Bei der Demo am letzten Mittwoch in Jena  gabes einen Redebeitrag aus der Ortsgruppe XR Jena. Der frei gesprochene Text wurde für diese Dokumentation noch einmal verschriftlicht:


Es soll hier mal konkret um das Thema Mobilität gehen. Wie verrückt die derzeitige Lage ist und wie schön es eigentlich sein könnte.

Wer in der Jenaer Innenstadt an einer vielbefahrenen Straße wohnt -wie bspw. der B88- weiß wovon ich rede. Dort ist es so laut, dass sofort das Stresslevel steigt und man nur so schnell wie möglich dort wegkommen möchte. Daher habe ich mich oft gefragt wie könnte es denn ohne die ganzen Autos sein?

Aber fangen wir von vorne an. Warum brauchen wir eigentlich eine Mobilitäts- bzw. Verkehrswende? (mehr …)

Die Freitagsdemo von Fridays for Future und allen Unterstützer*innen fand in Jena diesmal nicht am Freitag, sondern am Mittwoch statt. Nachdem der Runde Tisch Klima und Umwelt in Jena nun ca. 10  Monate lang arbeitete, um die Notwendigkeiten, die durch den ausgerufenen Klimanotstand in Jena bestätigt wurden, in die Planungen der Stadt Jena einzubringen, standen einige dieser neuen Planungen nun im Stadtrat zur Abstimmung. Die Verwaltung hatte schon einige der neuen Forderungen, die am Runden Tisch ausgearbeitet wurden, verwässert. Deshalb schien es mehr als notwendig, den Forderungen nun noch einmal direkt vor dem Volkshaus, in dem der Stadtrat  am 15.7.2020 tagte, Nachdruck zu verleihen.

Es gab zwei Demonstrationszüge, einer als Fahrraddemo, vom Holzmarkt in Jena zum Volkshaus und dort gab es noch eine Kundgebung, die hoffentlich laut genug war, die Abgeordneten zu erreichen.

Trotz des heftig einsetzenden Regens ließen sich die meisten Demonstrierenden nicht vertreiben.

Da angesichts des vorhandenen Monitorings der Treibhausgasemissionen von Jena der Verkehr als der Bereich bekannt ist, bei dem die Emissionen sogar stiegen statt sanken, war diese Problematik das Hauptthema der Demonstration. Es wurde eine Petition für eine „Verkehrswende in Jena! Für Klimaschutz udn Lebensqualität in unserer Stadt!“ verlesen und von vielen unterschrieben. Es kann und sollte weiter unterschrieben werden auf der OpenPetition-Webseite.

Gemacht? Okay, dann kanns weiter gehen… (mehr …)

Der Trick mit ungedeckten Versprechungen

Schon seit 30 Jahren wissen wir, dass die Emissionen von Treibhausgasen drastisch sinken müssen. So gut wie nichts geschah; der reale Emissionspfad übertraf in der Emissionsmenge den „Business as Usual“-Pfad, der 1990 als der schlechtest-mögliche eingeschätzt wurde (siehe die folgende Abbildung unter Verwendung DB 1990: 52). Anstatt bei 36,5 GT CO2-Emissionen pro Jahr (2018) müssten wir weltweit bei ca. 16 GT CO2-Emissionen pro Jahr liegen! Und das zusätzlich ausgestoßene CO2 sammelt sich Jahr für Jahr weiter in der Atmosphäre an.

30 Jahre nach diesen Plänen sind wir noch nicht einmal „in den Knick“ (das Abknicken der Kurve von einer Steigung hin zu einer Senkung) gekommen und die Verzögerung führt dazu, dass die die Neigung der Reduktionskurve immer steiler nach unten weisen muss (d.h. die notwendigen Reduktionsraten steigen enorm). Mit der angestiegenen CO2-Menge in der Atmosphäre verringert sich auch das Zeitfenster, das wir bis zum Aufbrauchen des CO2-Budgets noch haben, d.h. das Ende der Emissionen muss noch zeitiger erreicht werden, als 1990 angenommen. Die durchgezogene rote Linie zeigt die aus heutiger Sicht  notwendige Reduktionskurve im Vergleich zu der von 1990: (mehr …)

Ich bin immer noch bei „Extinction Rebellion“ dabei. Die Bewegung wird seit langem oft kritisiert, leider auch oft berechtigt. Ich habe dazu einiges geschrieben (eine Zusammenstellung der Links dazu gibts hier).

In der Ortsgruppe Jena haben wir uns seit Dezember vorigen Jahres mit vielen Themen beschäftigt und als Ergebnis ist nun ein Positionspapier unserer Ortsgruppe entstanden, in dem wir uns nun entsprechend positionieren.

Wir werden viele der Themen (die z.B. in den Fußnoten angesprochen sind) weiter besprechen, aber natürlich wollen wir vor allem auch konkret aktiv werden, wenn es darum geht, auf solche Skandale wie das Kohle-Gesetz zu reagieren…

 

 

Das für morgen zum Beschluss im Bundestag stehende „Kohleausstiegsgesetz“ ist wieder einmal Augenwischerei.

Die Scientists 4 Future kritisieren die Vorhaben:

  1. Die international vereinbarten Klimaschutzziele können mit diesem
    Gesetz nicht eingehalten werden.
  2. Der Kohleausstieg kann kostengünstiger und effektiver gestaltet
    werden als im Gesetzentwurf vorgesehen.
  3. Die Entschädigungszahlungen sind rechtlich nicht zwingend.
  4. Es gibt keine energiewirtschaftliche Notwendigkeit für weitere
    Zwangsumsiedlungen.
  5. Fossiles Gas ist nur begrenzt als Übergangstechnologie geeignet.

Und der Kohlewirtschaft wird das Geld noch hinterhergeschmissen, dafür, dass sie noch 18 Jahre lang sogar mit Braunkohle „systemrelevant“ sein dürfen, weil weder an der notwendigen  Senkung des Verbrauchs von Energie noch einer systemisch ausreichenden Umstellung auf Erneuerbare Energien gearbeitet wird.

(Karikatur von G.Mester aus SFV-Rundmail)

Dabei steht der Menschheit das Wasser bis an den Hals. Es wurde bekannt, dass 9 der 15 berühmten „Kipp-Punkte“ des Klimageschehens bereits „aktiviert“ sind (Quelle).

(Protest in Jena)

Gegen das Kohle-Gesetz gibt es viele Proteste, so u.a. von

 

Der Entwurf des „Leitbilds Energie und Klimaschutz 2021-2030 für Jena“, den der Klimaschutz-Beirat erarbeitet hatte, wurde von der Stadtverwaltung vor der Übergabe an die Beschlussfassung im Stadtrat in seinen Bemühungen deutlich abgeschwächt.  Besonders die Vertreter*innen des Runden Tisches Klima und Umwelt, der nach der Ausrufung des Klima-Notstandes für Jena gegründet wurde, um diesem Notstand begegnen zu können, sind darüber mehr als enttäuscht. Von den ParentsForFuture Jena gibt es eine Pressemitteilung:


5. Juni 2020

Pressemitteilung der ParentsForFuture Jena

Stadtverwaltung Jena bleibt bei Maßnahmen gegen den Klimawandel weit unter ihren Möglichkeiten

(mehr …)

Ich befinde mich, gemeinsam mit jeweils ca. 15-25 Menschen gerade virtuell bei einem Wochenend-Treffen „in Hiddinghausen“. Ein Teil dieser Runde trifft sich regelmäßig dort und beschäftigt sich mit Fragestellungen aus der Kritischen Psychologie in Verbindung mit der angestrebten gesellschaftlichen Transformation. Dieses Jahr ist das Thema fokussiert auf die Klima-Krise als Herausforderungen für unsere Vorstellungen vom eigenen Leben und der Transformation. Ich hatte dafür diesen Text mit meinen Gedanken und Infos dazu geschrieben (welcher  dann auch bei einem Workshop besprochen wurde).

Es ging bei den Gesprächen häufig darum, dass es vielen schon jetzt schwer fällt, noch Hoffnung zu haben. Und wir waren im allgemeinen erstaunt, dass es uns trotz der digitalen Schnittstellen zwischen uns (wir benutzen „Big Blue Button“ und Mattermost) recht gut gelingt, miteinander in Verbindung zu kommen und zu bleiben. Heute läuft noch die Auswertung und das Verabreden von weiteren Vorhaben…

Ich kann natürlich nicht alles berichten, was wir erlebt haben bei diesem Seminar. Das Thema war ja eigentlich ein trauriges, wir haben viel über den Verlust von Hoffnungen gesprochen und wie wir damit umgehen. Das war für viele sehr, sehr hilfreich. Alleine, dass man mal drüber reden kann…!

Einige Sprüche sind sicher auch mitteilenswert:

  • The only way out is the way through.
  • „Flatten the curve“ des Absturzes der Menschheit
  • Konkurrenz auskoopierieren!
  • Move slow and repair things!
  • Teil der Landschaft zu sein ist besser als Teil des Problems zu sein (und noch besser, Teil der Lösung zu sein)

Für die Auswertung nutzen wir flinga.fi und das funktionierte ganz hervorragend. Einen kleinen Eindruck mit Augenzwinkern gibts hier:

Gestern abend gabs eine Online-Party. Im „Vorprogramm“ wurden im Party-Channel von Mattermost z.B. solche Lieder geteilt:

 

Im Channel eines Workshops über Flugscham wurde folgendes Video empfohlen:

 

Auch dies hier:

[https://www.youtube.com/watch?v=aNXG0wPzLh0]
(Im Moment funktioniert hier das Verlinken nicht, kopiert die URL am besten)

Ich habs schon im Kino gesehen und finde es wirklich prima.

 

Hier gibts noch ein  Bildchen aus meinem realen Philosophenstübchen zur Partyzeit:

 

Die letzte Seite der Zeitschrift OYA (Mai-Juni 2020) zeigt ein Bild, das den erschreckend steilen (global durchschnittlichen) Temperaturanstieg der letzten Jahre darstellt: Die Temperaturen im Jahresverlauf liegen nach ca. 2015 deutlich höher als vorher und dieses Jahr setzt schon weit oben an.

Gleichzeitig wird das Thema des nächsten Heftes vorgestellt: „Utopien, nein danke?“

Wird das Überleben der menschlichen Zivilisation langsam utopisch?

Wir haben nichts zu sagen? Nicht wirklich. Aber wo sich eine Ritze zur Mitgbestimmung öffnet, sollten wir sie nutzen. Deshalb teile ich den folgenden Aufruf:


Die EU bereitet derzeit den Green Deal vor. Ein Schritt ist dabei der Europäische Klimapakt, mit dem unser breites gesellschaftliches Engagement auf dem Weg zur Klimaneutralität gefördert werden soll. Neben der öffentlichen Thematisierung von Klimakrise, Umweltkrisen und ihren Auswirkungen sollen auch konkrete private Klimaschutzmaßnahmen angeregt werden.

Und nun kommt es ganz krass: Die EU fragt uns (und alle Bürger*innen), wie dieser Klimapakt auszugestalten ist. Doch dazu müssen wir uns ranhalten und bis spätestens 17.06. eine Befragung mitmachen, damit nicht nur Industrielobbyisten Einfluss nehmen.

Weil „Beamtensprache“ aber oft nicht leicht zu lesen ist, gibt es hier neben dem Link zur Befragung noch eine **Ausfüllhilfe**: https://parentsforfuture.de/de/EUKlimapakt

Also: Schnell mitmachen und diesen Aufruf an viele Menschen aus der Klimaschutzbewegung und darüber hinaus weiterleiten!

Mit Deiner Teilnahme kannst Du Initiativen Deiner Wahl fördern und Dich als lokale Klimabotschafter*in bewerben.

Schöne Grüße von der ForFuture-übergreifenden EU-Ausfüllhilfegruppe

Die Bewegung „Extinction Rebellion“ wollte noch nie vorgeben, wie es weiter geht, sondern ihre dritte Forderung (nach zwei anderen) besteht schon immer darin, BürgerInnenversammlungen einzuberufen. Jetzt ist höchste Zeit dazu. Es geht darum, die Abfckpräemie zu verhindern, die Wirtschaftslobby aus dem Bundestag zu werfen und auf demokratischem Weg einen grundsätzlichen Wandel für eine zukunftsfähige (manche sagen auch „enkeltaugliche“) Welt einzuleiten. Wenn wir das nicht auf diesem Wege hinkriegen, müssen wir bei allen Maßnahmen zum Schutz vor den Folgen des Klima-Umbruchs und der Überschreitung der Planetaren Grenzen, das hinnehmen, was uns vorgesetzt wird an Maßnahmen. Die Corona-Krise zeigt uns, wie es obrigkeitsstaatlich geht und wie groß die Gefahr ist, dass demokratische Grundrechte kurz oder lang ausgesetzt werden. Um mit dem Klima-Umbruch umzugehen, der auch längst stattfindet, müssen wir die richtigen Weichen stellen.

Jetzt!!!

Andere machen andere Demos, gründen gar eine neue Partei – in Abwehr der derzeitigen Schutz-Regulierungen. Der Frust wird hier m.E. in die falsche Richtung gelenkt. Zweifel an der Notwendigkeit werden bezüglich Corona genau so gesät wie in Bezug auf die Klimaveränderung. Die Aufregung entlädt sich ganz prinzipiell gegen alles, was dagegen zu tun versucht wird. Eigentlich sind doch Menschen aber nicht so doof, dass sie bewusst die Augen verschließen. Sie machen das, weil sie sich keinen besseren Umgang damit vorstellen können, als einen, der ihre geringen eigenen Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten noch mehr einengt.

Es wäre schön, wenn sie es mit uns gemeinsam anders machen könnten!