An der Universität Jena fanden nach 1990 mehrmals sog. „Alternativ-Unis“ statt. Nach der Durchsetzung der Bachelor-Master-Studien war dazu dann einige Jahre lang keine Kraft mehr vorhanden. Aber jetzt gibt es wieder so etwas Ähnliches: Die Alternativen Orientierungstage (ALOTA).

Ich werde heute nachmittag einen Workshop zum Thema „Welches Wissen brauchen wir?“ mit gestalten. Dabei fiel mir wieder einmal die klassische Rede von Schiller hier in Jena aus dem Jahr 1789 ein.

Er unterscheidet da zwischen den Brotgelehrten und den philosophischen Köpfen. Das liest sich immer wieder gut…

„Wo der Brodgelehrte trennt, vereinigt der philosophische Geist. Früher hat er sich überzeugt, daß im Gebiete des Verstandes, wie in der Sinnenwelt, alles in einander greife, und sein reger Trieb nach Uebereinstimmung kann sich mit Bruchstücken nicht begnügen. […]schiller
Neue Entdeckungen im Kreise seiner Thätigkeit, die den Brodgelehrten niederschlagen, entzücken den philosophischen Geist.“
„Zu allem was der Brodgelehrte unternimmt, muß er Reiz und Aufmunterung von aussen her borgen: der philosophische Geist findet in seinem Gegenstand, in seinem Fleiße selbst, Reiz und Belohnung. […]
Nicht was er treibt, sondern wie er das, was er treibt, behandelt, unterscheidet den philosophischen Geist.“

Sepideh
Zum zweiten Mal habe ich mir den Film „Sepideh – ein Himmel voller Sterne“ angeschaut. Die Geschichte dieses iranischen Mädchens geht mir sehr nahe, denn ich finde mich zum großen Teil in ihr wieder.

Glücklicherweise hatte ich mehr Glück mit meinem Geburtsland. In der DDR hatte ich soziale Sicherheit und alle Unterstützung, die ich mir wünschen konnte. Abitur zwar auf einem Umweg, dann Physikstudium… mein Brief an einen berühmten Astronomen wurde auch freundlich mit der Zusendung eines Buches beantwortet… (erst die „Wende“ stoppte meinen Weg dahin, meine Berufung auch zum Beruf machen zu können).
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Holzkamp als Vertreter der „logisch-historischen“ Interpretationslinie

Holzkamp

Gleich zu Beginn der systematischen Entwicklung der Kritischen Psychologie beteiligte sich Klaus Holzkamp an der streitbaren Debatte über die logisch-historische versus logisch-systematische Lesart des „Kapitals“. Er nahm Stellung gegenüber Joachim Bischoff, der 1973 ein Buch zugunsten der logisch-systematischen Lesart veröffentlicht hatte (Bischoff 1973). Holzkamp argumentierte gegen Bischoffs Ansicht, das Historische habe keine konstitutive Funktion im Begründungszusammenhang der Kritik der Politischen Ökonomie. (Holzkamp 1974: 7)

Er folgt dabei der von Engels vorgezeichneten logisch-historischen Interpretationslinie. Die Herleitung der Geldform gilt für ihn als „Rekonstruktion der Stufen ihrer historischen Ge-wordenheit“ (Holzkamp 1974: 31). „Entwicklung“ bedeute hier „keine logische Gedankenentwicklung, sondern die wirkliche Entwicklung des materiellen gesellschaftlichen Lebensprozesses“ (ebd.)
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realitaet
In der aktuellen Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ (Heft 7/14) fragt der Titelbeitrag „Was ist Realität?“. Er wurde von Meinard Kuhlmann, einem Professor für Philosophie in Bielefeld geschrieben. Der Artikel schließt mit einem Aufruf zu einem besseren Zusammenwirken von Naturwissenschaftlern, speziell den Physikern, und Philosophen.

Damit hat er unbedingt Recht. Nachdem in „Spektrum“ schon recht ominöse Interpretationen der Quantentheorie aufgetaucht waren, ist dieser Beitrag wohltuend sachlich. Fachlich exakt, gleichzeitig schön erläuternd und er bringt auch einen Teil der Lösung der Titelfrage: „Was ist Realität?“

Trotzdem möchte ich hier ergänzend darauf eingehen, denn erstens ist die Frage falsch gestellt und zweitens gibt es bessere Antworten zu dem Thema schon seit 30 Jahren. (mehr …)

Bisher war in den Schlagworten meines Blogs nur das Schlagwort „Wissenschaftskritik“ aufgetaucht, aber natürlich bin ich in erster Linie eher  Wissenschaftlerin als -kritikerin. Wenn ich was daran zu kritisieren habe, dann vor allem auch ALS Wissenschaftlerin. Etwas von der Faszination, die mich einst zum Physikstudium brachte, finde ich jetzt wieder gegeben in den „Symphonien der Wissenschaft“…

😉

Ohne Worte gehts auch so:
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Das nebenstehende Bild zeigt den Anblick des Brandenburger Tores, wenn wir ihm uns mit beinah Lichtgeschwindigkeit nähern würden. (Bild: Ute Kraus, Institut für Physik, Universität Hildesheim, Tempolimit Lichtgeschwindigkeit)

Tja, die ganze Aufregung um die angeblich gemessene Überlichtgeschwindigkeit von Neutrinos war umsonst. Das Ergebnis beruht auf einem Technikfehler (ein Kabel soll lose gewesen sein…). Trotzdem bin ich mir sicher, dass es immer mal wieder solche Meldungen geben wird und nicht alle kann man mit einem Hinweis auf diese wissenschaftliche Peinlichkeit wegwischen. …

Es ist schon sinnvoll, nach den Grenzen unseres Wissens über die Welt zu fragen und so etwas wie eine „feste Lichtgeschwindigkeit“ wird immer dazu reizen, darüber hinaus zu denken.
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Für das Thema der „Komplexität“ gibts als „Anhang“ einige Erläuterungen, die ich hier im Blog teilweise den Beiträgen über die Komplexität voranstelle. Hier das erste Thema dazu:

Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik gehört oft zu den grausligsten Themen für Studierende aller Fachrichtungen. Ich kann hier keine vollständige Einführung und Erklärung liefern, aber einige Grundgedanken müssen wir kennen, um dahin vordringen zu können, wo es wirklich spannend wird. Zur Einführung vielleicht gleich einen politischen Einstieg: Es gab in Moskau anlässlich der Proteste gegen Wahlfälschungen Plakate, die „Für die Normalverteilung“ forderten. Warum wohl? (mehr …)