Gerade die individuelle Möglichkeitsbeziehung verweist also auf die Notwendigkeit eines systemischen Zusammenhangs, eines „in sich funktionsfähige[n] Erhaltungssystem[s]“ (Markard 2009: 162), „durch das die Lebenssicherung des Einzelnen vermittelt ist“ (ebd.: 86). Solche „in sich funktionsfähigen Systeme“ sind auch Gegenstand von System- und Selbstorganisationstheorien. Dort wird von ihrem sachlichen Inhalt abstrahiert und allgemeine Zusammenhänge für solche Systeme erkundet. Es wäre unangemessen, direkt aus der dort vorliegenden abstrakten Sphäre direkte Schlüsse auf konkrete inhaltlich bestimmte Systeme, wie z.B. das gesellschaftliche zu ziehen (vgl. Bühl 1987), aber heuristische Hinweise können auf jeden Fall entnommen werden. Was könnte aus diesen Theorien für unser Thema interessant sein?

Zunächst einmal wird davon ausgegangen, dass Systeme „höherer“ Ordnung jeweils auf Grundlage der Bewegung von Elementen der „niederen“ Systeme entstehen, wobei „Hö-herentwicklung“ mit wachsendem Komplexitätsgrad verbunden ist und damit, dass jeweils „niedere“ Systeme ohne die „höheren“ existieren können, aber nicht umgekehrt.
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– ein Gasttext von Christian Schorsch –

Am ersten Juniwochenende lud man ins idyllisch gelegene thüringische Pfarrkesslar zum Seminar „Anders wirtschaften“ ein. Hier wollte nicht nur das Konzeptwerk Neue Ökonomie die Idee von Degrowth näher bringen, es wurden auch Zielsetzungen und Perspektiven des „Buen Vivir“ thematisiert und die Commons sollten einen Raum zur Vorstellung finden. Letzterer Aufgabe widmete sich die in der Szene bekannte Commons-Aktivistin Silke Helfrich persönlich, was auch für mich eine zusätzliche Motivation darstellte, das Seminar zu besuchen, um sie persönlich kennenzulernen. Schließlich beschäftigte ich mich schon länger mit den Commons und war bereits für deren transformatives Potenzial sensibilisiert.

Mein persönliches Anliegen war dabei, nicht nur eine Reihe von gesammelten Fragen an die langjährig erfahrene Referentin zu richten, sondern auch die Spannung darauf, wie man in der nur sehr knappen Zeit von ca. drei Stunden Menschen, die damit noch keine bewusste Berührung hatten, eine Commonswelt eröffnet und vielleicht sogar schmackhaft macht, denn ich hielt dies für ein fast aussichtsloses Vorhaben.
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Nicht alle Menschen vertrauen darauf, dass unsere Zivilisation vor größeren Katastrophen gefeit ist. Im Gegenteil: Wenn bei uns der Strom für einige Tage wegbleibt, kann das das alltägliche Leben so aus den Fugen geraten, dass Hunger und Kälte unser Leben bedrohen könnten. Krieg, technische Pannen, Terroranschläge oder Naturkatastrophen – all das kann das normale Leben bedrohen. Die Bundesregierung empfiehlt in ihrer „Konzeption für zivile Verteidigung“, Vorräte für 10 Tage zu bunkern. (mehr …)

Ich hatte mich vor einem halben Jahr in mehreren Texten (1, 2, 3) mit dem Klassenkampf beschäftigt. Dabei zeigte es sich, dass die Geschichte dieser Kämpfe überhaupt nicht auf das beschränkt werden kann, was gewerkschaftlich und parteimäßig organisiert ist. Es gab im Unterschied dazu viele eher spontane und autonome Widerstandsformen, die in der klassischen Geschichtsschreibung und auch Theoriebildung zur Arbeiterbewegung unterbelichtet geblieben sind. Auf eine weitere Form von Kämpfen gegen die Zumutungen des Kapitalismus bin ich auch dabei noch nicht direkt gestoßen: auf den städtischen Widerstand. Auch um diese noch einzubeziehen, muss „die Geschichte der konventionellen Arbeitskämpfe […] neu geschrieben werden“ (Harvey 2014: 229)
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backup
Ich fragte vorgestern nach Science Fiction Romanen, in denen eine Gesellschaft ohne Geld vorgestellt wird. Einer davon ist „Backup“ von Cory Doctorow. Sein Anti-Held Julius „lebte lange genug, um in den Genuss der Unsterblichkeit zu gelangen“, denn durch ein ständig erneuertes Backup des Gedächtnisinhalts kann jede Person nach dem Sterben ihres aktuellen Körpers in einem neuen Klonkörper wieder „auferstehen“. Julius erwischt es auch bald, er wird erschossen und findet sich in den Konkurrenzkampf zweier Fahrgeschäfte in Disneyworld verwickelt, in dem er bald selbst eine unschöne Rolle spielt. (mehr …)

In der letzten Nummer der Zeitschrift „CONTRASTE – Monatszeitung für Selbstorganisation“ wandte sich Uli Frank in der „Writers corner“ an seine Co-Autorin Brigitte Kratzwald, die in einem Beitrag „die natürlichen Selbstorganisationsprozesse für menschliche Bedürfnisse nutzbar machen“ wollte. Uli verwies auf die Gefahr, bestimmte Erkenntnisse und Praxen aus der Natur zu verabsolutieren.

 

Da das Thema unmittelbar auf meine Themen aus den 90er Jahren verweist, möchte ich dazu auch „meinen Senf“ dazugeben (zuerst in einer Mail an Uli). Das nebenstehende Bild zeigt mich, als ich damals begeistert mit dem Computer Fraktale erzeugte als Verbildlichung der Selbstorganisationskonzepte.

 

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Freiheit für Josef

Es gibt nun auch von Josef selbst Informationen darüber, wie es ihm derzeit geht. „Ja, es hat sich gelohnt“, sagt er trotz allem, was hier nachgelesen werden kann.

An den nächsten beiden Prozesstagen, dem 21. und 22. Juli fährt ein ganzer Bus mit Unterstützer*innen von Jena nach Wien und man kann sich hier noch anmelden.