Ich habs geahnt: Schon vor 10 Jahren schrieb ich Texte „Für eine Revolution der Rettung“ (Teil I, Teil II, Teil III). Mittlerweile hat sich – natürlich ganz unabhängig von mir – in mindestens 50 Ländern eine Bewegung mit dem Namen „Rebellion für das Leben“ entwickelt, auf Englisch: „ExtinctionRebellion“.

Ich war am Donnerstag bei einer Einführungsveranstaltung in Jena, in deren Ergebnis üblicherweise Ortsgruppen gebildet werden. Hanna aus Frankfurt erinnerte zuerst an die Dramatik der Situation und dass sich das Klima nicht nur „wandelt“, sondern auf eine Katastophe hin entwickelt, eine  Katastrophie, die in vielen Gebieten der Erde schon stattfindet. (mehr …)

Die streikenden Schülerinnen und Schüler haben das Thema Klimawandel endlich ins Gespräch gebracht. Seit einigen Monaten sickert das Wissen über den Ernst der Lage auch verstärkt über die Medien ins Bewusstsein und verursacht Unbehagen und auch Ängste.

Also muss schnell eine Lösung her. „Flugscham“ im Flieger hilft schließlich nicht wirklich gegen die Erderwärmung. Eine der vorgeschlagenen Lösungen, die CO2-Steuer, ist nicht wirklich neu. Viele in der SPD fordern sie, die CDU/CSU ist dagegen und will lieber den Handel mit Emissionszertifikaten ausbauen. Die SchülerInnen von Fridays4Future fordern eine Steuer von 180 Euro pro Tonne CO2. (Dies wurde vom Umweltbundesamt berechnet als Schaden aus einer Tonne CO2. Ich komme auf diese Berechnung noch einmal zurück).

Meine Position dazu ist nicht so eindeutig. Bei dieser Frage kann es nur ein „Ja, aaaaber…“ geben. Schon die Alternative CO2-Steuer oder Zertifikatehandel ist letztlich nur eine „Illusion der Alternativen“, die den Blick auf echte Auswege verdeckt.

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Unverbindliche Absichtserklärungen gibt es genug. Wirklich bindend könnte die Ausrufung eines „Klimanotstands“ sein. Dies kann auf kommunaler Ebene geschehen.

Also, wenigstens dies sollten wir fordern: Die Anerkennung des Klimanotstandes!

Und wir können es fordern – hier und jetzt:

Friday4Future in Jena

Danke dafür, dass Ihr uns aus dem Schlaf der Verleugnung und Verdrängung holt. Oder aus der Einsamkeit der schon Verzweifelnden. Ihr merkt es bereits: Viele von uns schließen sich Euch an. Eltern und Wissen schaffende… für eine noch lebenswerte Zukunft. Manche von uns versuchen auch, Euch immer noch zu belehren.

Ich aber möchte mich zuerst einmal entschuldigen. Entschuldigen für die verlorenen Jahrzehnte der Umkehr. Wir hätten es wissen können. Auch in der DDR hat man von den Globalen Problemen der Menschheit erfahren, aber den meisten von uns waren Bananen, Westautos und Mallorcareisen zu wichtig, um uns beirren zu lassen auf dem Weg ins rücksichtslose Wirtschaftswachstum. Sogar viele in der DDR Umweltbewegte fanden am Westen auf einmal nicht mehr allzu viel schlecht. Die Deindustrialisierung der DDR und industrielle Modernisierungen mit höheren Umweltstandards verhalfen der BRD dann zu einem maßgeblichen Anteil an ihrer nicht allzu schlechten Umwelt- und Klimabilanz, aber kaum jemand stellte den nationalen und regionalen Standortwettbewerb in Frage, egal was es kostet an Zukunftschancen. Also entschuldigt, dass wir Euch mit materiellem Wohlstand befriedigen wollten und dabei Eure Zukunft „geklaut“ haben, wie Ihr so treffend ruft.

Und entschuldigt, dass wir schon wieder so halbherzig sind. In einer Meinungsrunde lobte Euch jemand und schlug vor, dass Ihr, wenn die Demos und Streiks am Freitag nichts bewirken, doch auch noch am Donnerstag streiken könntet. Ich stutzte: Verdammt noch mal, lassen wir nicht schon wieder die Kinder die Kartoffeln aus dem Feuer holen? Wie wäre es denn, wenn wir alle auch streikten?

Ich höre schon den Aufschrei: Das geht doch nicht, wenn das alle machten…! Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Ja, wenn das alle machten, würde mal einen Tag lang die Werbe- und Marketing-Maschinerie stillstehen und es bräuchten all die Dinge gar nicht hergestellt werden, die an diesem Tag den Leuten aufgeschwatzt werden. Und schon wäre ein Fünftel aller Energie, Rohstoffe und Lebenszeit gespart.

Aber was sagt denn dann mein Chef dazu? Ja genau, darum geht es. Hier täte es weh. Dem Chef und auch mir. Deshalb machen wir es nicht. Entschuldigt Ihr auch das?

Die Natur wird es nicht entschuldigen. Um zu einer ökologisch nachhaltigen Lebensweise zu kommen, in der das Klima nicht kippt und die planetaren Grenzen nicht überschritten werden, müssten wir hochentwickelten Industrieländer unseren Umweltimpact um 80% senken. Wir müssten also nicht nur am Freitag und nicht nur noch am Donnerstag aussetzen mit der Naturzerstörung, sondern fast die ganze Woche.

Naomi Klein schrieb zum Klima-Umbruch: „Das ändert alles!“ – Ja, das tut es. Die Losung „Systemwandel statt Klimawandel“ muss ernst genommen werden.

Menschliches Leben beruht auf der Nutzung von natürlich bereitgestellten Stoffen und Energien. Diese sind nicht einfach nur „da“, sondern bestehen aus Prozessen, in denen vieles miteinander zusammenhängt und die durch Rückkopplungen untereinander aufrechterhalten werden. Wie stark alle Faktoren des Lebens miteinander wechselwirken, zeigen u.a. AutorInnen, welche den Planeten Erde selbst als lebendigen Organismus betrachten und ihn deshalb „Gaia“ nennen (Lovelock 1982).

Das Problem damit ist, dass der Optimismus, den das „Gaia“-Konzept zu begründen hofft, sich lediglich auf den Planeten Erde bezieht. Der Planet selbst und natürliche ökologische Prozesse auf ihm wird es tatsächlich immer weiter geben – die Frage ist nur, ob Menschen darauf gut leben können, oder ob sich Gaia dieses „Schmarotzers“ entledigt…

Lange dachte man, dass die ökologischen Veränderungen durch menschliche Aktivitäten wie Rodungen usw. nur regionale Auswirkungen gehabt haben. Inzwischen wird vermutet, dass vor allem die Entstehung der Landwirtschaft vor ca. 8000 Jahren einen Beitrag an der Stabilisierung des Klimas im sog. Holozän geleistet hat. Derzeit geht es gerade um die Zerstörung dieser Stabilität, die für die Lebensgrundlagen der Zivilisation grundlegend ist. (mehr …)

… leider nur an den Schulen. Aber wenigstens da. Manche Eltern fragen sich, ob sie einen Entschuldigungszettel schreiben müssen, damit ihre Kiddis nicht doch  Probleme bekommen. In Wirklichkeit aber müssen wir uns bei ihnen entschuldigen für das Schlamassel, das wir ihnen hinterlassen:

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In Katovice wird über die Zukunft der Welt beraten, aber wie eigentlich immer, wird wohl nix rauskommen. Nur die Weltbank hat beschlossen, ab 2019 keine Kohle- und Gasprojekte mehr zu fördern (mit Ausnahmen). Ansonsten gibt es keinen wirklichen Plan, das Ruder herumzureißen bei den CO2-Emissionen. Im früheren Vorreiterland Deutschland wurde die Förderung der erneuerbaren Energien längst zugunsten der Energiefossile abgewürgt. Die Treibhausgasemissionen werden bis 2020 nicht um die angezielten 40% verringert, sondern nur um 32 Prozent. In den USA, die trotz des Ausstiegs von Trump aus dem Pariser Abkommen ihre CO2-Emissionen ein wenig reduzieren konnten, sank in der gleichen Zeit auch das Bruttosozialprodukt und es wurde mehr auf Kernkraft gesetzt [1]. Und Öl schmiert noch immer die Weltwirtschaft, kurzfristige wirtschaftliche Interessen von wenigen regieren die Welt.

  1. http://et-energie-online.de/Zukunftsfragen/tabid/63/NewsId/1524/Der-Clean-Power-Plan-der-USA.aspx
  2. Zur Rolle der genannten Staaten bei der Klimakonferenz in Katovice
  3. Die größten Ölförderer der Welt