Klaus Holzkamp legte Wert darauf, dass das Methodische zu gemeinsamen Selbstverständigungsprozessen nicht zu einem festen Ablaufplan gerinnt. Denn die Beteiligten sollen selbst den Fahrplan schreiben. Das Ganze soll aber auch nicht einfach mit einem „Gut, dass wir mal drüber gesprochen haben…“ enden. Wenn schon die Begrifflichkeit der Kritischen Psychologie nicht trivial ist, so ist ihre Verwendung im gemeinsamen Gespräch sicher nicht einfacher.

Das Konzept der Kritischen Psychologie setzt z.B. voraus, dass die gesellschaftlichen Bezüge herausgearbeitet werden, wobei diese aber vom Standpunkt und die Perspektive des individuellen Subjekts aus betrachtet und diskutiert werden. Es wird davon ausgegangen, dass das Handeln und dessen Begründung innerhalb von Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnissen widersprüchlich sind und deshalb nicht eindeutig und offensichtlich zu erfassen sind. Diese Widersprüchlichkeit führt vor allem dazu, dass wir erst – und das oft gegen einen verständlichen Widerstand – herausarbeiten müssen, wie die gängigen und häufig verwendeten Begründungsmuster den Lebensentwürfen des Individuums sogar entgegen wirken, obwohl sie in ihrer Anwendung erst einmal auch „subjektiv funktional“ sind. Dies erfordert schon einige methodische Vorüberlegungen. Außerdem bauen jeweils folgende Phasen und Schritte auf vorherigen auf, deshalb ist die Reihenfolge auch nicht beliebig. (mehr …)

poyamory

Manche Bücher, die ich verschenke, lese ich vorher selbst. Dazu gehört auch die Einführung in das Thema Polyamory von Thomas Schroeter und Christina Vetter bim Schmetterlingsverlag.

Sie beziehen sich in diesem Buch auch auf die Formulierung der „vielfältigen Lebensweisen“ nach Jutta Hoffmann. Die Praxis und Konzeption der vielfältigen Lebensweisen lehnt die bisher vorherrschende „Dreieinigkeit von Liebe, Sexualität und Lebensform (Ehe)“ ab. (mehr …)

Im Zusammenhang mit der Suche nach Praxisbezügen der Kritischen Psychologie bin ich schon vor Jahren in einem Seminar auf die “Erinnerungsarbeit” nach Frigga Haug gestoßen. Wir haben in diesem Seminar die Methode ausprobiert und danach habe ich mich durch ihre Texte dazu gelesen. Erinnerungsarbeit

Das Wichtigste möchte ich jetzt zusammenfassen, damit es aufgenommen werden kann in die neueren Versuche, Soziale Selbstverständigung zu praktizieren.

Die Erinnerungsarbeit nach Frigga Haug betrifft nicht die geschichtliche Erinnerung, sondern ist eine Methode, die eigene Person und das eigene Handeln im gesellschaftlichen Kontext besser zu verstehen, um Behinderungen und Beschränkungen überwinden zu können. (mehr …)

Seit einigen Tagen genieße ich meinen Jahresurlaub. Bereichert wird er durch eine Dinner-Show (Weihnachtsfeier von der Arbeit aus), ein Treffen mit Freunden, dem Besuch der Tochter. Diese Freuden umrahmen schöne Stunden, in denen ich so leben kann, wie ich es mir am meisten wünsche: Lesen, Denken, Grübeln, Schreiben, neu lesen, neu nachdenken, auf neue Gedanken kommen, diese anderen mitteilen können… (mehr …)

Den letzten vernünftigen Gedanken hatte ich in der Nacht zu Montag- jetzt ist Freitag mittag. Zuletzt war ich „Ich selbst“ beim Aufschreiben des nächtlichen Gedankens. Nach dem Aufstehen am Montag morgen funktionierte ich bloß noch. Ich kratzte mein Auto frei, (mehr …)

Adventsgrüße

Ich hab diesmal hier aufm Dorf endlich mal nicht mitbekommen, wie schon im Oktober und November in den Einkaufspassagen die Weihnachtsstimmung erzwungen werden sollte. Das Abwehren dieser falschen Stimmung hat es mir immer schwer gemacht, dann zur tatsächlichen Weihnachtszeit zu spüren, ob da nicht doch so etwas einziehen kann wie Beruhigung und Besinnung. (mehr …)

Ohne Selbstdisziplin würde ich mein Doppelleben nicht hinkriegen – dachte ich zumindest immer. Nach des Tages oder der Woche Lohnarbeit beginnt mein eigentliches Leben hier zu Hause am Schreibtisch. Es war mir zwar noch gelungen ein Stückchen meiner „Berufung“ zum Beruf zu machen, aber nicht mehr zum Job.

Also auf in die Tretmühle und in der Freizeit ist der Riemen dann eigentlich öfter runter. Um da noch was zu reißen, z.B. die Dissertation nebenbei zu schreiben, erfordert(e) doch so was wie Selbstdisziplin.

Vielleicht hätte das Buch mit dem schönen Titel

DINGE GEREGELT KRIEGEN –
ohne einen Funken Selbstdisziplin

schon eher geschrieben werden sollen? Dann hätt ich mir einiges erspart. Dieses Buch von Kathrin Passig und Sascha Lobo (aus dem Jahr 2008) nimmt die Rede und die Praxis der Selbstdisziplin kritisch unter die Lupe. Die Autor_innen rechtfertigen ihre eigene Abwendung von der Selbstdisziplin und erläutern dann an vielen Beispielen, wieso viele Nicht-Selbstdisziplinierte doch vieles auf die Reihe kriegen. Sie hinterfragen einfach bisherige Selbstverständlichkeiten:

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