Viele kennen vielleicht die sog. Maslowsche Bedürfnispyramide (hier die erweiterte Form aus Wikipedia):

beduerfnispyramide

Diese Pyramide gibt’s mittlerweile mit weiteren Ergänzungen nach unten: So wird als Grundbedürfnis genannt: „WLAN“ und Witzbolde fanden noch ein tieferes Bedürfnis: „Akku“!
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Die eben genannten Spezifika des Gesellschaftlichen haben auch Folgen für die Bedürftigkeit der Menschen. Sie sind zwar auch biologische Wesen, die durchaus auch unter physiologischen Mangelzuständen leiden, aber der Hunger hat für Menschen eine andere Bedeutung als für Tiere. Schon innerhalb der Tierwelt gibt es verschiedene Entwicklungsstadien von Bedarfszuständen und Aktivitäten ihrer Befriedigung. Das beginnt bei einer „weitgehend am Stoffwechselgeschehen orientierte[n] Bedürftigkeit der niederen Tierformen“ (Holzkamp-Osterkamp 1077: 191). Im Verlauf der phylogenetischen Entwicklung entwickelt sich vor allem die individuelle Lernfähigkeit, so dass Tiere höherentwickelter Tierarten Fähigkeiten für vielfältigere Aktionsmuster haben. Zur Befriedigung eines Bedarfs gehört nicht nur das Erreichen des befriedigenden Gegenstands (Futter etc.), sondern auch das Ausüben der entsprechenden Aktivität (Jagen). Es entsteht ein „gegenüber den einzelnen inhaltlichen Bedarfszuständen verselbständgte[r] übergeordnete[r] „Bedarf nach Umweltkontrolle“ […] außerhalb der jeweiligen Ernstsituation“ (ebd.: 190). Auch das Neugier- und Explorationsverhalten, lernende und übende Verhaltensweisen und der Bedarf nach sozialen Kontakten sind „“bedarfsmäßig“ abgesichert“ (Holzkamp-Osterkamp 1976/1990: 37). In Tiergärten und Zoos wird seit längerer Zeit darauf geachtet, dass die Tiere nicht nur ihr Futter vorgesetzt bekommen, sondern ihre artgerechten Verhaltensweisen, z.B. beim Suchen und Jagen nach dem Futter, ebenfalls ausleben können. (mehr …)

Die logisch-historische Ableitung der „biologisch-naturgeschichtlichen Gewordenheit“ nehmen in dem Buch von Ute Holzkamp-Osterkamp („Grundlagen der psychologischen Motivationsforschung 1“) über 200 Seiten ein und die „neue Qualität der gesellschaftlichen Entwicklung“ (ebd.: 229) weitere 150 Seiten. Sie kann deshalb hier nicht einmal ansatzweise angemessen referiert werden. Festzuhalten sind jedoch folgende Ergebnisse:

  • Dadurch, dass Menschen durch Arbeit ihre eigenen Lebensbedingungen schaffen, sind die veränderten bzw. hergestellten Gegenstände Vergegenständlichungen menschlicher Zwecke und Fähigkeiten (ebd.: 233) im Kontext der „übergreifenden Notwendigkeiten der Lebenssicherung“ (ebd.: 235) und tragen Bedeutungen, die über die Phase der unmittelbaren Nutzung hinausgehen (Das Spezifikum der menschlichen Werkzeugherstellung wird in der „geplante[n] Werkzeugherstellung für künftige Gelegenheit“ (ebd.: 232) gesehen).
  • Menschliche Tätigkeit bezieht sich auf diese bedeutungsvolle Umwelt innerhalb der jeweils konkreten historischen Entwicklungsstufe der Menschheit (ebd.: 235).
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Methodik der Kritischen Psychologie für die Kennzeichnung menschlicher Charakteristika

Die genannten Begriffsbestimmungen von Rubinstein und Leontjew leiden wie fast alle anderen an einer gewissen Willkürlichkeit. Wie können wir vom willkürlichen „Ausdenken“ von Definitionen wegkommen? Gibt es andere als „bloß äußerliche, unabgeleitete Klassifikationen“, wie Ute Holzkamp-Osterkamp die vorhandenen kritisiert (Holzkamp-Osterkamp 1976/1990: 117)? Die Alternative sieht Holzkamp-Osterkamp darin, den Begriff der Bedürfnisse wie andere Begriffe zur Kennzeichnung von menschlichen Charakteristika „aus den materiellen Entwicklungsnotwendigkeiten des Übergangs von der bloß biologischen zur gesellschaftlichen Lebenserhaltung und der progressiven Entfaltung der Produktionsweise“ abzuleiten (ebd.: 124). (mehr …)

Dieser Beitrag gehört zum Themenkomplex:
„Bedürfnisse über den Kapitalismus hinaus – bei Marx und Heller“


Während bei Agnes Heller in diesen Bestimmungen der kommunistischen Bedürfnisse immer noch die Vorstellung des Unentfremdeten enthalten ist, war sich Marx sicher, dass die Menschen ihre schöpferischen Anlagen herausarbeiten „ohne andre Voraussetzung als die vorhergegangne historische Entwicklung, die diese Totalität der Entwicklung, d.h. der Entwicklung aller menschlichen Kräfte als solcher, nicht gemessen an einem vorhergegebenen Maßstab“ erfolgt (GR, MEW 42: 396). Dass „jedes Individuum Repräsentant der bewusstgewordenen und realisierten Gattungsmäßigkeit“ werden kann, „ das in jedem anderen Menschen den Repräsentanten der realisierten Gattungsmäßigkeit erkennt und sich zu ihm als solchem in Beziehung stellt“ (Heller 1974/1980: 143) – wie weiter oben schon zitiert –, kann damit nicht einfach aus einer „Aufhebung der Entfremdung“ erhofft werden. (mehr …)

marx Während der Beschäftigung mit dem Thema „Bedürfnisse“ wies mich Tom K. auf ein Buch von Agnes Heller mit dem Titel „Theorie der Bedürfnisse bei Marx“ hin. Auf der Rückseite ihres Buches steht die fundamentale Frage: heller

„Die Bedürfnisstruktur der kapitalistischen Gesellschaft gehört zur kapitalistischen Gesellschaft – allein und ausschließlich. Wenn aber ein Bedürfnissystem zu einem gegebenen gesellschaftlichen Gebilde gehört, wie können dann die subjektiven Kräfte zustande kommen, die diese Gesellschaft stürzen?“

Einzeltexte hierzu:

Einen umfassenden Text über Bedürfnisse gibt es jetzt im Philosophenstübchen als pdf.

Dieser Beitrag gehört zum Themenkomplex:
„Bedürfnisse über den Kapitalismus hinaus – bei Marx und Heller“


„Ihr lacht wohl über den Träumer, der Blumen im Winter sah?“
(Franz Schubert und Wilhelm Müller, Die Winterreise, Frühlingstraum;
Eingangszitat im Buch von Agnes Heller)

Karl Marx bezieht sich häufig auf menschliche Bedürfnisse, verwendet diesen Begriff aber eher unsystematisch und auch inkohärent. In der Kritischen Psychologie wurde eine Theorie der Bedürfnisse schon von Ute Holzkamp-Osterkamp (1977) entwickelt und von Klaus Holzkamp (1985) in seine „Grundlegung der Psychologie“ integriert. Später tauchen die Bedürfnisse als Moment von Gründen in der Behandlung des Begründungsdiskurses nicht mehr auf (außer z.B. bei Krauss 1998), obwohl damit ein großes Potential verschenkt wird. (mehr …)