Ich lese mich seit einigen Wochen durch einen immer größer werdenden Bücherstapel zur Geschichte. Wie üblich finde ich in jeder Quelle mindestens ein bis zwei neue Hinweise auf Bücher oder Texte, die ich mir dann übers Internet oder auch antiquarisch besorge. Als ich in einem Mailwechsel vor einigen Tagen schrieb, dass gerade 24 Bücher noch warten, kamen eine Stunde später drei weitere mit der Post und seitdem noch einmal zwei.

Warum tue ich mir das an? Nun ja, seit ich einige Fragen habe, finde ich es spannend, die möglichen Antworten dazu nachzulesen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn andere etwas zitieren oder auch referieren, sie längst nicht alles für mich Wichtige erfasst haben. Was mich besonders ärgert ist die Praxis, dass oft jemand etwas liest, was ihn (oder sie) überzeugt und dann wird genau diese Position als „Wahrheit“ wie ein Banner weiter herumgetragen, ohne zu prüfen, ob es noch Alternativen zu dieser Position gibt.

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Ich war nach Dresden eingeladen, um in einer Veranstaltungsreihe anlässlich des Geburtstages von Karl Marx mit dem Motto „…an allem ist zu zweifeln!“ vorzutragen. Als Titel habe ich gewählt: „Täuscht die Hoffnung aus einer dialektischen Geschichtsphilosophie?“

Von der Notwendigkeit des Fortschritts sind wir längst nicht mehr so überzeugt wie früher. Können wir wenigstens Hoffnung auf den »dialektischen Gang der Geschichte« haben? Was geschah, als Marx und Engels die Hegelsche Dialektik materialistisch »umstülpten« und welche Probleme sind damit verbunden? Der drohende Klima-Umbruch der nächsten Jahrzehnte und vielleicht Jahrhunderte sollte uns Geschichtsphilosophien überdenken lassen, die sich bisher allzu leicht von der Hoffnung auf die Dialektik tragen ließen.

Hier gibt es die Präsentation auf Slideshare.

 

 

 

 

Eine hegelianisierende marxistische Geschichtsvorstellung geht davon aus, dass die Aufeinanderfolge der Gesellschaftsformen letztlich davon bestimmt wird, dass die Menschheit in irgend einer Weise „zu sich“ findet, das wird, was sie sein kann, was letztlich auch im Begriff, oder – wie Marx es in frühen Schriften ausdrückt – in seinem „Gattungswesen“ steckt. Dieses „Gattungswesen“ wird dann im Urkommunismus noch als in unentwickelter Form verwirklicht gesehen, worauf sich die folgenden Klassengesellschaften davon entfernten, bis einst im Kommunismus wieder das „Gattungsleben“ auf einer höheren Entwicklungsstufe verwirklicht sein wird.
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Oder: Gesellschaftsformationen im Verhältnis von Allgemeinem, Besonderem und Einzelnem

Vollständige Bestimmung von Allgemeinem oder Allgemeines als Ganzes von Teilen

Ich habe bereits schon einmal darauf verwiesen, dass sich Allgemeines auf mindestens zwei Weisen unterteilt. Einmal enthält die Unterteilung alle möglichen Teile vollständig (wenn die Teilung entlang einer vollständigen Gesamtheit von Bestimmungen erfolgt). Das betrifft z.B. die dargestellte Begriffskaskade nach Porphyrios:

Die besonderen Bestimmungsmerkmale (körperlich, beseelt…) sind insoweit vollständig, als alle einzelnen Gegebenheiten einsortiert werden können. Wenn es eins der Bestimmungsmerkmale nicht gäbe, wäre das Allgemeine nicht mehr dieses Allgemeine, das es ist. Alle Bestimmungen gehören dem Allgemeinen notwendigerweise an. Dieses Allgemeine, das seine Besonderungen selbst aus sich hervorbringt, wird auch „Totalität“ genannt. Es ist ein Allgemeines gegenüber seinen besonderen Bestimmungen.
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Das Thema „Geschichtsphilosophie“ steht schon lange auf meiner Agenda, musste aber lange zurückgestellt werden, weil ich keine Zeit hatte und auch noch viele Bausteine dazu erarbeiten und „trocknen lassen“ musste. Genau genommen richten sich viele meiner bisherigen Themen wie Selbst-Organisierung oder Dialektik auf die Frage nach dem Verständnis des Entwicklungsgangs der Menschheit. Dabei musste ich mich erst von der Vorstellung lösen, die Dialektik als allgemeine Methode würde da leicht weiterhelfen. Trotzdem ist Dialektik auf jeden Fall notwendig, um nicht vereinfachten Vorstellungen über den Zusammenhang von realgeschichtlichen Geschehnissen und einer übergreifenden „Entwicklungslogik“ zu verfallen.

Ohne dass ich eine vollständige Theorie zu diesen Fragestellungen hätte, möchte ich einige Ergebnisse dazu hier wieder online stellen.

Siehe auch:

Zur Geschichte


Morris Berman sieht die eben vorgestellten 4 Faktoren (nach Tainter) einer untergehenden Zivilisation auch beim Untergang des römischen Reiches. Ich ergänze seine Ausführungen dazu mit ein wenig zusätzlichem Halbwissen aus meiner Bibliothek. Die geschichtliche Forschung ist sich selbst nicht ganz im Klaren, welche Faktoren zum Untergang dieses vorher recht stabilen Weltreichs geführt haben; über 200 Faktoren werden genannt. Einig sind sich die meisten darin, dass zwar die Einfälle der „Barbaren“ von außen letztlich den Ausschlag am Ende dieser Zivilisation gaben, dass aber „die Barbarei längst von innen heraus gesiegt hatte“ (Weber 1896). (mehr …)

Hermann Cropp, der uns am Abend zuvor bereits Sappho vorgestellt hatte, nahm auf der AlterUni in Jena die Hetztiraden der Boulevardmedien gegen Griechenland zum Anlass, auf einige Auffälligkeiten in der Beziehung zwischen Griechenland und Europa, insbesondere Deutschlands, zu verweisen.

Genauso unappetitlich sind die vielen anderen Pressemeldungen. So titelte BILD: „Gebt uns Korfu, dann gibt’s Kohle“. Hermann Cropp hierzu:

Die Insel Korfu war in Ihrer Geschichte mehrfach deutschen Interessen ausgesetzt …der Bayrische König ..und im 3. Weltkrieg die Bombardierung durch Deutschland, zerszört wurden Kirchen, Wohnhäuser, Parlament, Theater und viele denkmalgeschützte Häuser. Auch wurden 1700 Juden von Korfu nach Auschwitz deportiert, von denen 122 überlebten. Nun streckt das übelste Hetzblatt in Deutschland wieder die Hand aus nach Korfu. (H. Cropp)

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