Holzkamp als Vertreter der „logisch-historischen“ Interpretationslinie

Holzkamp

Gleich zu Beginn der systematischen Entwicklung der Kritischen Psychologie beteiligte sich Klaus Holzkamp an der streitbaren Debatte über die logisch-historische versus logisch-systematische Lesart des „Kapitals“. Er nahm Stellung gegenüber Joachim Bischoff, der 1973 ein Buch zugunsten der logisch-systematischen Lesart veröffentlicht hatte (Bischoff 1973). Holzkamp argumentierte gegen Bischoffs Ansicht, das Historische habe keine konstitutive Funktion im Begründungszusammenhang der Kritik der Politischen Ökonomie. (Holzkamp 1974: 7)

Er folgt dabei der von Engels vorgezeichneten logisch-historischen Interpretationslinie. Die Herleitung der Geldform gilt für ihn als „Rekonstruktion der Stufen ihrer historischen Ge-wordenheit“ (Holzkamp 1974: 31). „Entwicklung“ bedeute hier „keine logische Gedankenentwicklung, sondern die wirkliche Entwicklung des materiellen gesellschaftlichen Lebensprozesses“ (ebd.)
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Versteht Engels Marx richtig?

Parallelität von Logischem und Historischem

Engels

Am deutlichsten wird diese Ansicht der Parallelität von Logischem und Historischem von Friedrich Engels vertreten. So schreibt er:

„Da in der Geschichte, wie in ihrer literarischen Abspiegelung, die Entwicklung im ganzen und großen auch von den einfachsten zu den komplizierteren Verhältnissen fortgeht, so gab die literargeschichtliche Entwicklung der politischen Ökonomie einen natürlichen Leitfaden, an den die Kritik anknüpfen konnte, und im ganzen und großen würden die ökonomischen Kategorien dabei in derselben Reihenfolge erscheinen wie in der logischen Entwicklung.

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II Streitfall Dialektik

Das Verhältnis von Logischem und Historischem

Wie ausführlich erläutert wurde, vollzieht die Entwicklung bei Hegel eine Bewegung, bei der das zu Entwickelnde vorausgesetzt wird; es ist implizit, der Möglichkeit nach, d.h. „an sich“ bereits im Anfang vorhanden und expliziert sich bis zur Übereinstimmung mit dem Begriff. Obwohl aus diesem Begriff neue Kreisläufe hervorgehen, kann man das Ganze gut als „Kreis von Kreisen“ (HW 6: 571; HW 8: 60) vorstellen. Historische Prozesse jedoch zeigen Verzweigungen: Neues entsteht und geht in Verästelungen ein, wobei die Vielfalt sich nicht in geschlossenen Kreisen einfangen lässt.

Logisch-Historisch_1

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Das Problem der „materialistischen Umstülpung“

Marx schrieb im Nachwort zur zweiten Auflage des „Kapitals“, dass seine dialektische Methode das „direkte Gegenteil“ (MEW 23: 27) der Hegelschen wäre. Das, was er als das „Rationelle“ von Hegel übernehmen will, sind die „allgemeinen Bewegungsformen“:

„Die Mystfikation, welche die Dialektik in Hegels Händen erleidet, verhindert in keiner Weise, daß er ihre allgemeinen Bewegungsformen zuerst in umfassender und bewußter Weise dargestellt hat. Sie steht bei ihm auf dem Kopf. Man muß sie umstülpen, um den rationellen Kern in der mystischen Hülle zu entdecken.“ (MEW 23: 27)

Was wissen wir über diese allgemeinen Bewegungsformen und ihre Umstülpung?
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Das Beispiel von den Blinden…

Um noch eine Vorstellung von den drei aufeinander folgenden Erkenntnisschritten hin zur Reproduktion des Konkreten, als bestimmter „Zusammenfassung vieler Bestimmungen“, zu geben, sei ein weiteres Beispiel durchdekliniert, das nicht selbst von Hegel stammt und auch nicht vollständig alle Wesenszüge einer dialektischen Begriffsentwicklung aufweist. Aber es ist eine schöne Geschichte, deshalb will ich sie hier nicht vorenthalten:

Drei Blinde wollen sich – ausgehend von konkreten Wahrnehmungen – über „ihre Welt“ verständigen. Für einen ist seine Welt ein „Schlauch mit Rillen“, ein anderer widerspricht – für ihn ist es ein „Strick mit Quaste“ und der dritte wiederum fühlt etwas ganz anderes: eine rauhe Wand. Wer hat Recht??? Elefant 1
Nach einiger Zeit bemerken sie eine „Gesetzmäßigkeit“: Der Schlauch befindet sich immer in einer Entfernung von ca. 6 m vom Strick entfernt. Na prima, aber was bringt diese Erkenntnis? Elefant 2
Die drei brauchen noch etwas Zusätzliches, um zur Wahrheit ihrer Wahrnehmungen vorzudringen, nämlich die Erkenntnis, dass sie die ganze Zeit von einem „Elefanten“ sprechen. Der „Begriff“ des Elefanten erklärt dann auch, dass der Schlauch einen Rüssel darstellt, der Strick den Schwanz und die Wand den Körper. Auch der gesetzmäßige Abstand zwischen Rüssel und Schwanz erklärt sich dadurch. Elefant 3

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I.3 Hegelsche Dialektik

hegel

Zeitlose Entwicklung

Um es gleich deutlich zu sagen: alles das, was Hegel als „logische Entwicklung“ analysiert, hat nichts mit zeitlichen Prozessen zu tun. Hegel fasst die Philosophie als ein „zeitloses Begreifen“ auf, das sich nicht mit der schlechten Unendlichkeit der Abfolge endlicher Dinge beschäftigt (vgl. HW 9 § 248 Z: 26). Die Kategorie „Entwicklung“ bezeichnet bei Hegel lediglich die Bewegung des Begriffs in der Begriffslogik im dritten Teil „Wissenschaft der Logik“ (HW 8: 308, § 161).
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I.2. Was ist Dialektik und was ist ihr Gegenstand?

Heutzutage ist es gar nicht mehr selbstverständlich, so etwas wie die Dialektik als sinnvoll oder gar notwendig für bestimmte Erkenntnisse anzusehen. Wenn wir uns hier damit beschäftigen, so gehen wir davon aus, dass wir für unsere Orientierung und unser Handeln in der Welt Erkenntnisweisen benötigen, die etwas mit dem, was als Dialektik durch die Philosophiegeschichte hindurch geht, zu tun haben. Wir brauchen Wissen über die Welt, ihre Strukturen und Bewegungsdynamik, das wir im Erkenntnisprozess gewinnen, um eingreifendes Handeln zu ermöglichen. Dabei wird sinnvollerweise auch angenommen, dass die Strukturen bzw. die Bewegungsdynamik der wirklichen Verhältnisse sich dieser Erkenntnisweise öffnen, dass sie bzw. viele von ihnen selbst so geartet sind, dass dialektisches Denken sie besonders gut erfassen kann. Früher wurde das häufig so bezeichnet, dass eine “objektive Dialektik“ vorliegt, welche durch die „subjektive Dialektik“ im Erkennen wiedergespiegelt werden kann. Vorauszusetzen ist auf jeden Fall die These:

In wichtigen Formen der Erkenntnis und (wahrscheinlich) in der Welt geht es (wenigstens an wichtigen Stellen) dialektisch zu.

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