Dieser Text gehört zur Vorstellung des Buches „Omnia Sunt Communia“ von Massimo de Angelis.

Übersicht über alle Beiträge dazu.


Commons und Kapitalismus

Das Besondere der Commons in der Gegenwart lässt sich nicht an bestimmten Eigenschaften ausmachen oder auch nicht an allen enthaltenden Bestandteilen, sondern an der Gesamtdynamik und hier besonders dem Zweck[1] der jeweiligen Selbstreproduktion. Da jeweils der Kapitalismus und ein Commons als sich selbst reproduzierende Einheiten verstanden werden können, kann jeweils die Frage gestellt werden, was dasjenige ist, dessen Reproduktion wesentlich ist. Im Kapitalismus dreht sich die Reproduktion um die Kapitalakkumulation. Kapital muss (auf Grund der sich in der Konkurrenz herausbildenden Durchschnittsprofitrate[2]) mehr Kapital werden, mit diesem Zweck wird Geld zum Kapital. Die Commons reproduzieren dagegen sich selbst als Einheit von Menschen in Communities, in denen Commoning zur eigenen und zur (Re-)Produktion von Commonsgütern sowie der natürlichen Lebensgrundlagen betrieben wird. Eine Höherentwicklung ist hier möglich, insofern qualitative Verbesserungen für die Bestandteile der Commons erreicht werden, aber nicht, indem eine einzige Maßzahl (Kapitalwert….) maximiert wird. Das Kriterium der Unterscheidung von noch-kapitalistischen Praxen und emanzipativen Commoning-Praxen liegt also nicht im Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einzelner Elemente, wie Geld oder Waren (siehe Abb. 4), sondern im Zweck der Reproduktion der gesamten Reproduktionseinheit, in dem das Element seine spezifische Funktion bekommt. Während das Kapital Waren kauft und verkauft, um Profit zu machen, verkaufen Commons u.U. Waren, um Subsistenz- und Reproduktionsmittel zu kaufen (ebd.: 105). [3] 

Solange der Kapitalismus noch existiert, bilden Commons eine Grenze gegenüber dem Kapital und sind nicht nur durch eigene Qualitätsmerkmale, sondern auch durch diese Grenze bestimmt. Zwischen Kapitalkreisläufen und Commonskreisläufen besteht eine strukturelle Kopplung, das heißt beide Systeme reproduzieren sich autonom, haben aber Verbindungen, durch die sie sich gegenseitig beeinflussen.

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In Debatten über Theorien zu den Praxen des Commoning im Commons-Institut wird versucht, unterschiedliche theoretische Konzepte zueinander in Bezug zu bringen. Über was reden wir, wenn wir über  „Commons“ und „Commoning“ sprechen? Was sind Commons/Commoning in Bezug auf die kapitalistischen Verhältnisse in der Welt? Inwieweit kann aus ihnen eine neue Utopie des „Commonismus“ abgeleitet werden, nachdem der „Kommunismus“ anscheinend abgewirtschaftet hat?

In der deutschen Debatte spielt der Autor Massimo de Angelis eine vergleichsweise geringe Rolle. Ich las erst jetzt sein grundlegendes Buch „Omnia Sunt Communia“ von 2017 und möchte es hier vorstellen.

Übersicht über alle Beiträge dazu.

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Nicht so viel Neues, das aber alles verändern müsste.

Covid-19 hat die Herausgabe des ersten Teils des neuen IPCC-Berichtes um einige Monate verzögert – gerade so lange, dass sie zusammenfällt mit den unübersehbaren, wohl bisher schlimmsten gleichzeitigen, großräumigsten und heftigsten Folgen des Klima-Umbruchs. Während im Fernsehen die Pressekonferenz über diesen Bericht läuft, laufen in den Eilmeldungen darunter weiter die Nachrichten über die Hitze- und Feuerkatastrophen in den Mittelmeerländern und Amerika sowie die Aufräumarbeiten und die unermesslichen Schäden der Unwetter in Westdeutschland.

Wenn das mal nicht passt wie die Faust aufs Auge. Der heute vorgestellte Bericht ist der erste Teil des wohl 2022 abgeschlossenen neuen IPCC-Sachstandsberichts (AR6_WGI), der sich mit der naturwissenschaftlichen Basis beschäftigt. Er umfasst 3949 Seiten, wozu es eine Zusammenfassung für die politischen Entscheider von 41 Seiten gibt. Inhaltlich ist gar nicht so viel neu.

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Aus aktuellem Anlass (ich bin am Sonntag Oma geworden) gibt es eine neue Broschüre von mir mit dem Titel
„We don´t need no education – Unterstützung statt Erziehung“
.

Sie kann wie immer beim Packpapier-Verlag bestellt werden (auch wenn das Heft dort noch nicht auf der Webseite zu finden ist).

Wenn ich die Bildrechte dafür hätte, würde ich jetzt auch noch links Angela Merkel, fürs Foto posierend vor dem schmelzenden Arktiseis, zeigen und rechts daneben als ach so mitleidende Kanzlerin im deutschen Hochwasserkatastrophengebiet…

Der Jenaer Stadtrat beschloss:

Jena soll bis 2035 klimaneutral werden.

Jetzt kommts auf die Umsetzung an. Es wird an einem Klima-Aktions-Plan gearbeitet, bei dem wir auch mitreden wollen. Und bei der Umsetzung wird auch tatkräftige Hilfe gebraucht.

Aus meiner Sicht kommt es auch nicht nur darauf an, Forderungen an „die Politik“ zu stellen, sondern selbst Initiativen zu entwickeln, auf die sich mehr und mehr Menschen positiv beziehen können, wo sie mitmachen können und wollen. Urbane Gärten, Neugründung von „Jena als Transition-Town“ (früher schon mal als „Stadt im Wandel“) … mit allen möglichen Projekten…

Ein erster Vorschlag zur Umsetzung: Durchführung von vielen Bewohner:innenversammlungen… zur Entwicklung von Ideen und Initiativen hierfür.


P.S. Natürlich kann ich mir auch ein gewisses Meckern nicht verkneifen: Wirklich klimaneutral wird Jena nicht werden bis 2035. Denn hierzu müssten auch jene Schäden zusätzlich eingerechnet werden, die all die Produkte, die wir von woanders her beziehen, eingerechnet werden. Das nennt sich auch „graue Emissionen“. Aber vielleicht überrascht mich ja der Klima-Aktions-Plan und dies ist dann doch schon mit eingerechnet…


 

Seit mehr als 10 Jahren hat mich die Hoffnung verlassen, dass es mit der Menschheit bald weiter bergauf gehen könnte. Bergauf mit dem Wohlstand für immer mehr Menschen, bergauf auch mit der Emanzipation von Unterdrückung und der Befreiung von Ausbeutung. Ich hatte grad eine Vortragsserie zu „utopischen“ Gesellschaftsentwürfen hinter mir und merkte, dass ich ihnen selbst nicht mehr glauben konnte, weil ich parallel dazu auch zur Kenntnis nehmen musste, dass die Berichte des Weltklimarats (IPCC – Intergovernmental Panel on Climate Change) den Temperatur- und damit auch den Zeitbereich, ab dem es für uns kritisch werden würde – wegen der vielen dramatischen Umweltveränderungen u.a. durch die globale Temperaturerhöhung – immer näher an die Gegenwart heranrückte. Und gleichzeitig war und ist nichts in Aussicht, das die Treibhausgasemissionen im erforderlichen Maße zu reduzieren verspricht. Aufrufe zu mehr „Hoffnung“ erschienen mir seitdem fehlgeleitet. Die Hoffnung darauf, dass es schon nicht so schlimm werden würde, ist eine der Ursachen dafür, dass nicht rechtzeitig umgesteuert wurde. Deshalb entstand nach meiner „utopischen“ Broschüre „Selbstentfaltungsgesellschaft als konkrete Utopie“ (2006) der Text „Schönwetter-Utopien im Crashtest“ (2013).

Wenn wir noch über Utopien reden wollen, so müssen wir sie als „Utopie in der Dystopie“ behandeln, so diskutierten wir in einer Gruppe des Commons-Instituts. Neuere Überlegungen in diesem Rahmen beschäftigen sich tatsächlich mit der Frage danach, inwieweit vielversprechende Praxen des Commoning resilient (also widerstandsfähig) gegenüber den zu erwartenden natürlichen und sozio-ökonomischen Desastern sind bzw. sein können (Euler, Helfrich, Schlemm 2021). Einen Lichtblick verschaffte mir das Buch „A Paradise Built in Hell“ („Ein in der Hölle gebautes Paradies“) von Rebecca Solnit.

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Verbittert

über das Schon-zu-spät,

Gelähmt von der Angst

ängstigen zu müssen,

Tief ergriffen

von den erschrockenen Augen

derer, die zum ersten Mal aufwachen,

Begeistert

Wissen teilen zu dürfen

über die kommenden Schrecken,

Himmelhoch erleichtert

endlich weinen zu dürfen

Glücklich ist

wer nicht allein ist

in der Verzweiflung.


Dies bezieht sich auf solche Überlegungen wie hier…


 

… und überall. Hier nun aber ein aktueller Aufruf aus Jena:

https://youtu.be/1ge1p9j_CJw

Version 2. 1, 13.06.2021

Ich hatte seit längerer Zeit einen neuen Text zum Klima-Umbruch vorbereitet, aus dem ich hier einen Teil veröffentliche. Es geht um die Kipp-Elemente, bei denen auch befürchtet wird, dass sich diese Kipp-Elemente nacheinander gegenseitig anstoßen könnten. Seit einiger Zeit werden Schätzungen, ab wann das geschehen könnte, ernster gesehen als vorher. Hier also meine Übersicht dazu. Ich habe übrigens bei der Auswertung von eher zusammenfassenden Artikeln versucht, so viel wie möglich Originalpaper einzuarbeiten. Zuerst eine kleine Unterscheidung: Nicht alles, was sich beschleunigt, sind auch Kipp-Elemente des Klimas:

Beschleunigung der Erderwärmung

Leider deutet sich an, dass auch die bisher schlimmsten Temperaturerhöhungs-Szenarien übertroffen werden. Die Emissionen steigen schneller, als angenommen, die (kühlenden) Aerosolbelastungen (aus Luftverschmutzungen) sinken auch schneller und außerdem rutscht die Erde sowieso in eine leichte Warmperiode (wegen der Interdecadal Pacific Oscillation) (Xu et al. 2018: 31). Weil die Ozeane in der Arktis weniger von Eis bedeckt sind, absorbiert das dunklere Meerwasser auch mehr Energie von der Sonneneinstrahlung, die sich in Wärme umwandelt (Xu et al. 2017: 10317). Eine global durchschnittliche Temperaturerhöhung um 1,5 Grad könnte deshalb schon 2030 erreicht sein, anstatt wie bisher angenommen, erst 2040 (vgl. CONSTRAIN 2019: 02). Bei 2 Grad sind wir dann schon 2045. Mit immerhin 50%iger Wahrscheinlichkeit könnte die global durchschnittliche Temperatur im Jahr 2050 schon um 2,4…2,6 Grad gestiegen sein und 2100 um 4,1…5 Grad. (ebd.) Mit 5% Wahrscheinlichkeit wird 2100 der Bereich der existentiellen Risiken erreicht (ebd.: 10318) Die folgende Abbildung zeigt diese sich gegenüber den bisherigen Erwartungen beschleunigende Erwärmung bis 2050 (Xu et al. 2018: 31):

Sich selbst verstärkende Prozesse

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