Ein Panel auf der Konferenz „Great Transformation: Die Zukunft moderner Gesellschaften“ beschäftigte sich mit dem Ökosozialismus. Später las ich nach, dass es ein „Netzwerk Ökosozialismus“ gibt. In Bezug auf die Einschätzung der Lage waren alle Beteiligten hier sehr drastisch. Frieder Otto Wolf etwa sagte: „Wir müssen die Katastrophen jetzt einbauen in die Realität.“ Das entspricht etwa dem, was mir klar wurde, als ich „Crashtest für Utopien“ schrieb.

Diese Lage führt auch dazu, dass man sich den Sozialismus nicht mehr als möglichst reiche Gesellschaft ohne Mangel vorstellen kann, sondern es geht, so Bruno Kern, um eine „absolute Verbrauchsreduktion“. Dies relativierte Frieder Otto Wolf, indem er von selektiver Schrumpfung, Aufrechterhaltung wichtiger Bereiche und gar Wachstum anderer (wie ökologischer Landwirtschaft) sprach. Und dies alles geht nicht mit und im Kapitalismus, sondern erfordert eine neue Gesellschaftsform, den Sozialismus. Sozialismus wird in unterschiedlichem Maße verbunden mit Staatlichkeit. Nicht alle teilen die Meinung von Bruno Kern, der von der Notwendigkeit einer verstärkten Staatlichkeit zu Beginn der Umgestaltung (aufgrund ihrer Durchsetzungsmacht angesichts widerstrebender Interessen) ausgeht. Alle verweisen auf die entscheidende Rolle von „Aktivität und Selbsttätigkeit der Menschen“ (Wolf). In der Diskussion verwies ich darauf, dass die Erfahrung gezeigt hat, dass gerade ein stark agierender Staat diese Selbsttätigkeit der Menschen radikal einschränkt. Das ist nicht nur eine Folge von Unterdrückung, sondern auch von Bequemlichkeit: Immer wenn jemand anders sich den Hut aufsetzt, kann ich mich zurück lehnen.

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Speziell auf einem Workshop der Konferenz „Great Transformation: Die Zukunft moderner Gesellschaften“ ging es um Naturbegriffe, die mit dem praktischen gesellschaftlichen Naturverhältnis zusammen hängen. Solveig Selzner verglich z.B. die Naturbegriffe von Hans Jonas, Hartmut Rosa und Bruno Latour. Während Jonas der Natur einen Eigenwert und einen Eigenzweck zuschrieb, spricht sich Rosa für eine Eigenständigkeit der Natur aus und Latour für einen Eigensinn. Das „Eigen-“ in den Bestimmungen wurde dann als Bestimmung der Natur als Subjekt genommen. Die Vorstellung einer auf die Menschen beschränkte Subjektivität wurde ganz allgemein, so auch mein Eindruck aus der Diskussion, als unzulässige Heraushebung des Menschlichen, als Anthropozentrismus verworfen. Es wurde auf Andreas Weber verwiesen, bei dem Subjektivität, die auch im Biotischen vorhanden sein soll, an Kommunikation gebunden ist, wodurch der „Anthropozentrismus durchbrochen“ sei. Hm, wenn ich die Subjektivität von vornherein auf das reduziere, was auch im Tier- oder gar Pflanzenreich schon vorkommt, dann ist das so. Aber dann entmenschliche ich die Menschen, weil ich sie um die Fähigkeiten verkürze, die nur sie haben (Stichwort „Spezifische Möglichkeitsbeziehung“). Aber davon haben die Soziolog_innen hier nicht gesprochen (das wäre z.B. in Bezug auf die Unterscheidung ihres Fachs von den Naturwissenschaften wichtig).

Über die rechtliche Debatte zu Rechten der Natur sprach Stefan Knauß. Er berichtete über die Rechte in der Verfassung von Ecuador. Die Natur, zweimal auch „Patcha Mama“ genannt, hat dort das Recht auf „Aufrechterhaltung ihrer natürlichen Kreisläufe, Strukturen, Funktionen und evolutionären Prozesse.“ Dieses Recht kann – und dies zeigt schon den Unterschied gegenüber Menschen – nur durch Menschen eingeklagt werden. Letztlich wird das Recht von Menschen durch Menschen gesetzt.

War mir bei der Debatte noch auffiel: Mensch und Natur wurden i.a. als Gegensatz betrachtet, es ging vor allem um den Schutz der Natur vor den menschlichen Eingriffen. Einmal wurde der Mensch selbst als Natur thematisiert, hier aber nur seine Leiblichkeit. Bei aller Betonung der Besonderheit der Menschlichkeit sind aber Menschen auch nicht „widernatürlich“; sie sind selbst eine hoch entwickelte Form der Natur, in der die Natur „ihre Augen aufschlägt“ (Schelling), in der Menschen in die Natur „neue Verwirklichungen und Wirklichkeiten entbindend“ eingreifen (Bloch) und letztlich setzen wir uns auch als natürliche Wesen gegen die Zerstörung der Natur, der uns äußeren wie auch der inneren, ein:

Nature

Meine Projektgruppe „Gesellschaft nach dem Geld“ beteiligte sich mit einer ganzen Session an der Konferenz  „Great Transformation: Die Zukunft moderner Gesellschaften“  vom 23.-27. September 2019 in Jena. Schon deshalb konnte ich nicht zu allen Veranstaltungen gehen, aber auch sonst war das Angebot an spannenden Themen überwältigend. Da die Konferenz gleichzeitig auch die Abschlusskonferenz der DFG-Kollegforscher_innegruppe „Postwachstumsgesellschaften“ war, ging es natürlich ganz zentral um die Problematik der Transformation hin zu einer Gesellschaft, in der zumindest jene Bereiche nicht mehr wachsen, die natürliche und menschliche Potentiale zerstören. Ich werde im Folgenden einige inhaltliche Bemerkungen teilen.

Welches Wachstum woher?

In einem Workshop zum Ökosozialismus betonte Frieder Otto Wolf, dass es nicht um „Wachstum an sich“ und dessen Ablehnung gehen könne, sondern dass zu unterscheiden ist zwischen notwendiger selektiver Schrumpfung in den gefährlichen Bereichen, der Aufrechterhaltung anderer, für unser Leben notwendiger Bereiche und sogar dem Ausbau in anderen Bereichen (z.B. der ökologischen Landwirtschaft). (mehr …)

Ich habe gestern den wunderbaren Film „Die Architekten“ gesehen. Ich kann ihn allen empfehlen, die etwas über die DDR wissen wollen.

Einige der Wortwechsel sind auch heute noch aktuell. So auch dieser:

 „Du weißt, dass ich ähnliche Probleme sehe. Aber ich versuche, etwas zu tun. Nur durchs Tun kann man etwas verändern.“

„… Natürlich hab ich auch etwas getan. Oft genug. Ich kann nur nicht so tun, als hätte ich keine schlechten Erfahrungen gemacht. Es ist nicht schlimm, dass ich Probleme sehe… Schlimm ist nur, dass ich nichts verändern kann.“

„Aber es tut sich doch was. Überall. Es gibt nur  Hoffnung auf Veränderung, wenn man sich engagiert.“

„Hoffnung…, Ich habe einfach keine Zeit, auf Neues zu hoffen…“

Die streikenden Schülerinnen und Schüler haben das Thema Klimawandel endlich ins Gespräch gebracht. Seit einigen Monaten sickert das Wissen über den Ernst der Lage auch verstärkt über die Medien ins Bewusstsein und verursacht Unbehagen und auch Ängste.

Also muss schnell eine Lösung her. „Flugscham“ im Flieger hilft schließlich nicht wirklich gegen die Erderwärmung. Eine der vorgeschlagenen Lösungen, die CO2-Steuer, ist nicht wirklich neu. Viele in der SPD fordern sie, die CDU/CSU ist dagegen und will lieber den Handel mit Emissionszertifikaten ausbauen. Die SchülerInnen von Fridays4Future fordern eine Steuer von 180 Euro pro Tonne CO2. (Dies wurde vom Umweltbundesamt berechnet als Schaden aus einer Tonne CO2. Ich komme auf diese Berechnung noch einmal zurück).

Meine Position dazu ist nicht so eindeutig. Bei dieser Frage kann es nur ein „Ja, aaaaber…“ geben. Schon die Alternative CO2-Steuer oder Zertifikatehandel ist letztlich nur eine „Illusion der Alternativen“, die den Blick auf echte Auswege verdeckt.

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Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Problemcluster 2: Finalismus, Einlinigkeit, Verlust der Möglichkeitsfelder, Multifaktorialität

Die Übertragung des Keimform-Konzepts aus der Geschichtstheorie in die dementsprechende Antizipation erbt auch die anderen Probleme der Keimform-Geschichtstheorie, so auch jene des Finalismus, der Einlinigkeit und des Verlusts der Möglichkeitsfelder. (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Wenn die Keimformtheorie als Aufhebungstheorie gilt, so wird sie als Geschichtstheorie verwendet. Das, was bisher in geschichtlichen qualitativen Umbrüchen in der Gesellschaft geschah, soll in grundsätzlich derselben Weise (in den genannten 5 Schritten) auch wieder passieren und deshalb kann das Wissen darüber Handlungsorientierungen geben. (mehr …)