marx Während der Beschäftigung mit dem Thema „Bedürfnisse“ wies mich Tom K. auf ein Buch von Agnes Heller mit dem Titel „Theorie der Bedürfnisse bei Marx“ hin. Auf der Rückseite ihres Buches steht die fundamentale Frage: heller

„Die Bedürfnisstruktur der kapitalistischen Gesellschaft gehört zur kapitalistischen Gesellschaft – allein und ausschließlich. Wenn aber ein Bedürfnissystem zu einem gegebenen gesellschaftlichen Gebilde gehört, wie können dann die subjektiven Kräfte zustande kommen, die diese Gesellschaft stürzen?“

Einzeltexte hierzu:

Dieser Beitrag gehört zum Themenkomplex:
„Bedürfnisse über den Kapitalismus hinaus – bei Marx und Heller“


„Ihr lacht wohl über den Träumer, der Blumen im Winter sah?“
(Franz Schubert und Wilhelm Müller, Die Winterreise, Frühlingstraum;
Eingangszitat im Buch von Agnes Heller)

Karl Marx bezieht sich häufig auf menschliche Bedürfnisse, verwendet diesen Begriff aber eher unsystematisch und auch inkohärent. In der Kritischen Psychologie wurde eine Theorie der Bedürfnisse schon von Ute Holzkamp-Osterkamp (1977) entwickelt und von Klaus Holzkamp (1985) in seine „Grundlegung der Psychologie“ integriert. Später tauchen die Bedürfnisse als Moment von Gründen in der Behandlung des Begründungsdiskurses nicht mehr auf (außer z.B. bei Krauss 1998), obwohl damit ein großes Potential verschenkt wird. (mehr …)

Dieser Beitrag gehört zum Text „Über Bedürfnisse“.


Wenn es um menschliche Bedürfnisse geht, so ist einerseits zu berücksichtigen, dass viele von ihnen einen Grundlage darin haben, dass Menschen tierische Organismen sind, aber andererseits ist auch der qualitative Unterschied herauszuarbeiten, durch den sich Menschen von allen anderen Tieren unterscheiden. Im folgenden Kapitel wird deshalb die Besonderheit der Menschen als gesellschaftliche Wesen untersucht, bevor die Folgen der  Gesellschaftlichkeit der Menschen für menschliche Bedürfnisse betrachtet werden. Die meisten Überlegungen dazu stammen aus der „Grundlegung der Psychologie“ von Klaus Holzkamp (1985), d.h. aus der Kritischen Psychologie, die an vielen Stellen auch eine Art „Anthropologie“ entwickelte. 

2.1 Gesellschaftlichkeit (mehr …)

Version 1.3 (06.01.2017)


Menschen brauchen ständig etwas. Als lebendige Wesen benötigen sie Nahrung, Wasser und Luft; als soziale Wesen sind sie angewiesen auf angenehme und förderliche gesellschaftliche Beziehungen. Der Zustand des „Etwas Brauchens“ oder „Etwas Benötigens“ wird „Bedürfnis“ genannt. Alles, was Menschen tun, ist auf die Befriedigung von Bedürfnissen ausgerichtet. So weit, so gut – aber auch so abstrakt. Interessant wird es, wenn wir betrachten, wie unterschiedlich die Bedürfnisbefriedigung erfolgt. Und streitbar wird es spätestens bei der Frage, ob alle Menschen im Grunde die gleichen Bedürfnisse haben, oder nicht. Politisch spannend wird es, wenn als Ziel die Bedürfnisbefriedigung aller Menschen zum Ziel erhoben wird und gleichzeitig ökologische Begrenzungen des Naturverbrauchs berücksichtigt werden müssen. (mehr …)

Der Widerstand gegen die Stationierung neuer Kernwaffen in West und Ost und auch die Anti-Atombewegung konnte einst hunderttausende Menschen mobilisieren. Heute ist ziemliche Ruhe eingekehrt, nur noch einzelne Aktivisten und Gruppen versuchen, die Mauer des Desinteresses zu durchbrechen und auch andere Gefahren, die eher in der Zukunft auf uns und unsere Kinder warten, lassen die meisten Menschen ziemlich kalt.

Es gibt dafür ein passendes Gleichnis: Werfen Sie einen Frosch lebend ins heiße Wasser und er wird versuchen, gleich wieder rauszuspringen. Wenn Sie den Frosch aber ins kalte Wasser setzen und erst nach und nach erwärmen… könnte er drin sitzen bleiben, bis… es zu spät ist.

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Die häufig schlechte Anpassung von Menschen an Verschiebungen unserer Lebensbedingungen zeigt sich auch am Desinteresse an einem dem entsprechenden Vorausdenken. Erst vor kurzen saß ich wieder nach einem schlecht besuchten Vortrag über die globalen Probleme mit den wenigen Unentwegten und die Diskussion mündete wie üblich schnell in die Frage: Und warum sind die anderen nicht hier? Und: Wie können wir anders auf sie zugehen, damit sie künftig gemeinsam mit uns eine bessere Zukunft gestalten können als die uns bedrohende?

Ich kann darauf keine einfache Antwort geben. Wofür sich Menschen interessieren, wie sie auf Problemstellungen reagieren, hängt aber oft mit Phänomenen zusammen, die wir kennenlernen sollten, um besser damit umgehen zu lernen.

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Die Ferienuni „Kritische Psychologie“ rief und über 800 Menschen meldeten sich an. Die Räumlichkeiten in der Alice Salomon Hochschule boten nicht so viel Platz wie die Freie Universität bei den letzten Ferienunis. Aber es war viel los.
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Es fanden täglich echte einführende Veranstaltungen in Holzkamps „Grundlegung der Psychologie“ entlang der auch online vorhandenen Einführung von Stefan Meretz statt. Andere Vorträge befassten sich mit philosophischen Grundlagen oder dem Verhältnis zum Marxismus und dessen neueren Entwicklungen. Im Programm gab es auch für die PraktikerInnen viel Raum. Das betraf vor allem die vielfältige Berufspraxis von PsychologInnen. Neu war der Versuch, die Praxis der Kollektiven Selbstverständigung auf der Ferienuni zu beleben und auch durchzuführen. Hier wird der Anspruch der Kritischen Psychologie, Begriffe „für Menschen zur Klärung/Verallgemeinerung je meiner Welt- und Selbsterfahrung“ (Holzkamp) bereitzustellen, ernst genommen. (mehr …)

Ich bin wieder in Berlin bei der Ferienuni Kritische Psychologie. Diese findet vom 13.-17.September 2016 an der Alice Salomon-Hochschule in Berlin statt.

Ferienuni 2016
Bei meinem Vortrag geht es um die Dialektik bei der Begründung der Kategorien der Kritischen Psychologie durch Klaus Holzkamp.

Er findet am 14.09.2016 von 10.00 bis 12.00 Uhr statt.
(Ankündigung der Veranstaltung)

Ich beteilige mich auch an der Führung und Auswertung von Gesprächen der Kollektiven Selbstverständigung. Ich war ja bei der vorigen Ferienuni (2014) etwas traurig gewesen, weil meine Versuche, Interesse an der Weiterentwicklung der Sozialen Selbstverständigungs-Praxen zu finden, auf nicht viel Resonanz gestoßen war (siehe meine damalige Sicht darauf). Aber siehe da… es gab dann von mir unabhängig mehrere Ansätze dazu, die sich schließlich im diesjährigen Treffen in Hiddinghausen fokussierten. Dieser Schwung wird nun auch in die Ferienuni mitgenommen und ich bin gespannt, was wir hier erleben und gestalten können…