Mein Vati ist heute gestorben, … nein, nicht an Corona. Er wurde fast 92 Jahre alt.

Das ist eins der letzten Fotos. Leider habe ich ihn in den letzten Monaten nicht mehr besucht, wegen dem Corona-Durcheinander. Weil meine Eltern geschieden waren, habe ich ihn immer nur besuchsweise erlebt. Er war mathematisch wahrscheinlich begabter als ich und konnte sich am Ende der DDR als einer der Ersten mit Computern beschäftigen. Er war am Ende das, was man auch „lebenssatt“ nennt…

Manchmal muss man einen Schritt zurück treten, um eine Orientierung für den Schritt nach vorn zu gewinnen. Den Kapitalismus und mit ihm jegliche Klassengesellschaft zu überwinden und eine Gesellschaft aufzubauen, in der Ausbeutung, Unterdrückung, Diskriminierung und andere Entwürdigungen nicht mehr vorkommen, ist nach den vielen Jahrtausenden voller Kriegen, Plünderungen und Demütigungen eine ungeheure Herausforderung. In der bleiernen Zeit der frühen 70er Jahre durchforstete der Schriftsteller Wladimir Tendrjakow die Leninschen Schriften auf der Suche nach der Quelle der verfahrenen Situation im Sozialismus der UdSSR.

„Zwei sind im Zimmer:
ich
und Lenin – “ (Majakowski in Tendrjakow 1969ff./1991: 11)

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Ich hatte hier im Blog ja schon ziemlich begeistert über eine Veranstaltung in Köln berichtet, bei der Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Lehrkräften über den Umgang mit dem drohenden Klima-Umbruch in ihrer Schule gesprochen haben. In der Veranstaltung gab es einen spannenden Wechsel zwischen Inputs und Gruppenarbeitsphasen, als Erlebnis kann man das leider nicht gut weiter geben. Die wesentlichen Inhalte der Inputs und der Arbeitsergebnisse wurden jetzt in einem sehr anschauenswerten Buch zusammen gefasst:

Auch von mir ist ein Ausschnitt meines Textes zu meinem Workshop enthalten.

Hier kann das Buch bestellt werden.


 

Wer ist hier der Schneemann?

Diese Literatur gehört zum Projekt „Anregungen von Maurice Godelier“


Wie an der folgenden Auflistung zu sehen ist, war das Buch von Godelier tatsächlich „nur“ die Anregung, mich mit den vorgestellten Themen auch anhand anderer Literatur ausgiebig zu beschäftigen:


Adamczak, Bini (2017): Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende. Berlin: Suhr-kamp 2016.

Anderson, Perry (1978/2015): Von der Antike zum Feudalismus. Spuren der Übergangsgesellschaften. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

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Dieser Text gehört zum Projekt „Anregungen von Maurice Godelier“


Die materielle Reproduktion der Gesellschaftsmitglieder und der Gesellschaft ist der für die Gesellschaft wesentliche Prozess; sie ist aber nicht zu reduzieren auf materielle Wechselwirkungen. Georg Lukács verwies 1919 auf den „methodischen Irrtum des vulgären Materialismus“, der darin bestünde, „daß nämlich die wirtschaftlichen Formationen ewig erstrangig blieben gegenüber den ideologischen Gebilden“ (Lukács 1919/1975: 119).[1]

Menschliche Praxis ist mindestens immer über Ideelles vermittelt, darüber, dass Menschen eine „›gnostische‹ Welt- und Selbstbeziehung“ (Holzkamp 1983: 234) haben. Dies gilt auch für die unmittelbare Produktion. Es ist nicht so, als wäre diese unabhängig von ideellen Vorstellungen „rein-materiell“, sondern auch sie ist durchdrungen von Ideellem. Denn es gilt, „… daß kein materieller Eingriff des Menschen in die Natur, das heißt kein intentionaler, von ihm gewollter Eingriff, erfolgen kann, ohne von Anfang an im Bereich des Intentionalen „Ideelles“ hervorzurufen, Vorstellungen, Urteile, Prinzipien des Denkens, die keinesfalls nur materielle Verhältnisse im Denken widerspiegeln, weil sie unabhängig von ihm, vor ihm oder ohne es, entstanden wären“ (Godelier 1990: 22). Nach Lukács unterscheiden sich überholte Marxismusvorstellungen von angemessenen gerade dadurch, dass erstere die ökonomische Wirklichkeit als „Sein ohne Bewußtsein“ auffassen, während in Marxens Ontologie nach Lukács „jedes gesellschaftliche Sein mit Bewußtseinsakten (mit alternativen Setzungen) untrennbar verbunden ist“ (Lukács 1984: 675).

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Dieser Text gehört zum Projekt „Anregungen von Maurice Godelier“


Auch im Kapitalismus sind es wieder die Eigentumsverhältnisse, die die Produktions- und damit die gesellschaftlichen Verhältnisse als Ganzes wesentlich bestimmen. Man kann kaum sagen, dass je ein bestimmtes Eigentumsverhältnis für je eine Gesellschaftsformation dominant ist. In jeder Gesellschaftsformation wirken verschiedene Eigentumsverhältnisse zusammen. Das persönliche bzw. haushaltbezogene Eigentum an Werkzeugen, Waffen sowie Vieh und die gemeinschaftliche Verfügung über das Territorium verweisen aufeinander. Dass diese Kombination so häufig auftritt, hat wohl den Grund darin, dass Vieh leicht ausgetauscht werden kann, Boden dagegen nicht (vgl. Godelier 1990: 122). Gemeinschaftlich genutzte Allmenderessourcen stützen häufig feudale Ausbeutungsverhältnisse. Die Selbstverwaltung der Dorfgemeinschaften enthebt die Feudalherren der direkten Einflussnahme und ermöglicht trotzdem oder auch gerade dadurch die Erhebung von Abgaben. Gemeinschaft geht mit „Flurzwang“ zusammen. Die sog. „asiatische“ und die feudale Gesellschaftsformation unterscheiden sich nach Godelier übrigens dadurch, dass in Asien der Staat oberster Eigentümer des Bodens blieb und Grundrente und Steuer zusammenfallen, während im Feudalismus Grundrente (an den  Grundherrn) und Steuer (an den Staat) unterschieden sind (Godelier 1990: 126). Die Trennung des Eigentums an Produktionsmitteln und Arbeitskräften im Kapitalismus ermöglicht vorher unglaubliche Kooperationseffekte im konkreten Arbeitsprozess, deren Triebkraft sich von den unmittelbaren Bedürfnissen der Menschen abkoppelt. Gleichzeitig entstehen klassenspezifische Interessen, die jeweils mit ihrem spezifischen Eigentumspositionen im Zusammenhang stehen. Die gesellschaftlichen Strukturen, wie die Eigentumsverhältnisse wirken nicht nur als „Nahelegungen“ auf das individuelle Verhalten, sondern dieses ist in bestimmter Weise interessiert und auf diese Weise auch verständlich. (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Anregungen von Maurice Godelier“


Karl Polanyi[1] untersuchte, wie bestimmte Märkte dazu führen, dass die Gesellschaft nur noch als „Anhängsel des Marktes“ (Polanyi 1944/1978: 88) zu verstehen ist:

„Die Wirtschaft ist nicht mehr in die sozialen Beziehungen eingebettet, sondern die sozialen Beziehungen sind in das Wirtschaftssystem eingebettet.“ (ebd.: 88-89)

Er unterscheidet dabei zwischen „einzelnen Märkten“, die in andere Gesellschaftsfunktionen eingebettet sein können und einer „Marktwirtschaft“, in der die „auch die Gesellschaft selbst so gestaltet werden [muß], daß das System im Einklang mit seinen eigenen Gesetzen funktionieren kann“ (ebd.: 89). Märkte auf Fernhandels- oder auch lokaler Basis begleiten die Menschheit fast überall und immer – nur auf europäischem Gebiet wurde „durch das Eingreifen des Staates“ (ebd.: 96) eine neue Form von Märkten geschaffen. Zuerst durch nationalstaatliche Maßnahmen zur Aufhebung der traditionellen Schranken, danach durch die Ermöglichung[2] „eines einzigen großen, selbstregulierenden Marktes“ (ebd.: 101). Die daraus entstehende „Marktwirtschaft ist ein ökonomisches System, das ausschließlich von Märkten kontrolliert, geregelt und gesteuert wird; die Ordnung der Warenproduktion und -distribution wird diesem selbstregulierenden Mechanismus überlassen“ (ebd.: 102).[23] Das erfordert, „daß die gesamte Produktion auf dem Markt zum Verkauf steht und daß alle Einkommen aus diesen Verkäufen entstehen“ (ebd.: 103). Auch Arbeit, Boden und Geld werden nun zu Waren. Da diese Produktionsfaktoren aber nicht direkt für den Verkauf hergestellt wurden, nennt Polanyi sie „fiktive Waren“ (ebd.: 107f.). Verbunden mit dem Gebrauch dieser Faktoren als Waren ist die Tendenz ihrer Zerstörung, deshalb müssen sie geschützt werden (ebd.: 109), was jeweils durch unterschiedliche Kräfte und Institutionen in der Gesellschaft reguliert wird. Auf diese Weise sind die anderen, vor allem die politischen Kräfte in der Gesellschaft auch wesentlich für die Gesellschaft, dominant wird jedoch die Eigenlogik des Wirtschaftlichen.[4] Ab jetzt musste sich „die Organisierung der Arbeit den Entwicklungen des Marktsystems anpassen“ (ebd.: 111) und damit „war die menschliche Gesellschaft zu einem Beiwerk des Wirtschaftssystems herabgesunken“ (ebd.). (mehr …)

Natürlich hab ich auch über die Feiertage fleißig weiter gearbeitet. Die Zugriffszahlen zum Blog gingen rasant runter, was mir zeigt, dass viele andere vieles andere zu tun hatten, als in Blogs zu schauen… 😉

Ich habe zum Kapitel „Eigentum“ aus der Auswertung des Buches von Godelier mittlerweile noch einige längere Einfügungen gemacht. Die empfehle ich jetzt auch, erst mal zu lesen. Demnächst kommt dann auch wieder Neues hier im Blog.

Ich habe natürlich auch in den letzten Tagen gearbeitet, die Beitragsreihe „Zu Godelier“ wird in den nächsten Tagen fortgesetzt und beendet. Zwischendurch bastle ich schon an einem neuen Thema und dafür ist mir eine neue Darstellung eingefallen:

Das kann ich natürlich nicht mal „auf die Schnelle“ erklären. Neu ist die Sortierung der Schlussformen entlang der Zwischenglieder der Vermittlung (das Besondere, das Einzelne oder das Allgemeine vermittelt).

Mehr zur Schlusslogik kann man z.B. an entsprechender Stelle im Hegel-System entnehmen, Poster dazu gibts hier bereits.