Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“. (Version 1.8, 25.10.2018)


Die Autoren des Buchs „Kapitalismus aufheben“ wollen „die objektive Möglichkeit der Veränderung und ihre Bedingungen aufzeigen“ (S&M: 9). Die Kategorie „Möglichkeit“ lässt sich wie auch der Begriff des „Begriffs“ (siehe 4.3.1.) in unterschiedlicher Weise interpretieren. Da gibt es zuerst die abstrakte Möglichkeit (Möglichkeit I). Friedrich Engels kritisiert die Philosophie Schellings deswegen, weil sie eine „Nichtsausschließende“ ist und sein will, „denn möglich ist am Ende alles. Es kommt aber darauf an, daß der Gedanke sich bewähre durch seine innere Kraft, sich zu verwirklichen“ (Engels MEW 41: 187). Die abstrakte Möglichkeit (I) besagt einfach nur, dass das als abstrakt-möglich gekennzeichnete Wirkliche nicht unmöglich ist und sich selbst nicht widerspricht (vgl. HW 6: 204). Dabei wird von Bedingungen und Umständen abstrahiert. Dass gesellschaftliche Verhältnisse inklusionslogisch gestaltet sind, ist sicher nicht unmöglich und widerspricht sich nicht selbst. Ihre abstrakte Möglichkeit ist also gegeben. Insofern ist auch die von Stefan und Simon erstrebte „kategoriale Utopie“ auf Grundlage der überhistorischen „menschlich-gesellschaftlichen Möglichkeiten“ (S&M: 104) möglich, aber eben nur im abstrakten Sinne. (mehr …)

Advertisements

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“. (Version 1.8, 25.10.2018)


Wie schon erwähnt, kritisierten Marx und Engels in ihrer Auseinandersetzung mit früheren Weggefährten und Vorbildern z.B. an Feuerbach, dass er „die Menschen nicht in ihrem gegebenen gesellschaftlichen Zusammenhange, nicht unter ihren vorliegenden Lebensbedingungen“, sondern als „Abstraktum „der Mensch““ betrachtet (MEW 3, DI: 44). Dies kennzeichnet den Wandel vom „anthropologischen Materialismus […] zum historischen“ (Mocek 1988: 222). Übrigens hatte auch Aristoteles vor, „jene staatliche Gemeinschaft zu betrachten, die für Menschen, die möglichst nach Wunsch leben können, von allen die beste ist…“ (Aristoteles Politik: 31). Er unterschied dabei die „schlechthin beste Verfassung“ von der „nach Umständen beste[n]“ (ebd. 123). Die Bedeutung der Umstände zeigt sich auch an der Bedeutung konkreter technischer Möglichkeiten, denn Sklaven als „beseeltes Besitzstück“ (ebd.: 7) wären unter bestimmten Umständen nicht mehr notwendig, denn „wenn so auch das Weberschiff von selber webte und der Zitherschlägel von selber spielte, dann brauchten allerdings die Meister keine Gesellen und die Herren keine Knechte.“ (ebd.)

Auch in den ethnologischen Exzerptheften von Marx findet deren Herausgeber, Lawrence Krader, „den Marxschen Übergang von der Kritik des abstrakten menschlichen Gattungswesens zur empirische Erforschung besonderer Gesellschaften“ (Krader 1976: 91). Marx begreift demnach „den Menschen zunächst als gesellschaftlichen Menschen, ohne ein inneres, außerhalb der Zeit stehendes Wesen, ohne von seinen Verhältnissen in der Gesellschaft und in der gesellschaftlichen Produktion, einschließlich seiner Selbsterzeugung, unterschiedenes Wesen.“ (ebd.: 88) Die Theorie „vom Menschen“ kann deshalb keine andere sein, als eine über wirkliche Menschen, und „[v]om Feuerbachschen abstrakten Menschen kommt man aber nur zu den wirklichen Menschen, wenn man sie in der Geschichte handelnd betrachtet“ (Engels MEW 21: 290). (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“. (Version 1.8. seit 25.10.18)


4.2.1 Kritik am Maßstab des Begriffs?

„Jede Kritik besitzt ein Fundament, eine Position (eine positive Aussage), von der aus ein Zustand als falsch, schmerzlich oder unnötig kritisiert werden kann.“ (S&M: 112) Die Utopie ist „implizit in jeder Negation enthalten“ (ebd.: 113), denn in jedem Aufbegehren über Ungerechtigkeit steckt die Utopie der Gerechtigkeit.

Was ist nun diese positive Aussage, aus deren Nichtrealisierung die Kritik entsteht? Ist sie die Charakterisierung eines (durchaus auch dynamischen) späteren Zustands (z.B. die „gerechte Welt“, die „freie Gesellschaft“?) oder enthält sie einen Leitfaden, an dem sich der Fortschritt entlanghangeln könnte (bei Hegel etwa: Vernunft und Freiheit) oder reicht es aus, hier und heute ganz konkrete unentfaltete Potenziale zu finden (wie die Arbeitszeitersparnis durch neue Technologien, die nicht zur Lebensbereicherung der Arbeitenden führt?…) (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.

…und ist eigentlich aus Versehen schon so zeitig gepostet worden. An der Numerierung sieht man, dass er logisch erst viel später geplant ist… Viele Bemerkungen und Begriffe nehmen Bezug auf vorherige, noch nicht veröffentlichte Teile. Also bitte gedulden und dann noch mal mitdenken…


Das Verhältnis zwischen einer Position bzw. einem Gegebenen und dessen Überschreitung wird von Hegel als „Grenze“ bzw. „Schranke“ diskutiert. Er geht von Spinozas Erkenntnis „Alle Bestimmung ist eine Negation“ aus (Omnis determinatio est negatio, vgl. HW 8: 196). Etwas hat seine wesentliche Qualität nur innerhalb seiner Grenze, die Qualität selbst ist diese Grenze: „Etwas ist durch seine Qualität das, was es ist, und indem es seine Qualität verliert, so hört es damit auf, das zu sein, was es ist.“ (ebd.: 195). Hegel verwendet an dieser Stelle übrigens eine schöne Lebensweisheit zur Illustration:

„Der Mensch, insofern er wirklich sein will, muß dasein, und zu dem Ende muß er sich begrenzen. Wer gegen das Endliche zu ekel ist, der kommt zu gar keiner Wirklichkeit, sondern er verbleibt im Abstrakten und verglimmt in sich selbst.“ (ebd.: 197).

(mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Ein Buch zur rechten Zeit: In dieser Zeit des Aufschwungs der „rechten“ Bewegungen wird der Gedanke ernst genommen, dass es so wie bisher nicht weiter geht. Damit es nicht nur in die rechte Richtung weiter geht, werden dringend links-alternative Ziel- und Wegbeschreibungen gesucht. Dass der Kapitalismus aufgehoben werden soll, ist so sicher, dass es nicht einmal begründet werden muss im Buch von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz (im folgenden abgekürzt als S&M) mit dem Titel: „Kapitalismus aufheben“. Im Wort „Aufheben“ steckt die Dreieinigkeit, einen Zustand zu beenden, aber gleichzeitig auch etwas zu bewahren und auf diese Weise hin-auf zu heben. Das heißt für den Übergang von der kapitalistischen Welt hin zu einer besseren, und wenigstens gedanklich sogar der bestmöglichen aller menschlichen Welten, dass „es beispielsweise den Verwertungszwang abzuschaffen [gilt], bestimmte Produktionsverfahren zu bewahren und die globale Verfügung über unsere Lebensbedingungen qualitativ so zu gestalten, dass niemand mehr herausfällt.“ (S&M: 9)
(mehr …)

Zum Buch „Kapitalismus aufheben“
von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz

Das Buch „Kapitalismus aufheben“ von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz vereint viele Gedanken, deren Entwicklung ich zum Teil schon ca. 20 Jahre lang mitverfolgt habe. Debatten zu den hier besprochenen Themen liefen im Kontext des Projekts „Oekonux“ und später des Blogs „Keimform“. Dieses Buch zieht also gewissermaßen Bilanz – zumindest aus der Sicht der Autoren. Es legt einen theoretischen Rahmen fest und öffnet sich dann auch weiteren Diskussionen, vor allem da, wo festgestellt werden muss, dass keine eindeutigen Antworten auf wichtige Fragen dazu, wie wir den „Kapitalismus aufheben“ könnten, gegeben werden können.

Ich selbst gehe davon aus, dass auch der theoretische Rahmen noch diskussionswürdig ist. Um meine damit verbundene Kritik begründen zu können, muss ich meist etwas weiter ausholen. Im schlimmsten Fall könnte diese Kritik länger als das Buch werden (wird es aber nicht ;-)), weil ich ja vor allem auf inhaltliche Verkürzungen und Reduzierungen aufmerksam machen und diese wenigstens kurz skizzieren will. Ich nenne auch viele Zitierungen, um eine weitere Beschäftigung mit den Inhalten anzuregen und zu ermöglichen. Manchmal ziehe ich auch frühere Texte eines der Autoren, Stefan Meretz, zu Rate, insbesondere wo entsprechende Ausführungen im Buch „Kapitalismus aufheben“ fehlen, aber ihre Ergebnisse mit zugrunde gelegt werden (wie z.B. zum Fehlen der Kategorie „Klasse“).

Was mich bewegt beim Aufschreiben dieser Texte, ist nicht der Wunsch, an dem Buch herumkritteln zu können; es ist ein wenig Enttäuschung darüber, dass durch bestimmte kategorische (!) Begriffseinengungen viele interessante Fragestellungen abgeschnitten wurden und im Verlaufe des Schreibens erfreue ich mich immer mehr daran, solche Fragestellungen aufzugreifen und wenigstens für mich selbst einmal genauer zu durchdenken. Es wäre schön, wenn andere auch Gefallen an dieser „Verkomplizierung“ haben…

Inhaltsverzeichnis der folgenden Blogbeiträge:
(mehr …)

Schon lange war absehbar, dass das kleine Pflänzchen Hoffnung, das sich mit dem zehnjährigen Erfolg des Erneuerbare-Energien-Gesetz am Anfang dieses Jahrtausends aufzurichten begann, ziemlich massiv unter Druck steht. Angeblich im Interesse der weiteren Bezahlbarkeit von Energie und im Interesse der Wirtschaft sowieso werden seit mehreren Jahren argumentative Nebelbomben geworfen, denen zu widersprechen immer ein ganzes Stück Arbeit und Anstrengung erfordert. Aber glücklicherweise gibt es dabei Unermüdliche und ihre Ausarbeitungen sind immer sehr wertvoll und verdienen ein genaueres Studium.

Deshalb will ich auch nicht weiter labern, sondern gleich weiter verlinken auf den neuen Solarbrief 3/2013 des Solarenergie-Fördervereins Deutschland e.V., aus dem auch die treffende Karikatur ist:

Energiewende 2013

(„Keine halben Sachen, Altmaier! Wenn schon Energiewende, dann auch um 360°!!“)

(Bildcopyright „copyright: sfv / mester“)

Hier gibts den ganzen Vortrag (eine Stunde):