Klaus Holzkamp legte Wert darauf, dass das Methodische zu gemeinsamen Selbstverständigungsprozessen nicht zu einem festen Ablaufplan gerinnt. Denn die Beteiligten sollen selbst den Fahrplan schreiben. Das Ganze soll aber auch nicht einfach mit einem „Gut, dass wir mal drüber gesprochen haben…“ enden. Wenn schon die Begrifflichkeit der Kritischen Psychologie nicht trivial ist, so ist ihre Verwendung im gemeinsamen Gespräch sicher nicht einfacher.

Das Konzept der Kritischen Psychologie setzt z.B. voraus, dass die gesellschaftlichen Bezüge herausgearbeitet werden, wobei diese aber vom Standpunkt und die Perspektive des individuellen Subjekts aus betrachtet und diskutiert werden. Es wird davon ausgegangen, dass das Handeln und dessen Begründung innerhalb von Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnissen widersprüchlich sind und deshalb nicht eindeutig und offensichtlich zu erfassen sind. Diese Widersprüchlichkeit führt vor allem dazu, dass wir erst – und das oft gegen einen verständlichen Widerstand – herausarbeiten müssen, wie die gängigen und häufig verwendeten Begründungsmuster den Lebensentwürfen des Individuums sogar entgegen wirken, obwohl sie in ihrer Anwendung erst einmal auch „subjektiv funktional“ sind. Dies erfordert schon einige methodische Vorüberlegungen. Außerdem bauen jeweils folgende Phasen und Schritte auf vorherigen auf, deshalb ist die Reihenfolge auch nicht beliebig. (mehr …)

alf
Die „Kritische Psychologie“ hat ein ganzes System von Kategorien entwickelt, bei denen es nicht mehr darum gehen soll, aus Sicht von PsychologieexpertInnen über andere Menschen zu sprechen, sondern allen Begriffe in die Hand zu geben, mit der sie ihre eigene Selbst- und Welterfahrung besser verstehen können. Es geht um die „Selbstverständigung über die interessengeleiteten Beweggründe und Konsequenzen meines je eigenen Handelns in kritischen Lebenssituationen“. (Holzkamp 1996: 166)

Das Buch „Grundlegung der Psychologie“ (Holzkamp 1983) ist theoretisch sehr anspruchsvoll und trotz aufklärender Handreichungen wie „Die „Grundlegung der Psychologie“ lesen“ von Stefan Meretz (2012) oder des Versuchs der „Einführung in die Kritische Psychologie“ von Morus Markard (2009) blieb bisher oft unklar, wie diese Begriffe zur angestrebten Selbstverständigung genutzt werden können.

Ein neues Büchlein kann hier ein Stück weiter helfen. In ihm wurden Beiträge zum Thema „Alltägliche Lebensführung“ aus der Sicht der Kritischen Psychologie zusammen getragen. Kurt Bader und Klaus Weber stellen mehrere Beiträge von ihnen selbst, von Ute Ostkamp, Klaus Holzkamp, Ole Dreier, Frigga Haug und anderen zusammen, die vielfältige Herangehensweisen und Erfahrungen zeigen. (mehr …)

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Ich lese grad in einem Büchlein folgenden Absatz:

„Wir funktionieren wie am nicht enden wollenden Fließband, drehen unsere Runden, immer wieder, solange nichts passiert. […] Das kann doch nicht das ganze Leben sein!

 

Nein, ist es auch nicht. Es ist die Absicherung uns elementar scheinender Lebensregelungen. Diese Elemente alltäglicher Lebensführung – die übrigens auch den Arbeitsalltag vieler strukturieren – halten uns den Rücken frei. Wofür? Für das Leben, für das „eigentliche“ Leben – für Sinn, Perspektive, Glück und Liebe. Aber wo finden wir das „Eigentliche“?“ (Bader 2016: 95)

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Kann das wirklich nicht das ganze Leben sein? Gibt es für alle Menschen noch so etwas wie das „Eigentliche“? Gibt es das für Dich, für Sie? Wie ist es aushaltar, dass das Hamsterrad alle Kräfte schlaucht und immer weniger für das „Eigentliche“ übrig bleibt? Lässt es sich zusammenbringen?

Buchcover

Beim Wiederlesen einiger utopischer Romane bei der Beschäftigung mit dem Thema einer geldfreien Utopie stieß ich wieder auf den Roman von Angela und Karlheinz Steinmüller: „Andymon“ aus der DDR von 1982. Das Thema „Geld“ gibt es dort gar nicht, so selbstverständlich geht’s auch ohne. Wenn man auf der Suche nach gesellschaftlichen Möglichkeiten außerhalb ausgetretener kapitalistischer oder realsozialistischer Pfade ist, gibt es in diesem Roman viele Anregungen.

Weiterlesen im Keimform-Blog…

afd
Da wirft mir doch glatt ein Blog-Kommentator vor, ich säße im Elfenbeinturm. Dabei hab ich mir nun schon bei vielen politischen Aktionen viele Stunden lang den Hintern abgefroren, hab mir ein Handgelenk beim Wegtragen von einer Blockade durch einen Polizeigriff versauen lassen, die Füße platt gestanden und gelaufen und den Mund fusslig geredet.

Auch gestern wieder. In Jena wollte die AfD die Scharte vom 20.1. auswetzen und beweisen, dass mit ihr zu rechnen ist. Die Gegenaktionen sollten diesmal in Schach gehalten werden. Das zeigte das Polizeiaufgebot, das die Innenstadt seit dem Nachmittag absolut dicht machte. Wie gut funktioniert so etwas?

Wutbürger 1
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Streifzuege 65

Einer der Texte, die ich zuerst nur für den Blog aufarbeiten wollte, und der sich dann immer weiter entwickelt hat, ist jetzt in der Zeitschrift „Streifzüge“ gedruckt erschienen.

Gleichzeitig erschien er im Internetportal „Linksnet“.


Ich habe schon erwähnt, dass die jungen Leute in den digitalen Spielen bestimmte Eindrücke und Erfahrungen sammeln, die Meinungen und Überzeugungen über die Welt außerhalb der Spiele stark prägen.

„Games show them how the world works.“ (Beck, Wade 2006: 133)

Für die soziale Welt gilt dabei z.B.: Es geht immer um Wettbewerb und im sozialen Bereich gibt es Unterordnung sowie Konkurrenz und Verbündete. Die Gamer lernen auch, mit welchen Strategien sie in einer solchen Welt ihren Heldenstatus immer weiter festigen und sich verbessern können.
Sie lernen hier, dass das Leben in einem freien Markt nicht fair ist, und dass nur das von Wert ist, wofür andere zu bezahlen bereit sind (ebd.: 150) Wenn soziale Beziehungen durchgespielt werden, so geht es jeweils um ein begrenztes, unpersönliches Ziel (ebd.: 118). Und nach Beck und Wade ist das gut so, denn: „so is business“.

„Man spiele, was die Gesellschaft sowieso von den Bürgern möchte: Aufbau, Leistung, Konkurrenz, Weiterkommen. Nur mache es in diesem Fall Spass.“ (P.M. Ong, zitiert in Quelle)

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Die jungen Menschen der Gamer-Generation haben viele Stunden mit den digitalen interaktiven Spielen verbracht. Und sie haben darin agiert und viel leichter gelernt als durch Bücher oder Worte. Sie haben beim Spielen gelernt, wie die Welt funktioniert und wer sie sind.

„Bathing in a powerful interactive media technology, for hundreds and even thousands of hours each, during their most formative years – how could that not have an effect?“ (Beck, Wade 2006: 15)

Was haben sie aus den Spielen über die Welt gelernt? (mehr …)


Die Autoren Beck und Wade sehen in der Generation, die in eine Welt voller digitaler Spiele über Konsole oder PC hineingewachsen ist, eine deutlich von der vorigen Generation, den Baby-Boomern, zu unterscheidende Kultur. Diese Generationen vertreten recht unterschiedliche Weltanschauungen (Beck, Wade 2006: 19), was mit den Unterschieden ihrer Leitmedien zusammen hängt. Während die Boomer geprägt sind vom Fernsehen, sind die Gamer von den digitalen Spielen geprägt, deshalb wachsen sie anders auf, spielen, lernen, fühlen und denken sie anders (ebd.: 177).

Beck und Wade werten eine Umfrage unter tausenden Gamern und Boomern unterschiedlicher Altersgruppen aus und fanden deutliche und scharfe Differenzen zwischen diesen Gruppen bezüglich Zielstrebigkeit, der Art der Erfahrung, der speziellen Fähigkeiten (ebd.: 44).
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Inhalte sind noch zweitranging

Für Lesefans sind Spiele meist inhaltlich zu leer und aussagelos. Gamer meinen aber, dass es auf die Inhalte gar nicht ankommt, sondern auf „die Möglichkeit, Welten auf Bildschirme zu zaubern, auf die der Spieler in irgendeiner Form einwirken kann“ (Mertens, Meißner 2002: 73).

„Romane beschreiben, wie Menschen sich fühlen, wenn sie auf ihr bisheriges Leben zurückschauen und daraus für ihr weiteres Leben Konsequenzen ziehen wollen. Computerspiele beschreiben die Möglichkeiten, die sich jeden Moment ergeben und die man genau dann nutzen muß. Man kann nicht darüber nachdenken, sondern muß handeln. So oft und so viel es geht. Alles kann Möglichkeiten bieten, alles muß erforscht werden, es muß immer weiter gehen, es gibt keine Pause.“ (Mertens, Meißner 2002: 86)

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