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Wenn Kritische Psychologie nicht nur mit einer beliebigen Gesellschaftstheorie, sondern mit einer Theorie mit kapitalismuskritischem Anspruch verbunden ist, entsteht die Frage, in welcher Weise die Kritik zur Vorstellung einer alternativen Vergesellschaftung führt bzw. sie voraus setzt.

Das Utopiethema kam auf der Ferienuni „Kritische Psychologie“ mehrmals zur Sprache.

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Die folgenden Blogeinträge sind keine direkten Berichte von der Ferienuni „Kritische Psychologie“, sondern machen einige Probleme zum Thema, die mich sehr interessieren. Nachdem auf einem der Workshops ein Referent nach seinem Beitrag von einem Vertreter der Kritischen Psychologie ziemlich vorwurfsvoll gesagt wurde: „Was du hier machst, ist keine Psychologie“ möchte ich deutlich machen, dass ich das hier auch nicht mache. Ich beziehe mich auf die Unterscheidung der 4 Theorieebenen, die Klaus Holzkamp für die Einordnung seiner „Grundlegung der Psychologie“ verwendete, die ja auch nicht direkt „Psychologie“ ist, sondern eben deren kategoriale Grundlegung (dies erklärt die Unterscheidung der beiden Ebenen an der Spitze der Pyramide). Mich interessieren nun die Bezüge der Grundlegung der Kategorien zur gesellschaftstheoretischen und zur philosophischen Ebene, jeweils anhand von Problemen, die auf der Ferienuni aus meiner Sicht aufgeworfen wurden.

Diese unterteile ich in folgende Abschnitte:

1 Verhältnis Kritische Psychologie zur Gesellschaftstheorie und –kritik
1.1 Zum Verhältnis von Gesellschaftstheorie und Subjektwissenschaft
1.2 Hat die Kritische Psychologie einen Utopiebezug?

2. Philosophische Probleme der Kritischen Psychologie
2.1 Dialektik
2.1.1 Wann ist Dialektik die angemessene Methode?
2.1.2. Einheit von Identität und Unterschied

2.2 Herausforderungen im Zeitalter der Posteinheitlichkeit
2.2.1 . Antiessentialismus
2.2.2 Methodenpluralität
2.2.3 Subjektbestimmung: klassisch-dialektisch oder poststrukturell?

3. Verhältnis zu anderen Konzepten/Theorien?

Diese Texte gelten natürlich wie immer als Einladung für einen weiteren Austausch mit Interessierten. (gerne heute auch noch direkt vor Ort, das heutige Thema ist besonders sensibel, wo ein direktes Gespräch immer noch das Beste ist)

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Zwischendurch melde ich mich mal wieder mit einem ganz anderen Thema – diesmal von der Ferienuni zur „Kritischen Psychologie“.

Heute fanden am ersten Tag dieser Ferienuni einführende Vorträge, Workshops und eine Podiumsdiskussion statt und bei der zuletzt genannten Diskussion gab es ein Thema, das mich schon länger bewegt. Ich hatte in meiner Mitschrift zum historischen Teil dieser Podiumsdiskussion schon für mich notiert: „Bezieht sich nur auf Uni und Politik nur im Zusammenhang mit Studentenbewegung“. (mehr …)

Ich kann mich nur noch vage daran erinnern, aber es waren Veranstaltungen während den Ferienunis „Kritische Psychologie“, die mich darauf aufmerksam machten, dass es zwischen der individuellen und der gesellschaftlichen Ebene noch soziale Orte gibt, die für die Orientierungen und Begründungen von Handlungen von Individuen wesentlich sind. Insbesondere den Namen Josef Held merkte ich mir. Vor kurzem las ich nun die IG-Metall-Jugendstudie aus dem Jahr 2002 (Bibouche, Held 2002) und fand darin interessante inhaltliche Ergebnisse zu Orientierungen von Jugendlichen zur damaligen Zeit (immerhin von vor 20 Jahren), aber auch wertvolle konzeptionelle Ergänzungen zu dem, was ich aus der Kritischen Psychologie kenne. Ich denke, diese sind wichtig 1. für das inhaltliche Konzept der Kritischen Psychologie wie auch 2. für die daraus abgeleiteten Praxen der Kollektiven Selbstverständigung. (mehr …)

Da im Kontext des Diskussionsblogs „Keimform.de“ viel von den Begriffen aus der Kriti-schen Psychologie nach Klaus Holzkamp gehalten wird, möchte ich hier auch an die Bedeutung der Begriffe „Interaktion“, „Kooperation“ und „Handeln“ erinnern, weil die sich auch auf unterschiedliche Beziehungsformen beziehen.

  • Interaktion: Einbeziehen von Sozialpartnern in die Aktivität eines Einzelnen auf operativer Ebene (schon bei Tieren).
  • Kooperation: die Beteiligten antizipieren einen gemeinsamen verallgemeinerten Nutzen (eine vorgegebene Zielkonstellation) und agieren dementsprechend gemeinsam; Kooperation bezieht sich auf den überindividuellen, nicht mehr unmittelbaren Zusammenhang der verallgemeinerten Vorsorge für die je individuelle Existenz.
  • Handeln: gesellschaftliches Handeln kann auch die gesellschaftliche Zielkonstellation in Frage stellen und verändern.

Das, was Benni mit „Metapersonalität“ meint, erscheint bei Holzkamp als Bestimmung von Gesellschaftlichkeit: Dies ist „die individuellen Lebensläufe überdauernden Welt gegenständlicher und symbolischer Bedeutungen“, die „in der produzierten gegenständlichen Welt“ angelegt sind (Holzkamp 1977a/2015: 233). Gerade die individuelle Möglichkeitsbeziehung von Individuen verweist auf die Gesellschaftlichkeit als Struktur der Ermöglichung dieser Möglichkeitsbeziehung. Die Gesellschaft zeigt sich den Individuen gegenüber als Bedeutungsstrukturen (gesamtgesellschaftliche Handlungsnotwendigkeiten), die jedoch für die Individuen „ nicht den Charakter von direkten Handlungsdeterminanten“ haben, „, sondern lediglich von gesellschaftlichen Handlungsmöglichkeiten, die zwar einerseits global gesehen zur subjektiven Lebenserhaltung /-entfaltung „irgendwie“ genutzt werden müssen, denen gegenüber aber andererseits das Individuum im jeweils speziellen Fall über „Alternativen“ verfügt“ (Holzkamp 1988: 35).

2. Die systemtheoretische Perspektive auf das gesellschaftliche-Allgemeine

 

Holzkamp als Vertreter der „logisch-historischen“ Interpretationslinie

Holzkamp

Gleich zu Beginn der systematischen Entwicklung der Kritischen Psychologie beteiligte sich Klaus Holzkamp an der streitbaren Debatte über die logisch-historische versus logisch-systematische Lesart des „Kapitals“. Er nahm Stellung gegenüber Joachim Bischoff, der 1973 ein Buch zugunsten der logisch-systematischen Lesart veröffentlicht hatte (Bischoff 1973). Holzkamp argumentierte gegen Bischoffs Ansicht, das Historische habe keine konstitutive Funktion im Begründungszusammenhang der Kritik der Politischen Ökonomie. (Holzkamp 1974: 7)

Er folgt dabei der von Engels vorgezeichneten logisch-historischen Interpretationslinie. Die Herleitung der Geldform gilt für ihn als „Rekonstruktion der Stufen ihrer historischen Ge-wordenheit“ (Holzkamp 1974: 31). „Entwicklung“ bedeute hier „keine logische Gedankenentwicklung, sondern die wirkliche Entwicklung des materiellen gesellschaftlichen Lebensprozesses“ (ebd.)
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Versteht Engels Marx richtig?

Parallelität von Logischem und Historischem

Engels

Am deutlichsten wird diese Ansicht der Parallelität von Logischem und Historischem von Friedrich Engels vertreten. So schreibt er:

„Da in der Geschichte, wie in ihrer literarischen Abspiegelung, die Entwicklung im ganzen und großen auch von den einfachsten zu den komplizierteren Verhältnissen fortgeht, so gab die literargeschichtliche Entwicklung der politischen Ökonomie einen natürlichen Leitfaden, an den die Kritik anknüpfen konnte, und im ganzen und großen würden die ökonomischen Kategorien dabei in derselben Reihenfolge erscheinen wie in der logischen Entwicklung.

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II Streitfall Dialektik

Das Verhältnis von Logischem und Historischem

Wie ausführlich erläutert wurde, vollzieht die Entwicklung bei Hegel eine Bewegung, bei der das zu Entwickelnde vorausgesetzt wird; es ist implizit, der Möglichkeit nach, d.h. „an sich“ bereits im Anfang vorhanden und expliziert sich bis zur Übereinstimmung mit dem Begriff. Obwohl aus diesem Begriff neue Kreisläufe hervorgehen, kann man das Ganze gut als „Kreis von Kreisen“ (HW 6: 571; HW 8: 60) vorstellen. Historische Prozesse jedoch zeigen Verzweigungen: Neues entsteht und geht in Verästelungen ein, wobei die Vielfalt sich nicht in geschlossenen Kreisen einfangen lässt.

Logisch-Historisch_1

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Das Problem der „materialistischen Umstülpung“

Marx schrieb im Nachwort zur zweiten Auflage des „Kapitals“, dass seine dialektische Methode das „direkte Gegenteil“ (MEW 23: 27) der Hegelschen wäre. Das, was er als das „Rationelle“ von Hegel übernehmen will, sind die „allgemeinen Bewegungsformen“:

„Die Mystfikation, welche die Dialektik in Hegels Händen erleidet, verhindert in keiner Weise, daß er ihre allgemeinen Bewegungsformen zuerst in umfassender und bewußter Weise dargestellt hat. Sie steht bei ihm auf dem Kopf. Man muß sie umstülpen, um den rationellen Kern in der mystischen Hülle zu entdecken.“ (MEW 23: 27)

Was wissen wir über diese allgemeinen Bewegungsformen und ihre Umstülpung?
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Das Beispiel von den Blinden…

Um noch eine Vorstellung von den drei aufeinander folgenden Erkenntnisschritten hin zur Reproduktion des Konkreten, als bestimmter „Zusammenfassung vieler Bestimmungen“, zu geben, sei ein weiteres Beispiel durchdekliniert, das nicht selbst von Hegel stammt und auch nicht vollständig alle Wesenszüge einer dialektischen Begriffsentwicklung aufweist. Aber es ist eine schöne Geschichte, deshalb will ich sie hier nicht vorenthalten:

Drei Blinde wollen sich – ausgehend von konkreten Wahrnehmungen – über „ihre Welt“ verständigen. Für einen ist seine Welt ein „Schlauch mit Rillen“, ein anderer widerspricht – für ihn ist es ein „Strick mit Quaste“ und der dritte wiederum fühlt etwas ganz anderes: eine rauhe Wand. Wer hat Recht??? Elefant 1
Nach einiger Zeit bemerken sie eine „Gesetzmäßigkeit“: Der Schlauch befindet sich immer in einer Entfernung von ca. 6 m vom Strick entfernt. Na prima, aber was bringt diese Erkenntnis? Elefant 2
Die drei brauchen noch etwas Zusätzliches, um zur Wahrheit ihrer Wahrnehmungen vorzudringen, nämlich die Erkenntnis, dass sie die ganze Zeit von einem „Elefanten“ sprechen. Der „Begriff“ des Elefanten erklärt dann auch, dass der Schlauch einen Rüssel darstellt, der Strick den Schwanz und die Wand den Körper. Auch der gesetzmäßige Abstand zwischen Rüssel und Schwanz erklärt sich dadurch. Elefant 3

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