Die Ferienuni „Kritische Psychologie“ rief und über 800 Menschen meldeten sich an. Die Räumlichkeiten in der Alice Salomon Hochschule boten nicht so viel Platz wie die Freie Universität bei den letzten Ferienunis. Aber es war viel los.
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Es fanden täglich echte einführende Veranstaltungen in Holzkamps „Grundlegung der Psychologie“ entlang der auch online vorhandenen Einführung von Stefan Meretz statt. Andere Vorträge befassten sich mit philosophischen Grundlagen oder dem Verhältnis zum Marxismus und dessen neueren Entwicklungen. Im Programm gab es auch für die PraktikerInnen viel Raum. Das betraf vor allem die vielfältige Berufspraxis von PsychologInnen. Neu war der Versuch, die Praxis der Kollektiven Selbstverständigung auf der Ferienuni zu beleben und auch durchzuführen. Hier wird der Anspruch der Kritischen Psychologie, Begriffe „für Menschen zur Klärung/Verallgemeinerung je meiner Welt- und Selbsterfahrung“ (Holzkamp) bereitzustellen, ernst genommen. (mehr …)


Auf der Veröffentlichungsseite meiner Webseiten bei Thur.de hatte mal wieder jemand mein Angebot gesehen, einen Reader mit Texten zur Kritischen Psychologie zu versenden. Ich habe aber gar keine gedruckten Exemplare mehr. Deshalb habe ich die Texte noch mal zusammen gestellt und biete sie hiermit zum Download an:

Menschsein

Hier noch der Download-Link: http://www.thur.de/philo/pdf/Menschsein.pdf

Kommen wir nun zu dem heiklen Thema von Krieg und Frieden bei Hegel. Bei ihm ist der Krieg […] ein philosophisch wesentliches Naturmoment“ (PR 1817/18: 194). Er setzt sich damit, wie auch bei anderen Themen, von den Aufklärern des 18. Jahrhunderts ab, die Krieg als irrational und unnatürlich ansahen. Wie Krysmanski (1993) zeigt, hatte sich die Art von Kriegen um die Jahrhundertwende ins 19.Jahrhundert stark gewandelt. Aus bloß dynastisch-expansionistischen Kriegen wurden Kriege, die „von einem Volk im Dienste einer Idee geführt wurden“. Reicht das für Hegel aus, um nun auch den Krieg in irgendeiner Weise als „vernünftig“ zu kennzeichnen? (mehr …)

Die Stufe der Sittlichkeit (siehe dazu auch Schlemm 2011) enthält wiederum drei Momente in sich:
PdR 3
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Die Idee des Rechts als Gegenstand der Philosophie des Rechts erfordert das Begreifen der Verwirklichung der Vernunft/Freiheit und der Vernünftigkeit/Freiheit der Wirklichkeit ohne Auseinanderreißen von „Normativem“ und „Deskriptivem“. Es geht darum, an einem realen Gegenstand, hier dem gesellschaftlichen Leben und dessen „äußeren Gestaltungen“, den „innere Puls“ (HW 7: 25) aufzufinden. Es geht also um das „Aufdecken der inneren Vernunftgründe, um die immanente Logik der Sache, um den Begriff selbst, um das Fortschreiten und Hervorbringen seiner Bestimmungen“ (Vieweg 2012: 26). Die Methode dieses Aufdeckens folgt einem logischen Gang, der aus Hegels logischen Schriften bekannt ist, den aber nicht alle, die die „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ lesen, zugrunde legen. Die Logik dient letztlich gewissermaßen als „Koordinatensystem des Gedankengangs“ (ebd.: 36) hin zur „inneren Natur“ der Dinge. (mehr …)

Auch in den „Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie“ wird deutlich, dass Hegel im Verlaufe dieser Geschichte davonausgeht, dass das Wirkliche vernünftig werden soll (HW 19: 5001).

Es ist die Aufgabe der Welt, „daß die Idee der Wirklichkeit eingeimpft, immanent sei, daß nicht nur sei eine Menge von glaubenden Herzen, sondern daß aus dem Herzen vielmehr, wie Naturgesetz, so konstituiert werde Leben der Welt, ein Reich, – die Versöhnung Gottes mit sich sich vollbringe in der Welt, nicht als ein Himmelreich, das jenseits ist; sondern muß sich realisieren in der Wirklichkeit. Sie ist nur so für den Geist, für das subjektive Bewußtsein und hat sich also nicht nur im Herzen, sondern zu einem Reiche des wirklichen Bewußtseins zu vollenden.“ (HW 19: 501)

Wie verträgt sich das mit dem berühmten Satz über die immer zu spät kommende „Eule der Minerva“ aus den Grundlinien der Philosophie des Rechts? (mehr …)

Ein Schlüsselsatz zum Zusammenhang von Vernunft und damit Freiheit mit der Wirklichkeit ist der vielzitierte Satz aus den „Grundlinien der Philosophie des Rechts“:

„Was vernünftig ist, das ist wirklich;
und was wirklich ist, das ist vernünftig.“ (HW 7: 24)

Natürlich weiß Hegel auch, dass in der Realität längst nicht alles vernünftig zugeht: „… wer wäre nicht so klug, um in seiner Umgebung vieles zu sehen, was in der Tat nicht so ist, wie es sein soll?“ (HW 8: 49) (mehr …)