Ich gehöre auch zu denen, die jetzt erst lernen, mit diversen Online-Tools umzugehen. Nachdem ich erst sehr damit gefremdelt habe, die anderen nur auf Bildschirm zu sehen und via  Micro zu hören, gefällt es mir jetzt auf jeden Fall besser als nur-Telefonieren. Und es gefällt mir besser, als nicht dabei zu sein. Ich hab inzwischen an mindestens zwei Treffen teilgenommen, zu denen ich nicht hingefahren wäre, wenn sie wie vor Corona offline irgendwo stattgefunden hätten, wo ich erst hinfahren muss.

Ich glaube, diese Gewöhnung an die Online-Tools wird auch nach Corona-Zeiten die Kommunikation und das Kontakt-Halten erleichtern. Heute zeigte jemand bei einem der Treffen eine frühe Veröffentlichung (1987), wo das Thema Computer sehr kritisch diskutiert wurde:

(Quelle: http://www.zwnetz.de/Verein/archiv/verein-archiv3.htm)

Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass ein Bekannter in den 90er keine mit  Computer geschriebenen und ausgedruckten Briefe bekommen wollte, sondern nur handgeschriebene…

Beim Internet war es ja umgekehrt: Da gabs fast allerorten erst übertriebene Hoffnungen auf sein Potential zur Demokratisierung und Selbstorganisierung und mit den großen profitorientierten Plattformen kam erst die Ernüchterung. Jetzt nutzen wir alles und kennen zum großen Teil auch die Mankos. Ich selbst bleibe noch bei einigen wenigen Tools, Whatsapp, Signal, Telegram… würde mir alles zu viel. Dadurch bin ich bei einigem ausgeschlossen, aber mein Tag hat eh nur 24 Stunden und die sind voll ausgefüllt mit ausreichend Kontakten und Terminen, mehr würde ich gar nicht schaffen. Allerdings gönne ich mir pro Woche auch noch viele Stunden über echten Büchern, oft alten Büchern und beginne langsam zu verstehen, warum andere aufgrund der vielen anderen Ablenkungen sich nie so tief in ein Thema vertiefen (können), wie ich es mag …

P.S. Inzwischen träume ich schon „in Videokonferenzen“ und dazugehörigen Gesprächsnotizen im Pad… 😉

Ab heute leben wir hier in Deutschland auf Kosten der Substanz, des Kapitals, dessen, was uns die Ressourcen und Reproduktionszyklen auf dem Planeten Erde für das ganze Jahr zur Verfügung stellen können.

Es ist Earth Overshot Day für Deutschland.

Bis zu diesem Tag haben wir alles verbraucht, was uns für dieses Jahr zusteht.* Aber anstatt uns mit dem zu bescheiden, was die freigiebige Natur uns gewährt, verbrauchen und zerstören wir sie immer schneller. Der Earth Overshot Day, den es seit Anfang der 70er Jahre gibt, liegt jedes Jahr zeitlich früher als in den Jahren vorher:

(Quelle des Bildes: https://www.overshootday.org/newsroom/country-overshoot-days/)

Und natürlich gibt es Unterschiede: wenige Reiche verbrauchen extrem viel mehr als viele Arme. Eine solche Differenzierung sieht man auch, wenn man die Länder miteinander vergleicht:

(Quelle des Bildes: https://www.overshootday.org/newsroom/country-overshoot-days/)

Nue eine Folge davon: Seit den 70er Jahren, also als ich ein Kind war, hat sich die durchschnittliche Populationsgröße der Wirbeltierarten um fast 60% verringert.

Global gesehen bräuchte die Menschheit derzeit 1, 75 Planeten wie die Erde und die Deutschen 3,1 Planeten, um ihren Ressourcenhunger zu stillen und den natürlichen Prozessen ausreichend Regenerationsmöglichkeiten zu lassen.

Wie lange kann das so weiter gehen?

(Quelle des Bildes: https://www.bundjugend-bw.de/aktionstipp-earth-overshoot-day-2016/)

In einem Blog gabs eine nette Grafik, die das aktuelle Motto „Flatten the Curve“ aufgreift:

(Quelle des Bildes: http://www.vonstietencron.de/sinan/)

* Es mag sein, dass durch Corona echt eine kurze Zeit lang weniger produziert und konsumiert wird. Durch die entsprechenen Wirtschaftsförderprogramme wird das aber wieder ausreichend kompensiert werden.

Falls sich jemand ausgebremst fühlt durch die Corona-Beschränkungen im politischen Engagement, so gibts viele Alternativen (die sonst ja auch begleitend laufen).

 

Oder, oder, oder…

 

Ein Aufruf zum 1. Mai aus dem Kreis derer, die in Gießen durch die 
Verfassungsbeschwerde das Ende von Demonstrationsverboten durchgesetzt
haben:

Menschen statt Profite (people not profits)!

Öffentliche Daseinsvorsorge: Bedürfnisse befriedigen statt Profite erwirtschaften!

Mobilität, Gesundheit, Wohnungen und die Versorgung mit Energie, Lebensmitteln,
Kultur und Informationen – all das sind Bereiche, die für ein gutes,
menschenwürdiges Leben notwendig sind. Sie gehören nicht in die Hand derer, die
damit Profite machen wollen. Stattdessen müssen sie eine für alle gleichermaßen
erreichbare Versorgung sicherstellen. Das bedeutet: (mehr …)

60 sozial- und klimapolitische Gruppen veröffentlichen heute 24 Forderungen für 
eine sozial-gerechte und ökologische Bewältigung der Covid-19-Pandemie. Zu den 
Unterzeichner*innen gehören u.a. die Feministische Vollversammlung Köln, 
verschiedene Klima- und Tierrechtsgruppen sowie der Bundesverband der 
BUNDjugend. Das Bündnis setzt sich dafür ein, Corona-Maßnahmen in Zusammenhang 
mit anderen Krisen zu setzen, wie beispielsweise der Klimakrise und dem 
Pflegenotstand.

„Die Corona-Krise zeigt uns die Mängel unseres jetzigen Wirtschaftssystems“, 
heißt es in dem Forderungskatalog. „Dies ist der richtige Moment, unsere 
Wirtschaft nachhaltig, gerecht und krisenfest aufzustellen.“
 (mehr …)

Der folgende Textteil gehört noch in das Thema „Klima-Umbruch -Transformation – Lebensführung“.  Denn um sich der Frage nach der Verzweiflung zuzuwenden, muss erst noch einmal klargemacht werden, warum Verzweiflung nicht mehr nur die Folge von Panikmache ist, sondern angesichts der erreichten und weiter zu befürchtenden Schädigungen unserer Lebensgrundlagen kaum noch zu vermeiden sein dürfte. Deshalb schiebe ich diesen Teil noch zwischen die Ausführungen zur „Transformation“ und die zur „Lebensführung“.


Diese Transformation ist keine, bei der vieles von dem bisher Erreichten beibehalten werden und die Verhältnisse grundlegend verbessert werden können. Wir können uns die bisherigen Zukunftshoffnungen z.B. mit einer sog. „Fitness-Landschaft“ vorstellen: (mehr …)

Der folgende Text wurde von Rüdiger Lutz in seinem 1988 herausgegebenen Sammelband „Pläne für eine menschliche Zukunft“ veröffentlicht. Das damals aktuelle Thema war die Gefahr eines Kernwaffenkriegs, die leider immer noch nicht gebannt wurde. Trotzdem schiebt sich heute ein neues Thema in den Vordergrund: der Klima-Umbruch. Deshalb schreibe ich den Text um[1] und nenne ihn auch nicht wie im Original „Die Friedenswerkstatt“ sondern „Die Klimawerkstatt“. Denn der Text, den ich eher zufällig in meiner Bibliothek (wieder)fand, gibt eine Antwort auf eine Frage, die mich schon länger herumtreibt: Wie können wir uns in Gruppen gegenseitig helfen, mit der aufkommenden Verzweiflung und Trauer über den stattfindenden Klima-Umbruch umzugehen, ohne sie zu verleugnen oder in ihr zu versinken? In der Bewegung „Extinction Rebellion“ werden hierzu Methoden, die eng verwandt mit der problematischen Tiefenökologie sind, verwendet (nach Joanna Macy) – mit dem Konzept von Rüdiger Lutz gibt es nun eine Alternative. Obwohl er leider nicht mehr lebt, bin ich mir sicher, dass er erfreut darüber  wäre, dass seine Arbeit erneut genutzt wird.

Brecht schrieb für jene, die im brennenden Haus den Brand nicht wahrnehmen wollen:

„Ohne zu antworten, ging ich wieder hinaus. Diese, dachte ich, müssen verbrennen, bevor sie zu fragen aufhören. Wirklich Freunde, wem der Boden noch nicht so heiß ist, dass er ihn lieber mit jedem anderen vertausche, als dass er da bliebe, dem habe ich nichts zu sagen.“

Mit der Klimawerkstatt wenden wir uns nicht ab, sondern wir wollen miteinander reden über die Gründe des Nicht-Wahrnehmens. (mehr …)