Um diese beiden unterschiedlichen Formen des „Allgemeinen“, die in den vorigen Beiträgen eine Rolle spielten, noch näher zu charakterisieren, sollten wir uns mit den Schlussformen (also Formen von Begründungen von Schlussfolgerungen aus Prämissen) beschäftigen. Dabei wird das Verhältnis von Allgemeinem, Einzelnem und Besonderem in allen möglichen Formen diskutiert. Denn diese drei Bestimmungen sind miteinander vermittelt – jede hat ihre Bedeutung nur in Bezug auf die anderen. Das Einzelne existiert nur in allgemeinen Zusammenhängen – das Allgemeine existiert nur im und durch das Einzelne. Und das Besondere ist jeweils die Bestimmtheit von Allgemeinem. (mehr …)

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Grenzen der Dialektik

Dialektik hat bei jenen, die unverdrossen nach einer Alternative zum globalen Kapitalismus suchen, immer noch einen guten Klang. Es rettet uns kein höhres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun – aber vielleicht die Dialektik? Im traditionellen Marxismus wurde die Dialektik als allgemeine Methode der Philosophie der Siegesgewissheit überhöht. Kann sie heute wenigstens eine Philosophie der Hoffnung tragen? Alles fließt, alles entwickelt sich – also wird auch das heute Schlechte überwunden werden, wir müssen nur den dialektischen Gang der Geschichte verstehen und dementsprechend handeln. So einfach war das einmal – ist es aber wohl doch nicht mehr.
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Gibt es außerhalb des Kapitalismus auch „Arbeit“? Kann man für die Zeiten vorher schon von „Wirtschaft“ sprechen? Wie sieht es mit „Gebrauchswerten“ aus, wie mit „Subjekten“, mit „Vernunft“, mit „Politik“? Zu all diesen Begriffen gibt es in linken Kreisen immer mal wieder erbitterte Debatten darüber, ob sie in allen menschlichen Gesellschaften (sozusagen „überhistorisch“) vorhanden sind, oder nur dem Kapitalismus zuzuordnen sind. Wenn jemand einen der Begriffe überhistorisch verwendet, wird dies häufig als „Ontologisierung“ kritisiert und zurückgewiesen, so z.B. hier von Wertkritikern:

„Die abstrakte „Arbeit“ erschien demzufolge auch nicht als historische Realkategorie des Kapitalismus, sondern als ontologische ewige Menschheitsbedingung.“ (Ernst Lohoff, Robert Kurz 1998).

Ich selbst habe so etwas in einem aktuellen Blog-Kommentar „beinah als eine „Enteignung“ von Begriffen“ bezeichnet. Der Anlass war ein Vorwurf gegenüber einem anderen Autoren, dass die Aussage „Wirtschaft hat es immer gegeben“ eine Ontologisierung sei. (mehr …)

Die folgenden Texte sind eine Antwort auf den Kommentar von Simon in diesem Blog. Diese Antwort untergliedert sich in mehrere Schwerpunkte, für die ich jeweils einen Blogbeitrag einstelle. Da in einem Blog jeweils das zuletzt Eingestellte zuerst erscheint, füge ich die Beiträge hier so aneinander, dass sie von oben nach unten gelesen werden können.

Als Vorrede noch eine Bemerkung: ich nehme hier häufig gegenüber früher von mir selbst vertretenen Standpunkten die Rolle des Advocatus Diaboli ein, auch wenn die Kritiken scheinbar andere treffen. Wenn ich bestimmte Standpunkte in Frage stelle, so sind das meist Überlegungen, die mir zumindest auch schon gekommen sind, die ich aber als zu einseitig oder in der Konsequenz doch als fragwürdig empfinde.

Es gibt folgende Beiträge:

Kommen wir nun zu dem heiklen Thema von Krieg und Frieden bei Hegel. Bei ihm ist der Krieg […] ein philosophisch wesentliches Naturmoment“ (PR 1817/18: 194). Er setzt sich damit, wie auch bei anderen Themen, von den Aufklärern des 18. Jahrhunderts ab, die Krieg als irrational und unnatürlich ansahen. Wie Krysmanski (1993) zeigt, hatte sich die Art von Kriegen um die Jahrhundertwende ins 19.Jahrhundert stark gewandelt. Aus bloß dynastisch-expansionistischen Kriegen wurden Kriege, die „von einem Volk im Dienste einer Idee geführt wurden“. Reicht das für Hegel aus, um nun auch den Krieg in irgendeiner Weise als „vernünftig“ zu kennzeichnen? (mehr …)

Die Stufe der Sittlichkeit (siehe dazu auch Schlemm 2011) enthält wiederum drei Momente in sich:
PdR 3
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Die Idee des Rechts als Gegenstand der Philosophie des Rechts erfordert das Begreifen der Verwirklichung der Vernunft/Freiheit und der Vernünftigkeit/Freiheit der Wirklichkeit ohne Auseinanderreißen von „Normativem“ und „Deskriptivem“. Es geht darum, an einem realen Gegenstand, hier dem gesellschaftlichen Leben und dessen „äußeren Gestaltungen“, den „innere Puls“ (HW 7: 25) aufzufinden. Es geht also um das „Aufdecken der inneren Vernunftgründe, um die immanente Logik der Sache, um den Begriff selbst, um das Fortschreiten und Hervorbringen seiner Bestimmungen“ (Vieweg 2012: 26). Die Methode dieses Aufdeckens folgt einem logischen Gang, der aus Hegels logischen Schriften bekannt ist, den aber nicht alle, die die „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ lesen, zugrunde legen. Die Logik dient letztlich gewissermaßen als „Koordinatensystem des Gedankengangs“ (ebd.: 36) hin zur „inneren Natur“ der Dinge. (mehr …)