Schon mehrere Blogbeiträge beschäftigten sich mit dem Thema, was das Kennzeichnende an der Gesellschaftsformation „Kapitalismus“ ist. Eine Herausforderung dazu ist die Verbreitung der Ansicht, der Kapitalismus sei primär durch einen Zwang zur Beteiligung am Markt gekennzeichnet, während die Ausbeutung nicht als wesentlich angesehen wird (S&S: 37). Ich hatte das schon in meinem kritischen Kommentar zum Buch „Kapitalismus aufheben“ (S&S) unter Punkt 3.2.1 angesprochen. Simon Sutterlütti thematisiert dies auch in einem Keimform-Beitrag.

Eng damit verbunden ist auch die Frage, wie sich Geld und Kapital zueinander verhalten. Wichtig ist die Frage, um zu wissen, worin die Wurzel des Kapitalismus besteht, die wir ziehen müssen, wenn wir ihn „aufheben“ wollen.

Henne und Ei? Was ist Wesen und was Erscheinung?
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Gelbe Westen (gfrz. gilets jaunes) sind seit einigen Wochen ein Symbol, aber kaum jemand weiß so ganz genau, wofür es steht. Linke haben gleich einen Rechtspopulismusverdacht.

Ich fand in einem Gespräch mit Didier Eribon, Edouard Louis und Geoffroy de Lasagnerie eine interessante Bemerkung zum Umgang mit solch unklaren Bedeutungen:

Die gilets jaunes haben keine vor­gegebene Bedeutung, an deren Heraus­bildung können und müssen wir mitarbeiten.

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Bei der Beschäftigung mit Geschichte habe ich festgestellt, dass es sinnvoll sein kann, verschiedene Fragestellungen an das historische Geschehen und das, was man dazu liest, zu unterscheiden.  Das möchte ich hier vorstellen und zur Diskussion stellen:

1. Geschichte

Da ist zuerst jener Bereich, in dem bestimmte zeitlich, räumlich oder auch thematisch beschränkte geschichtliche Geschehnisse empirisch und theoretisch untersucht werden. In der damit befassten Wissenschaft „Geschichte“ geht es darum, „der Bewegung des Konkreten so wie es ist genau auf der Spur zu bleiben“, was „jedoch stets bedroht ist von der Gefahr, sich in seiner unausschöpflichen Besonderheit zu verlieren, ohne daß es gelingt, die allgemeine innere Notwendigkeit zu fassen“ (Séve 1976: 137).

2. Geschichtstheorie

Auch wenn manche die Wissenschaft Geschichte auf diese Form von Theorie beschränken möchten, gibt es doch immer auch übergreifende paradigmatische Konzepte, die in eine „Geschichtstheorie“ eingehen. Zwei solche nicht miteinander vereinbaren Konzepte, d.h. Geschichtstheorien sind z.B. die, bei dem davon ausgegangen wird, „daß die Weltgeschichte in einem geschlossenen Horizont von etwa 6000 Jahren währen wird“ und jene, die annimmt, dass Menschen „auf einem Zeitstrahl des Fortschritts in immer neue Zukünfte vorwärtsgeschleudert werden“ (Kittsteiner 2006: 39.). Auf dieser Ebene werden auch jeweils allgemeine Begriffe gebildet, wie für den Marxismus „Gesellschaftsformation“, „Produktivkräfte“, „Eigentumsverhältnisse“, „Klassen“ usw. usf…. Was soll man von dieser Vielfalt der Geschichtskonzepte und -theorien halten? Können wir einfach eine aussuchen und als die „wahre“ annehmen?

3. Geschichtsphilosophie
Letztlich sind alle Geschichtstheorien eingebettet in ihre Zeit. Sie sind, wie auch die naturwissenschaftlichen Theorien Praxen von Menschen, sie sind „allgemeine Arbeit“ (vgl. Schlemm 2004, 2005: 220). Als solche können sie wie andere Arbeitsprozesse analysiert werden. Dazu gehört ihre Einbettung in den jeweiligen historischen Kontext. Für die Naturwissenschaft setzt hier die „Philosophie der Naturwissenschaften“ ein. Diese Art, sich mit Geschichtstheorien zu beschäftigen, kann demnach auch als „Geschichtsphilosophie“ betrachtet werden.

„Die Art und Weise, wie Menschen sich selbst in ihrer Geschichte verorten, wie sie ihre Geschichte denken, wird selbst zum Untersuchungsgegenstand.“ (Wagner 2016: 50)

Heinz-Dieter Kittsteiner (1974) untersuchte z.B., wie sich die Tatsache, dass  in der DDR die „Aufgabe der „Bewußtseinsbildung“ […] der Historiographie vorgegeben“ war, auf die Geschichtswissenschaft auswirkte (vgl. auch Kunkel 1987).

Literatur: (mehr …)

Frigga Haug hat im vorigen Jahr ein neues Buch mit vorwiegend schon älteren Texten veröffentlicht, die sie durch Vor- und Zwischenworte nachträglich in einen persönlichen Entwicklungs- und Erkenntnisweg einordnet. Ich kann es nur empfehlen, wenn man sich mit der Vielfalt ihrer Gedanken und Praxen einlesen möchte oder mehr Hintergründe dazu wissen möchte. Deshalb habe ich auch eine Rezension für die junge Welt geschrieben.

Zur Rezension bei der jungen Welt

Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern ein paar schöne Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

2019b

Für mich beginnt das neue Jahr sehr hoffnungsvoll, nachdem ich vor ein paar Wochen eine Entscheidung getroffen habe.  Manchmal muss  man erst eine Tür schließen, damit sich vor einem ein Scheunentor öffnet!


In Katovice wird über die Zukunft der Welt beraten, aber wie eigentlich immer, wird wohl nix rauskommen. Nur die Weltbank hat beschlossen, ab 2019 keine Kohle- und Gasprojekte mehr zu fördern (mit Ausnahmen). Ansonsten gibt es keinen wirklichen Plan, das Ruder herumzureißen bei den CO2-Emissionen. Im früheren Vorreiterland Deutschland wurde die Förderung der erneuerbaren Energien längst zugunsten der Energiefossile abgewürgt. Die Treibhausgasemissionen werden bis 2020 nicht um die angezielten 40% verringert, sondern nur um 32 Prozent. In den USA, die trotz des Ausstiegs von Trump aus dem Pariser Abkommen ihre CO2-Emissionen ein wenig reduzieren konnten, sank in der gleichen Zeit auch das Bruttosozialprodukt und es wurde mehr auf Kernkraft gesetzt [1]. Und Öl schmiert noch immer die Weltwirtschaft, kurzfristige wirtschaftliche Interessen von wenigen regieren die Welt.

  1. http://et-energie-online.de/Zukunftsfragen/tabid/63/NewsId/1524/Der-Clean-Power-Plan-der-USA.aspx
  2. Zur Rolle der genannten Staaten bei der Klimakonferenz in Katovice
  3. Die größten Ölförderer der Welt

War da nicht heute was? Auch ja: Der Klimagipfel in Kattowice. Kümmert das irgendwen? Außer ein paar Journalisten, die nun mal wieder kurz die Titelseiten bekommen?

Wann war es jemals so deutlich geschrieben worden:

„Revolution oder Klimakatastrophe“ (ND, 1./2. Dezember 2018)

 

Einer der neuen Direktoren des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Johan Rockström (wahrscheinlich nur Insidern bekannt als Mitautor der Studien zu den „Planetaren Grenzen„) schreibt dazu:

„Wenn die Regierungen heute ihre Versprechen zur
Stabilisierung unseres Klimas nicht einhalten, so wird man sich über
Generationen hinweg an ihr Versagen erinnern.“

Aber man wird sich nicht nur an das Versagen der Regierungen erinnern. Wer folgt denn derzeit dem allgemeinen Run der Lemminge auf die Weihnachtsgeschenke, wo es nur noch darum geht, ob man das online macht oder wenigstens im Einzelhandel? Grad die Weihnachtszeit wäre eine mögliche Zeit der Besinnung darauf, was uns wirklich wichtig ist. Sind es Berge von umweltverbrauchenden und -vermüllenden Dingen oder eben mehr Zeit für Muße und füreinander?


Hier dazu entsprechende Illustrationen…