Ab heute leben wir hier in Deutschland auf Kosten der Substanz, des Kapitals, dessen, was uns die Ressourcen und Reproduktionszyklen auf dem Planeten Erde für das ganze Jahr zur Verfügung stellen können.

Es ist Earth Overshot Day für Deutschland.

Bis zu diesem Tag haben wir alles verbraucht, was uns für dieses Jahr zusteht.* Aber anstatt uns mit dem zu bescheiden, was die freigiebige Natur uns gewährt, verbrauchen und zerstören wir sie immer schneller. Der Earth Overshot Day, den es seit Anfang der 70er Jahre gibt, liegt jedes Jahr zeitlich früher als in den Jahren vorher:

(Quelle des Bildes: https://www.overshootday.org/newsroom/country-overshoot-days/)

Und natürlich gibt es Unterschiede: wenige Reiche verbrauchen extrem viel mehr als viele Arme. Eine solche Differenzierung sieht man auch, wenn man die Länder miteinander vergleicht:

(Quelle des Bildes: https://www.overshootday.org/newsroom/country-overshoot-days/)

Nue eine Folge davon: Seit den 70er Jahren, also als ich ein Kind war, hat sich die durchschnittliche Populationsgröße der Wirbeltierarten um fast 60% verringert.

Global gesehen bräuchte die Menschheit derzeit 1, 75 Planeten wie die Erde und die Deutschen 3,1 Planeten, um ihren Ressourcenhunger zu stillen und den natürlichen Prozessen ausreichend Regenerationsmöglichkeiten zu lassen.

Wie lange kann das so weiter gehen?

(Quelle des Bildes: https://www.bundjugend-bw.de/aktionstipp-earth-overshoot-day-2016/)

In einem Blog gabs eine nette Grafik, die das aktuelle Motto „Flatten the Curve“ aufgreift:

(Quelle des Bildes: http://www.vonstietencron.de/sinan/)

* Es mag sein, dass durch Corona echt eine kurze Zeit lang weniger produziert und konsumiert wird. Durch die entsprechenen Wirtschaftsförderprogramme wird das aber wieder ausreichend kompensiert werden.

Aufgrund von Covid-19 fand das halbjährig stattfindende Wochenend-Treffen des Commons-Instituts (CI) über Videokonferenzen statt, so dass ich teilweise daran teilnehmen konnte. Wer möchte, kann bei solchen Treffen Workshops einbringen und hosten. Mir fiel dabei ein, womit ich mich gerne weiter mit anderen beschäftigen möchte und brachte das dann als Workshop-Vorschlag für die jetzt folgende „Open-Space-Woche“ mit ein. Dafür eröffnete ich auch  Mattermost-Kanäle im MM-Bereich des CI. Die Themen sind:

  • Klima und Commons
  • Wissenschaftstheorie zu den Commons-Konzepten/Theorien
  • Kämpfe um Commons

Zu letzterem hab ich heute in „keimform.de“ einen Beitrag veröffentlicht:

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“. (Version 1.8, 25.10.2018)


Die Autoren des Buchs „Kapitalismus aufheben“ wollen „die objektive Möglichkeit der Veränderung und ihre Bedingungen aufzeigen“ (S&M: 9). Die Kategorie „Möglichkeit“ lässt sich wie auch der Begriff des „Begriffs“ (siehe 4.3.1.) in unterschiedlicher Weise interpretieren. Da gibt es zuerst die abstrakte Möglichkeit (Möglichkeit I). Friedrich Engels kritisiert die Philosophie Schellings deswegen, weil sie eine „Nichtsausschließende“ ist und sein will, „denn möglich ist am Ende alles. Es kommt aber darauf an, daß der Gedanke sich bewähre durch seine innere Kraft, sich zu verwirklichen“ (Engels MEW 41: 187). Die abstrakte Möglichkeit (I) besagt einfach nur, dass das als abstrakt-möglich gekennzeichnete Wirkliche nicht unmöglich ist und sich selbst nicht widerspricht (vgl. HW 6: 204). Dabei wird von Bedingungen und Umständen abstrahiert. Dass gesellschaftliche Verhältnisse inklusionslogisch gestaltet sind, ist sicher nicht unmöglich und widerspricht sich nicht selbst. Ihre abstrakte Möglichkeit ist also gegeben. Insofern ist auch die von Stefan und Simon erstrebte „kategoriale Utopie“ auf Grundlage der überhistorischen „menschlich-gesellschaftlichen Möglichkeiten“ (S&M: 104) möglich, aber eben nur im abstrakten Sinne. (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“. (Version 1.8, 25.10.2018)


Wie schon erwähnt, kritisierten Marx und Engels in ihrer Auseinandersetzung mit früheren Weggefährten und Vorbildern z.B. an Feuerbach, dass er „die Menschen nicht in ihrem gegebenen gesellschaftlichen Zusammenhange, nicht unter ihren vorliegenden Lebensbedingungen“, sondern als „Abstraktum „der Mensch““ betrachtet (MEW 3, DI: 44). Dies kennzeichnet den Wandel vom „anthropologischen Materialismus […] zum historischen“ (Mocek 1988: 222). Übrigens hatte auch Aristoteles vor, „jene staatliche Gemeinschaft zu betrachten, die für Menschen, die möglichst nach Wunsch leben können, von allen die beste ist…“ (Aristoteles Politik: 31). Er unterschied dabei die „schlechthin beste Verfassung“ von der „nach Umständen beste[n]“ (ebd. 123). Die Bedeutung der Umstände zeigt sich auch an der Bedeutung konkreter technischer Möglichkeiten, denn Sklaven als „beseeltes Besitzstück“ (ebd.: 7) wären unter bestimmten Umständen nicht mehr notwendig, denn „wenn so auch das Weberschiff von selber webte und der Zitherschlägel von selber spielte, dann brauchten allerdings die Meister keine Gesellen und die Herren keine Knechte.“ (ebd.)

Auch in den ethnologischen Exzerptheften von Marx findet deren Herausgeber, Lawrence Krader, „den Marxschen Übergang von der Kritik des abstrakten menschlichen Gattungswesens zur empirische Erforschung besonderer Gesellschaften“ (Krader 1976: 91). Marx begreift demnach „den Menschen zunächst als gesellschaftlichen Menschen, ohne ein inneres, außerhalb der Zeit stehendes Wesen, ohne von seinen Verhältnissen in der Gesellschaft und in der gesellschaftlichen Produktion, einschließlich seiner Selbsterzeugung, unterschiedenes Wesen.“ (ebd.: 88) Die Theorie „vom Menschen“ kann deshalb keine andere sein, als eine über wirkliche Menschen, und „[v]om Feuerbachschen abstrakten Menschen kommt man aber nur zu den wirklichen Menschen, wenn man sie in der Geschichte handelnd betrachtet“ (Engels MEW 21: 290). (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“. (Version 1.10. seit 12.01.19)


4.2.1 Kritik am Maßstab des Begriffs?

„Jede Kritik besitzt ein Fundament, eine Position (eine positive Aussage), von der aus ein Zustand als falsch, schmerzlich oder unnötig kritisiert werden kann.“ (S&M: 112) Die Utopie ist „implizit in jeder Negation enthalten“ (ebd.: 113), denn in jedem Aufbegehren über Ungerechtigkeit steckt die Utopie der Gerechtigkeit.

Was ist nun diese positive Aussage, aus deren Nichtrealisierung die Kritik entsteht? Ist sie die Charakterisierung eines (durchaus auch dynamischen) späteren Zustands (z.B. die „gerechte Welt“, die „freie Gesellschaft“?) oder enthält sie einen Leitfaden, an dem sich der Fortschritt entlanghangeln könnte (bei Hegel etwa: Vernunft und Freiheit) oder reicht es aus, hier und heute ganz konkrete unentfaltete Potenziale zu finden (wie die Arbeitszeitersparnis durch neue Technologien, die nicht zur Lebensbereicherung der Arbeitenden führt?…) (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.

…und ist eigentlich aus Versehen schon so zeitig gepostet worden. An der Numerierung sieht man, dass er logisch erst viel später geplant ist… Viele Bemerkungen und Begriffe nehmen Bezug auf vorherige, noch nicht veröffentlichte Teile. Also bitte gedulden und dann noch mal mitdenken…


Das Verhältnis zwischen einer Position bzw. einem Gegebenen und dessen Überschreitung wird von Hegel als „Grenze“ bzw. „Schranke“ diskutiert. Er geht von Spinozas Erkenntnis „Alle Bestimmung ist eine Negation“ aus (Omnis determinatio est negatio, vgl. HW 8: 196). Etwas hat seine wesentliche Qualität nur innerhalb seiner Grenze, die Qualität selbst ist diese Grenze: „Etwas ist durch seine Qualität das, was es ist, und indem es seine Qualität verliert, so hört es damit auf, das zu sein, was es ist.“ (ebd.: 195). Hegel verwendet an dieser Stelle übrigens eine schöne Lebensweisheit zur Illustration:

„Der Mensch, insofern er wirklich sein will, muß dasein, und zu dem Ende muß er sich begrenzen. Wer gegen das Endliche zu ekel ist, der kommt zu gar keiner Wirklichkeit, sondern er verbleibt im Abstrakten und verglimmt in sich selbst.“ (ebd.: 197).

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Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Ein Buch zur rechten Zeit: In dieser Zeit des Aufschwungs der „rechten“ Bewegungen wird der Gedanke ernst genommen, dass es so wie bisher nicht weiter geht. Damit es nicht nur in die rechte Richtung weiter geht, werden dringend links-alternative Ziel- und Wegbeschreibungen gesucht. Dass der Kapitalismus aufgehoben werden soll, ist so sicher, dass es nicht einmal begründet werden muss im Buch von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz (im folgenden abgekürzt als S&M) mit dem Titel: „Kapitalismus aufheben“. Im Wort „Aufheben“ steckt die Dreieinigkeit, einen Zustand zu beenden, aber gleichzeitig auch etwas zu bewahren und auf diese Weise hin-auf zu heben. Das heißt für den Übergang von der kapitalistischen Welt hin zu einer besseren, und wenigstens gedanklich sogar der bestmöglichen aller menschlichen Welten, dass „es beispielsweise den Verwertungszwang abzuschaffen [gilt], bestimmte Produktionsverfahren zu bewahren und die globale Verfügung über unsere Lebensbedingungen qualitativ so zu gestalten, dass niemand mehr herausfällt.“ (S&M: 9)
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