Die folgenden Texte sind eine Antwort auf den Kommentar von Simon in diesem Blog. Diese Antwort untergliedert sich in mehrere Schwerpunkte, für die ich jeweils einen Blogbeitrag einstelle. Da in einem Blog jeweils das zuletzt Eingestellte zuerst erscheint, füge ich die Beiträge hier so aneinander, dass sie von oben nach unten gelesen werden können.

Als Vorrede noch eine Bemerkung: ich nehme hier häufig gegenüber früher von mir selbst vertretenen Standpunkten die Rolle des Advocatus Diaboli ein, auch wenn die Kritiken scheinbar andere treffen. Wenn ich bestimmte Standpunkte in Frage stelle, so sind das meist Überlegungen, die mir zumindest auch schon gekommen sind, die ich aber als zu einseitig oder in der Konsequenz doch als fragwürdig empfinde.

Es gibt folgende Beiträge:

Kommen wir nun zu dem heiklen Thema von Krieg und Frieden bei Hegel. Bei ihm ist der Krieg […] ein philosophisch wesentliches Naturmoment“ (PR 1817/18: 194). Er setzt sich damit, wie auch bei anderen Themen, von den Aufklärern des 18. Jahrhunderts ab, die Krieg als irrational und unnatürlich ansahen. Wie Krysmanski (1993) zeigt, hatte sich die Art von Kriegen um die Jahrhundertwende ins 19.Jahrhundert stark gewandelt. Aus bloß dynastisch-expansionistischen Kriegen wurden Kriege, die „von einem Volk im Dienste einer Idee geführt wurden“. Reicht das für Hegel aus, um nun auch den Krieg in irgendeiner Weise als „vernünftig“ zu kennzeichnen? (mehr …)

Die Stufe der Sittlichkeit (siehe dazu auch Schlemm 2011) enthält wiederum drei Momente in sich:
PdR 3
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Die Idee des Rechts als Gegenstand der Philosophie des Rechts erfordert das Begreifen der Verwirklichung der Vernunft/Freiheit und der Vernünftigkeit/Freiheit der Wirklichkeit ohne Auseinanderreißen von „Normativem“ und „Deskriptivem“. Es geht darum, an einem realen Gegenstand, hier dem gesellschaftlichen Leben und dessen „äußeren Gestaltungen“, den „innere Puls“ (HW 7: 25) aufzufinden. Es geht also um das „Aufdecken der inneren Vernunftgründe, um die immanente Logik der Sache, um den Begriff selbst, um das Fortschreiten und Hervorbringen seiner Bestimmungen“ (Vieweg 2012: 26). Die Methode dieses Aufdeckens folgt einem logischen Gang, der aus Hegels logischen Schriften bekannt ist, den aber nicht alle, die die „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ lesen, zugrunde legen. Die Logik dient letztlich gewissermaßen als „Koordinatensystem des Gedankengangs“ (ebd.: 36) hin zur „inneren Natur“ der Dinge. (mehr …)

Auch in den „Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie“ wird deutlich, dass Hegel im Verlaufe dieser Geschichte davonausgeht, dass das Wirkliche vernünftig werden soll (HW 19: 5001).

Es ist die Aufgabe der Welt, „daß die Idee der Wirklichkeit eingeimpft, immanent sei, daß nicht nur sei eine Menge von glaubenden Herzen, sondern daß aus dem Herzen vielmehr, wie Naturgesetz, so konstituiert werde Leben der Welt, ein Reich, – die Versöhnung Gottes mit sich sich vollbringe in der Welt, nicht als ein Himmelreich, das jenseits ist; sondern muß sich realisieren in der Wirklichkeit. Sie ist nur so für den Geist, für das subjektive Bewußtsein und hat sich also nicht nur im Herzen, sondern zu einem Reiche des wirklichen Bewußtseins zu vollenden.“ (HW 19: 501)

Wie verträgt sich das mit dem berühmten Satz über die immer zu spät kommende „Eule der Minerva“ aus den Grundlinien der Philosophie des Rechts? (mehr …)

Ein Schlüsselsatz zum Zusammenhang von Vernunft und damit Freiheit mit der Wirklichkeit ist der vielzitierte Satz aus den „Grundlinien der Philosophie des Rechts“:

„Was vernünftig ist, das ist wirklich;
und was wirklich ist, das ist vernünftig.“ (HW 7: 24)

Natürlich weiß Hegel auch, dass in der Realität längst nicht alles vernünftig zugeht: „… wer wäre nicht so klug, um in seiner Umgebung vieles zu sehen, was in der Tat nicht so ist, wie es sein soll?“ (HW 8: 49) (mehr …)

Der letzte Beitrag endete mit einem Kommentar zur Rechtsidee, bei der „das überempirische Sollen der Freiheit mit der unmittelbaren Welt“ zusammengebracht werde (Hoffmann 2004: 418). Hegel nennt als Gegenstand der Philosophie des Rechts:

„Die philosophische Rechtswissenschaft hat die Idee des Rechts, den Begriff des Rechts und dessen Verwirklichung zum Gegenstand.“ (HW 7: 29)

Die „Idee“ ist ein Begriff, der in Hegels System am Ende der Logik entwickelt wurde. Es ist diejenige logische Kategorie, bei der ein Begriff sich verwirklicht. (mehr …)