Demnächst sind wieder Klimavorträge aus der Zukunftswerkstatt Jena geplant, die ich halten werde. Bis jetzt sind die Veranstaltung noch als Präsenzveranstaltung geplant, ich werde dann mitteilen, falls etwas verschoben oder als Videotreffen durchgeführt wird.

!!! Wird als Videokonferenz stattfinden !!! Termin: 29.10.2020, 10 Uhr
(im Rahmen der „Alternativen Orientierungstage“ an der Uni Jena):
Nach uns die Sintflut! – oder woanders?
Klimagerechtigkeit als Kernforderung in Klimakämpfen

noch unbekannt:
(im Rahmen der „Public Climate School“ an der Uni Jena):
Wieviel Zeit haben wir noch?
Die noch unbequemere Wahrheit.


Teil I


Am Nachmittag dieses ersten Tags des Summits fanden 11 Workshops, u.a. Videokonferenzen mit Menschen in Nigeria und Peru, statt. Besonders spannend war wohl die Beteiligung am Escape-Spiel „Escape Climate Change“ mit Vivienne Kobel von der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen. Das Thema der Klimagerechtigkeit wurde u.a. weitergeführt mit dem sog. Anti-Bias-Ansatz: Hierzu wird von Hanna Göhler (Digital Habitat) erläutert:

„Das englische Wort „bias“ bedeutet übersetzt „Voreingenommenheit“ oder auch „Einseitigkeit“. Anti-Bias versteht sich als intersektionaler Ansatz, der die verschiedenen Formen von Diskriminierung als Ausdruck gesellschaftlich ungleicher Positionen und Machtverhältnisse und ihre vielschichtigen gesellschaftlichen Verstrickungen in den Blick nimmt.“

Weitere Workshops beschäftigten sich mit der „Kunst der Verständigung“ (Stephan G. Geffers von parto), mit der Frage von Entscheidungsprozessen im Handlungsnotstand (mittels der „Betzavta-Miteinander“-Methode mit Petra Eickhoff von parto) und auch der Frage, wie wir trotz der Unsicherheit, Angst, auch Trauer und Verzweiflung wegen der Zerstörungen trotzdem so etwas wie Selbst-Ermächtigung („Empowerment“) erleben und entwickeln können (mit Prof. Kathrin Rothenberg-Elder von den Psychologists for Future). Auch die Nachhaltige Ernährung in der Schule Saskia Meyer, fooderstand Köln), sowie das Stoppen des Wachstums-Mantras (Rainer Kopp, Forum Eltern und Schule) waren Themen.

In „meinem“ Workshop „Wie viel Zeit haben WIR noch? Ich habe die Wahl“ wiederholte ich einige Argumente aus meinem schon online vorhandenen Vortrag zum Thema „Wie viel Zeit haben wir noch?“ Ich treffe darin die Aussage, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse darauf hindeuten, dass es schneller schlimmer kommen könnte, als wir bisher hofften.

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„Die Klimakrise als treibende Kraft für eine zukünftige Schule“

  • Wie gehen Schulen mit Unsicherheiten im Umgang mit den drohenden Klima-Umbrüchen und den unterschiedlichen Interessenlagen und Anforderungen an Schule um?
  • Welches neue Wissen und welche neuen Methoden brauchen Lehrkräfte (s.Kommentar 1) unten), Schülerschaft und Eltern, um gemeinsame Lernprozesse für die Gestaltung einer wünschenswerten Zukunft zu initiieren?
  • Wie entwickeln sich Entscheidungsstrukturen und Aktionsräume, die alle Beteiligten einbeziehen und ermutigen, die Veränderung der eigenen Schule hin zur Nachhaltigkeit voranzubringen?

Dies waren die Leitfragen für den ersten Change School Summit, der vor nun schon zwei Wochen in Köln stattfand. Hier trafen sich am 1. und 2. Oktober fast 70 Menschen aus 13 Schulen, die sich nicht nur über die Klimakrise informieren wollten, sondern auch vorhatten neue Vorhaben für ihre Schule zu planen. Organisiert wurde die Tagung von einer Veranstalter-Kooperation zwischen der parto gUG gemeinnützige Gesellschaft für Partizipation und Organsationsentwicklung Köln, dem Wuppertal Institut und Germanwatch. Für die Teilnahme war es Bedingung, dass sich pro Schule jeweils Schüler*innen und Lehrer*innen beteiligen, damit die Impulse tatsächlich in den Schulen weiterwirken.

Unter Coronabedingungen in einem recht großen Raum sowie weiteren Seminarräumen und ständig mit Maske trafen sich hier Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern und zeitweise gab es Videokonferenzen mit Teilnehmer*innen als Kolumbien, Nigeria und Peru. Ich selbst war auf einem der Workshops als Impulsgeberin eingeladen.

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Es gibt eine neue Studie – diesmal vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie – über die Erfüllbarkeit des Ziels, die globale Temperaturerhöhung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die Studie wurde von Fridays for Future beauftragt, die auch dessen Ergebnisse veröffentlichte.

Es ist ja nicht die erste derartige Studie, aber in dieser sind einige Bemerkungen enthalten, die aufhorchen lassen. In einer Mail für unsere Gruppe der Parents for Future habe ich einiges dazu geschrieben. Ohne weiter in die Tiefe zu gehen, möchte ich diese ersten Gedanken dazu auch hier mitteilen:

In der Mailinggruppe wurde geäußert:

Ist der gesellschaftliche und politische Wille gegeben, stehen der Zielerreichung keine unüberwindbaren Hindernisse entgegen.

Dazu antwortete ich:

Der Wille müsste aber sehr weit reichen. Z.B. müssten die Eigentümer von Ackerland willig sein, bio- und klimagerechte Landwirtschaft einzuführen – die meisten besitzen es aber nur als Kapitalanlage. Dieses Verhältnis, dass Eigentum als Kapital Profite einbringen muss, ist nicht nur durch Willensänderung aufzuheben.

In den Studienergebnissen steht: „Der Aufbau der Infrastruktur für eine klimaneutrale Industrie muss schon beginnen, bevor die Nachfrage danach vorhanden ist. Andernfalls wird die Zeit für den Umbau nicht reichen.“

Das ist richtig. Aber man muss sich bewusst sein, dass das quasi die Marktwirtschaft aushebelt, denn es wird zugegeben, dass auch keine der üblichen marktwirtschaftlichen Nachfragestimulatoren, die bisher genannt wurden, wie die CO2-Bepreisung, mehr ausreichen (oder sie müsste so exorbitant hoch sein, dass damit auch nicht mehr zu wirtschaften ist). Eigentlich wird damit gesagt, dass andere Mechanismen der Wirtschaftsentwicklung her müssen, die letztlich ziemlich restriktiv das durchsetzen müssen, was sachlich notwendig ist…

Und es müsste auch der Wille sein, materiell und energetisch mit viel weniger auszukommen. Und – mal unabhängig von Politik, sondern rein sachlich – es müsste der Wille und die Möglichkeit da sein, sofort fast alle landwirtschaftlichen, Industrie- und anderen Prozesse technologisch so umzubauen, dass sie öko- und klimagerecht werden. Sogar wenn der Wille da ist, braucht dieser technologische Umbau mehr Zeit als bis 2035. Diese technologische Umstellungszeit (allein der Bau der Solarzellen und der Fabriken für Solarzellen… und Windräder ist weder ressourcenfrei noch zeitunkritisch zu realisieren) wird in solchen Studien so gut wie nie berücksichtigt. Diese Lücke wird neuerdings gefüllt mit der Aussage, dass das, was man selber nicht schaffen kann, durch Import von Energie aus Erneuerbaren gemacht werden müsse. Bloß woher? Damit ist das Problem bloß territorial verschoben…

Nicht umsonst sagen die IPCC-Leute jetzt meist: „Es ist GEOPHYSIKALISCH noch möglich, das Ziel zu erreichen…“. Damit lassen sie außen vor, was nicht ihr Fachgebiet ist (die Technologie der Umstellung der Re-/Produktionssysteme und die Politik) – aber man darf diese Aussage eben nicht zu hoffnungsvoll bewerten, dass sie damit eine Aussage über die Realität machen würde, die eben all die längerdauernden Prozesse auch mit enthält.

Interessant, weil so scharf noch nie geäußert, finde ich die Aussage: „Ebenso reicht die verbleibende Zeit nicht mehr, um technologieoffen alle Möglichkeiten der klimaneutralen Produktion zu erkunden.“

Aber ich finde sie auch gefährlich, denn damit wird zum ersten Mal eine Haltung an den Tag gelegt, die einer angstgetriebenen Technokratie Tür und Tor öffnet. Es wird so weit kommen, dass wir uns gezwungen sehen, in Kernenergietechnik einen Ausweg zu sehen, nur um weiter unseren Energiehunger zu stillen, ohne dass die Kernkraftgegner noch eine wirkliche Chance haben, gesellschaftlich gehört zu werden. Gefährlich ist daran nicht nur die Kernkraft, sondern die gesellschaftliche Situation der Ausweglosigkeit! In diese Situation bugsieren wir uns genau jetzt hinein, weil wir für andere Alternativen die Zeit verplempern/verplempert haben (…).

Ich glaube, wir Klimabewegungen müssen uns sehr ernst darauf einstellen, was wir sagen, wenn es immer offensichtlicher wird, dass all die hoffnungsvollen Meldungen nur „Pfeifen im Walde“ sind.

Worauf wir uns dann einstellen müssen, ist ja schon klar: Man setzt dann die Hoffnung auf ausreichende Kapazitäten für Negativemissionen ohne nicht verantwortbare Nebenwirkungen. Ob diese Hoffnung gedeckt ist und wenn ja zu welchen Kosten… wird ja leider noch gar nicht diskutiert und es wird immer mehr zu spät dafür.


Noch mehr Berichte gibts im Youtube-Kanal von XR.

Ich beteilige mich auch dieses Jahr wieder an der Rebellion Wave von Extinction Rebellion. Heute fand, neben anderen Aktionen, der „Trauerzug der toten Bäume“ statt, an dem ich mich beteiligte. Im folgenden gibts einige Fotos davon:

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Hallo,
in welchem Stadium bist Du?

Vielleicht könnt Ihr der Depression entkommen, wenn ihr vorher schon mal bei „Extinction Rebellion“ und vor allem der Rebellion Wave 2020 vorbei schaut?

Zu meiner Kritik an XR und meinen Positionen dazu gibts hier Links zu Texten von mir dazu.

Und trotzdem: Es geht um so vieles! Gerade weil sich so viele von XR abgewandt haben, kommt es jetzt auf jede und jeden an, zu überlegen, ob die Differenzen so groß sind, dass man sich abwenden muss oder nicht doch an dieser Stelle die Gemeinsamkeiten stärkt !

Also, wenn ihr könnt, bitte überwindet euch und unterstützt uns.

Das Bild ganz oben stammt übrigens von den sehr schönen Präsentationen der Psychologists 4 Future.

Hier gibts einen
Offenen Brief mit der
Forderung der Einberufung eines Büger:innerats.
Bitte gerne unterzeichnen!
(hier nur als Gruppe/Institution möglich –
Hier als Einzelperson)

In der vorigen Woche gab es zwei Vorträge von mir zu Klima-Themen. Zuerst informierten Reiner und ich von der Zukunftswerkstatt Jena im KlimaPavillon in Gera über Planetare Belastungsgrenzen (hier die Präsentation aus dem vorigen Jahr dazu) und gesellschaftlich alternative Möglichkeiten, wie wir als Gesellschaften damit umgehen können (ähnlich wie in dieser Präsentation von mir).

Danach hielt ich einen Implusvortrag beim Klima-Café, einer OpenFriday-Veranstaltung zur Weiterbildung „Klimagerecht – Leben – Können“. Mein Beitrag fasste zusammen, wie ernst die Lage inzwischen ist, nachdem ein Vierteljahrhundert zu wenig getan wurde, um die Produktions- und Lebensweise klima- und umweltgerecht umzugestalten. Während Al Gore vor auch schon vielen Jahren mit einem Vortrag „Die unbequeme Wahrheit“ um mehr Beachtung dieses Themas warb, der aber noch relativ optimistisch endete, müssen wir mittlerweile noch unbequemeren Wahrheiten ins Auge blicken und dürfen uns trotzdem nicht vor Verzweiflung lähmen lassen.

Hier gibts die volle Ladung, d.h. den vollständigen Foliensatz zu diesem Thema. Wie wir trotz dieses Wissens weiter leben uns engagieren können, diskutiert z.B. der Text „Klima-Umbruch – Transformation – Lebensführung“.

Bei der Demo am letzten Mittwoch in Jena  gabes einen Redebeitrag aus der Ortsgruppe XR Jena. Der frei gesprochene Text wurde für diese Dokumentation noch einmal verschriftlicht:


Es soll hier mal konkret um das Thema Mobilität gehen. Wie verrückt die derzeitige Lage ist und wie schön es eigentlich sein könnte.

Wer in der Jenaer Innenstadt an einer vielbefahrenen Straße wohnt -wie bspw. der B88- weiß wovon ich rede. Dort ist es so laut, dass sofort das Stresslevel steigt und man nur so schnell wie möglich dort wegkommen möchte. Daher habe ich mich oft gefragt wie könnte es denn ohne die ganzen Autos sein?

Aber fangen wir von vorne an. Warum brauchen wir eigentlich eine Mobilitäts- bzw. Verkehrswende? (mehr …)

Die Freitagsdemo von Fridays for Future und allen Unterstützer*innen fand in Jena diesmal nicht am Freitag, sondern am Mittwoch statt. Nachdem der Runde Tisch Klima und Umwelt in Jena nun ca. 10  Monate lang arbeitete, um die Notwendigkeiten, die durch den ausgerufenen Klimanotstand in Jena bestätigt wurden, in die Planungen der Stadt Jena einzubringen, standen einige dieser neuen Planungen nun im Stadtrat zur Abstimmung. Die Verwaltung hatte schon einige der neuen Forderungen, die am Runden Tisch ausgearbeitet wurden, verwässert. Deshalb schien es mehr als notwendig, den Forderungen nun noch einmal direkt vor dem Volkshaus, in dem der Stadtrat  am 15.7.2020 tagte, Nachdruck zu verleihen.

Es gab zwei Demonstrationszüge, einer als Fahrraddemo, vom Holzmarkt in Jena zum Volkshaus und dort gab es noch eine Kundgebung, die hoffentlich laut genug war, die Abgeordneten zu erreichen.

Trotz des heftig einsetzenden Regens ließen sich die meisten Demonstrierenden nicht vertreiben.

Da angesichts des vorhandenen Monitorings der Treibhausgasemissionen von Jena der Verkehr als der Bereich bekannt ist, bei dem die Emissionen sogar stiegen statt sanken, war diese Problematik das Hauptthema der Demonstration. Es wurde eine Petition für eine „Verkehrswende in Jena! Für Klimaschutz udn Lebensqualität in unserer Stadt!“ verlesen und von vielen unterschrieben. Es kann und sollte weiter unterschrieben werden auf der OpenPetition-Webseite.

Gemacht? Okay, dann kanns weiter gehen… (mehr …)

Der Trick mit ungedeckten Versprechungen

Schon seit 30 Jahren wissen wir, dass die Emissionen von Treibhausgasen drastisch sinken müssen. So gut wie nichts geschah; der reale Emissionspfad übertraf in der Emissionsmenge den „Business as Usual“-Pfad, der 1990 als der schlechtest-mögliche eingeschätzt wurde (siehe die folgende Abbildung unter Verwendung DB 1990: 52). Anstatt bei 36,5 GT CO2-Emissionen pro Jahr (2018) müssten wir weltweit bei ca. 16 GT CO2-Emissionen pro Jahr liegen! Und das zusätzlich ausgestoßene CO2 sammelt sich Jahr für Jahr weiter in der Atmosphäre an.

30 Jahre nach diesen Plänen sind wir noch nicht einmal „in den Knick“ (das Abknicken der Kurve von einer Steigung hin zu einer Senkung) gekommen und die Verzögerung führt dazu, dass die die Neigung der Reduktionskurve immer steiler nach unten weisen muss (d.h. die notwendigen Reduktionsraten steigen enorm). Mit der angestiegenen CO2-Menge in der Atmosphäre verringert sich auch das Zeitfenster, das wir bis zum Aufbrauchen des CO2-Budgets noch haben, d.h. das Ende der Emissionen muss noch zeitiger erreicht werden, als 1990 angenommen. Die durchgezogene rote Linie zeigt die aus heutiger Sicht  notwendige Reduktionskurve im Vergleich zu der von 1990: (mehr …)