Kann man dieses Jahr wirklich in Weihnachtsstimmung kommen? Wollten wir das „Fest der Liebe und des Friedens“ nicht lieber weglassen in dieser unfriedlichen Welt? Ab wann wird das Feiern unehrlich und drückebergerisch?

Wenn es nicht verbunden ist mit dem Bemühen um Frieden auf allen Ebenen. Dabei war das wohl noch nie so schwer wie jetzt. Das Thema „Krieg-Frieden“ wird häufig auch im privaten Kreis vermieden, damit kein häuslicher Unfrieden entsteht. In politischen Gruppen und Bewegungen wird ebenfalls lieber einen Bogen drum gemacht. Das Corona-Thema hat schon genug Streit erzeugt, Wunden aufgerissen.

Dabei ist es gerade jetzt notwendig, die Tatsache, dass es keine „einfachen Antworten“ gibt, produktiv für die Entwicklung neuer kreativer Ansätze zu entwickeln. Was mehr als moralische Entrüstung über den Aggressor und Solidarität mit den Überfallenen steht uns zur Verfügung? Welches Wissen über bestimmte Interessen? Welches Wissen über mögliche Alternativen zur Rüstung?

Ich selbst habe die Weihnachtsanzeige aus der Friedensbewegung 2022 unterstützt:

Nichtsdestotrotz wünsche ich allen einige erholsame und besinnliche Tage. Erholung wie Besinnung brauchen wir alle…

So langsam setzt sich das Entsetzen wie eine dunkle Rauchschicht auf die Seelen. Aber es kommt auch die Zeit zum Überdenken. Warum hatten wir die Frage nach Krieg und Frieden so sehr vergessen oder nach hinten geschoben? War es so selbstverständlich, dass die neuen kalten Kriege auch kalt bleiben würden oder nur ganz, ganz woanders wieder heiß werden könnten?

Im neuen Heft der „Marxistischen Blätter“ gibt es eine Beilage „Die Waffen nieder!“:

Zuerst wird konstatiert, dass die „Schnellschüsse der Bundesregierung“ (Aufrüstung, Ende des Tabus gegen Waffenlieferungen) „keine Friedenspolitik, sondern Öl ins Feuer“ bedeuten. Auf einer digitalen Aktionskonferenz der Friedensbewegung wurde in einer Resolution klar gesagt: „Wir verurteilen die militärische Aggression Russlands gegen die Ukraine. Für Krieg gibt es keine Rechtfertigung.“ Auch „die jahrelange antirussische Konfrontationspolitik des Westens […] rechtfertigen keinesfalls die militärische Intervention Russlands“. Die anderen Texte, von Demonstrationsrednern und Offenen Briefe und Resolutionen, die in der Beilage veröffentlicht sind, sind sich darin ebenfalls einig.

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Es gibt mittlerweile natürlich viele Aufrufe, zu spenden. Direkte Nothilfe geht vor. Aber dann…

Ich weiß nicht, ob eine stärkere Friedensbewegung in den letzten Jahrzehnten und Jahren diese derzeitige Katastrophe hätte verhindern können. Wer meint, Putin sei psychisch gestört und das sei die Ursache, muss da eher passen. Aber wer davon ausgeht, dass auch Interessen hinter solchen und anderen Aktionen stehen, kann mithelfen, dass sie in der Politik schon eher berücksichtigt werden und dadurch solchen Katastrophen vorgebeugt werden kann. Dies wurde im Fall des Ukraine-Konflikts vernachlässigt.

Ich würde mich wirklich freuen, wenn die Hunderttausenden, die jetzt gegen den Krieg demonstrieren, sich auch danach weiter aktiv an der Friedensbewegung beteiligen würden.

Das heißt vor allem, lokale oder Netzwerk-Gruppen bilden oder sich vorhandenen anschließen. Anschluss- und Informationsmöglichkeiten gibt es u.a. auch hier:

Leider reicht die Hoffnung, dass die Menschen überall keinen Krieg wollen, nicht aus, um solche schrecklichen Ereignisse, die spätestens heute begannen, zu verhindern.

Ich bin nun schon einigermaßen froh, dass es an vielen Stellen Infos gibt, dass die Menschen in Russland nicht voll hinter Putin stehen und auch schon gegen den Krieg demonstriert haben, aus der Armee weggehen usw. usf..

Es ist noch offen, ob das Ruder nun endgültig in Richtung einer Barbarisierung umschlägt… oder ob das Ganze durch die Auseinandersetzung um diese Frage mehr aufbricht, ob es nicht für viele zu viel wird, um weiter passiv zu bleiben. Ich hoffe, dass wenigstens die Menschen sich nicht weiter auseinander reißen lassen, sondern eher wieder zueinander finden.

Allerdings, von allein wird dies nicht passieren. Vielleicht finden wenigstens viele sich in den Aktionen der Friedensbewegung wieder, die es entgegen allen Unkenrufen doch noch gibt und bald wieder stark werden muss. Am 27.2. findet in Berlin eine große Demo statt, aber auch anderswo tut sich viel.

Mehr Hintergrundinfos gibts hier. Empfehlen möchte ich besonders einen Artikel der LE MONDE diplomatique.

Und hier als besonderer Service: Eine Vorlage zum Basteln einer Friedenstaube: