Dies ist Teil 3 eines Textes über „Hoffnung“.


Sinn der Hoffnung heute

Heutzutage gibt es genügend Gründe für Angst und Furcht. Vor 26 Jahren wurde gesagt, dass wir noch 25 Jahre Zeit hätten, eine Klimakatastrophe zu verhindern. Und trotzdem wird noch verkündet, die Uhrzeiger stünden noch auf 1 Minute vor 12 Uhr. Auch andere planetare Belastungsgrenzen, wie die der Zerstörung der Biodiversität oder der Vergiftung der Gewässer mit Stickstoff wurden bereits überschritten. Aus dem „sichere Handlungsraum“ sind wir bereits herausgeschossen und für viele Menschen auf dieser Welt zeigt sich dies durchaus schon in existentiellen Katastrophen. Gleichzeitig sind auch die Kriegsbedrohungen nicht wirklich kleiner geworden. Während allerorten das „Pfeifen im Walde“, dass wir es doch noch irgendwie schaffen könnten, bei der global-durchschnittlichen Erwärmung unter 1,5 Grad zu bleiben, zu hören ist, läuten bei anderen schon längst die Alarmglocken. Mit der Einführung der „Negativ-Emissionen“ in die Szenarien, mit denen das Einhalten der 1,5-Grad-Grenze noch gesichert werden soll, ist eine Bankrotterklärung verbunden, die aber weitgehend übersehen wird (Schlemm 2020). In früheren IPCC-Berichten wurden die Techniken, die zu den „Negativ-Emissionen“ führen sollen (also jene, die zu viel ausgestoßenes CO2 wieder zurückholen sollen), als technisch im großen Maßstab zu ungewiss, zu teuer und wegen der Konkurrenz zu anderen Formen der Landnutzung (z.B. für die Ernährung) als unverantwortbar gekennzeichnet. Inzwischen stehen wir so sehr überm Abgrund, dass sich die letzten Hoffnungen darauf richten. Die bisherigen Hoffnungen aus dem letzten Vierteljahrhundert, die sich auf „Nachhaltigkeit“ ausrichteten und damit auf die üblichen Mechanismen von reformerischer Politik und auch die Unehrlichkeit, mit der die Brisanz der Lege verdeckt wird, weil man Panik oder Apathie als Folge befürchtet, haben dazu beigetragen, viele Gründe von realer Hoffnung zu zerstören. (mehr …)

Andere Kategorien in Bezug zur „Hoffnung“

Dies ist Teil 2 eines Textes über „Hoffnung“.


Zu unterscheiden ist die Hoffnung zuerst einmal von Wünschen, Verlangen und Sehnsucht. Das Verlangen zielt auf ein unmittelbar Begehrtes (Fahrenbach 2021: 45), während die Sehnsucht sich aufs Unendliche richtet (ebd.). Ein Wunsch ist die zumeist „haltlose“ Bekundung der eigenen Bedürftigkeit (ebd.: 30), wobei sich das „haltlos“ darauf bezieht, dass nicht auf die jeweils tragenden Möglichkeiten geschaut wird.

Helmut Fahrenbach setzt den Begriff der Hoffnung weiterhin in Bezug zu anderen zukunftsbezogenen Einstellungen. Dabei unterscheidet er zuerst vorstellungsbezogene, d.h. „passive“ und praxis- bzw. entwurfsbezogene, d.h. „aktive“ Einstellungen. Zu den vorstellungsbezogenen gehören Prognose und Utopie, zu den praxis- und entwurfsbezogenen die Planung und die Hoffnung.

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Ich rezensierte gerade ein neu herausgegebenes Buch des Philosophen Helmut Fahrenbach über „Wesen und Sinn der Hoffnung“ (Talheimer 2021). Hoffnung??? Hoffnung!!! Dieses Thema, so scheint mir, ist dringender denn je. Für mich zumindest. Mir war der Autor schon aus Sammelbänden mit Texten über den Ernst Bloch bekannt, dessen Philosophie er – durchaus mit kritischen Einwänden – in ihrer Einheit von marxistischen und metaphysischen Momenten erkannte.

In den folgenden Blogbeiträgen stelle ich – über den Text der Rezension hinausgehend – wichtige Gedanken aus dem Buch vor:


Fahrenbachs Konzept von Wesen und Sinn der Hoffnung

Das neu herausgegebene Buch vereint Teile der Dissertation des Autors aus dem Jahr 1955 mit späteren Arbeiten, in denen er das Thema „Hoffnung“ neu und weiterführend beleuchtet.

In der Dissertation wird das Thema Hoffnung phänomenologisch ausgelegt. Dies geschieht in mehreren aufeinanderfolgenden Schritten:

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