Ich habs geahnt: Schon vor 10 Jahren schrieb ich Texte „Für eine Revolution der Rettung“ (Teil I, Teil II, Teil III). Mittlerweile hat sich – natürlich ganz unabhängig von mir – in mindestens 50 Ländern eine Bewegung mit dem Namen „Rebellion für das Leben“ entwickelt, auf Englisch: „ExtinctionRebellion“.

Ich war am Donnerstag bei einer Einführungsveranstaltung in Jena, in deren Ergebnis üblicherweise Ortsgruppen gebildet werden. Hanna aus Frankfurt erinnerte zuerst an die Dramatik der Situation und dass sich das Klima nicht nur „wandelt“, sondern auf eine Katastophe hin entwickelt, eine  Katastrophie, die in vielen Gebieten der Erde schon stattfindet. (mehr …)

Die streikenden Schülerinnen und Schüler haben das Thema Klimawandel endlich ins Gespräch gebracht. Seit einigen Monaten sickert das Wissen über den Ernst der Lage auch verstärkt über die Medien ins Bewusstsein und verursacht Unbehagen und auch Ängste.

Also muss schnell eine Lösung her. „Flugscham“ im Flieger hilft schließlich nicht wirklich gegen die Erderwärmung. Eine der vorgeschlagenen Lösungen, die CO2-Steuer, ist nicht wirklich neu. Viele in der SPD fordern sie, die CDU/CSU ist dagegen und will lieber den Handel mit Emissionszertifikaten ausbauen. Die SchülerInnen von Fridays4Future fordern eine Steuer von 180 Euro pro Tonne CO2. (Dies wurde vom Umweltbundesamt berechnet als Schaden aus einer Tonne CO2. Ich komme auf diese Berechnung noch einmal zurück).

Meine Position dazu ist nicht so eindeutig. Bei dieser Frage kann es nur ein „Ja, aaaaber…“ geben. Schon die Alternative CO2-Steuer oder Zertifikatehandel ist letztlich nur eine „Illusion der Alternativen“, die den Blick auf echte Auswege verdeckt.

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Ich habe bereits einen ersten Teil meiner Kommentierung und Kritik an dem Buch „Kapitalismus aufheben“ von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz veröffentlicht.

In den nächsten Tagen wird der zweite Teil erscheinen, der sich auf auf das Thema Transformation/Keimformtheorie bezieht.

Friday4Future in Jena

Danke dafür, dass Ihr uns aus dem Schlaf der Verleugnung und Verdrängung holt. Oder aus der Einsamkeit der schon Verzweifelnden. Ihr merkt es bereits: Viele von uns schließen sich Euch an. Eltern und Wissen schaffende… für eine noch lebenswerte Zukunft. Manche von uns versuchen auch, Euch immer noch zu belehren.

Ich aber möchte mich zuerst einmal entschuldigen. Entschuldigen für die verlorenen Jahrzehnte der Umkehr. Wir hätten es wissen können. Auch in der DDR hat man von den Globalen Problemen der Menschheit erfahren, aber den meisten von uns waren Bananen, Westautos und Mallorcareisen zu wichtig, um uns beirren zu lassen auf dem Weg ins rücksichtslose Wirtschaftswachstum. Sogar viele in der DDR Umweltbewegte fanden am Westen auf einmal nicht mehr allzu viel schlecht. Die Deindustrialisierung der DDR und industrielle Modernisierungen mit höheren Umweltstandards verhalfen der BRD dann zu einem maßgeblichen Anteil an ihrer nicht allzu schlechten Umwelt- und Klimabilanz, aber kaum jemand stellte den nationalen und regionalen Standortwettbewerb in Frage, egal was es kostet an Zukunftschancen. Also entschuldigt, dass wir Euch mit materiellem Wohlstand befriedigen wollten und dabei Eure Zukunft „geklaut“ haben, wie Ihr so treffend ruft.

Und entschuldigt, dass wir schon wieder so halbherzig sind. In einer Meinungsrunde lobte Euch jemand und schlug vor, dass Ihr, wenn die Demos und Streiks am Freitag nichts bewirken, doch auch noch am Donnerstag streiken könntet. Ich stutzte: Verdammt noch mal, lassen wir nicht schon wieder die Kinder die Kartoffeln aus dem Feuer holen? Wie wäre es denn, wenn wir alle auch streikten?

Ich höre schon den Aufschrei: Das geht doch nicht, wenn das alle machten…! Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Ja, wenn das alle machten, würde mal einen Tag lang die Werbe- und Marketing-Maschinerie stillstehen und es bräuchten all die Dinge gar nicht hergestellt werden, die an diesem Tag den Leuten aufgeschwatzt werden. Und schon wäre ein Fünftel aller Energie, Rohstoffe und Lebenszeit gespart.

Aber was sagt denn dann mein Chef dazu? Ja genau, darum geht es. Hier täte es weh. Dem Chef und auch mir. Deshalb machen wir es nicht. Entschuldigt Ihr auch das?

Die Natur wird es nicht entschuldigen. Um zu einer ökologisch nachhaltigen Lebensweise zu kommen, in der das Klima nicht kippt und die planetaren Grenzen nicht überschritten werden, müssten wir hochentwickelten Industrieländer unseren Umweltimpact um 80% senken. Wir müssten also nicht nur am Freitag und nicht nur noch am Donnerstag aussetzen mit der Naturzerstörung, sondern fast die ganze Woche.

Naomi Klein schrieb zum Klima-Umbruch: „Das ändert alles!“ – Ja, das tut es. Die Losung „Systemwandel statt Klimawandel“ muss ernst genommen werden.

… leider nur an den Schulen. Aber wenigstens da. Manche Eltern fragen sich, ob sie einen Entschuldigungszettel schreiben müssen, damit ihre Kiddis nicht doch  Probleme bekommen. In Wirklichkeit aber müssen wir uns bei ihnen entschuldigen für das Schlamassel, das wir ihnen hinterlassen:

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War da nicht heute was? Auch ja: Der Klimagipfel in Kattowice. Kümmert das irgendwen? Außer ein paar Journalisten, die nun mal wieder kurz die Titelseiten bekommen?

Wann war es jemals so deutlich geschrieben worden:

„Revolution oder Klimakatastrophe“ (ND, 1./2. Dezember 2018)

 

Einer der neuen Direktoren des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Johan Rockström (wahrscheinlich nur Insidern bekannt als Mitautor der Studien zu den „Planetaren Grenzen„) schreibt dazu:

„Wenn die Regierungen heute ihre Versprechen zur
Stabilisierung unseres Klimas nicht einhalten, so wird man sich über
Generationen hinweg an ihr Versagen erinnern.“

Aber man wird sich nicht nur an das Versagen der Regierungen erinnern. Wer folgt denn derzeit dem allgemeinen Run der Lemminge auf die Weihnachtsgeschenke, wo es nur noch darum geht, ob man das online macht oder wenigstens im Einzelhandel? Grad die Weihnachtszeit wäre eine mögliche Zeit der Besinnung darauf, was uns wirklich wichtig ist. Sind es Berge von umweltverbrauchenden und -vermüllenden Dingen oder eben mehr Zeit für Muße und füreinander?


Hier dazu entsprechende Illustrationen…

In meinem Text „Wie weiter nach radikal ent-täuschten Hoffnungen?“ stellte ich die Frage, welche Bedingungen der Weg hin in die gewünschte mögliche Zukunft braucht.

Hilmar und Albert aus Hamburg gaben aus ihrer gelebten Praxis (Umsonstladen, Tomatenretter) einige Antworten daraus, die ich hier gerne ergänze:


  1. Wenigstens ein Lebensbereich (Grundnahrungsmittel, Wohnen, Energie, Reparieren, Produktverteilung u.s.w.) wird selbstorganisiert betrieben und in eine praktische Verbindung mit seinem sozialen Umfeld gebracht zu Gruppen und Einzelnen, die sich auch auf einen Weg aus diesem kriselnden System gemacht haben.
  2. Wenn diese vielfältigen Ansätze, wie momentan, allerdings weitgehend unverbunden bleiben, wird nichts gesellschaftlich Bedeutsames entstehen. Es wird gezielt versucht, zumindest einen Teil von Produktion, Verteilung und Reproduktion der allgemein vorherrschenden Erwerbsarbeit zu entziehen.
  3. Es hat ein gruppenübergreifender Prozess der gemeinsamen Bestimmung der Grundsätze begonnen, an dem eine wachsende Anzahl der Beteiligten mitwirkt. (Das ist heute noch nicht der Fall.) Dabei wird darauf verzichtet, sich gegenseitig zu einem geschlossenen Weltbild zu nötigen. Es wird von der Vielfalt der Einzelnen und deren besonderen Weltbildern akzeptierend ausgegangen. Grundlegende, nicht sogleich lösbare Kontroversen können auch mit ihren verschiedenen Ansichten in die gemeinsamen Grundsätze eingebaut werden.
  4. Dem Hauptanliegen der jeweiligen Gruppe wird ein breiter, selbstorganisierter Bildungsprozess hinzugefügt: Sport, Kunst, Musik, Entspannung und Spaß, Heilwissen Kräuter ..) haben dort neben allen gewünschten Wissensthemen ihren Platz.
  5. Es wird sich darin geübt, in den notwendigerweise in den Gruppen aufbrechenden Konflikten einen liebevollen, lösungsorientierten Umgang zu finden.
  6. Ein grundlegend friedliches, lernend offenes, respektvolles Verhältnis zu der uns umgebenden Natur, die nicht mehr einseitig nach unseren Zielsetzungen ausgerichtet werden soll, wollen wir Schritt für Schritt verwirklichen.
  7. Lernend aus bisherigen linken Parteien und Bewegungen wird versucht, einen inneren bunten Pluralismus zu fördern und die Einflussnahme von möglichst vielen Einzelnen auf Gemeinschaft und Gesellschaft zu fördern und zuzulassen: Wir üben uns in einem Verzicht auf (manchmal gedankenlose) Machtausübung und autoritäres Verhalten. Bestätigungen und Zuneigung geben wir uns gegenseitig, sodass ein zunächst vielleicht unstillbarer Anteil davon sich durch diese Erfüllung beruhigen und unser Angstpotential zurückgehen kann.
  8. Ein solcher Anfang ist hier und da gemacht. Aber nur wenn sich eine bewusst gelebte Menschlichkeit ausbreiten kann, wächst die Chance auf diesem Planeten dauerhaft zu überleben und zu leben.