In wenigen Wochen sitzen wir wieder in Jena bei einem „Vereins-, Umwelt und Radfahrtag“ rum und warten auf interessierte Menschen, mit denen wir über die Veränderung des Klimas sprechen  können. Letztes Jahr lernten wir eine Frau kennen, deren afrikanischer Mann schon vor Jahrzehnten über die besondere Rolle der Frauen in prekären Umweltbedingungen berichtet hat. Jemand anders berichtete und über die gegenwärtige Situation, die sich so verschärft  hat, dass Mädchen kaum noch die Schule besuchen können, weil die Wege zu den nächsten Wasserquellen immer länger werden…

Wen dieses Thema nicht schon von vornherein interessierte, schaute konsequent weg und suchte mit den Kindern den nächsten Stand zum Gesichtsbemalen oder Bälle-Werfen…

Ja, es ist schon nicht einfach, zu diesem Thema ins Gespräch zu kommen, auch wenn man „zu den Leuten  hinkommt“. Deshalb beschäftigen sich Leute mit dem Thema „Klimakommunikation“ und geben  Ratschläge dazu. Z.B. hier:

Ein interessantes Beispiel für musikalisch Interessierte ist die Umsetzung der Temperaturkurve der letzten Jahrzehnte in musikalische Töne:

Tipps zu mehr oder weniger geeigneten Bildern zu Illustration des Klimwandels gibts hier:

Bei diesem Thema wird es, wenn es ernst wird, auch unerwartete Allianzen geben (müssen), denn vor allem

Diese düstere Vorausschau von 2009 scheint sich leider zu bestätigen…

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Erinnert sich noch jemand an den Hurrican Harvey im August diesen Jahres? Da war doch irgendwas… weit weg für die meisten. Ganz weit weg von unserem Alltag, abgesehen von der erregten Berichterstattung über eine kurze Zeit.

(Joe Webb)

Die nun erfolgten wissenschaftlichen Auswertungen sind noch viel weiter weg. Sie sind zwar durch nur wenige Klicks im Internet erreichbar, aber wen interessieren sie schon? Für die Herbsttagung der Amerikanischen Geophysikalischen Vereinigung war die Auswertung der wissenschaftlichen Befunde zum Hurrican Harvey (vgl. auch jw vom 15.12.2017) ein Höhepunkt. (mehr …)

In meinem Text „Wie weiter nach radikal ent-täuschten Hoffnungen?“ stellte ich die Frage, welche Bedingungen der Weg hin in die gewünschte mögliche Zukunft braucht.

Hilmar und Albert aus Hamburg gaben aus ihrer gelebten Praxis (Umsonstladen, Tomatenretter) einige Antworten daraus, die ich hier gerne ergänze:


  1. Wenigstens ein Lebensbereich (Grundnahrungsmittel, Wohnen, Energie, Reparieren, Produktverteilung u.s.w.) wird selbstorganisiert betrieben und in eine praktische Verbindung mit seinem sozialen Umfeld gebracht zu Gruppen und Einzelnen, die sich auch auf einen Weg aus diesem kriselnden System gemacht haben.
  2. Wenn diese vielfältigen Ansätze, wie momentan, allerdings weitgehend unverbunden bleiben, wird nichts gesellschaftlich Bedeutsames entstehen. Es wird gezielt versucht, zumindest einen Teil von Produktion, Verteilung und Reproduktion der allgemein vorherrschenden Erwerbsarbeit zu entziehen.
  3. Es hat ein gruppenübergreifender Prozess der gemeinsamen Bestimmung der Grundsätze begonnen, an dem eine wachsende Anzahl der Beteiligten mitwirkt. (Das ist heute noch nicht der Fall.) Dabei wird darauf verzichtet, sich gegenseitig zu einem geschlossenen Weltbild zu nötigen. Es wird von der Vielfalt der Einzelnen und deren besonderen Weltbildern akzeptierend ausgegangen. Grundlegende, nicht sogleich lösbare Kontroversen können auch mit ihren verschiedenen Ansichten in die gemeinsamen Grundsätze eingebaut werden.
  4. Dem Hauptanliegen der jeweiligen Gruppe wird ein breiter, selbstorganisierter Bildungsprozess hinzugefügt: Sport, Kunst, Musik, Entspannung und Spaß, Heilwissen Kräuter ..) haben dort neben allen gewünschten Wissensthemen ihren Platz.
  5. Es wird sich darin geübt, in den notwendigerweise in den Gruppen aufbrechenden Konflikten einen liebevollen, lösungsorientierten Umgang zu finden.
  6. Ein grundlegend friedliches, lernend offenes, respektvolles Verhältnis zu der uns umgebenden Natur, die nicht mehr einseitig nach unseren Zielsetzungen ausgerichtet werden soll, wollen wir Schritt für Schritt verwirklichen.
  7. Lernend aus bisherigen linken Parteien und Bewegungen wird versucht, einen inneren bunten Pluralismus zu fördern und die Einflussnahme von möglichst vielen Einzelnen auf Gemeinschaft und Gesellschaft zu fördern und zuzulassen: Wir üben uns in einem Verzicht auf (manchmal gedankenlose) Machtausübung und autoritäres Verhalten. Bestätigungen und Zuneigung geben wir uns gegenseitig, sodass ein zunächst vielleicht unstillbarer Anteil davon sich durch diese Erfüllung beruhigen und unser Angstpotential zurückgehen kann.
  8. Ein solcher Anfang ist hier und da gemacht. Aber nur wenn sich eine bewusst gelebte Menschlichkeit ausbreiten kann, wächst die Chance auf diesem Planeten dauerhaft zu überleben und zu leben.


Nicht alle Menschen vertrauen darauf, dass unsere Zivilisation vor größeren Katastrophen gefeit ist. Im Gegenteil: Wenn bei uns der Strom für einige Tage wegbleibt, kann das das alltägliche Leben so aus den Fugen geraten, dass Hunger und Kälte unser Leben bedrohen könnten. Krieg, technische Pannen, Terroranschläge oder Naturkatastrophen – all das kann das normale Leben bedrohen. Die Bundesregierung empfiehlt in ihrer „Konzeption für zivile Verteidigung“, Vorräte für 10 Tage zu bunkern. (mehr …)

Ein Vierteljahrhundert geht dieser Zirkus nun schon. Eine Umwelt- und Klimakonferenz jagt die nächste. Jetzt macht der Zirkus wieder mal in Deutschland halt, beim Bonner Klimagipfel 2017. Die Lage könnte nicht ernster sein. Gerade wurde mitgeteilt, dass im Jahr 2016 die CO2-Konzentration um 50 Prozent schneller stieg als im Schnitt der vergangenen 10 Jahre. Neben einem Einfluss durch den El Nino-Effekt sind dafür wieder menschliche Aktivitäten verantwortlich. Und das hat Folgen (WMO 2017). Die bisherigen Emissionen führen bereits zu einem deutlichen globalen durchschnittlichen Temperaturanstieg seit mindestens 40 Jahren:


Und in dem Vierteljahrhundert, seitdem Bemühungen um eine Reduzierung begonnen haben, wurde nur wenig erreicht. Der Anstieg überschreitet die damals prognostizierten pessimistischsten Szenarien. Dabei ist inzwischen bekannt, dass die Folgen einer globalen Erwärmung drastischer ausfallen, als noch gedacht wurde, als das 2-Grad-Ziel ausgerufen wurde. In Paris wurde deshalb anerkannt, dass der Temperaturanstieg bei unter 1,5 Grad gehalten werden müsse, um große Schäden zu verhindern. Davon sind wir weiter entfernt als je zuvor. (mehr …)

Und wieder gibt es eine Alarmmeldung aus der Treibhausgasmessung: Im Jahr 2016 stieg die CO2-Emission um 50% schneller an als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre. Auch in Deutschland stiegen die energiebedingten CO2-Emissionen im Jahr 2016 gegenüber 2015 um 0,9 Prozent. Auch Peak Oil rückt in die Nähe bzw. wurde für konventionelle Ölförderung wohl schon überschritten. Es wird eigentlich Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Die globalen Gefahren aller Art, wie der Klima-Umbruch, die Versauerung der Meere u.a. spielen außer in fernen Regionen für fremde Menschen bei uns nur ausnahmsweise eine kleine Rolle. Ansonsten wird weiter gemacht, wie bisher… Die Koalitionsverhandlungen stocken nicht zufällig auch gerade beim Thema des Umgangs mit dem Klimawandel. Bei der Wahl spielte das Thema noch keine Rolle, noch nicht. Dass die AfD so weit nach vorn springen konnte, hat noch nicht den Grund, dass sie sich mehr Sorgen um die Zukunft machen würde als andere. Das kann sich aber ändern. (mehr …)

Vom 20.-22. Oktober 2017 nahm ich an der Tagung „Der Zukunft auf der Spur“ – Transformation aus der Perspektive Ernst Blochs in Berlin teil und hielt dort folgenden Vortrag (hier schriftliche Version 1.2).


… der Zukunft auf der Spur…

„Zukunft“ klingt immer noch wie etwas Gutes. Aber so wie das Erdbeben von Lissabon einst die Theodizee in Frage stellte und nach Auschwitz auch Gedichte nicht mehr unschuldig sind – so wird der Klima-Umbruch der nächsten Jahrzehnte alles alte Denken über die Zukunft erschüttern und neue Fragen aufwerfen…
(mehr …)