung von „Klima-Notstands-Zentren“ (Climate Emergency Center) berichtet. Dabei sollen vor allem derzeit ungenutzte Räume umgewidmet werden als Begegnungs- und Projektzentren für die Öffentlichkeit, zum Entwickeln und Ausprobieren neuer Lösungen für eine neue ökologische und klimatisch verträgliche Welt.

Für Berlin gibt es das Projekt „Transformation Haus und Feld“. Es soll auch dabei um einen Einstieg in weitreichende Selbstversorgung und eine Kreislaufwirtschaft gehen.

Dabei wurde auch diskutiert, ob der Aufbau solcher Projekte nicht viel Kraft aus den Bewegungen abzieht. Hier konnte ich an die Überlegung von Massimo de Angelis erinnern, der vorschlug, dass sich Bewegungen und (Commons-)Projekte gegenseitig bestärken und voranbringen könnten (mehr siehe hier).

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Commons in Transformation/Revolution

Angesichts des koevolutionären Ineinandergreifens von Bewegungen gegen die Folgen des Kapitalismus und Commons ist auch danach zu fragen, wie Commons selbst zu einer transformativen Macht werden können (de Angelis 2017: 363ff.). Commons sind nach de Angelis „verborgene, latente materielle Bedingungen, in denen eine klassenlose Gesellschaft Gestalt annehmen kann“ (de Angelis 2014: 6). „The Commons“ ist der Zielhorizont einer Transformation, der sich nicht nur durch ein Negativum bezeichnet („klassenlos“), sondern auch durch das, was dann die vorherrschende Lebens- und Organisationsform der Menschen sein könnte.

De Angelis spricht sich – wie die meisten heutzutage -gegen eine klassische Revolutionsvorstellung aus, derzufolge zuerst eine politische Machtübernahme erfolgt und dann auf dieser Basis das gesellschaftliche Leben neu gestaltet wird. Die gesellschaftliche Revolution wird demgegenüber als lange Epoche betrachtet (de Angelis 2017: 269) und besteht aus einer Abfolge von Bewegungskämpfen und Commonsbildungen, die sich gegenseitig bestärken und im Laufe der Zeit zu einem Anwachsen der alternativen Lebens- und Produktionsweisen bis hin zu einer Überwindung der kapitalistischen Hegemonie führen (ebd.: 11). Die diese Entwicklung vorantreibenden Kräfte werden von den Commoners aufgebracht, wozu alle gehören, die sich hier einbringen, auch unbezahlt Arbeitende und sogar Kleingewerbetreibende (ebd.: 183). Das Entscheidende am Übergang zu den neuen gesellschaftlichen Verhältnissen ist, dass letztlich mit den Commons jene Probleme gelöst werden, die das Kapital nicht lösen kann (weil es sie erzeugt) (vgl. de Angelis 2014). Die von Marx betonte Eigentumsfrage wird durch die „Commonalisierung“ beantwortet, das heißt, die notwendigen Lebensgrundlagen sollen unabhängig vom Kapitalreproduktionskreislauf erzeugt werden und bzw. bis dahin soll aus diesem entnommen werden – durch Kauf oder wie auch immer – , was gebraucht wird.

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Kämpfe und Commons

Man kann auf Commons schauen als übriggebliebene Reste einer früheren allgemeinen Commons-Welt, die sich trotz aller Einhegungen noch erhalten haben. Oder man kann sich Commons erhoffen als fast natürliche Folge der Entwicklung des Kapitalismus, der die Grundlage für Freie Software, Wikipedia, veränderte Bedürfnisse und Fähigkeiten und ähnliche Voraussetzungen für neue Formen des Commoning geschaffen hat. Letztlich hat die Existenz aller Commons derzeit immer mit Kämpfen zu tun. Die „Reste“ haben sich erfolgreich allen Einhegungen widersetzt und die neuen Software- und Kultur-Commons kämpfen gegen alle Versuche, ihre Ergebnisse zu reprivatisieren. Die Beispiele, die Massimo de Angelis aus richtungsleitend betrachtet, sind vor allem Commons, die selbst gerade in Kämpfen, die auf Krisen folgten, entstanden und sich weiter entwickelten (auch bei Exner, Kratzwald 2011, Exner et al. 2021, Guilengue (Ed.) 2020 sowie Varvarousis et al. 2020 finden sich vielfältige Beispiele der engen Verbindung von Kämpfen mit Commons). Die Wasserassoziationen in Cochabamba sind z.B. Folgen der Wasserkrise und des ungerechten Umgangs damit durch die vorher dominierenden Praxen (de Angelis 2017: 304) und zeigen sich als konkrete Weise des Umgangs mit den sich daraus ergebenden Problemen. Sie sind bestimmt durch jene Praxen, gegen die sich sie richten und bestimmen sich durch ihren selbstgesetzten Zweck, der dem Zweck dessen, wogegen sie sich richten, entgegengesetzt ist.[1] Massimo de Angelis betont immer wieder, dass Commons sich dadurch bestimmen, dass sie eigene, neue Methoden der gesellschaftlichen Koordination und Strukturierung entwickeln, aber sich gerade damit gegen die dominierende Kapitalform gesellschaftlicher Beziehungen richten. Das „Nein“ gegen den Kapitalismus ist verbunden mit einem „Ja“ zu den Alternativen und da diese Alternativen in der Mehrzahl auftreten, gilt die Losung: „One no many yeses“ (Midnight Notes 1997, vgl. de Angelis 2017: 348).

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Heute begann in Berlin eine Klima-Aktionswoche. Ich nahm zuerst an einer Aktion der „Klimaliste Berlin“ teil. Ein Stück der Tucholskystraße wurde vom Autoverkehr „befreit“, es gab nur eine Fahrradspur. Der Rest der Straße wurde mit Pflanzen bestückt und wurde ein Treffpunkt mit Kultur.

Danach schaute ich noch beim Klima-Festival vor dem Roten Rathaus vorbei. Größere Aufmerksamkeit gewann zu dieser Zeit jedoch die gerade stattfindende Hanfdemo. In den Zelten des Klima-Festivals fand aber auch einiges Stadt, es wurde jongliert, gespielt und im künstlerischen Zelt konnten Fahnen, T-shirts oder anderes bemalt werden.

„Sie wollen uns vergraben – und wissen nicht, dass wir Samen sind.“

Morgen gehts weiter auf dem UpRising-Festival, und übermorgen sowieso…

(Uprising: Aufstand, Revolte)

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Commons und Kapitalismus

Das Besondere der Commons in der Gegenwart lässt sich nicht an bestimmten Eigenschaften ausmachen oder auch nicht an allen enthaltenden Bestandteilen, sondern an der Gesamtdynamik und hier besonders dem Zweck[1] der jeweiligen Selbstreproduktion. Da jeweils der Kapitalismus und ein Commons als sich selbst reproduzierende Einheiten verstanden werden können, kann jeweils die Frage gestellt werden, was dasjenige ist, dessen Reproduktion wesentlich ist. Im Kapitalismus dreht sich die Reproduktion um die Kapitalakkumulation. Kapital muss (auf Grund der sich in der Konkurrenz herausbildenden Durchschnittsprofitrate[2]) mehr Kapital werden, mit diesem Zweck wird Geld zum Kapital. Die Commons reproduzieren dagegen sich selbst als Einheit von Menschen in Communities, in denen Commoning zur eigenen und zur (Re-)Produktion von Commonsgütern sowie der natürlichen Lebensgrundlagen betrieben wird. Eine Höherentwicklung ist hier möglich, insofern qualitative Verbesserungen für die Bestandteile der Commons erreicht werden, aber nicht, indem eine einzige Maßzahl (Kapitalwert….) maximiert wird. Das Kriterium der Unterscheidung von noch-kapitalistischen Praxen und emanzipativen Commoning-Praxen liegt also nicht im Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einzelner Elemente, wie Geld oder Waren (siehe Abb. 4), sondern im Zweck der Reproduktion der gesamten Reproduktionseinheit, in dem das Element seine spezifische Funktion bekommt. Während das Kapital Waren kauft und verkauft, um Profit zu machen, verkaufen Commons u.U. Waren, um Subsistenz- und Reproduktionsmittel zu kaufen (ebd.: 105). [3] 

Solange der Kapitalismus noch existiert, bilden Commons eine Grenze gegenüber dem Kapital und sind nicht nur durch eigene Qualitätsmerkmale, sondern auch durch diese Grenze bestimmt. Zwischen Kapitalkreisläufen und Commonskreisläufen besteht eine strukturelle Kopplung, das heißt beide Systeme reproduzieren sich autonom, haben aber Verbindungen, durch die sie sich gegenseitig beeinflussen.

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In Debatten über Theorien zu den Praxen des Commoning im Commons-Institut wird versucht, unterschiedliche theoretische Konzepte zueinander in Bezug zu bringen. Über was reden wir, wenn wir über  „Commons“ und „Commoning“ sprechen? Was sind Commons/Commoning in Bezug auf die kapitalistischen Verhältnisse in der Welt? Inwieweit kann aus ihnen eine neue Utopie des „Commonismus“ abgeleitet werden, nachdem der „Kommunismus“ anscheinend abgewirtschaftet hat?

In der deutschen Debatte spielt der Autor Massimo de Angelis eine vergleichsweise geringe Rolle. Ich las erst jetzt sein grundlegendes Buch „Omnia Sunt Communia“ von 2017 und möchte es hier vorstellen.

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