Dieser Text gehört zur „Langen Antwort an Simon“ zu seinem Kommentar hier im Blog.  Insgesamt gehören mehrere Blogbeiträge zu dieser Antwort.


Verhältnis einer kategorialen Theorie des Menschlichen zur (transformierenden) Praxis

… (vorheriger Abschnitt siehe oben)… Damit sind wir innerhalb unseres Dialogs im Zusammenhang mit dem Kommentar von Simon bei der Frage des Verhältnisses von Theorie und Praxis. Dies ist derzeit im Umfeld der Keimform-Debatten wichtig. Bei der Diskussion der Vorstellung von progressiven nachkapitalistischen Verhältnissen kommt das Gespräch häufig ins Stocken, weil Gegenargumente vorgebracht werden, die in den Bedingungen der jetzigen Verhältnisse begründet sind. Deshalb schlug Stefan Mz. vor, zwei Diskurse zu unterscheiden: Der „Diskurs 1“–- der „Commonismus-Diskurs“ – bezieht sich auf die Zukunftsvorstellung und das allgemein-Menschliche, während der „Diskurs 2“ den „Transformationsdiskurs“ darstellt. Beide Diskurse haben einen theoretischen Anspruch (nicht umsonst sind sie „Diskurse“), aber der zweite verbindet sich stärker mit praktischen Handlungen. Es gibt eine Verbindung: Aus der „kategorialen Analyse“ sollen Kriterien gewonnen werden, „die für unser heutiges Handeln relevant sind, also Gegenwart mit Zukunft verbindet“. An anderer Stelle schreibt Stefan nochmal, dass wir „Kritieren der (Selbst-)Entwicklungsrichtung“ brauchen. Die kategoriale Analyse im Diskurs soll keine konkretistische „Auspinselung“ einer Wunschwelt sein, sie soll auch nicht lediglich in einer abstrakten Kritik (etwa der Aussage „Ende jeder Herrschaft“) stecken bleiben. (mehr …)

Dies ist ein Titel eines SF-Roman aus dem Jahr 1987, der die Welt nach dem ökologischen und sozialen Zusammenbruch in den späten 90er Jahren beschreibt. Ich habe ihn jetzt erst gefunden, als ich in utopischen und SF-Schriften nach dem Umgang mit Geld in Beschreibungen möglicher zukünftiger Welten fragte.

Ich finde es verblüffend, wie in diesem Roman, der vor 30 Jahren geschrieben wurde, auf heutige Fragen geantwortet wird. Was kann alles passieren, wenn ökologische und Wirtschaftskrisen so stark zuschlagen, dass das Leben, wie wir es kennen, nicht mehr möglich ist und auch wir, die wir die Flüchtlinge größtenteils lieber abwehren, zu Flüchtenden werden? (mehr …)

Wissenschaft in der Zeitgeistbewegung
Durch die Begegnung mit Menschen, die sich der Zeitgeistbewegung verbunden fühlen, bin ich vor einigen Wochen herausgefordert worden, mir dazu eine Meinung zu verschaffen. Bisher hatte ich gedacht, dass der Hype um die „Zeitgeist“-Filme doch inzwischen vorbei sei und die dadurch inspirierte Bewegung „Zeitgeist-Movement“ wohl auch keine längere Lebensdauer haben würde, als viele andere.

Wir hatten inzwischen auch einen sehr lebhaften Diskussionsabend in der „Zukunftswerkstatt Jena“ dazu. Ich habe mich nun noch einmal mit einer Kernfrage der Leitlinien der Zeitgeist-Bewegung beschäftigt: Ihrem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Ich referiere erst die in den Leitlinien der Zeitgeistbewegung genannten Ansichten dazu und stelle dem dort Gefundenen wichtige Argumente aus einer umfassenderen Wissenschaftstheorie gegenüber.
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In der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg (siehe dazu eine kurze Einführung von Gens 2009 bzw. Blogbeiträge von mir) wird davon ausgegangen, dass alle Menschen letztlich grundsätzlich die gleichen Bedürfnisse haben (Rosenberg 2004/2010: 13) – diese werden zur häufig in Listen erfasst (Liste 1 (Becker), Liste 2 (Lichtkreis), Liste 3 (Fritsch), Liste in Forendiskussion „Gewaltfrei im Norden“ 2007f.,… Liste aus verschiedenen Konzepten (Weckert 2011)).

Mit dem Konzept der „Gewaltfreien Kommunikation“ können Konflikte gelöst werden, wenn es den Beteiligten gelingt, sich über ihre Bedürfnisse klar zu werden, ihre Bedürfnisse mitzuteilen und Strategien zu entwickeln, mit denen sie ihre Bedürfnisse befriedigen können, ohne in Konflikt zu geraten.
gfk-befreit (mehr …)

Viele kennen vielleicht die sog. Maslowsche Bedürfnispyramide (hier die erweiterte Form aus Wikipedia):

beduerfnispyramide

Diese Pyramide gibt’s mittlerweile mit weiteren Ergänzungen nach unten: So wird als Grundbedürfnis genannt: „WLAN“ und Witzbolde fanden noch ein tieferes Bedürfnis: „Akku“!
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Die eben genannten Spezifika des Gesellschaftlichen haben auch Folgen für die Bedürftigkeit der Menschen. Sie sind zwar auch biologische Wesen, die durchaus auch unter physiologischen Mangelzuständen leiden, aber der Hunger hat für Menschen eine andere Bedeutung als für Tiere. Schon innerhalb der Tierwelt gibt es verschiedene Entwicklungsstadien von Bedarfszuständen und Aktivitäten ihrer Befriedigung. Das beginnt bei einer „weitgehend am Stoffwechselgeschehen orientierte[n] Bedürftigkeit der niederen Tierformen“ (Holzkamp-Osterkamp 1077: 191). Im Verlauf der phylogenetischen Entwicklung entwickelt sich vor allem die individuelle Lernfähigkeit, so dass Tiere höherentwickelter Tierarten Fähigkeiten für vielfältigere Aktionsmuster haben. Zur Befriedigung eines Bedarfs gehört nicht nur das Erreichen des befriedigenden Gegenstands (Futter etc.), sondern auch das Ausüben der entsprechenden Aktivität (Jagen). Es entsteht ein „gegenüber den einzelnen inhaltlichen Bedarfszuständen verselbständgte[r] übergeordnete[r] „Bedarf nach Umweltkontrolle“ […] außerhalb der jeweiligen Ernstsituation“ (ebd.: 190). Auch das Neugier- und Explorationsverhalten, lernende und übende Verhaltensweisen und der Bedarf nach sozialen Kontakten sind „“bedarfsmäßig“ abgesichert“ (Holzkamp-Osterkamp 1976/1990: 37). In Tiergärten und Zoos wird seit längerer Zeit darauf geachtet, dass die Tiere nicht nur ihr Futter vorgesetzt bekommen, sondern ihre artgerechten Verhaltensweisen, z.B. beim Suchen und Jagen nach dem Futter, ebenfalls ausleben können. (mehr …)

Die logisch-historische Ableitung der „biologisch-naturgeschichtlichen Gewordenheit“ nehmen in dem Buch von Ute Holzkamp-Osterkamp („Grundlagen der psychologischen Motivationsforschung 1“) über 200 Seiten ein und die „neue Qualität der gesellschaftlichen Entwicklung“ (ebd.: 229) weitere 150 Seiten. Sie kann deshalb hier nicht einmal ansatzweise angemessen referiert werden. Festzuhalten sind jedoch folgende Ergebnisse:

  • Dadurch, dass Menschen durch Arbeit ihre eigenen Lebensbedingungen schaffen, sind die veränderten bzw. hergestellten Gegenstände Vergegenständlichungen menschlicher Zwecke und Fähigkeiten (ebd.: 233) im Kontext der „übergreifenden Notwendigkeiten der Lebenssicherung“ (ebd.: 235) und tragen Bedeutungen, die über die Phase der unmittelbaren Nutzung hinausgehen (Das Spezifikum der menschlichen Werkzeugherstellung wird in der „geplante[n] Werkzeugherstellung für künftige Gelegenheit“ (ebd.: 232) gesehen).
  • Menschliche Tätigkeit bezieht sich auf diese bedeutungsvolle Umwelt innerhalb der jeweils konkreten historischen Entwicklungsstufe der Menschheit (ebd.: 235).
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