(Version 1.1, mit kleinen Korrekturen seit 02.09.2021, 10 Uhr)


Triggerwarnung: Es ist nicht mehr Minuten oder Sekunden „vor Zwölf“. Wir müssen die Wahrheit sagen können, aber wir dürfen uns dadurch nicht fertig machen lassen. Helfen wir uns gegenseitig, tun wir uns zusammen – alle, denen das weh tut!

Wir sind so was von am Arsch. Die Botschaften des neuen IPCC-Berichts haben viele Wissenschaftler*innen so verstört, dass sie sich darum kümmerten, dass ihre Erkenntnisse vor ihrer politischen Behandlung an die Öffentlichkeit kommen. Erfahrungsgemäß werden vor allem die „Zusammenfassungen für Entscheidungsträgerinnen“ vor der Veröffentlichung in ihren Aussagen aus politischen Gründen abgeschwächt. So wird aus einem Treffen der Vorbereitung des 6. Sachstandsberichts (AR6-SCOP/Doc.2 2017) aus der Arbeitsgruppe III über die Erarbeitung des 5. Sachstandsberichts berichtet:

„Schließlich äußerte eine Reihe von Ländern, dass sie mit der Verwendung der einkommensbasierten Ländergruppierungen, die in Teilen des Berichts der WG III AR5 verwendet wurden und die für den SPM während der Verabschiedung gestrichen wurden, nicht einverstanden sind und sich auch nicht daran gebunden fühlen. Ein erheblicher Teil des Textes über Minderungsmaßnahmen und Institutionen wurde ebenfalls aus dem SPM entfernt.“ (AR6-SCOP/Doc.2 2017: 32) (SPM ist die Abkürzung für „Summary for Policymakers“, d.h. „Zusammenfassung für die Entscheidungsträger“)

Dies soll nicht wieder passieren, deshalb wurden die Entwürfe des SPM und des ersten Kapitels für den Bericht der Arbeitsgruppe III (Working Group, WG III) des 6. Sachstandsberichts (AR6) diesmal geleaked. Einige der Wissenschaftler*innen aus der Scientist Rebellion bekennen sich sogar namentlich per Videobotschaft dazu, was ihnen auch in der Wissenschaftswelt nicht nur Sympathie einbringen wird. Aber sie wissen es am besten:

„Wir müssen jetzt handeln, es ist keine Zeit mehr!“

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Es geht weiter mit allerlei Blockaden an verschiedenen Orten. Vor allem dort, wo wir die Blockierer des Klimaschutzes blockieren können. Ich war beim Wirtschaftsrat der CDU dabei. Mehr Infos über den Wirtschaftsrat siehe auch hier.

Eine unserer Forderungen ist: „Lobbys raus – Bürger:innen rein“ (um gleich noch weiter zu reimen: ... wer kann da dagegen sein?)


Hier gibts als Nachtrag zur Aktionswoche noch ein
Gespräch zwischen Annemarie Botzki und Tadzio Müller zum Zivilen Ungehorsam.

Interessant auch die Einschätzung:
„XR gehört rehabilitiert“


Heute fand die große Demo statt. Sie begann vor den Parteizentralen von SPD und CDU, kurz vor den Wahlen soll sich zeigen, welche Partei für Menschen, die nicht in einen menschengemachten KLima-Umbruch rasseln wollen, wählbar ist. Ein paar tausend Menschen waren es schon, aber weniger, als ich auch schon bei anderen Themen in Berlin erlebt habe.

„Wir sind hier für Oma, Opa, Mama, Papa, Schwester, Bruder, Tante, Onkel,
Neffen, Nichten, Freunde, Nachbarn und alle, die KEINE ZEIT haben.“

Keine Zeit für die Zukunft, die nun wirklich auf dem Spiel steht.

Hitzesommer, Flutkatastrophen, ein gerade herausgekommener aktuelle IPCC-Bericht … wenn das nicht noch mehr Leute auf die Strasse treibt, dann haben wirs nicht anders verdient. Soll wohl so sein. Ich sehe ein, dass nicht jeder arbeitende Mensch werktags schon um 15 Uhr an einer Demo teilnehmen kann. Wenn wir alle wirklich ernst nähmen, was vor uns liegt an Verlusten und Opfern, wäre es ein Leichtes, auch dafür eine Lösung zu finden. Und wenn es endlich auch mal echte Erwachsenen-Streiks gäbe. Ein auch schon älterer Herr trug dieses Schild:

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Auch heute war ich wieder beim Festival des August-Aufstands (August RiseUp) eines Bündnis von Klimabewegungen. Ich nahm dabei an zwei Workshops teil. In einem Workshop wurde über eine internationale Bewegung zur Gründung von „Klima-Notstands-Zentren“ (Climate Emergency Center) berichtet. Dabei sollen vor allem derzeit ungenutzte Räume umgewidmet werden als Begegnungs- und Projektzentren für die Öffentlichkeit, zum Entwickeln und Ausprobieren neuer Lösungen für eine neue ökologische und klimatisch verträgliche Welt.

Für Berlin gibt es das Projekt „Transformation Haus und Feld“. Es soll auch dabei um einen Einstieg in weitreichende Selbstversorgung und eine Kreislaufwirtschaft gehen.

Dabei wurde auch diskutiert, ob der Aufbau solcher Projekte nicht viel Kraft aus den Bewegungen abzieht. Hier konnte ich an die Überlegung von Massimo de Angelis erinnern, der vorschlug, dass sich Bewegungen und (Commons-)Projekte gegenseitig bestärken und voranbringen könnten (mehr siehe hier).

Nicht so viel Neues, das aber alles verändern müsste.

Covid-19 hat die Herausgabe des ersten Teils des neuen IPCC-Berichtes um einige Monate verzögert – gerade so lange, dass sie zusammenfällt mit den unübersehbaren, wohl bisher schlimmsten gleichzeitigen, großräumigsten und heftigsten Folgen des Klima-Umbruchs. Während im Fernsehen die Pressekonferenz über diesen Bericht läuft, laufen in den Eilmeldungen darunter weiter die Nachrichten über die Hitze- und Feuerkatastrophen in den Mittelmeerländern und Amerika sowie die Aufräumarbeiten und die unermesslichen Schäden der Unwetter in Westdeutschland.

Wenn das mal nicht passt wie die Faust aufs Auge. Der heute vorgestellte Bericht ist der erste Teil des wohl 2022 abgeschlossenen neuen IPCC-Sachstandsberichts (AR6_WGI), der sich mit der naturwissenschaftlichen Basis beschäftigt. Er umfasst 3949 Seiten, wozu es eine Zusammenfassung für die politischen Entscheider von 41 Seiten gibt. Inhaltlich ist gar nicht so viel neu.

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Der Jenaer Stadtrat beschloss:

Jena soll bis 2035 klimaneutral werden.

Jetzt kommts auf die Umsetzung an. Es wird an einem Klima-Aktions-Plan gearbeitet, bei dem wir auch mitreden wollen. Und bei der Umsetzung wird auch tatkräftige Hilfe gebraucht.

Aus meiner Sicht kommt es auch nicht nur darauf an, Forderungen an „die Politik“ zu stellen, sondern selbst Initiativen zu entwickeln, auf die sich mehr und mehr Menschen positiv beziehen können, wo sie mitmachen können und wollen. Urbane Gärten, Neugründung von „Jena als Transition-Town“ (früher schon mal als „Stadt im Wandel“) … mit allen möglichen Projekten…

Ein erster Vorschlag zur Umsetzung: Durchführung von vielen Bewohner:innenversammlungen… zur Entwicklung von Ideen und Initiativen hierfür.


P.S. Natürlich kann ich mir auch ein gewisses Meckern nicht verkneifen: Wirklich klimaneutral wird Jena nicht werden bis 2035. Denn hierzu müssten auch jene Schäden zusätzlich eingerechnet werden, die all die Produkte, die wir von woanders her beziehen, eingerechnet werden. Das nennt sich auch „graue Emissionen“. Aber vielleicht überrascht mich ja der Klima-Aktions-Plan und dies ist dann doch schon mit eingerechnet…


 

Ich denke, ich lese nicht recht. Als Physikerin im Beruf musste ich immer peinlich genau darauf achten, dass alle Messungen und Berechungen auch wirklich stimmen. Schon im Studium lernt man (hoffentlich), dass man wenigstens die Größenordnung der Ergebnisse stets kritisch beäugen sollte.

Nun stellt sich heraus, dass die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zugeben musste, dass in einer Studie über den Infraschall von Windkraftanlagen von 2005 die Werte dieses Infraschalls um mehrere Tausend mal zu hoch angesetzt worden waren. In diesem Bericht werden Infraschallwerte von mehr als 100 Dezibel angegeben. Und das wäre wirklich ganz schön heftig – das entspricht einem Drucklufthammer oder dem Lärm in einer Diskothek!. Niemandem fiel auf, dass in so einem Schallsignal viel mehr Energie hätte stecken müssen als im gesamten Schallsignal (also über alle Wellenlängen hinweg, nicht nur im Infraschallbereich) (soviel zum kritischen Beäugen).

Aber genau dieser Wert wird seither von Gegnern der Windkraft als Argument verwendet. Das ist ja mal dumm gelaufen. Einen schönen Einblick in die Wissenschaft des Schalls gibt Stefan Holzheu. Er erläutert, inwiefern Schallwellen im Infraschallbereich (also einem Ausschnitt aus dem Wellenlängen- bzw. Frequenzbereich, in dem Schallwellen auftreten können) zwar nicht hörbar sind, wenn sie allerdings viel Energie in sich tragen, d.h. sehr laut sind, doch hör- und spürbar werden können.

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Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Wir, die weit entwickelten Länder der Welt, die sich nur auf Kosten der Ausbeutung von Mensch und Natur so weit entwickeln konnten, müssen zurück stecken. Wir können der ökologischen Zerstörung, speziell der Gefahr von Klimakatastrophen nicht mit bloßen technischen Veränderungen entkommen. Bisher hofften viele, wir könnten dieser Gefahr zu entkommen, indem weitere technische Innovationen und damit auch Profitquellen entwickelt werden könnten. Elektro- statt fossile-Energie-Antriebe…, Photovoltaik statt Kohle… und wenn das nicht reicht noch ein wenig Climate Engineering…

Denkste…

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Wie weit darf man gehen, um die Welt zu retten?

Um diese Frage geht es im Klima-Thriller „Klima. Deine Zeit läuft ab“ von David Klass. Im Jahr 2020 ist das Buch auf Englisch erschienen und nach eigenen Aussagen haben ihn Gespräche mit seiner Tochter über den Klimawandel inspiriert.

In seinem Roman gibt es vorerst noch keine politische Klimabewegung wie die „Fridays for Future“. Es gibt, wie schon lange, viele Gruppen, die sich für Umweltschutz einsetzen. Aber angesichts der Gefahr, wie sie jetzt fast unabwendbar auf uns zukommt, reicht das offensichtlich nicht. Deshalb geht ein Öko-Aktivist weiter und es kommt zu Opfern, die auch er nicht bringen wollte. Es gibt ein Gedankenexperiment aus der Ethik, in dem danach gefragt wird, wie man für einen heranbrausenden nichtbremsbaren Zug die Weiche stellen würde: Ohne Eingreifen würde er in eine größere Menschengruppe fahren – wenn ich die Weiche herumreiße, würde nur ein einziger Mensch sterben. Was tun? Und wie mit dem Wissen um die Folgen leben?

Im Roman „Klima. Deine Zeit läuft ab“ bewegen sich der Öko-Terrorist und ein FBI-Ermittler unaufhaltsam aufeinander zu. Der FBI-Ermittler kann sich gespenstig gut in den „Green Man“ einfühlen und man verwünscht dies beim Lesen fast. Auch er selbst ist nicht so glücklich damit, denn er kann es nicht verhindern, dass ihn die Argumente von „Green Man“ für die Erdrettung überzeugen. Sie treffen tatsächlich aufeinander und nur einer verlässt den das brennende Fracking-Ölfeld.