Ich habe in den letzten Tagen das Buch „Die Utopie des Sozialismus…“ von Klaus Dörre gelesen. Dazu werde ich eventuell später noch einiges in eigenen Beiträgen dazu referieren. Zuerst möchte ich jedoch meine Auswertung auf das in meinem Blog zuletzt angestoßene Thema der Klassen fokussieren.

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Es kommt nicht drauf an, immer mehr Energie irgendwo herzubekommen, ob nun von veralteten Großtechniken (Kernenergie!) oder wasserstoffbasierten Energietechniken oder auch ganz allgemein aus sich erneuernden Energien. Sondern wir müssen weniger Energie brauchen!

Die verletzbar machende Abhängigkeit von Energie-Importen, die wir grad erleben/erleiden, ist nur ein Argument dafür.

Die Entwicklung der neuzeitlichen Industriegesellschaft im Kapitalismus ist eng mit einem immer weiter steigenden Energieverbrauch verbunden. Letztlich beruht auch ein großer Teil der Arbeitsproduktivitätssteigerung auf einer Substitution (einem Ersetzen) von lebendiger Arbeitskraft durch andere Energien (die bisher vor allem durch fossile Energien gespeist werden).

Geht es auch mit weniger Energie? Natürlich! Dazu gibt es eine „Datenbank für Energieeffizienz“ und diese wird in einem Webinar am 16.03. 2022 vorgestellt. Kann ich nur empfehlen…

In einem meiner letzten Vorträge gab es danach die Frage, ob es überhaupt Länder gäbe, die einigermaßen nachhaltig sei, in denen also die Reproduktion der natürlichen Lebensgrundlagen möglich sei bei gleichzeitiger Erfüllung sozialer Bedürfnisse. In anderen Vorträgen hatte ich ein Diagramm gezeigt, bei dem auf der y-Achse (also nach oben) der Human Development Index aufgetragen wird, was ein Maß für das Wohlergehen der Menschen sein soll und auf der x-Achse der durchschnittliche (!) ökologische Fußabdruck eines Menschen im entsprechenden Land (in Hektar pro Person).

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Dieser Beitrag gehört zum Thema: „Mentalitäten und sozial-ökologische Transformation“


Es wäre verfehlt, das Wissen über die vorhandenen Mentalitäten wie in Zielgruppen-Marketingstrategien nutzen zu wollen, um Menschen manipulierend in die eigene Richtung drängen zu wollen. Aber es ermöglicht, „Vorschläge, Anknüpfungspunkte und Strategien für einen solchen Wandel zu benennen, der einerseits durchgreifend genug wäre, um diese historisch neue Herausforderung zu bewältigen, andererseits aber global ausreichend demokratische Unterstützung erhielte, um auch im Konflikt mit den strukturell verankerten fossilen Steigerungsimperativen und um den unvermeidbar extrem hohen monetären Preis, den er mit sich brächte, durchsetzbar zu sein“ (Eversberg u.a. 2021: 82). Gleichzeitig können aber auch Gegenkräfte erkannt werden, wo die Unterschiede zwischen den Mentalitäten durch gegensätzliche Kräfte bestimmt sind, die sich weder durch Aufklärung noch durch andere Praxen „versöhnen“ lassen.

Die folgende Abbildung (aus Eversberg 2020: 106) zeigt die mit den Mentalitäten verbundenen Varianten von Wandlungskonzepten (die im Text von Eversberg 2020: 9-10 auch erläutert werden):

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Die drei Grundformen der im vorigen Beitrag gezeigten Umweltmentalität sind folgende (ebd.: 89f., Abb. von S. 105):

  • ökosozial: mit transformationsfreundlichen Einstellungen und hoher Veränderungsbereitschaft im linken sozialen Raum (30%).
  • liberal-steigerungsorientiert: Träger:innen des flexibel-kapitalistischen Wirtschaftsmodells (mehr als ein Drittel) sowie
  • regressiv-autoritär: stark defensiv gegen ökosozial motivierten gesellschaftlich-politischen Veränderungen (ca. 25%).

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Dennis Elversberg von der Forschungsgruppe „Mentalitäten im Fluss. Vorstellungswelten in modernen bio-kreislaufbasierten Gesellschaften“ (flumen) in Jena untersuchte die Vielfalt solcher individuellen Mentalitäten. Hierzu wertete er Befragungen im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts aus. Es geht ihm dabei um die „“Landschaft“ der in der Bevölkerung verbreiteten Einstellungsmuster“ (Eversberg 2020: 7). Für die Auswertung verwendet er eine Diagrammdarstellung des „sozialen Raums“, die von Pierre Bourdieu entwickelt worden war. Auf der Y-Achse nach unten/oben wird das Maß an „Kapital“ (gemeint ist „Vermögen“) dargestellt, wobei zu „Kapital“ bei Bourdieu das ökonomische Kapital (wie das Geldvermögen), das kulturelle Kapital (wie der Bildungsgrad), das soziale Kapital (wie soziale Verpflichtungen und „Beziehungen“) und das symbolische Kapital (wie Reputation) zählt. Auf der X-Achse auf der linken Seite ist das kulturelle Kapital wesentlich höher als das ökonomische Kapital und rechts das ökonomische Kapital wesentlich höher als das kulturelle Kapital. (siehe die folgende Abbildung mit Beispielen aus Röding 2017: 6).

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Die Forschungsgruppe um Dennis Elversberg ergänzte in der im vorigen Beitrag gezeigten Abbildung die gesellschaftlichen Naturverhältnisse (ebd.: 76):

Der ergänzte Teil links in der Abbildung wird im allgemeinen nicht bewusst erfahren, d.h. er ist „externalisiert“ und deshalb ist es besonders bedeutsam, ihn offen zu legen.

Das Studium der Mentalitäten der Bevölkerung ist nicht nur von akademischem Interesse. Sie spielen eine starke Rolle für eine erwünschte sozial-ökologische Transformation:

„Wenn Mentalitäten, wie hier aufgezeigt, ein Ergebnis spezifischer Erfahrungen sind, dann muss es vor allem darum gehen, die objektiven Strukturen zu verändern, innerhalb derer die jeweiligen Erfahrungen gemacht werden.“ (Eversberg u.a. 2021: 34)

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In Jena arbeitet eine Forschungsgruppe der Universität am Thema der „Mentalitäten im Fluss. Vorstellungswelten in modernen bio-kreislaufbasierten Gesellschaften“ (flumen). Ich hatte bereits interessiert an einem ihrer Treffen teilgenommen und nun gibt es die ersten Ergebnisse. Der Leiter der Gruppe, Dennis Elversberg, bringt sie auch in die Klimabewegung, z.B. bei den Parents for Future Jena, ein. Weil ich die Methode und Ergebnisse sehr interessant finde, möchte ich sie hier vorstellen:

Es gibt mehrere Teile:

  1. Wie ticken „die Leute und warum interessiert uns das? (hier weiter unten)
    Der Begriff der Mentalitäten (hier weiter unten)
  2. Umweltbezogene Mentalitäten
  3. Das Diagramm der Mentalitäten
  4. Grundform der Umweltmentalitäten
  5. Was tun mit diesem Wissen?
  6. Literatur

Wie ticken „die Leute“ und warum interessiert uns das?

Egal ob wir meinen, vor allem durch Veränderungen im Alltagshandeln oder erst durch einen grundlegenden Systemwandel könnten wir „die Welt retten“, besteht eine dringende Frage darin, wer „wir“ eigentlich sind? Welche Kräfte mit welchen Interessen gibt es in unserer gegenwärtigen Gesellschaft? Wie sind „die Leute“ drauf? Wenn die Option des gewaltvollen Zwangs („Ökodiktatur“) wegfällt, wovon ich ausgehe, müss(t)en alle Menschen selbst freiwillig die notwendigen Veränderungen hin zu einem sozial gerechten und ökologisch und klimatisch verträglichen Leben wollen und mitgestalten. Ganz grob gesehen sollten tatsächlich alle Menschen ein gemeinsames Interesse am Überleben der Menschheit haben, denn darum geht es. Aber da beginnt schon das Problem: Sehen das alle so? Ausgerechnet die Zerstörung der ökologisch-klimatischen Lebensgrundlagen betrifft zuerst jene, die am wenigsten zu den Ursachen davon beitragen und damit aufhören könnten. Jene, die die Probleme viel mehr als andere verursachen, verspüren die Folgen ihres Handelns (noch ?) nicht bzw. sehen sie nicht in diesem Zusammenhang. Die Klimabewegten versuchen, in ihrem gesellschaftlichen Umfeld etwas zu bewegen und stoßen nur allzu oft mit anderen zusammen, denen anderes wichtiger ist. Sie sind (vielleicht) eine Avantgarde, die tatsächlich nicht das Recht hat, anderen etwas aufzuzwingen. Also müssen Lösungen gefunden werden, die für alle lebenswert sind, die alle mitnehmen, die alle mit gestalten können, oder?

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Passierte an diesem Jahreswechsel tatsächlich nichts anderes als Feiern und ansonsten gehts eigentlich weiter wie bisher? Nein, diesmal gingen im Zuge des endlich beschlossenen Ausstiegs aus der Kernenergie am 31.12.2021 drei weitere Kernkraftwerke vom Netz.

Das war wieder mal ein Erfolg vor allem auch der jahzehntelangen Kämpfe gegen Kernenergie (ich berichtete z.B. 2001 ausführlich von Protesten gegen die Castor-Transporte 2001).

(Gruppe aus Jena 2001

Inzwischen musste ich erfahren, dass aus den Reihen der Klimabewegten durchaus einige (oder auch mehr) meinen, man brauche die Kernkraft, um Kohle und Öl zeitiger abschaffen zu können. Es wird Zeit, sich noch mal in Erinnerung zu rufen, warum die Kernkraft ebenfalls zu Treibhausgasemissionen führt, und warum sie aus anderen Gründen sowieso unverantwortlich ist. Ich mache dies hier nicht selbst mit einem Text, aber ich biete einige Hinweise, wo man sich informieren kann.

Nachtrag nach einigen Stunden: Wir müssen aufpassen, dass die Freude nicht zu früh kam:

Wie zu befürchten war, hat die EU Kernkraft jetzt doch als klimafreundlich eingestuft. Ich erinnere daran, dass im IPCC-Bericht von 2018 eigentlich jedes Szenario, bei dem das 1,5-Grad-Ziel noch eingehalten werden könnte, noch von der Existenz der Kernkraft ausging. Sogar ein Szenarium mit starker Senkung des Energiebedarfs rechnete mit 150% Kernenergie im Jahr 2050 und der „nachhaltige“ Pfad mit nachhaltigen Konsummustern brauchte noch 98% der damals aktuellen globalen Kernenergiemenge. Die beiden anderen Pfade, mit denen das 1,5-Grad-Ziel noch einhaltbar wären, brauchen sogar ungefähr eine Verfünffachung der Kernenergiemenge (zusätzlich zu Negativemissionen).

Damit hat sich die Menschheit, haben wir uns, hat der Kapitalismus uns in eine echte Sackgasse hineinmanövriert. Die Nutzung sich erneuernder Energien und entsprechende Infrastrukturen, Energieeinsparung und ähnliches wurden jahrzehntelang ausgebremst und geraten jetzt erst recht aus dem Fokus, weil man auf die Kernenergie vertraut. Das ist eine echtes Minus-Summenspiel und die Klimabewegung muss nun auch stärker zu einer Anti-Kernkraftbewegung werden! Beide Themen erfordern eine abrupte Bremsung im Energieverbrauch und deshalb eine radikale Umgestaltung unserer Produktions- und Lebensweise!

Der Deutsche Wetterdienst machte Ende Dezember bekannt, dass auch das Jahr 2021 in Deutschland um ca. 0,9 Grad wärmer war als im Mittel in der Zeit von 1961-1990. In den letzten 20 Jahren gab es nur ein Jahr, in dem die Temperatur unter diesem Mittelwert lag (2010). Wenn man noch das kalte Jahr 1995  hinzunimmt, waren es seit 1990 nur zwei Jahre die unter dem Mittel in der Zeit zwischen 1961 und 1990 lagen, insgesamt wanderte die Durchschnittstemperatur unaufhaltsam in die Höhe:

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