Dieser Beitrag gehört zum Text über „Klassenanalyse bei Werner Seppmann“


Werner Seppmann sieht die Aufgabe der Klassenanalyse[1] darin, „die realen Formen von Macht und Abhängigkeit, sowie die Ursachen sozialer Ungleichheit zu analysieren und die ökonomisch vermittelte (und politisch forcierte) Dynamik von Ausgrenzung und Prekarisierung […] zu erklären“ (Seppmann 2017: 12).

Dem Kapital kommt dabei eine „Gestaltungsmacht“(ebd.: 143) zu, die in vielen neueren soziologischen, auch linken und anderen alternativen Theorien nicht mehr angesprochen wird, und die deshalb bei transformatorischen Konzepten systematisch unterschätzt wird. Der „Kern der bürgerlichen Klassenherrschaft“ besteht nach Seppmann in der „Verfügungsgewalt über andere Menschen“ (ebd.: 146) – und dies in historisch sich verändernden Weisen. Dabei ist auch in den „Wirtschaftswunder“-Jahren der BRD die klassenförmige Struktur der Gesellschaft nicht verschwunden: 1978 verfügten 1,7% der westdeutschen Privathaushalte über 70 % des Produktivvermögens (ebd.: 7).

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