Der junge Marx sah in der „freien bewussten Tätigkeit“ den „Gattungscharakter des Menschen“ (Marx 1844: 516). Im Unterschied zum Tier macht der Mensch „ seine Lebenstätigkeit selbst zum Gegenstand seines Wollens und seines Bewußtseins.“ (ebd.). Unter bestimmten gesellschaftlichen Verhältnissen, speziell kapitalistischen, führt die „entfremdete Arbeit“ dazu, dass „seine Lebenstätigkeit, sein Wesen nur zum Mittel für seine Existenz“ wird (ebd.). Die Aufgabe der Emanzipation besteht demnach darin, diese Verkehrung wieder aufzuheben, das Gattungswesen wieder herzustellen. „Die Geschichte wird damit zum Prozeß der Selbstentfremdung und Selbstverwirklichung des menschlichen Gattungswesens im Prozeß der Arbeit.“ (Wagenknecht 1997: 160) (mehr …)

Von menschlicher „Natur“ spricht man häufig, wenn man das „Wesentliche“ kennzeich-nen will (z.B. im Titel von Schlemm 2001a). Durch die anthopogenetische Behandlung der Fragen der Anthropologie gibt es eine evolutionäre Begründung des Spezifisch-Wesentlichen der Menschen.

In der Anthropogenese entsteht nicht nur die Möglichkeit, sondern sogar die Notwendigkeit, das eigene Leben durch gesellschaftlich vermittelte Arbeitsprozesse zu reproduzieren, wobei Menschen die Bedingungen ihres Lebens aktiv und bewusst verändern. Menschen sind Wesen, die auf gesellschaftlicher Ebene ihre Lebensbedingungen selbst schaffen und erweitern. Individuen sind mit den gesellschaftlichen Bedingungen in komplexer Weise vermittelt, sie haben keine unmittelbare Kopplung an die gesellschaftlichen Bedingungen. (mehr …)

Jens Brockmeier schlägt vor, anthropologische Fragen durch anthropogenetische Unter-schungen zu klären (Brockmeier 1983: 170).

„Das heißt, daß die Antworten auf die Frage nach dem, was der Mensch sei […], zunächst einmal dort zu suchen sind, wo der Mensch das, was er ist, geworden ist, also in seiner natur- und gesellschaftsgeschichtlichen Genese.“ (Brockmeier 1983: 170)

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Die Abkehr von Karl Marx von der Vorstellung eines menschlichen „Gattungswesens“ und die Bezugnahme auf die „wirklichen“ Menschen wird von Klaus Holzkamp (1927-1994), der mit der „Kritischen Psychologie“ eine „marxistische Individualwissenschaft“ (Holzkamp 1983/1985: 239) entwickelt hat, ebenfalls geteilt. Er kritisiert jedes Konzept, in dem der „Mensch“ „nicht als Inbegriff des wirklichen Menschen im historischen Lebensvollzug gesehen [wird], sondern [als] ein der Geschichtlichkeit und der gesellschaftlichen Bedingtheit entzogenes, als „absolut“ gesehenes Gedankengebilde“ (Holzkamp 1972: 60). Auch für Ernst Bloch kann es keine statische Bestimmung des Menschlichen geben, denn „wichtig ist, daß gar nicht gesagt werden kann, was der Mensch ist, weil er eben am stärksten drängend von allem, was es gibt, sich nicht hat, sondern wird“ (Bloch EM: 172). (mehr …)

Ich werde am nächsten Wochenende zur Erarbeitung eines Wörterbuchs mit beitragen. Um die Arbeit eines Autors zum Eintrag „Menschenbild“ einschätzen zu können, habe ich selbst zusammen getragen, was ich dazu habe. Das Ergebnis kommt in den nächsten Tagen hier in einigen Beiträgen.


http://www.thur.de/philo/kp/mensch.htm

(„Laßt uns das Menschenbild vollenden“ – Radierung von Heinz Plank)

Jede und jeder von uns hat bestimmte Vorstellungen, wie Menschen normalerweise sind und was Menschen gegenüber anderen Lebewesen auszeichnet. Diese Vorstellungen hängen eng mit eigenen Erfahrungen zusammen, aber auch mit der Kultur, in der wir aufwachsen und den Menschen“bildern“, die uns hier begegnen. Beides, die eigenen Erfahrungen wie auch die kulturellen Bilder können sich im Verlaufe von kürzeren oder längeren Zeitepochen auch deutlich verändern.

Menschen“bilder“ im Laufe der Geschichte (mehr …)

Die logisch-historische Ableitung der „biologisch-naturgeschichtlichen Gewordenheit“ nehmen in dem Buch von Ute Holzkamp-Osterkamp („Grundlagen der psychologischen Motivationsforschung 1“) über 200 Seiten ein und die „neue Qualität der gesellschaftlichen Entwicklung“ (ebd.: 229) weitere 150 Seiten. Sie kann deshalb hier nicht einmal ansatzweise angemessen referiert werden. Festzuhalten sind jedoch folgende Ergebnisse:

  • Dadurch, dass Menschen durch Arbeit ihre eigenen Lebensbedingungen schaffen, sind die veränderten bzw. hergestellten Gegenstände Vergegenständlichungen menschlicher Zwecke und Fähigkeiten (ebd.: 233) im Kontext der „übergreifenden Notwendigkeiten der Lebenssicherung“ (ebd.: 235) und tragen Bedeutungen, die über die Phase der unmittelbaren Nutzung hinausgehen (Das Spezifikum der menschlichen Werkzeugherstellung wird in der „geplante[n] Werkzeugherstellung für künftige Gelegenheit“ (ebd.: 232) gesehen).
  • Menschliche Tätigkeit bezieht sich auf diese bedeutungsvolle Umwelt innerhalb der jeweils konkreten historischen Entwicklungsstufe der Menschheit (ebd.: 235).
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Die Ferienuni „Kritische Psychologie“ rief und über 800 Menschen meldeten sich an. Die Räumlichkeiten in der Alice Salomon Hochschule boten nicht so viel Platz wie die Freie Universität bei den letzten Ferienunis. Aber es war viel los.
fu-2016-4

Es fanden täglich echte einführende Veranstaltungen in Holzkamps „Grundlegung der Psychologie“ entlang der auch online vorhandenen Einführung von Stefan Meretz statt. Andere Vorträge befassten sich mit philosophischen Grundlagen oder dem Verhältnis zum Marxismus und dessen neueren Entwicklungen. Im Programm gab es auch für die PraktikerInnen viel Raum. Das betraf vor allem die vielfältige Berufspraxis von PsychologInnen. Neu war der Versuch, die Praxis der Kollektiven Selbstverständigung auf der Ferienuni zu beleben und auch durchzuführen. Hier wird der Anspruch der Kritischen Psychologie, Begriffe „für Menschen zur Klärung/Verallgemeinerung je meiner Welt- und Selbsterfahrung“ (Holzkamp) bereitzustellen, ernst genommen. (mehr …)