Heute fand die große Freitags-Streik-Demo statt und ich war in Berlin mitten unter den 270 000. Es war mächtig gewaltig.


Inzwischen wissen wir auch, was die Verhandlungen der Regierenden an Maßnahmen erbracht haben. Eine genaue Analyse kann ich jetzt noch nicht machen, verweise aber gerne auf die Position des Klimaforschers Levermann zum beschlossenen Klimapaket.


Morgen bin ich dann selbst aktiv mit einem Workshop auf dem Camp „We 4 Future“ (15 Uhr, Zelt 1).


Und während, wie man sieht, sogar so machtvolle Demonstrationen recht wenig bewirken, geht es ab 07.10.2019 auch in Berlin dann eher ans Eingemachte. Die Bewegung Extinction Rebellion ruft für den 7. Oktober 2019 auch für Berlin zu einem Aufstand gegen das Aussterben auf:

XRIch würde mir wünschen, hier würden sich genau so viele Menschen beteiligen wie heute. Es ist notwendig, sonst wird alle Mühe – auch heute – nicht ausreichen.

 

Was sich viele vorstellen können, erlebte ich auch auf der zweiten Veranstaltung im „Sprechsaal“, auf der ich an diesem Abend war. Neben zwei anderen eher politischen Klimadebatten an diesem Abend, von denen ich erfuhr, las ich im Internet etwas über einen Kongreß mit dem Titel „Ist Freitag Zukunft?“. Das versprach einen mehr künstlerischen Zugang, worauf ich mal richtig Lust hatte und gespannt war. Die musikalisch-textliche Einführung, u.a. mit dem als Schauspieler bekannten Robert Stadlober war auch richtig gut. Danach ging es weiter mit einem kleinen Vortrag zum Stand der Klimaproblematik durch einen Klimawissenschaftler und einem Podium, zu dem außer den bisher Aktiven noch eine Zukunftsforscherin kam. Nach der Thematisierung der Probleme, die – wie Robert Stadlober beim Lesen des DDR-Dissidenten Robert Havemann gefunden hatte – schon sehr alt ist, wurde nun nach Utopien gesucht. Allerdings fiel beim Gespräch über diese Thematik die Bemerkung, dass es vielleicht schon zu spät sein könnte. Wäre das Gespräch nur ganz ernsthaft hier weiter gegangen! Letztlich hat es niemand ertragen. Nein, das kann ja doch nicht sein. Der Klimawissenschaftler verriet, dass er eigentlich auf so was wie ein Wunder warte, denn: bisher habe sich doch oft was vorher noch nicht Geahntes ergeben in der Geschichte, deshalb können wir auch nicht wissen, ob nicht doch noch was erfunden wird, was uns rettet. Okay, wir können es nicht wissen aber eben auch nicht drauf bauen! Einer der Zuhörer baute in einem kurzen Beitrag aber schon auf das, was auch als Climate-Engineering bekannt ist. Er erwähnte das ganz selbstverständlich, unhinterfragt. So weit ist es also schon. Ich hatte grad auf der Zugfahrt eine Zusammenfassung zum Stand dieser Techniken gelesen, wobei die Bilanz ernüchternd war. Zu aufwendig, zu wenig effektiv, zu wenig Land für die einzigen sinnvollen biologisch aktiven Technologien vorhanden (oder in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion).

Ich sitz da so da, schaue mir an, worauf so die Hoffnung gesetzt wird…  und denk mir meinen Teil. Es wird noch eine Weile dauern, bis das große Erschrecken kommen wird über die Vergeblichkeit dieser Hoffnungen. Ich hab auch nicht immer Lust, sie zu zerstören, denn was hilft es den Leuten, die endlich aufgewacht sind, nun gleich noch unglücklicher zu werden. Sie suchen erst mal nach den nächstliegenden Rettungsringen. Wie auch jene, die auf die CO2-Bepreisung setzen. Mal sehen, wie viele wir noch ausprobieren, bis wir uns zu schwimmen trauen.


Und am 21.09.2019 berichte ich beim „We 4 Future“-Camp ab 15 Uhr im Zelt 1 über meine Gedanken zu den Zukunftsaussichten für die Menschheit zwischen Dystopie und Eutopie…

Ich fuhr nicht nur nach Berlin, um am Samstag meinen Workshop im „We 4 Future“-Camp zu halten (21.9., 15 Uhr, Zelt 1), sondern gleich an meinem Anreisetag (19.09.) besuchte ich zwei Veranstaltungen.

Zuerst hörte ich ab 17 Uhr im großen Hörsaal der Technischen Uni die „Climate Lecture“ von Prof. O. Edenhofer zum Thema „Zwischen Klimademos und Klimakabinett – wie die CO2-Bepreisung gelingen kann.“ Nach dem Vortrag gab es noch eine Podiumsdiskussion, u.a. mit Luisa N. als Vertreterin von FridaysForFuture.

Wer meinen Blog mitliest, weiß, dass ich der CO2-Bepreisung kritisch gegenüberstehe. Aber ich höre mir ja auch gern mal die Argumente an. O. Edenhofer begründete die Bepreisung damit, dass aufgrund ausreichender fossiler Ressourcen (die einer Emission von 15 000 Gt CO2 entsprechen) deren Preise nicht von allein steigen werden. Schon lange vorher müssen wir ihren Abbau dieser Ressourcen vor ihrem Verbrauch stoppen. Wenn wir bei 2 Grad über dem früheren globalen Temperaturmittel bleiben wollen, dürfen wir nur noch die Menge an fossilen Brennstoffen abbauen, die 1 100 Gt CO2 entspricht und bei 1,5 Grad sind es sogar nur 400 Gt. (mehr …)

Ich bin in Berlin und nehme anlässlich des Klimastreik-Aufrufs für den 20.09.19 einige Tage lang an dem Camp „We 4 Future“ teil.

Am 21.09. werde ich zwischen 15 und 18 Uhr im Zelt 1 einen Workshop haben.

Thema:
„Gemeinsam… geht vor Katastrophe.
All Days For Future“

Inhaltlich geht es um Folgendes:

Das „Ende der Geschichte“ ist vorbei – am Scheideweg zwischen dystopischen und lebenswerten Zukünften hat unser Handeln hier und heute größte Bedeutung. Das Problem ist nicht das Klima oder die Natur – viel wichtiger ist unser Umgang damit. Es geht um Mit-Menschlichkeit oder Konkurrenz, Ausgrenzung oder globale Kooperation, Raubzüge oder Commoning… Wir entscheiden.

Wirtschaftliche Aktivitäten sind eine große Quelle für Treibhausgase. Direkt stammten 2016 7% der Treibhausemissionen aus Industrieprozessen. 14% der energetisch bedingten Emissionen stammen aus der Industrie.

Wenn also die Erwachsenen – zumindest jene in den Bereichen, in denen diese Emissionen entstehen – ebenso wie die Schüler*innen von FridaysForFuture echt jeden Freitag streiken würden, könnten diese Emissionen um ein Fünftel reduziert werden.

Leider wird dieser Effekt in der neuen Studie des Umweltbundesamts zur Frage: „Arbeitszeitverkürzung – gut fürs Klima?“ nicht untersucht. (mehr …)

Diesmal hat es geklappt. Mit 25 gegen 15 Stimmen und einer Enthaltung beschloss der Stadtrat den „Klimanotstand“ für Jena. Gerade ist es nicht mehr so heiß und auch die Dürrefolgen liegen für die Normalbürger*innen im kaum wahrnehmbaren Bereich. Was wird sich nun für Jena ändern? Bleibt es bei bloßer „Symbolpolitik“, wie der Oberbürgermeister kritisierte? Was ändert sich, wenn alle Stadtratsbeschlüsse einem Klimacheck unterzogen werden?

Wie wird es aussehen, wenn eine Großstadt wie Jena „Der Klimakrise mit höchster Priorität“ begegnet, wie beschlossen?

Wir werden das Argument des Oberbürgermeisters ernst nehmen und darauf achten, dass es nicht Symbolpolitik bleibt und dass es nicht ein „Beschluss ohne Konsequenzen“ bleibt, wie der Channel „jezt.de“ titelte.  Die neuen Gremien (Erweiterung des Stadtentwicklungsausschusses um die Themen  Klimaschutz und Nachhaltigkeit, Klimaschutzbeirat, kommunale Klimaschutzkoordinierungsstelle) werden durch Klima-Aktivist*innen unterstützt. Ob das reicht?

FridaysForFuture und seine Unterstützer*innen, auch das Klimanetz Jena sowie die Ortsgruppe Jena von Extinction Rebellion werden mit Nachdruck auf das Überschreiten der symbolischen Ebene und auf Konsequenzen pochen. (mehr …)

Der Solarenergie-Förderverein Deutschland (SFV) hat gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und Einzeklägern eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht eingereicht. Grund: die unzureichende Klimapolitik in Deutschland.

Zum Hintergrund der Klage heißt es vom SFV:

Um die Grundrechte auf Leben, Gesundheit und Eigentum zu schützen, muss Deutschland mindestens die im Pariser Klima-Abkommen vereinbarte Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad gegenüber vorindustriellem Niveau einhalten und in der EU sein Gewicht dafür in die Waagschale werfen und die Emissionen in maximal zwei Dekaden in allen Sektoren auf null bringen. Zwar hat die Politik demokratische Entscheidungsspielräume. Diese erlauben es grundrechtlich jedoch nicht, die Grundlagen menschlicher Existenz und damit auch der Demokratie zu untergraben. Genau das riskiert aber die unambitionierte deutsche Klimapolitik.

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