Ein Panel auf der Konferenz „Great Transformation: Die Zukunft moderner Gesellschaften“ beschäftigte sich mit dem Ökosozialismus. Später las ich nach, dass es ein „Netzwerk Ökosozialismus“ gibt. In Bezug auf die Einschätzung der Lage waren alle Beteiligten hier sehr drastisch. Frieder Otto Wolf etwa sagte: „Wir müssen die Katastrophen jetzt einbauen in die Realität.“ Das entspricht etwa dem, was mir klar wurde, als ich „Crashtest für Utopien“ schrieb.

Diese Lage führt auch dazu, dass man sich den Sozialismus nicht mehr als möglichst reiche Gesellschaft ohne Mangel vorstellen kann, sondern es geht, so Bruno Kern, um eine „absolute Verbrauchsreduktion“. Dies relativierte Frieder Otto Wolf, indem er von selektiver Schrumpfung, Aufrechterhaltung wichtiger Bereiche und gar Wachstum anderer (wie ökologischer Landwirtschaft) sprach. Und dies alles geht nicht mit und im Kapitalismus, sondern erfordert eine neue Gesellschaftsform, den Sozialismus. Sozialismus wird in unterschiedlichem Maße verbunden mit Staatlichkeit. Nicht alle teilen die Meinung von Bruno Kern, der von der Notwendigkeit einer verstärkten Staatlichkeit zu Beginn der Umgestaltung (aufgrund ihrer Durchsetzungsmacht angesichts widerstrebender Interessen) ausgeht. Alle verweisen auf die entscheidende Rolle von „Aktivität und Selbsttätigkeit der Menschen“ (Wolf). In der Diskussion verwies ich darauf, dass die Erfahrung gezeigt hat, dass gerade ein stark agierender Staat diese Selbsttätigkeit der Menschen radikal einschränkt. Das ist nicht nur eine Folge von Unterdrückung, sondern auch von Bequemlichkeit: Immer wenn jemand anders sich den Hut aufsetzt, kann ich mich zurück lehnen.

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Auf diese Seite kommt im September die lange Version meines Artikels für die Marxistischen Blätter…

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


Dem entspricht auch der Verzicht der Thematisierung der Klassenstruktur in Klassengesellschaften. Als neue Begriffe der Unterscheidung dessen, wovon die Transformation ausgeht und wohin sie führen soll wird nicht mehr vom Übergang von Klassengesellschaften zu einer klassenloser Gesellschaft gesprochen, sondern vom Überwinden der Exklusionslogik und der Durchsetzung der Inklusionslogik als gesellschaftliches Prinzip (S&S: 155). Exklusionslogik kennzeichnet Bedingungen, die den Menschen nahelegen, ihre Bedürfnisse auf Kosten anderer zu befriedigen (ebd.: 31), während die Bedingungen in einer inklusionslogischen Struktur den Menschen nahelegen, die Bedürfnisse anderer mit einzubeziehen (ebd.: 34). (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Über Utopie und Transformation neu nachdenken“.


5.1. Aufhebungstheorie

Das gerade vorgestellte kategorial-utopische Ziel soll durch eine aufhebende Transformation aus dem jetzigen Zustand heraus  erreicht werden. Kategorial-utopisch wurden Bedingungen des Commonismus genannt, die dann verwirklicht sein sollen: Freiwilligkeit und kollektive Verfügung, wie sie auch im idealisierten Commonsbegriff enthalten sind. Aus der Möglichkeit, wie sie erst einmal unabhängig von konkret-historischen Bedingungen entwickelt wurde, soll eine konkret-historische Wirklichkeit nach dem Kapitalismus werden. (mehr …)

Ich habe bereits einen ersten Teil meiner Kommentierung und Kritik an dem Buch „Kapitalismus aufheben“ von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz veröffentlicht.

In den nächsten Tagen wird der zweite Teil erscheinen, der sich auf auf das Thema Transformation/Keimformtheorie bezieht.

Frigga Haug hat im vorigen Jahr ein neues Buch mit vorwiegend schon älteren Texten veröffentlicht, die sie durch Vor- und Zwischenworte nachträglich in einen persönlichen Entwicklungs- und Erkenntnisweg einordnet. Ich kann es nur empfehlen, wenn man sich mit der Vielfalt ihrer Gedanken und Praxen einlesen möchte oder mehr Hintergründe dazu wissen möchte. Deshalb habe ich auch eine Rezension für die junge Welt geschrieben.

Zur Rezension bei der jungen Welt

Dieser Beitrag gehört zum Text „Trägt oder trügt die Hoffnung aus einer dialektischen Geschichtsphilosophie?“


Die dialektische Entwicklung in der Geschichte verbürgte für viele MarxistInnen ihren Fortschrittsoptimismus. Kuczynski schrieb nach der „Wende“: „Der einzige Trost in der gegenwärtigen Situation ist, daß man weiß, wie auch Engels sagt, daß die Geschichte im Zickzack verläuft, und daß sich letztlich stets die fortschrittliche Zickperiode durchsetzt.“ (Kuczynski 1994: 92) Ist er damit ein „hoffnungsloser Fall von Optimismus“, wie das Buch heißt, aus dem dieses Zitat entnommen ist? Ernst Bloch jedenfalls wusste um die Möglichkeit des Scheiterns (EP: 70), der Vereitelung der Utopie (PH 364): „Also, Hoffnung muß enttäuscht werden können, sonst kann sie keine Hoffnung sein.“ (Bloch 1975: 233) (mehr …)