Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


4.3.1 Abstrakter und konkreter Begriff

Der „Begriff des/vom Menschen“ (S&M: 119, 123) ist ein wesentlicher Baustein für die Entwicklung der sog. Kategorialen Utopie. Ein „Begriff“ ist für die Autoren eine „Verdichtung theoretischer Überlegungen“ (ebd.: 22). Theorien können nun unterschiedliche Gegenstandsbereiche haben und für jeden dieser Gegenstandsbereiche gibt es entsprechende Begriffe. Theorien von Menschen gibt es z.B. auf einer allgemein-überhistorisch-anthropologischen Ebene. Da der Begriff einer Sache „das in ihr selbst Allgemeine“ (Hegel HW 5: 26) ist, besteht der Begriff „des Menschen“ in dem, was allen Menschen gemeinsam ist, was sie aber auch gegenüber allen anderen Tieren auszeichnet, was das konkrete Besondere der Menschen gegenüber der Tierwelt ist. (mehr …)

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Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Wie schon erwähnt, kritisierten Marx und Engels in ihrer Auseinandersetzung mit früheren Weggefährten und Vorbildern z.B. an Feuerbach, dass er „die Menschen nicht in ihrem gegebenen gesellschaftlichen Zusammenhange, nicht unter ihren vorliegenden Lebensbedingungen“, sondern als „Abstraktum „der Mensch““ betrachtet (MEW 3, DI: 44). Dies kennzeichnet den Wandel vom „anthropologischen Materialismus […] zum historischen“ (Mocek 1988: 222). Übrigens hatte auch Aristoteles vor, „jene staatliche Gemeinschaft zu betrachten, die für Menschen, die möglichst nach Wunsch leben können, von allen die beste ist…“ (Aristoteles Politik: 31). Er unterschied dabei die „schlechthin beste Verfassung“ von der „nach Umständen beste[n]“ (ebd. 123). Die Bedeutung der Umstände zeigt sich auch an der Bedeutung konkreter technischer Möglichkeiten, denn Sklaven als „beseeltes Besitzstück“ (ebd.: 7) wären unter bestimmten Umständen nicht mehr notwendig, denn „wenn so auch das Weberschiff von selber webte und der Zitherschlägel von selber spielte, dann brauchten allerdings die Meister keine Gesellen und die Herren keine Knechte.“ (ebd.)

Auch in den ethnologischen Exzerptheften von Marx findet deren Herausgeber, Lawrence Krader, „den Marxschen Übergang von der Kritik des abstrakten menschlichen Gattungswesens zur empirische Erforschung besonderer Gesellschaften“ (Krader 1976: 91). Marx begreift demnach „den Menschen zunächst als gesellschaftlichen Menschen, ohne ein inneres, außerhalb der Zeit stehendes Wesen, ohne von seinen Verhältnissen in der Gesellschaft und in der gesellschaftlichen Produktion, einschließlich seiner Selbsterzeugung, unterschiedenes Wesen.“ (ebd.: 88) Die Theorie „vom Menschen“ kann deshalb keine andere sein, als eine über wirkliche Menschen, und „[v]om Feuerbachschen abstrakten Menschen kommt man aber nur zu den wirklichen Menschen, wenn man sie in der Geschichte handelnd betrachtet“ (Engels MEW 21: 290). (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“. (Version 1.4. seit 19.10.18)


4.2.1 Kritik am Maßstab des Begriffs?

„Jede Kritik besitzt ein Fundament, eine Position (eine positive Aussage), von der aus ein Zustand als falsch, schmerzlich oder unnötig kritisiert werden kann.“ (S&M: 112) Die Utopie ist „implizit in jeder Negation enthalten“ (ebd.: 113), denn in jedem Aufbegehren über Ungerechtigkeit steckt die Utopie der Gerechtigkeit.

Was ist nun diese positive Aussage, aus deren Nichtrealisierung die Kritik entsteht? Ist sie die Charakterisierung eines (durchaus auch dynamischen) späteren Zustands (z.B. die „gerechte Welt“, die „freie Gesellschaft“?) oder enthält sie einen Leitfaden, an dem sich der Fortschritt entlanghangeln könnte (bei Hegel etwa: Vernunft und Freiheit) oder reicht es aus, hier und heute ganz konkrete unentfaltete Potenziale zu finden (wie die Arbeitszeitersparnis durch neue Technologien, die nicht zur Lebensbereicherung der Arbeitenden führt?…) (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Die verkürzende Interpretation des Begriffs „Eigentum“ auf eine „Alles- oder-nichts“ -„Definition wurde oben schon erwähnt. Als Eigentum wird, wie im BGB 903 eine „soziale Beziehung zwischen Menschen, bei der die eine Person (oder Gruppe) andere von der Verfügung über materielle, symbolische oder soziale Ressourcen oder Mittel ausschließen kann“ (S&M: 25, vgl. S. 141) verstanden. (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“. (Version 1.3 seit 14.10.)


Auffallend für alle*, die Marx und den Marxismus kennen, ist die Leerstelle der Klassenverhältnisse im Buch von Stefan und Simon. Sie tauchen lediglich auf, wo die Autoren den abgelehnten „traditionellen Marxismus“ mit seinen Vorstellungen von Kapitalismus als Klassenherrschaft kurz darstellen (S&M: 57) und sie zweifelnd referieren, dass es früher eine Konzeption gegeben habe, dass sich die „Nebenwidersprüche“ mit den Klassenverhältnissen auflösen würden (ebd. 199). Die Autoren machen sich also schon gar nicht mehr die Mühe, die Klassen irgendwie in eine kritische Gesellschaftstheorie einzuordnen. Mehr zur Verabschiedung des Klassenbegriffs steht noch in dem Buch von Stefan Meretz: „Die „Grundlegung der Psychologie“ lesen“ von 2012. Gegenüber der noch von Klaus Holzkamp vertretenen Konzeption betonte Stefan hier: (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Wenn man sich die Ideologen des Kapitalismus anschaut, so schwärmen diese geradezu davon, dass Menschen sogar ohne entsprechende mitmenschliche Motivation durch ihr marktwirtschaftliches Tun die anderen einbeziehen. Der kapitalistische Markt wäre demnach bereits inklusionslogisch verfasst. Wenn nur alle Menschen über einen ausreichend großen Teil des Privateigentums an Produktionsmitteln verfügen würden, könnte jede/r autonom über den Einsatz dieser Produktionsmittel bestimmen und damit seine individuelle Autonomie ausleben und trotzdem wäre – wie durch eine „unsichtbare Hand geleitet“ (Smith 1775/2005: 458) – der gesellschaftliche Zusammenhalt realisiert. (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.

…und ist eigentlich aus Versehen schon so zeitig gepostet worden. An der Numerierung sieht man, dass er logisch erst viel später geplant ist… Viele Bemerkungen und Begriffe nehmen Bezug auf vorherige, noch nicht veröffentlichte Teile. Also bitte gedulden und dann noch mal mitdenken…


Das Verhältnis zwischen einer Position bzw. einem Gegebenen und dessen Überschreitung wird von Hegel als „Grenze“ bzw. „Schranke“ diskutiert. Er geht von Spinozas Erkenntnis „Alle Bestimmung ist eine Negation“ aus (Omnis determinatio est negatio, vgl. HW 8: 196). Etwas hat seine wesentliche Qualität nur innerhalb seiner Grenze, die Qualität selbst ist diese Grenze: „Etwas ist durch seine Qualität das, was es ist, und indem es seine Qualität verliert, so hört es damit auf, das zu sein, was es ist.“ (ebd.: 195). Hegel verwendet an dieser Stelle übrigens eine schöne Lebensweisheit zur Illustration:

„Der Mensch, insofern er wirklich sein will, muß dasein, und zu dem Ende muß er sich begrenzen. Wer gegen das Endliche zu ekel ist, der kommt zu gar keiner Wirklichkeit, sondern er verbleibt im Abstrakten und verglimmt in sich selbst.“ (ebd.: 197).

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