Um diese beiden unterschiedlichen Formen des „Allgemeinen“, die in den vorigen Beiträgen eine Rolle spielten, noch näher zu charakterisieren, sollten wir uns mit den Schlussformen (also Formen von Begründungen von Schlussfolgerungen aus Prämissen) beschäftigen. Dabei wird das Verhältnis von Allgemeinem, Einzelnem und Besonderem in allen möglichen Formen diskutiert. Denn diese drei Bestimmungen sind miteinander vermittelt – jede hat ihre Bedeutung nur in Bezug auf die anderen. Das Einzelne existiert nur in allgemeinen Zusammenhängen – das Allgemeine existiert nur im und durch das Einzelne. Und das Besondere ist jeweils die Bestimmtheit von Allgemeinem. (mehr …)

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Eine hegelianisierende marxistische Geschichtsvorstellung geht davon aus, dass die Aufeinanderfolge der Gesellschaftsformen letztlich davon bestimmt wird, dass die Menschheit in irgend einer Weise „zu sich“ findet, das wird, was sie sein kann, was letztlich auch im Begriff, oder – wie Marx es in frühen Schriften ausdrückt – in seinem „Gattungswesen“ steckt. Dieses „Gattungswesen“ wird dann im Urkommunismus noch als in unentwickelter Form verwirklicht gesehen, worauf sich die folgenden Klassengesellschaften davon entfernten, bis einst im Kommunismus wieder das „Gattungsleben“ auf einer höheren Entwicklungsstufe verwirklicht sein wird.
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Oder: Gesellschaftsformationen im Verhältnis von Allgemeinem, Besonderem und Einzelnem

Vollständige Bestimmung von Allgemeinem oder Allgemeines als Ganzes von Teilen

Ich habe bereits schon einmal darauf verwiesen, dass sich Allgemeines auf mindestens zwei Weisen unterteilt. Einmal enthält die Unterteilung alle möglichen Teile vollständig (wenn die Teilung entlang einer vollständigen Gesamtheit von Bestimmungen erfolgt). Das betrifft z.B. die dargestellte Begriffskaskade nach Porphyrios:

Die besonderen Bestimmungsmerkmale (körperlich, beseelt…) sind insoweit vollständig, als alle einzelnen Gegebenheiten einsortiert werden können. Wenn es eins der Bestimmungsmerkmale nicht gäbe, wäre das Allgemeine nicht mehr dieses Allgemeine, das es ist. Alle Bestimmungen gehören dem Allgemeinen notwendigerweise an. Dieses Allgemeine, das seine Besonderungen selbst aus sich hervorbringt, wird auch „Totalität“ genannt. Es ist ein Allgemeines gegenüber seinen besonderen Bestimmungen.
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Das Thema „Geschichtsphilosophie“ steht schon lange auf meiner Agenda, musste aber lange zurückgestellt werden, weil ich keine Zeit hatte und auch noch viele Bausteine dazu erarbeiten und „trocknen lassen“ musste. Genau genommen richten sich viele meiner bisherigen Themen wie Selbst-Organisierung oder Dialektik auf die Frage nach dem Verständnis des Entwicklungsgangs der Menschheit. Dabei musste ich mich erst von der Vorstellung lösen, die Dialektik als allgemeine Methode würde da leicht weiterhelfen. Trotzdem ist Dialektik auf jeden Fall notwendig, um nicht vereinfachten Vorstellungen über den Zusammenhang von realgeschichtlichen Geschehnissen und einer übergreifenden „Entwicklungslogik“ zu verfallen.

Ohne dass ich eine vollständige Theorie zu diesen Fragestellungen hätte, möchte ich einige Ergebnisse dazu hier wieder online stellen.

Grenzen der Dialektik

Dialektik hat bei jenen, die unverdrossen nach einer Alternative zum globalen Kapitalismus suchen, immer noch einen guten Klang. Es rettet uns kein höhres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun – aber vielleicht die Dialektik? Im traditionellen Marxismus wurde die Dialektik als allgemeine Methode der Philosophie der Siegesgewissheit überhöht. Kann sie heute wenigstens eine Philosophie der Hoffnung tragen? Alles fließt, alles entwickelt sich – also wird auch das heute Schlechte überwunden werden, wir müssen nur den dialektischen Gang der Geschichte verstehen und dementsprechend handeln. So einfach war das einmal – ist es aber wohl doch nicht mehr.
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Begriffsverwirrung

An einem Wort können sich Streite entzünden. Dabei scheint es so einfach zu sein. Marx schrieb im „Kapital“ zu den Gebrauchswerten:

„Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer ihre Form sei.“ (MEW 23: 50)

Demnach wird ein Ding zum Gebrauchswert, wenn es „menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt“ (ebd.: 49), d.h., wenn es nützlich ist.

Auf späteren Seiten im „Kapital“ wird der Gebrauchswert aber nur noch als Moment der Waren im Kapitalismus thematisiert, wobei der Gebrauchswert nun untrennbar vom Tauschwert wird, ja wo er zu so etwas wie „zur Erscheinungsform seines Gegenteils, des Werts“ (MEW 23: 70) wird. Man kann den Gebrauchswert nun nicht mehr trennen von dem, dessen Erscheinungsform es ist, dem Wert. (mehr …)

Gibt es außerhalb des Kapitalismus auch „Arbeit“? Kann man für die Zeiten vorher schon von „Wirtschaft“ sprechen? Wie sieht es mit „Gebrauchswerten“ aus, wie mit „Subjekten“, mit „Vernunft“, mit „Politik“? Zu all diesen Begriffen gibt es in linken Kreisen immer mal wieder erbitterte Debatten darüber, ob sie in allen menschlichen Gesellschaften (sozusagen „überhistorisch“) vorhanden sind, oder nur dem Kapitalismus zuzuordnen sind. Wenn jemand einen der Begriffe überhistorisch verwendet, wird dies häufig als „Ontologisierung“ kritisiert und zurückgewiesen, so z.B. hier von Wertkritikern:

„Die abstrakte „Arbeit“ erschien demzufolge auch nicht als historische Realkategorie des Kapitalismus, sondern als ontologische ewige Menschheitsbedingung.“ (Ernst Lohoff, Robert Kurz 1998).

Ich selbst habe so etwas in einem aktuellen Blog-Kommentar „beinah als eine „Enteignung“ von Begriffen“ bezeichnet. Der Anlass war ein Vorwurf gegenüber einem anderen Autoren, dass die Aussage „Wirtschaft hat es immer gegeben“ eine Ontologisierung sei. (mehr …)