Auf dem Eröffnungs- und der Abschlussplenum sowie in weiteren Workshops der Konferenz  „Great Transformation: Die Zukunft moderner Gesellschaften“ waren VertreterInnen der Klimabewegungen wie „Students For Future“ aktiv vertreten. Soweit ich  mitbekommen habe, konnten FFF-Vertreterinnen auch kostenlos an der recht teuren Veranstaltung teilnehmen.

Ich hatte während die Eröffnung der Konferenz lief noch eine andere Veranstaltung mit dem israelischen Aktivisten Uri Gordon über „Strategies for Ecological Collapse“ besucht. Die Strategien, auf die es dabei hinausläuft, sind jene, die Anarchisten schon lange propagieren: Er sprach von einer „anarchistischen Toolbox“, und dass es für das Handeln kein Rezept geben könne. Als grundlegendes Handlungsprinzip solle aber gelten, dass die gewählten Mittel mit dem Ziel übereinstimme müssen, also z.B. in der Herrschafts- und Hierarchiefreiheit. (mehr …)

Hallo,

ich bin nun schon in  Berlin und bereite mich unter anderem auf die Aktionen der Bewegung „Extinction Rebellion“ ab dem 7.10.19. in Berlin vor.

Wie es auch ablaufen wird, wie es auch ausgehen wird – wir sind dabei, Geschichte zu schreiben. Leider ist das dringend notwendig, denn so wie es jetzt läuft, geht es nicht weiter. (mehr …)

Ein Panel auf der Konferenz „Great Transformation: Die Zukunft moderner Gesellschaften“ beschäftigte sich mit dem Ökosozialismus. Später las ich nach, dass es ein „Netzwerk Ökosozialismus“ gibt. In Bezug auf die Einschätzung der Lage waren alle Beteiligten hier sehr drastisch. Frieder Otto Wolf etwa sagte: „Wir müssen die Katastrophen jetzt einbauen in die Realität.“ Das entspricht etwa dem, was mir klar wurde, als ich „Crashtest für Utopien“ schrieb.

Diese Lage führt auch dazu, dass man sich den Sozialismus nicht mehr als möglichst reiche Gesellschaft ohne Mangel vorstellen kann, sondern es geht, so Bruno Kern, um eine „absolute Verbrauchsreduktion“. Dies relativierte Frieder Otto Wolf, indem er von selektiver Schrumpfung, Aufrechterhaltung wichtiger Bereiche und gar Wachstum anderer (wie ökologischer Landwirtschaft) sprach. Und dies alles geht nicht mit und im Kapitalismus, sondern erfordert eine neue Gesellschaftsform, den Sozialismus. Sozialismus wird in unterschiedlichem Maße verbunden mit Staatlichkeit. Nicht alle teilen die Meinung von Bruno Kern, der von der Notwendigkeit einer verstärkten Staatlichkeit zu Beginn der Umgestaltung (aufgrund ihrer Durchsetzungsmacht angesichts widerstrebender Interessen) ausgeht. Alle verweisen auf die entscheidende Rolle von „Aktivität und Selbsttätigkeit der Menschen“ (Wolf). In der Diskussion verwies ich darauf, dass die Erfahrung gezeigt hat, dass gerade ein stark agierender Staat diese Selbsttätigkeit der Menschen radikal einschränkt. Das ist nicht nur eine Folge von Unterdrückung, sondern auch von Bequemlichkeit: Immer wenn jemand anders sich den Hut aufsetzt, kann ich mich zurück lehnen.

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Meine Projektgruppe „Gesellschaft nach dem Geld“ beteiligte sich mit einer ganzen Session an der Konferenz  „Great Transformation: Die Zukunft moderner Gesellschaften“  vom 23.-27. September 2019 in Jena. Schon deshalb konnte ich nicht zu allen Veranstaltungen gehen, aber auch sonst war das Angebot an spannenden Themen überwältigend. Da die Konferenz gleichzeitig auch die Abschlusskonferenz der DFG-Kollegforscher_innegruppe „Postwachstumsgesellschaften“ war, ging es natürlich ganz zentral um die Problematik der Transformation hin zu einer Gesellschaft, in der zumindest jene Bereiche nicht mehr wachsen, die natürliche und menschliche Potentiale zerstören. Ich werde im Folgenden einige inhaltliche Bemerkungen teilen.

Welches Wachstum woher?

In einem Workshop zum Ökosozialismus betonte Frieder Otto Wolf, dass es nicht um „Wachstum an sich“ und dessen Ablehnung gehen könne, sondern dass zu unterscheiden ist zwischen notwendiger selektiver Schrumpfung in den gefährlichen Bereichen, der Aufrechterhaltung anderer, für unser Leben notwendiger Bereiche und sogar dem Ausbau in anderen Bereichen (z.B. der ökologischen Landwirtschaft). (mehr …)

Heute fand die große Freitags-Streik-Demo statt und ich war in Berlin mitten unter den 270 000. Es war mächtig gewaltig.


Inzwischen wissen wir auch, was die Verhandlungen der Regierenden an Maßnahmen erbracht haben. Eine genaue Analyse kann ich jetzt noch nicht machen, verweise aber gerne auf die Position des Klimaforschers Levermann zum beschlossenen Klimapaket.


Morgen bin ich dann selbst aktiv mit einem Workshop auf dem Camp „We 4 Future“ (15 Uhr, Zelt 1).


Und während, wie man sieht, sogar so machtvolle Demonstrationen recht wenig bewirken, geht es ab 07.10.2019 auch in Berlin dann eher ans Eingemachte. Die Bewegung Extinction Rebellion ruft für den 7. Oktober 2019 auch für Berlin zu einem Aufstand gegen das Aussterben auf:

XRIch würde mir wünschen, hier würden sich genau so viele Menschen beteiligen wie heute. Es ist notwendig, sonst wird alle Mühe – auch heute – nicht ausreichen.

 

Was sich viele vorstellen können, erlebte ich auch auf der zweiten Veranstaltung im „Sprechsaal“, auf der ich an diesem Abend war. Neben zwei anderen eher politischen Klimadebatten an diesem Abend, von denen ich erfuhr, las ich im Internet etwas über einen Kongreß mit dem Titel „Ist Freitag Zukunft?“. Das versprach einen mehr künstlerischen Zugang, worauf ich mal richtig Lust hatte und gespannt war. Die musikalisch-textliche Einführung, u.a. mit dem als Schauspieler bekannten Robert Stadlober war auch richtig gut. Danach ging es weiter mit einem kleinen Vortrag zum Stand der Klimaproblematik durch einen Klimawissenschaftler und einem Podium, zu dem außer den bisher Aktiven noch eine Zukunftsforscherin kam. Nach der Thematisierung der Probleme, die – wie Robert Stadlober beim Lesen des DDR-Dissidenten Robert Havemann gefunden hatte – schon sehr alt ist, wurde nun nach Utopien gesucht. Allerdings fiel beim Gespräch über diese Thematik die Bemerkung, dass es vielleicht schon zu spät sein könnte. Wäre das Gespräch nur ganz ernsthaft hier weiter gegangen! Letztlich hat es niemand ertragen. Nein, das kann ja doch nicht sein. Der Klimawissenschaftler verriet, dass er eigentlich auf so was wie ein Wunder warte, denn: bisher habe sich doch oft was vorher noch nicht Geahntes ergeben in der Geschichte, deshalb können wir auch nicht wissen, ob nicht doch noch was erfunden wird, was uns rettet. Okay, wir können es nicht wissen aber eben auch nicht drauf bauen! Einer der Zuhörer baute in einem kurzen Beitrag aber schon auf das, was auch als Climate-Engineering bekannt ist. Er erwähnte das ganz selbstverständlich, unhinterfragt. So weit ist es also schon. Ich hatte grad auf der Zugfahrt eine Zusammenfassung zum Stand dieser Techniken gelesen, wobei die Bilanz ernüchternd war. Zu aufwendig, zu wenig effektiv, zu wenig Land für die einzigen sinnvollen biologisch aktiven Technologien vorhanden (oder in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion).

Ich sitz da so da, schaue mir an, worauf so die Hoffnung gesetzt wird…  und denk mir meinen Teil. Es wird noch eine Weile dauern, bis das große Erschrecken kommen wird über die Vergeblichkeit dieser Hoffnungen. Ich hab auch nicht immer Lust, sie zu zerstören, denn was hilft es den Leuten, die endlich aufgewacht sind, nun gleich noch unglücklicher zu werden. Sie suchen erst mal nach den nächstliegenden Rettungsringen. Wie auch jene, die auf die CO2-Bepreisung setzen. Mal sehen, wie viele wir noch ausprobieren, bis wir uns zu schwimmen trauen.


Und am 21.09.2019 berichte ich beim „We 4 Future“-Camp ab 15 Uhr im Zelt 1 über meine Gedanken zu den Zukunftsaussichten für die Menschheit zwischen Dystopie und Eutopie…

Ich fuhr nicht nur nach Berlin, um am Samstag meinen Workshop im „We 4 Future“-Camp zu halten (21.9., 15 Uhr, Zelt 1), sondern gleich an meinem Anreisetag (19.09.) besuchte ich zwei Veranstaltungen.

Zuerst hörte ich ab 17 Uhr im großen Hörsaal der Technischen Uni die „Climate Lecture“ von Prof. O. Edenhofer zum Thema „Zwischen Klimademos und Klimakabinett – wie die CO2-Bepreisung gelingen kann.“ Nach dem Vortrag gab es noch eine Podiumsdiskussion, u.a. mit Luisa N. als Vertreterin von FridaysForFuture.

Wer meinen Blog mitliest, weiß, dass ich der CO2-Bepreisung kritisch gegenüberstehe. Aber ich höre mir ja auch gern mal die Argumente an. O. Edenhofer begründete die Bepreisung damit, dass aufgrund ausreichender fossiler Ressourcen (die einer Emission von 15 000 Gt CO2 entsprechen) deren Preise nicht von allein steigen werden. Schon lange vorher müssen wir ihren Abbau dieser Ressourcen vor ihrem Verbrauch stoppen. Wenn wir bei 2 Grad über dem früheren globalen Temperaturmittel bleiben wollen, dürfen wir nur noch die Menge an fossilen Brennstoffen abbauen, die 1 100 Gt CO2 entspricht und bei 1,5 Grad sind es sogar nur 400 Gt. (mehr …)