Search Results for 'Klassenkampf'


Adorno, Theodor W. (1968/2003): Einleitung in die Soziologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

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Dieser Beitrag gehört zum Thema „Post- und traditionale Gemeinschaften“.


Weiter oben wurde schon auf die Unterscheidung des „wahre[n] Gemeinwesen[s] des Menschen“ und der „Gesellschaft des entfremdeten Menschen“ bei Marx verwiesen. Unter Verwendung der Tönnies-Weberschen Begrifflichkeit könnte dies bedeuten, dass Kommunismus eine Rückkehr aus der (entfremdenden) Gesellschaft in die Gemeinschaftlichkeit bedeutet. Ferdinand Tönnies erwartete, dass sich nach der Auflösung des „einfache[n], familienhafte[n] Kommunismus“ und dem Durchgang durch eine Phase des „(dörflich-städtische[n]) Individualismus“ sich ein „unabhängige[r] (großstädtisch-universelle[r]) Individualismus“ entwickelt, der dadurch einen „(staatliche[n] und internationale[n]) Sozialismus“ setzt (Tönnies 1887/1912: 308)[1] In einem Zusatz zur zweiten Auflage seines Werks „Gemeinschaft und Gesellschaft“ von 1912 freut sich Tönnies darüber, dass „im Namen der Genossenschaft […] ein Prinzip der Gemeinschafts-Öekonomie neues Leben gewinnt“ (ebd.: 246). Es gab demnach historisch einen Übergang von eher gemeinschaftlichen zu gesellschaftlichen Lebensformen. Allerdings ist es nach Tönnies nicht gerechtfertigt, das mit Warentausch und Handel verbundene Leben als das Allgemein-menschliche zu verabsolutieren, sondern das Gemeinschaftliche ist ihm historisch vorgängig und noch inwendig. Eine „Urerinnerung an ein gemeinschaftliches Recht“ begründet „die Idee der Gerechtigkeit“, und somit „ist das Naturrecht ein ewiger und unveräußerlicher Besitz des menschlichen Geistes“ (ebd.: 259). Der „gemeinschaftliche Wille“ bleibt „die substanzielle Basis menschlichen Zusammenlebens überhaupt“ (ebd.: 260).[2]

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Zum Verhältnis von Exklusion und Ausbeutung

Der Begriff der „Arbeiterklasse“ wurde, nachdem er im traditionellen Marxismus überstrapaziert worden war, inzwischen weitgehend entsorgt (kritisch dazu Schlemm 2016,  2017 und 2018). Damit verblasste auch der Begriff der „Ausbeutung“. Meist wurde er zu einem Wort, das eine gewisse Empörung trägt, aber begrifflich nicht mehr bestimmt ist. Oder die Ausbeutung wird bloß als „Moment der Exklusion“ bestimmt (Sutterlütti, Meretz 2018: 37). Die Soziologin Tine Haubner aus Jena versucht seit längerer Zeit, den Ausbeutungsbegrff vor allem in Bezug auf Arbeitende in der Pflege wieder nutzbar zu machen – ich werde etwas später im Text vor allem ihre Lösung hier referieren.

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Dieser Text gehört zur Vorstellung des Buches „Omnia Sunt Communia“ von Massimo de Angelis.

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Aderhold, Jens; Jutzi, Katrin (2003): Organisation als soziales System. In: Elke Welk, Rainhart Lang (Hrsg.): Moderne Organisationstheorien2. Strukturorientierte Ansätze. Wiesbaden: Gabler. S. 153-188.

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Dieser Text gehört zur Vorstellung des Buches „Omnia Sunt Communia“ von Massimo de Angelis.

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Commons in Transformation/Revolution

Angesichts des koevolutionären Ineinandergreifens von Bewegungen gegen die Folgen des Kapitalismus und Commons ist auch danach zu fragen, wie Commons selbst zu einer transformativen Macht werden können (de Angelis 2017: 363ff.). Commons sind nach de Angelis „verborgene, latente materielle Bedingungen, in denen eine klassenlose Gesellschaft Gestalt annehmen kann“ (de Angelis 2014: 6). „The Commons“ ist der Zielhorizont einer Transformation, der sich nicht nur durch ein Negativum bezeichnet („klassenlos“), sondern auch durch das, was dann die vorherrschende Lebens- und Organisationsform der Menschen sein könnte.

De Angelis spricht sich – wie die meisten heutzutage -gegen eine klassische Revolutionsvorstellung aus, derzufolge zuerst eine politische Machtübernahme erfolgt und dann auf dieser Basis das gesellschaftliche Leben neu gestaltet wird. Die gesellschaftliche Revolution wird demgegenüber als lange Epoche betrachtet (de Angelis 2017: 269) und besteht aus einer Abfolge von Bewegungskämpfen und Commonsbildungen, die sich gegenseitig bestärken und im Laufe der Zeit zu einem Anwachsen der alternativen Lebens- und Produktionsweisen bis hin zu einer Überwindung der kapitalistischen Hegemonie führen (ebd.: 11). Die diese Entwicklung vorantreibenden Kräfte werden von den Commoners aufgebracht, wozu alle gehören, die sich hier einbringen, auch unbezahlt Arbeitende und sogar Kleingewerbetreibende (ebd.: 183). Das Entscheidende am Übergang zu den neuen gesellschaftlichen Verhältnissen ist, dass letztlich mit den Commons jene Probleme gelöst werden, die das Kapital nicht lösen kann (weil es sie erzeugt) (vgl. de Angelis 2014). Die von Marx betonte Eigentumsfrage wird durch die „Commonalisierung“ beantwortet, das heißt, die notwendigen Lebensgrundlagen sollen unabhängig vom Kapitalreproduktionskreislauf erzeugt werden und bzw. bis dahin soll aus diesem entnommen werden – durch Kauf oder wie auch immer – , was gebraucht wird.

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Dieser Text gehört zur Vorstellung des Buches „Omnia Sunt Communia“ von Massimo de Angelis.

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Kämpfe und Commons

Man kann auf Commons schauen als übriggebliebene Reste einer früheren allgemeinen Commons-Welt, die sich trotz aller Einhegungen noch erhalten haben. Oder man kann sich Commons erhoffen als fast natürliche Folge der Entwicklung des Kapitalismus, der die Grundlage für Freie Software, Wikipedia, veränderte Bedürfnisse und Fähigkeiten und ähnliche Voraussetzungen für neue Formen des Commoning geschaffen hat. Letztlich hat die Existenz aller Commons derzeit immer mit Kämpfen zu tun. Die „Reste“ haben sich erfolgreich allen Einhegungen widersetzt und die neuen Software- und Kultur-Commons kämpfen gegen alle Versuche, ihre Ergebnisse zu reprivatisieren. Die Beispiele, die Massimo de Angelis aus richtungsleitend betrachtet, sind vor allem Commons, die selbst gerade in Kämpfen, die auf Krisen folgten, entstanden und sich weiter entwickelten (auch bei Exner, Kratzwald 2011, Exner et al. 2021, Guilengue (Ed.) 2020 sowie Varvarousis et al. 2020 finden sich vielfältige Beispiele der engen Verbindung von Kämpfen mit Commons). Die Wasserassoziationen in Cochabamba sind z.B. Folgen der Wasserkrise und des ungerechten Umgangs damit durch die vorher dominierenden Praxen (de Angelis 2017: 304) und zeigen sich als konkrete Weise des Umgangs mit den sich daraus ergebenden Problemen. Sie sind bestimmt durch jene Praxen, gegen die sich sie richten und bestimmen sich durch ihren selbstgesetzten Zweck, der dem Zweck dessen, wogegen sie sich richten, entgegengesetzt ist.[1] Massimo de Angelis betont immer wieder, dass Commons sich dadurch bestimmen, dass sie eigene, neue Methoden der gesellschaftlichen Koordination und Strukturierung entwickeln, aber sich gerade damit gegen die dominierende Kapitalform gesellschaftlicher Beziehungen richten. Das „Nein“ gegen den Kapitalismus ist verbunden mit einem „Ja“ zu den Alternativen und da diese Alternativen in der Mehrzahl auftreten, gilt die Losung: „One no many yeses“ (Midnight Notes 1997, vgl. de Angelis 2017: 348).

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Ich habe mich bisher immer gedrückt um eine klare Einschätzung jener polit-ökonomischen Systeme über 70 Jahre hinweg, die sich am Ende meistens als „real existierender Sozialismus“ bezeichneten (bei mir hier benannt als „Realsozialismus“).

In einer politisch-theoretischen Debatte, die mit der Weiterführung des von mir schon kritisierten Buchs „Kapitalismus aufheben“ von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz (2018) verbunden ist, fühle ich mich nun herausgefordert, meine Position schon vor einer eventuellen Kritik dieser Weiterführung vorzustellen, um eine Debatte dazu zu ermöglichen.

Um sich abzusichern, muss man vielleicht heutzutage überhaupt erst mal eine Distanzierungsklausel formulieren: Nein, ich will die DDR, so wie sie war, nicht zurück! ABER: Sie war auch nicht dasselbe wie der Kapitalismus. Ich hätte es nie gedacht, aber auch das wird heutzutage behauptet. Und dagegen richtet sich der folgende Text:


Zum Kapitalismus

Version 1.0, 28.05.2021

Der Ausgangspunkt der von mir kritisierten Kapitalismuskritik ist die sog. „Wertkritik“ nach Robert Kurz, später von den Zeitschriften „Krisis“ und später „Exit“ vertreten. Diese wurde genau in den „Wende-“ -Jahren breit rezipiert und galt als Erneuerung des Marxismus, als Rettung des  „wahren“ Marxismus aus einer Dogmatik, wie sie in den realsozialistischen Ländern entwickelt worden sei. Man konnte nun weiter MarxistIn sein, ohne die Dogmatik mittragen zu müssen, wie befreiend!

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(Die Foliennummern entstammen der dazugehörigen Präsentation)

 

In unserer Ortsgruppe „Extinction Rebellion“ haben wir gegen Ende des vorigen Jahres ein Positionspapier erarbeitet, um uns zu den Kritiken an der Bewegung „Extinction Rebellion“ zu positionieren. In den Prinzipien dieser Bewegung wird vom „toxischen System“ gesprochen. In Jena einigten wir uns darauf, den Kapitalismus bei seinem Namen zu nennen. Natürlich wirken für das naturfeindliche Verhalten auch andere Verhaltensweisen und Verhältnisse eine Rolle, aber wir wollten den zentralen Kern der verhängnisvollen Dynamik präziser benennen.

Dies forderte Kritik heraus. So bekamen wir in einer Email mitgeteilt (Folie 1):

„Ich bin aber über eine Formulierung gestolpert und habe mich gefragt, ob ihr sie bewusst gewählt habt. Und zwar der „weltweit agierende Kapitalismus“ […].
Ist euch bewusst, wie sehr diese Formulierung sich anlehnt an Erzählungen von antikapitalistischen Antisemit*innen? […] Und wenn ihr behauptet, der Kapitalismus würde „agieren“, dann ist das eine ähnliche Verschwörungserzählung.
Denn Kapitalismus agiert nicht. Es sind Menschen, die agieren.

In dem folgenden Bild werden unvermittelt beide Positionen verbunden: der Kapitalismus tötet und Kapitalisten könnten die Mörder sein (Folie 2):

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So langsam krieg ich ein Déjà-vus. Bei wievielen Klimastreiks war ich schon dabei? Heute ist wieder ein Klima-Streiktag, zur Kundgebung noch Jena fahre ich gleich. Hier aber erst noch mein inhaltlicher Beitrag zum Thema für heute:

Klassenkampf scheint sich heutzutage oft auf Klassismus-Debatten zu reduzieren. Und die globalen Öko- und Klimaprobleme sind noch mal was anderes, oder? Tatsächlich jedoch zeigt sich auch in diesen fortschreitenden katastrophalen Verhältnissen das für die kapitalistische Seite noch zu erfolgreiche Klassenverhältnis. Als Klassen stehen sich im Kapitalismus jene Kräfte gegenüber, die sich selbst auf Grund ihrer Verfügung über die Produktionsmittel selbst reproduzieren, und denen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um über den Umweg des erarbeiteten Lohns zu ihren Existenzmitteln zu kommen. Die über die Produktionsmittel verfügen, bestimmen auch über den Zweck der Produktion und als einzelne Kapitalist*innen unterliegen sie dem Zwang, dabei so viel Profit zu machen, dass sie die gesellschaftliche Durchschnittsprofitrate nicht unterschreiten. Wenn sie das nicht schaffen, gehen sie pleite, so dass nur jene übrig bleiben, die – gemessen an der Durchschnittsprofitrate und nicht etwa ihrem Maß an Gier – genügend Profit erwirtschaften.

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Diese Literatur gehört zum Projekt „Anregungen von Maurice Godelier“


Wie an der folgenden Auflistung zu sehen ist, war das Buch von Godelier tatsächlich „nur“ die Anregung, mich mit den vorgestellten Themen auch anhand anderer Literatur ausgiebig zu beschäftigen:


Adamczak, Bini (2017): Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende. Berlin: Suhr-kamp 2016.

Anderson, Perry (1978/2015): Von der Antike zum Feudalismus. Spuren der Übergangsgesellschaften. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

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