Es gibt mittlerweile natürlich viele Aufrufe, zu spenden. Direkte Nothilfe geht vor. Aber dann…

Ich weiß nicht, ob eine stärkere Friedensbewegung in den letzten Jahrzehnten und Jahren diese derzeitige Katastrophe hätte verhindern können. Wer meint, Putin sei psychisch gestört und das sei die Ursache, muss da eher passen. Aber wer davon ausgeht, dass auch Interessen hinter solchen und anderen Aktionen stehen, kann mithelfen, dass sie in der Politik schon eher berücksichtigt werden und dadurch solchen Katastrophen vorgebeugt werden kann. Dies wurde im Fall des Ukraine-Konflikts vernachlässigt.

Ich würde mich wirklich freuen, wenn die Hunderttausenden, die jetzt gegen den Krieg demonstrieren, sich auch danach weiter aktiv an der Friedensbewegung beteiligen würden.

Das heißt vor allem, lokale oder Netzwerk-Gruppen bilden oder sich vorhandenen anschließen. Anschluss- und Informationsmöglichkeiten gibt es u.a. auch hier:

Übrigens, ich habs hier in meinem Blog wohl außer in einem Kommentar, noch nicht ausdrücklich gesagt: Ja, ich verurteile den militärischen Überfall auf die Ukraine aufs Schärfste!

Okay, dies klargestellt, will ich doch auf etwas hinweisen, was mich grad total stört. Erstens wird besonders viel Empörung daraus gezogen, dass dies der erste Krieg nach 1945 in Europa sei. Ist Jugoslawien schon vergessen? Die wirkliche „Zeitenwende“ hat schon damals angefangen. Zweitens: Was ist an Europa Besonderes, dass wir nur Opfer in Europa so sehr betrauern und uns empören und so sehr helfen wollen, wie es Menschen aus anderen Teilen der Welt nie erfahren haben? Ist es wirklich so, dass unser Mitgefühl in einer bestimmten Entfernung von uns oder an kulturellen „Grenzen“ so abrupt endet?

Vijay Prashad sagte in einer Rede in New York City dazu: „Als ob der Krieg, weil er in Europa stattfindet, wichtiger wäre als der Krieg in Syrien oder der Krieg gegen die Palästinenser oder der Krieg im Jemen. […]

Diese Leichen [in der Ukraine] sind irgendwie wichtiger als die Leichen der Kinder, die auf der ganzen Welt sterben, weil sie nichts zu essen haben, oder die Leichen der Jemeniten, die nicht nur von den Saudis, sondern auch von den britischen und US-amerikanischen Waff enherstellern BAE Systems, Lockheed und anderen bombardiert werden.“ (dok. in der aktuellen Beilage der „Marxistischen Blätter“)

Vielleicht lernen wir ja jetzt, wo es auf einmal geht, dass wir unsere Herzen öffnen, dies auch auszuweiten auf alle Kriegsbetroffenen und Flüchtenden dieser Welt!

Grad läuft ein Disput zwischen den LINKEN Sahra Wagenknecht und Gregor Gysi, der nicht nur wegen den direkten Inhalten interessant, ist, sondern auf ein grundlegendes Problem aufmerksam macht, das die Politik mittlerweile bestimmt. Der Tagesspiegel berichtet, dass Sahra Wagenknecht und andere sich mit bestimmten Gründen gegen eine „Strategie der Abschreckung“ ausgesprochen haben. Gregor Gysi wirft ihr daraufhin „völlige Emotionslosigkeit“ vor. Bei Anne Will hatte Sahra Wagenknecht auf „Russlands Sicherheitsinteressen“ verwiesen, woraufhin ihr vorgeworfen wurde, „zu 100 %“ die Sichtweise des Kremls zu vertreten. Und eben, dass sie „emotionslos“ sei.

(mehr …)

Ja, das wichtigste Globale Problem ist die Kriegsgefahr, erst recht wenn die Welt immer mehr von ihnen erlebt.

Aber die anderen Probleme schlafen nicht. Der neue Teil des aktuellen IPCC-Berichts ist gerade veröffentlicht worden. Hier gibts die Dokumente und hier einen Kommentar dazu.

Es ist erstaunlich, wie schnell sich die Bundesregierung auf Hochrüstung einstellte – lernen wir daraus, dass wir auch für den Klimaschutz kein Argument mehr gelten lassen, es koste zu viel. SONDERVERMÖGEN heißt das Stichwort – aber nicht den Ärmsten der Gesellschaft abgepresst, sondern den Über-Reichen!

In diesem Teil II des neuen IPCC-Berichts geht es vor allem um die Anpassung an den Klimawandel, der bereits im Gange ist und der zu erwarten ist.

Aus der Zusammenfassung für Entscheidungsträger:

Der vom Menschen verursachte Klimawandel, einschließlich häufigerer und intensiverer Extremereignisse, hat weit verbreitete nachteilige Auswirkungen und damit verbundene Verluste und Schäden für Natur und Menschen, die über die natürliche Klimavariabilität hinausgehen. […] Über alle Sektoren und Regionen hinweg sind die am meisten gefährdeten Menschen und Systeme unverhältnismäßig stark betroffen. Klimaextreme haben zu einigen irreversiblen Auswirkungen geführt, da die natürlichen und menschlichen Systeme über ihre ihre Anpassungsfähigkeit übersteigen. (eig. Übersetzung)

Für eins der mit dem Klimawandel verbundenen Probleme, die Auswirkungen von Hitze auf die menschliche Gesundheit, wird auch gezeigt, wie abhängig die Folgen vom Vorhandensein oder Nicht–Vorhandensein von entsprechenden Schutzmaßnahmen sind. Die Gefahr kann reduziert werden, wenn mehr in die Gesundheitssysteme „investiert“ wird. Eigentlich brauchts dazu die Bildchen nicht, um das zu wissen – wie wenig da zu erwarten ist in einer auf Profitabilität getrimmten Gesundheitspolitik, das sehen wir in der Covid-19-Pandemie…

In einer weiteren Abbildung (SPM.5) ist bereits eingezeichnet, dass wir als Menschheit auf einem besseren Weg hätten sein können, und … es gibt in der Zukunft immer wieder Weichenstellungen, bei denen es besser oder schlimmer werden könnte. Und dann gibt es jeweils auch kein einfaches Zurück mehr, „Fenster von Möglichkeiten“ schließen sich auch endgültig.

Schulz sprach jetzt zu Beginn des Ukraine-Kriegs von einer „Zeitenwende“. Dieser eine Krieg (es gibt ja noch Dutzende anderer, die uns nicht so aufgeregt haben*) wird nur ein kleiner Vorgeschmack auf eine sehr unfriedliche Zukunft sein, und nicht etwa ein Rüstungswettlauf wird die Rettung bringen, sondern dass wir uns auf grundlegend andere Wirtschafts-, Lebens- und Politikformen einlassen, in der die Interessen aller angemessen berücksichtigt werden und wir andere Formen der Konfliktlösung durchsetzen. Post-Kapitalismus/Imperialismus/Patriarchat… oder Barbarei – es ist keine Losung mehr sondern eine reale Entscheidung.

*

  • Kriege, die uns nicht weiter bekümmert haben…:

Leider reicht die Hoffnung, dass die Menschen überall keinen Krieg wollen, nicht aus, um solche schrecklichen Ereignisse, die spätestens heute begannen, zu verhindern.

Ich bin nun schon einigermaßen froh, dass es an vielen Stellen Infos gibt, dass die Menschen in Russland nicht voll hinter Putin stehen und auch schon gegen den Krieg demonstriert haben, aus der Armee weggehen usw. usf..

Es ist noch offen, ob das Ruder nun endgültig in Richtung einer Barbarisierung umschlägt… oder ob das Ganze durch die Auseinandersetzung um diese Frage mehr aufbricht, ob es nicht für viele zu viel wird, um weiter passiv zu bleiben. Ich hoffe, dass wenigstens die Menschen sich nicht weiter auseinander reißen lassen, sondern eher wieder zueinander finden.

Allerdings, von allein wird dies nicht passieren. Vielleicht finden wenigstens viele sich in den Aktionen der Friedensbewegung wieder, die es entgegen allen Unkenrufen doch noch gibt und bald wieder stark werden muss. Am 27.2. findet in Berlin eine große Demo statt, aber auch anderswo tut sich viel.

Mehr Hintergrundinfos gibts hier. Empfehlen möchte ich besonders einen Artikel der LE MONDE diplomatique.

Und hier als besonderer Service: Eine Vorlage zum Basteln einer Friedenstaube:

Zum Verhältnis von Exklusion und Ausbeutung

Der Begriff der „Arbeiterklasse“ wurde, nachdem er im traditionellen Marxismus überstrapaziert worden war, inzwischen weitgehend entsorgt (kritisch dazu Schlemm 2016,  2017 und 2018). Damit verblasste auch der Begriff der „Ausbeutung“. Meist wurde er zu einem Wort, das eine gewisse Empörung trägt, aber begrifflich nicht mehr bestimmt ist. Oder die Ausbeutung wird bloß als „Moment der Exklusion“ bestimmt (Sutterlütti, Meretz 2018: 37). Die Soziologin Tine Haubner aus Jena versucht seit längerer Zeit, den Ausbeutungsbegrff vor allem in Bezug auf Arbeitende in der Pflege wieder nutzbar zu machen – ich werde etwas später im Text vor allem ihre Lösung hier referieren.

(mehr …)

In der „jungen Welt“ ist heute ein Beitrag von mir über den Versuch der Umstellung (Konversion) der Produktion bei Lucas Aerospace in den 70er Jahren erschienen. Immerhin steht jetzt gerade eine umfassende Konversion der Produktion hin zu klimagerechten Produktionsverhältnissen an.

Leider gibts den Beitrag nur für Abbonent:innen vollständig lesbar, wer ihn möchte, kann mich auch anmailen und nachfragen.

(Version 1.1, mit kleinen Korrekturen seit 02.09.2021, 10 Uhr)


Triggerwarnung: Es ist nicht mehr Minuten oder Sekunden „vor Zwölf“. Wir müssen die Wahrheit sagen können, aber wir dürfen uns dadurch nicht fertig machen lassen. Helfen wir uns gegenseitig, tun wir uns zusammen – alle, denen das weh tut!

Wir sind so was von am Arsch. Die Botschaften des neuen IPCC-Berichts haben viele Wissenschaftler*innen so verstört, dass sie sich darum kümmerten, dass ihre Erkenntnisse vor ihrer politischen Behandlung an die Öffentlichkeit kommen. Erfahrungsgemäß werden vor allem die „Zusammenfassungen für Entscheidungsträgerinnen“ vor der Veröffentlichung in ihren Aussagen aus politischen Gründen abgeschwächt. So wird aus einem Treffen der Vorbereitung des 6. Sachstandsberichts (AR6-SCOP/Doc.2 2017) aus der Arbeitsgruppe III über die Erarbeitung des 5. Sachstandsberichts berichtet:

„Schließlich äußerte eine Reihe von Ländern, dass sie mit der Verwendung der einkommensbasierten Ländergruppierungen, die in Teilen des Berichts der WG III AR5 verwendet wurden und die für den SPM während der Verabschiedung gestrichen wurden, nicht einverstanden sind und sich auch nicht daran gebunden fühlen. Ein erheblicher Teil des Textes über Minderungsmaßnahmen und Institutionen wurde ebenfalls aus dem SPM entfernt.“ (AR6-SCOP/Doc.2 2017: 32) (SPM ist die Abkürzung für „Summary for Policymakers“, d.h. „Zusammenfassung für die Entscheidungsträger“)

Dies soll nicht wieder passieren, deshalb wurden die Entwürfe des SPM und des ersten Kapitels für den Bericht der Arbeitsgruppe III (Working Group, WG III) des 6. Sachstandsberichts (AR6) diesmal geleaked. Einige der Wissenschaftler*innen aus der Scientist Rebellion bekennen sich sogar namentlich per Videobotschaft dazu, was ihnen auch in der Wissenschaftswelt nicht nur Sympathie einbringen wird. Aber sie wissen es am besten:

„Wir müssen jetzt handeln, es ist keine Zeit mehr!“

(mehr …)

Es geht weiter mit allerlei Blockaden an verschiedenen Orten. Vor allem dort, wo wir die Blockierer des Klimaschutzes blockieren können. Ich war beim Wirtschaftsrat der CDU dabei. Mehr Infos über den Wirtschaftsrat siehe auch hier.

Eine unserer Forderungen ist: „Lobbys raus – Bürger:innen rein“ (um gleich noch weiter zu reimen: ... wer kann da dagegen sein?)


Hier gibts als Nachtrag zur Aktionswoche noch ein
Gespräch zwischen Annemarie Botzki und Tadzio Müller zum Zivilen Ungehorsam.

Interessant auch die Einschätzung:
„XR gehört rehabilitiert“


Heute fand die große Demo statt. Sie begann vor den Parteizentralen von SPD und CDU, kurz vor den Wahlen soll sich zeigen, welche Partei für Menschen, die nicht in einen menschengemachten KLima-Umbruch rasseln wollen, wählbar ist. Ein paar tausend Menschen waren es schon, aber weniger, als ich auch schon bei anderen Themen in Berlin erlebt habe.

„Wir sind hier für Oma, Opa, Mama, Papa, Schwester, Bruder, Tante, Onkel,
Neffen, Nichten, Freunde, Nachbarn und alle, die KEINE ZEIT haben.“

Keine Zeit für die Zukunft, die nun wirklich auf dem Spiel steht.

Hitzesommer, Flutkatastrophen, ein gerade herausgekommener aktuelle IPCC-Bericht … wenn das nicht noch mehr Leute auf die Strasse treibt, dann haben wirs nicht anders verdient. Soll wohl so sein. Ich sehe ein, dass nicht jeder arbeitende Mensch werktags schon um 15 Uhr an einer Demo teilnehmen kann. Wenn wir alle wirklich ernst nähmen, was vor uns liegt an Verlusten und Opfern, wäre es ein Leichtes, auch dafür eine Lösung zu finden. Und wenn es endlich auch mal echte Erwachsenen-Streiks gäbe. Ein auch schon älterer Herr trug dieses Schild:

(mehr …)