Die Welt zu zerstören muss für die Verursacher so weh tun, dass sie es lassen.

Die Zeit für zaghafte Experimente ist vorbei. Wir brauchen einen radikalen Schnitt.

Ein Vierteljahrhundert lang wurde herumprobiert, doch weder Nachhaltigkeitsappelle noch ein marktgängiger Emissionshandel oder der Kuhhandel mit sog. „Clean Development Mechanismen“ brachten wirklich viel für die Umwelt und die Senkung der Treibhausgase. Lediglich der Abbau und Umbau der früher realsozialistischen Industrien bewirkten als ungewollter Nebeneffekt etwas. Ebenso wie bei den bisherigen Wärmedämmungen, Heizungssanierungen usw. waren das aber nur die niedrig hängenden Früchte, und sie reichten längst nicht aus, um wirklich „in den Knick“ zu kommen hin zu einer deutlichen Senkung der jährlichen Treibhausgasemissionen der hochindustriellen Nationen.

Inzwischen ist es ohne die Einbeziehung von Kernkraft und das Versprechen einer später vielleicht funktionierenden technische Entfernung von CO2 („Negativemissionen“) zu spät für eine Bremsung der globalen durchschnittlichen Temperaturerhöhung auf unter 1,5 Grad. Wenn jetzt wieder nur ein wenig herumgespielt wird an den Mechanismen der Wirtschaft, so dass unter dem Motto „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ kein wirkliches abruptes Umsteuern erfolgt, so geht noch mehr Zeit verloren.

Die Maßnahmen dürfen nicht so lasch sein, dass es wieder keiner merkt. Die Welt zu zerstören muss für die Verursacher so weh tun, dass sie es lassen.

(mehr …)

Einen Tag nach der Eröffnung des diesjährigen  Klima-Camps im Leipziger Land (in Pödelwitz) reisten R. und ich mit Bahn und Fahrrad an, um uns ein wenig umzuschauen. Schon von weitem sahen wir das Kraftwerk, an dem an das Dorf angrenzenden Tagebau Schleenhein kamen wir nicht heran.  Stattdessen begrüßten uns Plakate an den Zäunen des Tagebaus mit dem netten Spruch: „Zelt aufschlagen  – friedlich tagen“. Frommer Wunsch: die Braunkohleindustrie gefährdet nicht nur das Dorf, sondern unser aller Atmosphäre und wir sollen schön gemütlich zelten… Die Orte des Klimawandels sind nicht die schmelzenden Gletscher, sondern solche wie hier!!!

(mehr …)

Nach wie vor scheint die „CO2-Steuer“ wie ein Rettungsring zu wirken. Alle hängen sich dran… Und zu viele geben sich damit zufrieden. Dazu hatte ich schon mal meine Position geäußert.

Zuerst einmal würde ich mir ja wünschen, dass bei jedem Beitrag dazu, der zustimmend geteilt wird, zuallerst nachgeschaut wird, ob mindstens schon mal alle Subventionen für fossile Energien und andere CO2-produzierende Geschäftszweige gestrichen werden. Wenn nicht, ist der Debattenbeitrag oder Vorschlag schon mal von vornherein disqualifiziert…

In einem Artikel in der Zeitschrift ak (Nr. 650, 18. Juni 2019, S. 12) fand ich ebenfalls Argumente mit einer Kritik (Autor Alfred Kollmeier von attac Mainz):

Bisherige Bepreisungen von Treibhausgasen brachten keine ausreichenden Ergebnisse:
(mehr …)

Ich habe am vorigen Wochenende in Göttingen einen Vortrag über die Folgen des Klima-Umbruchs gehalten.  Die Folien sind jetzt auf Slideshare hochgeladen; es sind mehr, als ich in Göttingen verwendet habe. Leider  kann ich zu diesem Thema wirklich nicht „viel Spaß“ wünschen…

Vor wenigen Tagen hielt ich einen Vortrag in Göttingen über die Folgen des Klima-Umbruchs. Diese sind während der Hitzetage und anderer Extremwettersituationen unübersehbar geworden. Und dass Gletscher schmelzen, und zwar viel schneller, als bisher befürchtet, bestätigt sich gerade wieder. Gleich zwei Meldungen fallen mir heute ins Auge:

In Island kann man zusehen, wie der Gletscher Okjökull (OK-Gletscher) endgültig wegschmilzt:

(Gletscher OK im Jahr 2014,
Quelle: https://www.visindavefur.is/svar.php?id=31492) (mehr …)

In Jena wurde bei der letzten Stadtratssitzung kein Klimanotstand beschlossen. Der OB spricht in kleinerer Runde von einer  „Klima-Krise“, aber wichtiger wären, so auch die Meinung vieler anderer, echte Maßnahmen. Die Einrichtung von Gremien, die den Stadtrat in irgend einer Weise beraten, beginnt.

Jena steht bei der Senkung von Treibhausgasen seit 1990 auch gar nicht so schlecht da. Entsprechend eines „Berichts zur Umsetzung des  Leitbildes Energie und Klimaschutz und des Energiekonzeptes der Stadt Jena“ (Monitoring 2018) konnten die CO2-Emissionen bereits um fast 69% gesenkt werden. Dies geschah vor allem durch eine Heizungsumstellung in den 1990 Jahren und durch die Verwendung von Ökostrom. Die Emissionen aus dem Verkehr jedoch blieben auf konstantem Niveau. Was nun? Die bisheren Umstellungen können nicht wiederholt werden. Trotzdem sind weiterhin Reduktionen um jährlich 4,5 bis 5% notwendig, wenn die Klimaziele eingehalten werden sollen. „Von derartigen Absenkungsraten ist die Stadt Jena momentan weit entfernt“ meint der Monitoring-Bericht.  Deshalb seien „für die Zielerreichung 2050 noch erhebliche Anstrengungen in der Stadt Jena unumgänglich“.

Das sieht nach einer Blockade aus. Einerseits geht es weiter wie bisher, andererseits müssten grundlegende Neuregelungen des gesellschaftlichen Lebens her. Einerseits wird auf  Maßnahmen gepocht, andererseits darf die Dringlichkeit der Lage nicht mit „Notstand“ bezeichnet werden. Würden nicht die Maßnahmen unter dem Titel „Notstand“ viel energischer und tiefgreifender ausfallen, als unter der  Vorstellung „Eigentlich läufts ja, lasst nur die ggf. auch neu eingerichteten Gremien arbeiten…“?

Bei der Beratung der Scientists&ParentsForFuture mit dem OB sprach letzterer häufig von der Notwendigkeit des „Abwägens“. Und mehrmals kam wieder die Denk- und Handlungsbremse der Finanzierbarkeit zur Sprache. Damit sind die Schranken gesetzt für das, was vom einem vielleicht gebildeten Runden Tisch vorgeschlagen werden kann, um dann in den beratenden und letztlich entscheidenden Gremien als „machbar“ „abgewogen“ zu werden und zur „Maßnahme“ zu werden.

Was dort nicht am Tisch sitzt, ist die Zukunft. Die jungen Leute von FridaysForFuture werden ihren Platz am Runden Tisch und in den Gremien bekommen. In die „Abwägung“ gehen aber stets die derzeitigen finanziellen und anderen Bedingungen ein, und ich befürchte, dass die jungen  Leute dort lernen, das einzusehen.

Was ich einsehe, ist natürlich auch die Tatsache, dass keine beliebige Interessengruppierung einfach so an den demokratischen Institutionen vorbei „durchregieren“ können darf. Ob diese Institutionen und Gremien jedoch so wandlungsfähig sind, dass sie den Herausforderungen gewachsen sind, die jetzt auf uns zukommen, wird sich erst noch zeigen müssen. In das „Abwägen“ muss ein Vorbehalt hinein, dass ab jetzt nichts mehr weitere Treibhausgasemissionen befördern darf und alles auf ihre Senkung hinwirken muss… und ähnliches, was ich  jetzt nicht beschlussreif formulieren kann. Dass sich die Stadt Jena diesem Vorbehalt stellt, sehe ich aber noch nicht. Niemand hat wohl verlangt, den „Notstand“ ohne einen Bezug auf die notwendigen Maßnahmen auszurufen. Und die Maßnahmen müssen sich den echten Herausforderungen stellen und dürfen nicht nur symbolische Ansprüche haben. Beides bedarf einander und ein Auseinanderdividieren hilft nicht voran.

Mit diesem Verweis auf die Notwendigkeit dieses Zusammenhangs zitiere ich hier mal einen kurzen Abschnitt aus verschiedenen Mails, die in den letzten Tagen zwischen den Scientists&ParentsForFuture in Jena kursierten:

 

"Liebe Hausbewohner, die Feuerwehr hat kurz nach dem Beginn
des Brandes den Feuernotstand ausgerufen, bitte haben Sie 
Geduld, bis die Feuerwehr sich konkrete Löschmassnahmen 
ausgedacht und organisiert hat, die durch den Notstand 
legitimiert werden und evtl. sogar geeignet sind, 
Ihr brennendes Haus und seine Bewohner zu retten; 
vorausgesetzt die so irgendwann gefundenen 
Notstands-Massnahmen sind personell und technisch umsetzbar, 
wird die Feuerwehr dann aber bestimmt und umgehend zum Löschen 
anrücken."

 

Dies gehört zu meinem Bericht von der Langen Nacht der Wissenschaften am PIK Potsdam.


Dass der Golfstrom, der das Klima in Nordeuropa stark beeinflusst, schwächer werden könnte, wurde früher einmal vermutet und dann wurde jedoch Entwarnung gegeben. Neuerdings jedoch kommt er wieder ins Gespräch. In einem sehr guten Vortrag von Stefan Rahmstorf, bei dem er von Darstellungen der Klimakatastrophen in Filmen ausging, erklärte er, dass sich der Golfstrom tatsächlich seit 50 Jahren um ca. 15% abgeschwächt hat. So schwach war der Golfstrom seit mindestens 1000 Jahren nicht. Das folgende Bild zeigt, wie sich (links) die Wassertemperaturen verändern, wenn man eine Verdopplung des CO2-Gehalts annimmt (das warme Wasser staut sich dann an der Ostküste der USA) und (rechts) was die Messdaten an Veränderungen seit 1870 zeigen:

(mehr …)