Donald Trump meint, es gäbe keinen Klimawandel, nur Wetter. Was das Wetter der letzten Jahre für einen normalen Kleinbauern in Kenia bedeutet, das filmt er zum Teil selbst für die Dokumentation „Danke für den Regen“, die vorgestern abend in ARTE gezeigt wurde. Kisilu Musyas will sich mit seiner Familie und den Nachbarn einrichten auf die Veränderungen, initiiert das Pflanzen von Bäumen und vernachlässigt über seinen Touren in Nachbargemeinden sogar die Arbeit auf den eigenen Feldern. Viel Arbeit steckt in den Pflanzungen, jeder Kübel Wasser muss zu jedem Bäumchen und Pflänzchen geschleppt werden. Als endlich die Regenzeit naht, geht der begrüßte Regen in der Nacht in ein gewaltiges Gewitter über und am Morgen ist das Land überschwemmt und die Pflanzen sind weggespült. Wir kennen diese Regengüsse inzwischen auch, aber für niemanden sind sie so unheilvoll wie für diese armen Regionen. Wieviele Bäuerinnen und Bauern trifft es ähnlich hart wie Kisilu? Er jedenfalls bekommt die Gelegenheit, zum Klimagipfel nach Paris zu fahren und dort zu berichten von seinem Leben und seinem Kampf mit den Auswirkungen des Klimawandels. Dieser kleine Mann auf so einer großen Konferenz. Fast möchte man meinen, das würde eine Erfolgsgeschichte. Aber die Realität, die ist nicht so. Während die Großen sich streiten um eine Vereinbarung, läuft Kisilu durch die Kulissen und muss sich solche Sprüche wie von Trump anhören. Viel optimistischer wird’s nicht mehr. Zu Hause erzählt Kisilu seinen Nachbarinnen und Nachbarn, welche Probleme Menschen anderswo mit dem Klimawandel haben und organisiert weiter das Pflanzen von Bäumen.

„Danke für den Regen“ in der ARTE-Mediathek
(bis 16. 11. 2017)

Wie schnell der Klimawandel voranschreitet, sollte inzwischen auch zum Allgemeinwissen gehören, das wir nur allzugerne immer wieder verdrängen. Wirklich erschrocken sind wahrscheinlich die Wissenschaftler in den 90ern, als sie Filme und Daten zu sehen bekommen, die Geheimdienste seit Jahrzehnten vor allem über Zustand der Arktis unter Verschluss hielten. Es gab eine Zeit, in der das Ende des Kalten Krieges tatsächlich eine Tür öffnete hin zu einer Kooperation der früheren Feinde im Interesse des Erhalts einer lebenswerten Umwelt für alle Menschen. Al Gore, der später mit seinem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ berühmt wurde, war auf die Idee gekommen, dass die Zeit gekommen sei, die Daten der Geheimdienste für eine wissenschaftliche Auswertung zur Verfügung zu stellen. Als ich die Reportage „Die Klima-Spione“ ansah, fühlte ich mich wie in eine andere Welt versetzt. Die früheren Gegner tun sich zusammen, um einer größeren Gefahr zu begegnen. Für einige Jahre, auf einem begrenzten, aber extrem wichtigen Bereich wurde dies ab 1995 Wirklichkeit. Im Projekt „Medea“ stellten US-amerikanische wie russische Geheimdienste und Arktisforscher ihre Daten für eine wissenschaftliche Auswertung zur Verfügung. Zum ersten Mal konnten die Spionagebilder aus verschiedenen Jahren zusammengesetzt werden zu einem Film, der das rasante Abschmelzen des Meereises im Arktisbereich zeigt. Und zum ersten Mal arbeiteten Wissenschaftler wie Geheimdienstmitarbeiter von früher verfeindeten Ländern fast freundschaftlich zusammen. Aber diese Zeit endete mit der Präsidentschaft von G.W. Bush und konnte später nur teilweise wieder belebt werden. Ein „Wimpernschlag in der Geschichte“ war die Welt so, wie sie hätte sein sollen, wenn alles gut werden soll.

„Die Klima-Spione“ in der ARTE-Mediathek
(bis 16.12.2017)

(Mehr zum Projekt Medea (Englisch): http://www.nopp.org/wp-content/uploads/2010/06/85.pdf)

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Wir waren gestern abend bei einer Veranstaltung zum Thema

Bioökonomie: Ökologische Modernisierung der imperialen Lebensweise?

Diese Veranstaltung wurde ausgerichtet von der BMBF-Nachwuchsgruppe „Bioökonomie und Soziale Ungleichheiten“ an der Universität Jena.

Bioökonomie

„Bioökonomie“ ist ein neuer Hype, für den es seit 2009 von der OECD und seit 2012 auch von der EU ein Strategiepapier gibt. Mit ihm soll nun endlich die Wirtschaft gleichzeitig ökologisch werden und die ökologischen Probleme wirtschaftlich profitabel gelöst werden. Bioökonomie soll Antwort auf die drängendsten Fragen der Zeit „wie sie sich etwa im Klimawandel, dem Biodiversitätsverlust, der Nahrungsmittel-verknappung und der Ressourcenübernutzung (von Öl bis zu Agrarflächen) zeigen“ (Working Paper 1: 21.) geben. Dabei soll eine Win-Win-Situation geschaffen werden. In den OECD- und den EU-Papieren unterscheiden sich der Inhalt und die Orientierung: (mehr …)

Ist es nur einer Rockband gestattet, sich wenigstens zeitweise in melancholischen Unter-gangsvisionen zu ergehen? „Way Down We Go“ spielt die isländische Gruppe Kaleo in einem Vulkan . Das ist der Sound zu dem folgenden Text.


Wie lange kann es noch gut gehen, dass wir Menschen die Biokapazität des Planeten Erde seit den 80er Jahren überschreiten und mehr vernutzen und zerstören, als sich wieder regenierieren kann? Wie lange können die Treibhausgasemissionen noch ansteigen, bevor der Klimawandel nicht mehr nur für Menschen „ganz weit weg von uns“ existenziell gefährlich wird? Von Katastrophenwarnungen will niemand etwas hören, „Alarmismus“ wird abgelehnt. (mehr …)

Ágnes Heller, auf deren Hoffnung auf „radikale Bedürfnisse“ ich hier im Blog schon einmal verwiesen habe, hat in einem recht hohen Alter nun noch ein Essay mit dem Titel „Von der Utopie zur Dystopie“ geschrieben. Als Buch ist es von der Edition Konturen sehr schön gestaltet – aber der Inhalt ist eher traurig. (mehr …)

Geht’s uns nicht gut? Während mehr als die Hälfte der bundesrepublikanischen Bevölkerung in „Zuwanderung und Migration“ ein Problem sieht und etwas weniger als die Hälfte im Thema „Kriminalität, Frieden, Sicherheit“, zählen nur ein Fünftel der Bevölkerung Umwelt- und Klimaschutz zu den wichtigsten Problemen (UBA 2017).

(Joe Webb)
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Noch ist eine Begrenzung der Reduktion des Temperaturanstiegs auf 2 Grad möglich. Dazu wären große Reduktionsraten notwendig (vgl. Rahmstorf 2017). Diese Reduktionsraten sind umso höher, je später die Reduktion beginnt:

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Ich habe noch einige nette Animationen gefunden, die ich zum Thema Geschichte des Klimawandels und „Was wir bereits erleben“ noch ergänzen möchte…


Da wir in der Vergangenheit nicht dabei waren, haben wir kaum ein Gefühl für den historischen Verlauf der Temperatur. Es gibt (in NOAA/ESRL: 2016b ))einen netten kleinen Kurzfilm, der die Temperatur als „Achterbahn“ darstellt:


Gerade in den letzten Jahren überstürzen sich die Meldungen über die „jeweils heißesten“ Jahre. Auch 2016 setzte sich dieser Trend fort (vgl. Coomes 2017 – das ist „nur“ ein Bild):
Mehr Infos dazu gibt’s vom US-amerikanischen Zentrum für Umweltinformationen und der NASA (Schmidt, Arndt 2017 und NOAA/ESRL 2017a).

Das folgende Filmchen zeigt, dass sich die Erwärmung nicht gleichmäßig auf der Erde verteilt, sondern es auch kühle (blaue) Bereiche gibt, dass aber tendenziell die warmen (roten) Regionen überhand nehmen (NOAA 2017b ):

Zwei andere Animationen zeigen den Temperaturverlauf (Condliffe 2015 und Hawkins 2017):

Und obwohl diese jährlichen Meldungen nur vom Wetter reden, und noch nicht Aussagen über das Klima sind, so muss doch darauf verwiesen werden, dass ein sich veränderndes Klima die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Wetterlagen deutlich beeinflusst. Nicht jedes Jahr wird ein heißeres sein als das vorherige, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist deutlich größer geworden.