Friedrich Engels:

„Und so werden wir bei jedem Schritt daran erinnert, daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand, der außer der Natur steht – sondern daß wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehn, und daß unsre ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug vor allen andern Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und richtig anwenden zu können.“ (MEW 20: 453)

Wir haben als Menschheit bereits vier der neun sogenannten „Planetaren Belastungsgrenzen“ überschritten. Die Folgen, vor allem abrupte klimatische Veränderungen, lassen sich nicht mehr verleugnen. Für die Gesellschaftsordnung, die die Welt prägt, ist das bisher aber noch keine Störung ihres „Business as usual“. Solch eine Störung kam mit einer anderen Rückwirkung der Natur auf unser Tun, mit der Viruspandemie Covid-19. Andreas Malm schildert in seinem Buch Klima|x ausdrücklich, wie das Vordringen der Menschen in die Natur und auch die Klimaveränderungen fast unausweichlich zu einem weiteren Wachstum von Pandemiegefahren führen. Wir werden wohl weiterhin ständig mit neuen Pandemien leben müssen und die scheinbar so unaufhaltbare kapitalistische Wirtschaftslogik läuft sich vielleicht unter anderen an damit weiteren mit dem Klimawandel verbundenen sozialen Folgen fest.

1. Sicht: Mensch vs. Natur

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Wie weit darf man gehen, um die Welt zu retten?

Um diese Frage geht es im Klima-Thriller „Klima. Deine Zeit läuft ab“ von David Klass. Im Jahr 2020 ist das Buch auf Englisch erschienen und nach eigenen Aussagen haben ihn Gespräche mit seiner Tochter über den Klimawandel inspiriert.

In seinem Roman gibt es vorerst noch keine politische Klimabewegung wie die „Fridays for Future“. Es gibt, wie schon lange, viele Gruppen, die sich für Umweltschutz einsetzen. Aber angesichts der Gefahr, wie sie jetzt fast unabwendbar auf uns zukommt, reicht das offensichtlich nicht. Deshalb geht ein Öko-Aktivist weiter und es kommt zu Opfern, die auch er nicht bringen wollte. Es gibt ein Gedankenexperiment aus der Ethik, in dem danach gefragt wird, wie man für einen heranbrausenden nichtbremsbaren Zug die Weiche stellen würde: Ohne Eingreifen würde er in eine größere Menschengruppe fahren – wenn ich die Weiche herumreiße, würde nur ein einziger Mensch sterben. Was tun? Und wie mit dem Wissen um die Folgen leben?

Im Roman „Klima. Deine Zeit läuft ab“ bewegen sich der Öko-Terrorist und ein FBI-Ermittler unaufhaltsam aufeinander zu. Der FBI-Ermittler kann sich gespenstig gut in den „Green Man“ einfühlen und man verwünscht dies beim Lesen fast. Auch er selbst ist nicht so glücklich damit, denn er kann es nicht verhindern, dass ihn die Argumente von „Green Man“ für die Erdrettung überzeugen. Sie treffen tatsächlich aufeinander und nur einer verlässt den das brennende Fracking-Ölfeld.

Man könnte denken, sie kapierens langsam. Auf der tagesschau-Website wird über die Intiative „KLIMA vor acht“ informiert. Es gibt dazu einen Offenen Brief, der gern noch weiter unterschrieben werden kann!!!, darin steht u.a.:

Wir, die Vertreter:innen und Unterstützer:innen der Initiative KLIMA° vor acht, fordern Sie auf, eine wissenschaftlich fundierte und verständliche Klimaberichterstattung anzubieten, täglich und zur besten Sendezeit.

Während zum Thema „Wirtschaft“, inclusive „Börse vor acht“ 618 Beiträge gesendet wurden, gab es bei der ARD nur 128 Sendungen mit dem Begriff „Klima“ im Titel. Was brauchen wir dringender zum Überleben, eine intakte Umwelt oder die Börse? Bewahrheitet es sich, dass sich Menschen eher einen kaputten Planeten Erde vorstellen können, als einen Wechsel unserer Wirtschaftsordnung zugunsten von bisher ausgebeuteten Menschen und der Mit-Welt? Die Dominanz des Börsenthemas in den Medien bestärkt dies.

Dagegen nun das Thema der Umwelt- bzw. Klimagefahren aufzubringen, ist nun laut Antwort des gesschäftsführenden Redakteurs bei der ARD „erstmal eine parteiische Interessengruppe“. Und der Journalismus soll ja „unabhängig“ bleiben. Wie unparteiisch die Folgen des schon beginnenden Klima-Umbruchs zuschlagen, erleben ja nun mittlerweile auch wir und immer öfter berichten alle Medien über diese Folgen in den alltäglichen Katastrophenmeldungen. Davon wird sich niemand „unabhängig“ halten können.

Über die existentiellen Gefahren der ökologischen- und Klimagefahren Alarm zu schlagen, ist längst nicht mehr nur „Interessengruppen-„Vertretung! Es geht uns alle an, deshalb geht es um unser aller Interessen!!!

Deshalb: KLIMA vor Acht – immer und überall!

So langsam krieg ich ein Déjà-vus. Bei wievielen Klimastreiks war ich schon dabei? Heute ist wieder ein Klima-Streiktag, zur Kundgebung noch Jena fahre ich gleich. Hier aber erst noch mein inhaltlicher Beitrag zum Thema für heute:

Klassenkampf scheint sich heutzutage oft auf Klassismus-Debatten zu reduzieren. Und die globalen Öko- und Klimaprobleme sind noch mal was anderes, oder? Tatsächlich jedoch zeigt sich auch in diesen fortschreitenden katastrophalen Verhältnissen das für die kapitalistische Seite noch zu erfolgreiche Klassenverhältnis. Als Klassen stehen sich im Kapitalismus jene Kräfte gegenüber, die sich selbst auf Grund ihrer Verfügung über die Produktionsmittel selbst reproduzieren, und denen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um über den Umweg des erarbeiteten Lohns zu ihren Existenzmitteln zu kommen. Die über die Produktionsmittel verfügen, bestimmen auch über den Zweck der Produktion und als einzelne Kapitalist*innen unterliegen sie dem Zwang, dabei so viel Profit zu machen, dass sie die gesellschaftliche Durchschnittsprofitrate nicht unterschreiten. Wenn sie das nicht schaffen, gehen sie pleite, so dass nur jene übrig bleiben, die – gemessen an der Durchschnittsprofitrate und nicht etwa ihrem Maß an Gier – genügend Profit erwirtschaften.

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fürs CI-Treffen 05.12.2020
Version 2.0.: Punkt 2.3 ergänzt

Morgen findet beim Commons-Instituts-Herbsttreffen ein Workshop zur den Fragen statt, die wir in einer Diskussionsgruppe des CI ein halbes Jahr lang gesammelt haben. Die Fragen wurden bisher im einem Pad[1] gesammelt, aber sie sind dort echt schwer zu erfassen. Von Jojo wurde bereits eine Zusammenfassung erstellt. Auch ich schreibe jetzt – ziemlich auf die  Schnelle – noch einen Text, der das zusammenfasst, was morgen vielleicht diskutiert werden könnte.

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„Die Klimakrise als treibende Kraft für eine zukünftige Schule“

  • Wie gehen Schulen mit Unsicherheiten im Umgang mit den drohenden Klima-Umbrüchen und den unterschiedlichen Interessenlagen und Anforderungen an Schule um?
  • Welches neue Wissen und welche neuen Methoden brauchen Lehrkräfte (s.Kommentar 1) unten), Schülerschaft und Eltern, um gemeinsame Lernprozesse für die Gestaltung einer wünschenswerten Zukunft zu initiieren?
  • Wie entwickeln sich Entscheidungsstrukturen und Aktionsräume, die alle Beteiligten einbeziehen und ermutigen, die Veränderung der eigenen Schule hin zur Nachhaltigkeit voranzubringen?

Dies waren die Leitfragen für den ersten Change School Summit, der vor nun schon zwei Wochen in Köln stattfand. Hier trafen sich am 1. und 2. Oktober fast 70 Menschen aus 13 Schulen, die sich nicht nur über die Klimakrise informieren wollten, sondern auch vorhatten neue Vorhaben für ihre Schule zu planen. Organisiert wurde die Tagung von einer Veranstalter-Kooperation zwischen der parto gUG gemeinnützige Gesellschaft für Partizipation und Organsationsentwicklung Köln, dem Wuppertal Institut und Germanwatch. Für die Teilnahme war es Bedingung, dass sich pro Schule jeweils Schüler*innen und Lehrer*innen beteiligen, damit die Impulse tatsächlich in den Schulen weiterwirken.

Unter Coronabedingungen in einem recht großen Raum sowie weiteren Seminarräumen und ständig mit Maske trafen sich hier Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern und zeitweise gab es Videokonferenzen mit Teilnehmer*innen als Kolumbien, Nigeria und Peru. Ich selbst war auf einem der Workshops als Impulsgeberin eingeladen.

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Hallo,
in welchem Stadium bist Du?

Vielleicht könnt Ihr der Depression entkommen, wenn ihr vorher schon mal bei „Extinction Rebellion“ und vor allem der Rebellion Wave 2020 vorbei schaut?

Zu meiner Kritik an XR und meinen Positionen dazu gibts hier Links zu Texten von mir dazu.

Und trotzdem: Es geht um so vieles! Gerade weil sich so viele von XR abgewandt haben, kommt es jetzt auf jede und jeden an, zu überlegen, ob die Differenzen so groß sind, dass man sich abwenden muss oder nicht doch an dieser Stelle die Gemeinsamkeiten stärkt !

Also, wenn ihr könnt, bitte überwindet euch und unterstützt uns.

Das Bild ganz oben stammt übrigens von den sehr schönen Präsentationen der Psychologists 4 Future.

Hier gibts einen
Offenen Brief mit der
Forderung der Einberufung eines Büger:innerats.
Bitte gerne unterzeichnen!
(hier nur als Gruppe/Institution möglich –
Hier als Einzelperson)

Bei der Demo am letzten Mittwoch in Jena  gabes einen Redebeitrag aus der Ortsgruppe XR Jena. Der frei gesprochene Text wurde für diese Dokumentation noch einmal verschriftlicht:


Es soll hier mal konkret um das Thema Mobilität gehen. Wie verrückt die derzeitige Lage ist und wie schön es eigentlich sein könnte.

Wer in der Jenaer Innenstadt an einer vielbefahrenen Straße wohnt -wie bspw. der B88- weiß wovon ich rede. Dort ist es so laut, dass sofort das Stresslevel steigt und man nur so schnell wie möglich dort wegkommen möchte. Daher habe ich mich oft gefragt wie könnte es denn ohne die ganzen Autos sein?

Aber fangen wir von vorne an. Warum brauchen wir eigentlich eine Mobilitäts- bzw. Verkehrswende? (mehr …)

Der Trick mit ungedeckten Versprechungen

Schon seit 30 Jahren wissen wir, dass die Emissionen von Treibhausgasen drastisch sinken müssen. So gut wie nichts geschah; der reale Emissionspfad übertraf in der Emissionsmenge den „Business as Usual“-Pfad, der 1990 als der schlechtest-mögliche eingeschätzt wurde (siehe die folgende Abbildung unter Verwendung DB 1990: 52). Anstatt bei 36,5 GT CO2-Emissionen pro Jahr (2018) müssten wir weltweit bei ca. 16 GT CO2-Emissionen pro Jahr liegen! Und das zusätzlich ausgestoßene CO2 sammelt sich Jahr für Jahr weiter in der Atmosphäre an.

30 Jahre nach diesen Plänen sind wir noch nicht einmal „in den Knick“ (das Abknicken der Kurve von einer Steigung hin zu einer Senkung) gekommen und die Verzögerung führt dazu, dass die die Neigung der Reduktionskurve immer steiler nach unten weisen muss (d.h. die notwendigen Reduktionsraten steigen enorm). Mit der angestiegenen CO2-Menge in der Atmosphäre verringert sich auch das Zeitfenster, das wir bis zum Aufbrauchen des CO2-Budgets noch haben, d.h. das Ende der Emissionen muss noch zeitiger erreicht werden, als 1990 angenommen. Die durchgezogene rote Linie zeigt die aus heutiger Sicht  notwendige Reduktionskurve im Vergleich zu der von 1990: (mehr …)