Ich denke, ich lese nicht recht. Als Physikerin im Beruf musste ich immer peinlich genau darauf achten, dass alle Messungen und Berechungen auch wirklich stimmen. Schon im Studium lernt man (hoffentlich), dass man wenigstens die Größenordnung der Ergebnisse stets kritisch beäugen sollte.

Nun stellt sich heraus, dass die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zugeben musste, dass in einer Studie über den Infraschall von Windkraftanlagen von 2005 die Werte dieses Infraschalls um mehrere Tausend mal zu hoch angesetzt worden waren. In diesem Bericht werden Infraschallwerte von mehr als 100 Dezibel angegeben. Und das wäre wirklich ganz schön heftig – das entspricht einem Drucklufthammer oder dem Lärm in einer Diskothek!. Niemandem fiel auf, dass in so einem Schallsignal viel mehr Energie hätte stecken müssen als im gesamten Schallsignal (also über alle Wellenlängen hinweg, nicht nur im Infraschallbereich) (soviel zum kritischen Beäugen).

Aber genau dieser Wert wird seither von Gegnern der Windkraft als Argument verwendet. Das ist ja mal dumm gelaufen. Einen schönen Einblick in die Wissenschaft des Schalls gibt Stefan Holzheu. Er erläutert, inwiefern Schallwellen im Infraschallbereich (also einem Ausschnitt aus dem Wellenlängen- bzw. Frequenzbereich, in dem Schallwellen auftreten können) zwar nicht hörbar sind, wenn sie allerdings viel Energie in sich tragen, d.h. sehr laut sind, doch hör- und spürbar werden können.

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Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Wir, die weit entwickelten Länder der Welt, die sich nur auf Kosten der Ausbeutung von Mensch und Natur so weit entwickeln konnten, müssen zurück stecken. Wir können der ökologischen Zerstörung, speziell der Gefahr von Klimakatastrophen nicht mit bloßen technischen Veränderungen entkommen. Bisher hofften viele, wir könnten dieser Gefahr zu entkommen, indem weitere technische Innovationen und damit auch Profitquellen entwickelt werden könnten. Elektro- statt fossile-Energie-Antriebe…, Photovoltaik statt Kohle… und wenn das nicht reicht noch ein wenig Climate Engineering…

Denkste…

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Wie weit darf man gehen, um die Welt zu retten?

Um diese Frage geht es im Klima-Thriller „Klima. Deine Zeit läuft ab“ von David Klass. Im Jahr 2020 ist das Buch auf Englisch erschienen und nach eigenen Aussagen haben ihn Gespräche mit seiner Tochter über den Klimawandel inspiriert.

In seinem Roman gibt es vorerst noch keine politische Klimabewegung wie die „Fridays for Future“. Es gibt, wie schon lange, viele Gruppen, die sich für Umweltschutz einsetzen. Aber angesichts der Gefahr, wie sie jetzt fast unabwendbar auf uns zukommt, reicht das offensichtlich nicht. Deshalb geht ein Öko-Aktivist weiter und es kommt zu Opfern, die auch er nicht bringen wollte. Es gibt ein Gedankenexperiment aus der Ethik, in dem danach gefragt wird, wie man für einen heranbrausenden nichtbremsbaren Zug die Weiche stellen würde: Ohne Eingreifen würde er in eine größere Menschengruppe fahren – wenn ich die Weiche herumreiße, würde nur ein einziger Mensch sterben. Was tun? Und wie mit dem Wissen um die Folgen leben?

Im Roman „Klima. Deine Zeit läuft ab“ bewegen sich der Öko-Terrorist und ein FBI-Ermittler unaufhaltsam aufeinander zu. Der FBI-Ermittler kann sich gespenstig gut in den „Green Man“ einfühlen und man verwünscht dies beim Lesen fast. Auch er selbst ist nicht so glücklich damit, denn er kann es nicht verhindern, dass ihn die Argumente von „Green Man“ für die Erdrettung überzeugen. Sie treffen tatsächlich aufeinander und nur einer verlässt den das brennende Fracking-Ölfeld.

Heute fand nach längeren Vorbereitungen eines Vorbereitungsteams die Eröffnung der Kampagne zum Klimaentscheid für ein klimaneutrales Jena im Jahr 2035 statt.

Wir wissen wohl inzwischen alle, was wir in den nächsten Jahrzehnten verlieren werden, wenn sich nicht bald etwas tut auf dem Weg zu mehr Klimaschutz und Klimagerechtigkeit. Häufig seufzen wir dann und drehen uns weg von dem Thema, denn WAS KÖNNEN WIR DENN SCHON TUN???

Mindestens können wir uns in unserem Ort einsetzen für ein Bürger*innenbegehren bzw. einen Bürger*innenentscheid dafür, in der eigenen Region mehr fürs Klima zu tun. In Jena geht es jetzt damit los, es haben sich Arbeitsgruppen gebildet, z.B. für das Ansprechen von Menschen, um ausreichend viele Unterschriften zu bekommen, damit ein Bürger*innenbegehren zustande kommt.

Ich selbst bin ja schon angesichts des Ziels skeptisch. Damit eine Stadt wirklich klimaneutral sein könnte, dürften keine Produkte in ihr hergestellt werden, die dem Klima und vielleicht sogar dem Frieden schaden (mit Beiträgen zur Rüstungsproduktion), jeder Arbeitsplatz müsste auf den Prüfstand, ob auf ihm wirklich menschliche Bedürfnisse befriedigt oder z.B. im Marketing bloß zugunsten des Profits erzeugt werden. Und niemand sollte mehr Dinge herstellen müssen, die schnell kaputt gehen, nicht reparaturfreundlich sind und bei der Rohstoffversorgung, der Herstellung oder Entsorgung der Natur und dem Klima schaden. Und wir müssten nicht durch soziale Not erpresst werden können, alle möglichen solche Arbeiten machen zu müssen. Und wir müssten nicht jede*r einzeln zig Kilometer mit dem eigenen Auto hinfahren müssen und … und … und… Und es müssten jene Anteile der Umwelt- und Klimaschäden mit berücksichtigt werden, die wir mit hergeschafften Produkten mit verursachen und mit unserer Lebensweise überhaupt, die gar nicht direkt unserem Ort zuschreibbar sind, aber eben unserer Lebens- und Arbeitsweise. Wenn man das mit einrechnet, müsste sich seeeeeehr viel mehr ändern, als im Klimaentscheid diskutiert wird.

Aber fangen wir erst mal an damit an, das, was unsere demokratisch gewählten Vertreter*innen auf ihren Posten in unserem Interesse tun können, zu beeinflussen! Wer sich langfristig intensiv damit beschäftigen will, kann sich in Jena auch beim „Runden Tisch Klima und Umwelt“ engagieren, der ein Ergebnis der andauernden Demonstrationen von „Fridays for Future“ und ihrer Verbündeten ist.

Wer sich außer an Demos nun weiter aktiv engagieren möchte, ist herzlich eingeladen, beim Klimaentscheid nicht nur einmal zu unterschreiben, sondern die ganze Kampagne aktiv zu unterstützen. Diese Initiative gibt es nicht nur in Jena, in allen Regionen sollten sie mittlerweile zu finden sein. Startpagen (statt „googeln“) hilft!

Man könnte denken, sie kapierens langsam. Auf der tagesschau-Website wird über die Intiative „KLIMA vor acht“ informiert. Es gibt dazu einen Offenen Brief, der gern noch weiter unterschrieben werden kann!!!, darin steht u.a.:

Wir, die Vertreter:innen und Unterstützer:innen der Initiative KLIMA° vor acht, fordern Sie auf, eine wissenschaftlich fundierte und verständliche Klimaberichterstattung anzubieten, täglich und zur besten Sendezeit.

Während zum Thema „Wirtschaft“, inclusive „Börse vor acht“ 618 Beiträge gesendet wurden, gab es bei der ARD nur 128 Sendungen mit dem Begriff „Klima“ im Titel. Was brauchen wir dringender zum Überleben, eine intakte Umwelt oder die Börse? Bewahrheitet es sich, dass sich Menschen eher einen kaputten Planeten Erde vorstellen können, als einen Wechsel unserer Wirtschaftsordnung zugunsten von bisher ausgebeuteten Menschen und der Mit-Welt? Die Dominanz des Börsenthemas in den Medien bestärkt dies.

Dagegen nun das Thema der Umwelt- bzw. Klimagefahren aufzubringen, ist nun laut Antwort des gesschäftsführenden Redakteurs bei der ARD „erstmal eine parteiische Interessengruppe“. Und der Journalismus soll ja „unabhängig“ bleiben. Wie unparteiisch die Folgen des schon beginnenden Klima-Umbruchs zuschlagen, erleben ja nun mittlerweile auch wir und immer öfter berichten alle Medien über diese Folgen in den alltäglichen Katastrophenmeldungen. Davon wird sich niemand „unabhängig“ halten können.

Über die existentiellen Gefahren der ökologischen- und Klimagefahren Alarm zu schlagen, ist längst nicht mehr nur „Interessengruppen-„Vertretung! Es geht uns alle an, deshalb geht es um unser aller Interessen!!!

Deshalb: KLIMA vor Acht – immer und überall!

So langsam krieg ich ein Déjà-vus. Bei wievielen Klimastreiks war ich schon dabei? Heute ist wieder ein Klima-Streiktag, zur Kundgebung noch Jena fahre ich gleich. Hier aber erst noch mein inhaltlicher Beitrag zum Thema für heute:

Klassenkampf scheint sich heutzutage oft auf Klassismus-Debatten zu reduzieren. Und die globalen Öko- und Klimaprobleme sind noch mal was anderes, oder? Tatsächlich jedoch zeigt sich auch in diesen fortschreitenden katastrophalen Verhältnissen das für die kapitalistische Seite noch zu erfolgreiche Klassenverhältnis. Als Klassen stehen sich im Kapitalismus jene Kräfte gegenüber, die sich selbst auf Grund ihrer Verfügung über die Produktionsmittel selbst reproduzieren, und denen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um über den Umweg des erarbeiteten Lohns zu ihren Existenzmitteln zu kommen. Die über die Produktionsmittel verfügen, bestimmen auch über den Zweck der Produktion und als einzelne Kapitalist*innen unterliegen sie dem Zwang, dabei so viel Profit zu machen, dass sie die gesellschaftliche Durchschnittsprofitrate nicht unterschreiten. Wenn sie das nicht schaffen, gehen sie pleite, so dass nur jene übrig bleiben, die – gemessen an der Durchschnittsprofitrate und nicht etwa ihrem Maß an Gier – genügend Profit erwirtschaften.

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fürs CI-Treffen 05.12.2020
Version 2.0.: Punkt 2.3 ergänzt

Morgen findet beim Commons-Instituts-Herbsttreffen ein Workshop zur den Fragen statt, die wir in einer Diskussionsgruppe des CI ein halbes Jahr lang gesammelt haben. Die Fragen wurden bisher im einem Pad[1] gesammelt, aber sie sind dort echt schwer zu erfassen. Von Jojo wurde bereits eine Zusammenfassung erstellt. Auch ich schreibe jetzt – ziemlich auf die  Schnelle – noch einen Text, der das zusammenfasst, was morgen vielleicht diskutiert werden könnte.

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Während bei der Public Climate School viel geredet wird, hoffentlich auch viel voneinander gelernt, gehts anderswo schon in die Praxis:

In Jena zum Beispiel gibts in Solidarität mit dem Widerstand gegen die Abholzung des Dannenröder Forstes ein Klimacamp (siehe Bericht in JenaTV):

(aktuell: wurde am Donnerstag abend beendet)

Außerdem organisieren die Parents 4 Future anlässlich des Jahrestags des Pariser Klimaabkommens eine Fahrradtour von Dresden nach Brüssel.

Wir wollen damit aufmerksam machen, dass das Abkommen bisher nicht mal im Ansatz hinreichend umgesetzt wurde. Am 10./11.12.2020 tagt der Europäische Rat und soll über die Klimaschutzziele der EU für 2030 entscheiden. Am 9.12. soll der Eiffelturm in Brüssel sein (ein Eiffelturm soll als Symbol für das Klimaschutzabkommen als „Staffelstab“ verwendet werden).





Weitere Infos unter https://leipzigfuersklima.de/projekte/paris-goes-brussels/ 


		
		
	

Demnächst sind wieder Klimavorträge aus der Zukunftswerkstatt Jena geplant, die ich halten werde. Bis jetzt sind die Veranstaltung noch als Präsenzveranstaltung geplant, ich werde dann mitteilen, falls etwas verschoben oder als Videotreffen durchgeführt wird.

!!! Wird als Videokonferenz stattfinden !!! Termin: 29.10.2020, 10 Uhr
(im Rahmen der „Alternativen Orientierungstage“ an der Uni Jena):
Nach uns die Sintflut! – oder woanders?
Klimagerechtigkeit als Kernforderung in Klimakämpfen

noch unbekannt:
(im Rahmen der „Public Climate School“ an der Uni Jena):
Wieviel Zeit haben wir noch?
Die noch unbequemere Wahrheit.