I 5. „S ist noch nicht P“

Schon zu Anfang hatte ich darauf verweisen, dass die Entwicklung der Begriffs- und insbesondere der Urteilslogik darauf abzielt, Subjekt und Prädikat immer mehr in Übereinstimmung zu bringen. Die Entwicklung des Begriffs besteht darin, „dass er zu dem wird, was er eigentlich ist“ (Erdmann 1864: 114, § 143).

Der Gegenstand, der begriffen werden soll, wird hier als der Möglichkeit nach vernunftförmiger Gegenstand vorausgesetzt. Das bedeutet: er ist eine sich in der Bewegung der eigenen Widersprüche reproduzierende Einheit, die logisch als Identität von Identität und Unterschied/Gegensatz zu begreifen ist. Für die sich reproduzierende Einheit (das konkret-Allgemeine) gilt: (mehr …)

I 4. Die Wissenschaft vom Begriff als Lehre der Kategorien der Freiheit

Das Hegelsche System der Wissenschaft zielt auf die Erkenntnis der „wahre[n] Natur der Sache“ (Iber 2002: 181). Zufällige Erscheinungen, wie die Schreibfeder des Herrn Krug (HW 9: 35) gehören aber nicht zu den Sachen, die philosophisch zu behandeln sind. („Sachen“ im philosophischen Sinne sind nicht die Dinge selbst, sondern die Begriffe der Dinge (HW 5: 29).)

Dabei geht es nicht um das Eindringen in wesentliche Gesetzmäßigkeiten, abgehoben von wirklichen Erscheinungen, sondern Begriffe stellen gerade die Einheit von Wesen und Sein her. (Begriffslogik als übergreifende logische Form über Seinslogik und Wesenslogik). Es geht um Erkenntnisse, bei denen Wissen über das Wesen der Erscheinungen mit den konkreten Erscheinungen zusammen gebracht werden -wie insbesondere im 3. Band des „Kapitals“. Begreifen bedeutet demnach, „die Eigenart einer Sache, die man abstrakt als die eine weiß, gedanklich zu bestimmen und diese zu ihren verschiedenen Erscheinungsformen, die man auch schon weiß, in ein inhaltlich notwendiges Verhältnis zu setzen.“ (Iber 2008) (mehr …)

I 3. Allgemeines, Besonderes und Einzelnes als Momente des Begriffs

Ich hatte meine Ausführungen -in Weiterführung der üblichen Vorstellungen zum Einzelnen und Allgemeinen (vgl. Wikipedia) – mit der ersten Urteilsform begonnen, bei der das Einzelne und das Allgemeine am weitesten voneinander entfernt waren. Dieses Auseinander beschreibt (nach dialektischer Ansicht) nicht die Weise, in der unsere Welt strukturiert ist, sondern es ist das Ergebnis der Trennung, bei der verschiedene Momente eines Ganzen sich unterscheiden. Dabei fallen Subjekt (das zu Bestimmende) und Prädikat (das Bestimmende) auseinander. (Es könnte angenommen werden, dass in der Gesellschaftsformation des Kapitalismus das Verhältnis von Kapital und Nichtkapital eher den einfachen, abstrakten Urteilsformen entspricht als dem Urteil des Begriffs. Dies ist ein objektiver Schein, der durch die konkreten Verhältnisse gerade mit Notwendigkeit erzeugt wird. (vgl. Marx MEW 23: 85ff.))
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Menschliche Verhältnisse begreifen – Teil I:
Allgemeines, Besonderes und Einzelnes in der Hegelschen Urteilslogik

ABE

I 1. Menschen als Einzelne, Besondere und Allgemeine

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ABE

Teil I: Allgemeines, Besonderes und Einzelnes in der Hegelschen Urteilslogik


Es ist ein gewöhnliches Vorurteil, die philosophische Wissenschaft habe es nur mit Abstraktionen, leeren Allgemeinheiten zu tun; die Anschauung, unser empirisches Selbstbewußtsein, unser Selbstgefühl, das Gefühl des Lebens sei dagegen das in sich Konkrete, in sich Bestimmte, Reiche.

… es ist das Geschäft des Philosophierens gegen den Verstand, zu zeigen, daß das Wahre, die Idee nicht in leeren Allgemeinheiten besteht, sondern in einem Allgemeinen, das in sich selbst das Besondere, das Bestimmte ist. (HW 18: 43; vgl. auch HW 8: 307, § 159 Z)


Noch nie habe ich so lange Zeit hier nichts veröffentlicht. Ich bin ziemlich beschäftigt. Der Job schlaucht und auch sonst vergeht die Zeit wie im Fluge. Demnächst werde ich noch mehr mit den Vorbereitungen zum Umzug zu tun haben. Deshalb werde ich leider auch nicht an einer spannenden Veranstaltung über Dialektik zu Pfingsten teilnehmen können. Als inhaltlichen Beitrag werde ich eine Powerpoint-Präsentation über Hegels Dialektik zur Verfügung stellen. Als ich zur Unterstützung der Aussagen auf den Präsentationsfolien Notizen schrieb, merkte ich, dass ich für eine Folie gar nicht so viel inhaltlichen Input habe und auf keine Webseite zum Nachlesen verweisen kann. Es handelte sich um die Thematik Allgemeines, Besonderes, Einzelnes – die ja immer wieder zentral ist. Hier wird auch abgehandelt, was bei Hegel der Unterschied zwischen abstrakt-Allgemeinem und konkret-Allgemeinem ist.

Also… glücklicherweise 😉 war ich vorige Woche krank (nicht die Grippe, sondern der Rücken) und ich konnte im Liegen lesen und doch immer einige Stunden im Sitzen tippen, so dass ich nun eine Zusammenfassung zur Behandlung der Problematik von Allgemeinem, Besonderen und Einzelnem habe, allerdings bis jetzt nur in bezug auf die Urteilslogik von Hegel (viel näher an der Wahrheit ist dann noch die Schlusslogik, für die ich hoffe, in absehbarer Zeit noch einen II. Teil zu schaffen). Einige ergänzende Bemerkungen zu Blochs berühmtem Spruch „S ist noch nicht P“ gibts dann auch noch.

Ich werde nun also nach und nach die Ergebnisse dieses ersten Arbeitsschubs online stellen. Heute beginne ich noch mit dem ersten Teil, den Anhängen und der Literaturübersicht.


Menschliche Verhältnisse begreifen – Teil I:

Allgemeines, Besonderes und Einzelnes in der Hegelschen Urteilslogik


Ich hatte schon berichtet, dass wir nun endlich das dicke Bloch-Wörterbuch der Öffentlichkeit vorstellen konnten.

Bei mir sind inzwischen Prints meiner Beiträge (zu „Dialektik„, „Prozess“ und „Subjekt-Objekt„) eingetroffen, wer mag, kann mich gerne anschreiben und ich schicke sie dann zu (mgl. gegen Briefmarkenspende o.ä.).

Inzwischen hab ich mich noch damit vergnügt, die gegenseitigen Verlinkungen in den Beiträgen graphisch darzustellen. Mit dem Programm yEd (Danke, Thomas für den Tip ;-)) ging das ganz gut. Die Kategorien von Bloch, die einen Beitrag haben, bilden jeweils die Knoten und die Verbindungslinien kennzeichnen die Links von einem auf die anderen Beiträge. Solche schönen Muster entstanden:

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Mal schnell nebenbei… gehe ich heute auf einen Kommentar zu dem gestern genannten Beitrag ein, weil er mich interessiert. Es geht um den Kommentar 16 (leider kann ich nicht direkt auf den Kommentar mit dieser Nummer verlinken), der die Beziehung zwischen Produktionsverhältnissen und Eigentumsverhältnissen als Beziehung zwischen Inhalt und Form betrachtet.

Dazu nun ein (für Philosoph_innen) kürzerer Kommentar, der für Philosoph_innen eine „Anwendung“ für Hegelianische Kategorienlehre bietet, für politisch Interessierte die Ergebnisse aus einem kurzen Eintauchen in die dialektische Werkzeugkiste vorstellt:

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Der zweite Themenschwerpunkt beim Wiener Pfingstreffen war der Metaebene gewidmet: Mit welchen theoretischen Konzepten erfassen wir das, was die Welt an Möglichkeiten in sich trägt? Vor allem ging es um das Verständnis von Ganzheit. (mehr …)

Holloway hat Recht mit seiner Beschreibung der Widersprüchlichkeit zwischen den Anforderungen, die die Wirtschaftswelt an uns stellt und den darüber hinaus schießenden menschlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten. Aber diese Widersprüchlichkeit begrifflich an den „Doppelcharakter der Arbeit“ nach Marx zu binden, verkürzt die Marxsche Theorie unzulässig. (mehr …)

Vorbemerkung

John Holloways Buch aus dem Jahr 2002 trägt den Titel „Die Welt verändern ohne die Macht zu übernehmen“. Dieser Titel bezeichnet treffend, worin sich die meisten der neueren Befreiungsbewegungen seit Ende der 90er Jahre von früheren antikapitalistischen Bewegungen und Parteien unterscheiden. (siehe auch mein Text dazu)

Ich lese nun seit einiger Zeit das neue Buch: „Kapitalismus aufbrechen“. Ich werde dabei auf eine eigenartige Weise hin und hergerissen. Das meiste, was als politische Handlungsstrategie beschrieben wird, ist mir überaus sympathisch. Holloway findet für komplexe Zusammenhänge wunderschöne Metaphern. Die gehen runter wie Öl… Aber in meinem Hinterkopf tickert so etwas wie das theoretische Gewissen. Vor allem die Kapitalstudien der letzten Monate haben da Spuren hinterlassen, die sich hartnäckig in Erinnerung rufen, sobald Holloway in den Bereich der Theorie, der Analyse und der begrifflichen Einordnung seiner politischen Haltung innerhalb eines „offenen Marxismus“ kommt. „Das stimmt doch so gar nicht!“ ruft der kleine Teufel von da hinten und sät Zweifel. Soll ich ihn zum Schweigen bringen?

Wer „Ja“ sagt, braucht bloß den 1. Teil zu lesen 😉
Wer „Nein“ sagt, sollte dann noch weiter durchhalten…

Texte zu Holloway:

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