Mit Ergänzung seit 20.7. unten…


Bini Adamczak entwickelt in ihrem neuen Buch „Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende“ eine „relationale Revolutionstheorie“ im letzten Beitrag schon beschrieb, setzt sie gegen die bisherigen Orientierungen Totalität und Singularität die Orientierung der Relationalität, der Beziehungen.

Ich hatte schon darauf aufmerksam gemacht, dass eine abstrakte Sichtweise auf Beziehungen nicht ausreichend ist:
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Wie wir gerade an der Abschottung Europas sehen, glauben die Wenigsten daran, dass eine Aufnahme und Integration von Flüchtenden zu schaffen wäre. Diese Abschottung ist eins der größten Versagen der Humanität unserer Gesellschaft.

Im „Packpapier-Verlag“ ist  meine neue Broschüre zu diesem Thema erschienen.

– ein Gasttext von Christian Schorsch –

Am ersten Juniwochenende lud man ins idyllisch gelegene thüringische Pfarrkesslar zum Seminar „Anders wirtschaften“ ein. Hier wollte nicht nur das Konzeptwerk Neue Ökonomie die Idee von Degrowth näher bringen, es wurden auch Zielsetzungen und Perspektiven des „Buen Vivir“ thematisiert und die Commons sollten einen Raum zur Vorstellung finden. Letzterer Aufgabe widmete sich die in der Szene bekannte Commons-Aktivistin Silke Helfrich persönlich, was auch für mich eine zusätzliche Motivation darstellte, das Seminar zu besuchen, um sie persönlich kennenzulernen. Schließlich beschäftigte ich mich schon länger mit den Commons und war bereits für deren transformatives Potenzial sensibilisiert.

Mein persönliches Anliegen war dabei, nicht nur eine Reihe von gesammelten Fragen an die langjährig erfahrene Referentin zu richten, sondern auch die Spannung darauf, wie man in der nur sehr knappen Zeit von ca. drei Stunden Menschen, die damit noch keine bewusste Berührung hatten, eine Commonswelt eröffnet und vielleicht sogar schmackhaft macht, denn ich hielt dies für ein fast aussichtsloses Vorhaben.
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In wenigen Wochen sitzen wir wieder in Jena bei einem „Vereins-, Umwelt und Radfahrtag“ rum und warten auf interessierte Menschen, mit denen wir über die Veränderung des Klimas sprechen  können. Letztes Jahr lernten wir eine Frau kennen, deren afrikanischer Mann schon vor Jahrzehnten über die besondere Rolle der Frauen in prekären Umweltbedingungen berichtet hat. Jemand anders berichtete und über die gegenwärtige Situation, die sich so verschärft  hat, dass Mädchen kaum noch die Schule besuchen können, weil die Wege zu den nächsten Wasserquellen immer länger werden…

Wen dieses Thema nicht schon von vornherein interessierte, schaute konsequent weg und suchte mit den Kindern den nächsten Stand zum Gesichtsbemalen oder Bälle-Werfen…

Ja, es ist schon nicht einfach, zu diesem Thema ins Gespräch zu kommen, auch wenn man „zu den Leuten  hinkommt“. Deshalb beschäftigen sich Leute mit dem Thema „Klimakommunikation“ und geben  Ratschläge dazu. Z.B. hier:

Ein interessantes Beispiel für musikalisch Interessierte ist die Umsetzung der Temperaturkurve der letzten Jahrzehnte in musikalische Töne:

Tipps zu mehr oder weniger geeigneten Bildern zu Illustration des Klimwandels gibts hier:

Bei diesem Thema wird es, wenn es ernst wird, auch unerwartete Allianzen geben (müssen), denn vor allem

Diese düstere Vorausschau von 2009 scheint sich leider zu bestätigen…

Auf der Suche nach neuen Vermittlungsformen
(Version 1.3.1, März 2018)

1. Die Grenzen von System- und Selbstorganisationstheorien als Entwicklungstheorien

Im „Keimform“-Blog wurde im vorigen Jahr über die Suche nach neuen gesellschaftlichen Vermittlungsformen diskutiert. Etwas Aufregung kam in die Debatte, als die Systemtheorie ins Spiel gebracht wurde. Ich habe den damit verbundenen Anspruch, die bis dahin diskutierten Inhalte einfach durch Systemtheorie zu ersetzen, zurückgewiesen. Letztlich vollziehe ich damit meine eigene Selbstkritik noch einmal. Denn auch ich war ja in den späten 80ern angetreten mit dem Versuch, die damals neueren Erkenntnisse der Selbstorganisationstheorie zur Erneuerung der Dialektik zu nutzen um dann von daher auch gesellschaftstheoretisches Neuland betreten zu können (siehe meinen Beitrag zum Philosophenkongress 1989). Als ich mich dann konkret daran machte, speziell die Entwicklungsprozesse in allen Bereichen (Kosmos, Lebendiges, Gesellschaft) daraufhin zu untersuchen, wie ihn ihnen Selbstorganisationsprozesse ablaufen, kam ich schnell an die Grenzen der System- und Selbstorganisationstheorien, die vor allem in ihrer Abstraktheit liegen. Biologische Evolution kann ich nur verstehen, wenn ich mich mit biologischen Themen selbst beschäftige (wie in meinem ersten Buch). Beschreiben kann ich ihre allgemeinsten Strukturen dann auf abstrakte Weise auch systemtheoretisch. Aus den Systemtheorien können auch heuristische Hinweise kommen, worauf ich bei den fachspezifischen Untersuchungen achten sollte (z.B. auf Wechselwirkungen zwischen Teilen und Ganzem…). Aber allgemeine Systemtheorie kann die besonderen Theorien der besonderen Untersuchungsgegenstände nicht ersetzen. Das gilt in besonderem Maße für die Gesellschaftstheorie, deren Gegenstand bei einer abstrakt systemtheoretischen Methode völlig verfehlt würde. Das merkte ich auch, und beschloss mein zweites Buch mein zweites Buch (über die Gesellschaft, 1999) damit zu beginnen, einen solchen sys-temtheoretischen Zugang zu kritisieren. Auch später blieb ich diesem Abschied von den Systemtheorien für meine Fragestellungen treu, bzw. begründete ihn immer wieder.

  • siehe z.B. die Antwort auf die Frage „Bei welchen systemtheoretischen Vergleichen gerät man in Teufels Küche?“ in diesem Interview
  • siehe dazu auch den grundsätzlichen Text: „Ersetzt Selbstorganisationsdenken die Dialektik?“
    Trotzdem ist es natürlich sinnvoll, sich hin und wieder zu fragen, inwieweit das systemtheoretische Denken heuristische Hinweise für bestimmte Probleme liefern kann. …

Weiter lesen in der pdf-Datei…


Erinnert sich noch jemand an den Hurrican Harvey im August diesen Jahres? Da war doch irgendwas… weit weg für die meisten. Ganz weit weg von unserem Alltag, abgesehen von der erregten Berichterstattung über eine kurze Zeit.

(Joe Webb)

Die nun erfolgten wissenschaftlichen Auswertungen sind noch viel weiter weg. Sie sind zwar durch nur wenige Klicks im Internet erreichbar, aber wen interessieren sie schon? Für die Herbsttagung der Amerikanischen Geophysikalischen Vereinigung war die Auswertung der wissenschaftlichen Befunde zum Hurrican Harvey (vgl. auch jw vom 15.12.2017) ein Höhepunkt. (mehr …)

In meinem Text „Wie weiter nach radikal ent-täuschten Hoffnungen?“ stellte ich die Frage, welche Bedingungen der Weg hin in die gewünschte mögliche Zukunft braucht.

Hilmar und Albert aus Hamburg gaben aus ihrer gelebten Praxis (Umsonstladen, Tomatenretter) einige Antworten daraus, die ich hier gerne ergänze:


  1. Wenigstens ein Lebensbereich (Grundnahrungsmittel, Wohnen, Energie, Reparieren, Produktverteilung u.s.w.) wird selbstorganisiert betrieben und in eine praktische Verbindung mit seinem sozialen Umfeld gebracht zu Gruppen und Einzelnen, die sich auch auf einen Weg aus diesem kriselnden System gemacht haben.
  2. Wenn diese vielfältigen Ansätze, wie momentan, allerdings weitgehend unverbunden bleiben, wird nichts gesellschaftlich Bedeutsames entstehen. Es wird gezielt versucht, zumindest einen Teil von Produktion, Verteilung und Reproduktion der allgemein vorherrschenden Erwerbsarbeit zu entziehen.
  3. Es hat ein gruppenübergreifender Prozess der gemeinsamen Bestimmung der Grundsätze begonnen, an dem eine wachsende Anzahl der Beteiligten mitwirkt. (Das ist heute noch nicht der Fall.) Dabei wird darauf verzichtet, sich gegenseitig zu einem geschlossenen Weltbild zu nötigen. Es wird von der Vielfalt der Einzelnen und deren besonderen Weltbildern akzeptierend ausgegangen. Grundlegende, nicht sogleich lösbare Kontroversen können auch mit ihren verschiedenen Ansichten in die gemeinsamen Grundsätze eingebaut werden.
  4. Dem Hauptanliegen der jeweiligen Gruppe wird ein breiter, selbstorganisierter Bildungsprozess hinzugefügt: Sport, Kunst, Musik, Entspannung und Spaß, Heilwissen Kräuter ..) haben dort neben allen gewünschten Wissensthemen ihren Platz.
  5. Es wird sich darin geübt, in den notwendigerweise in den Gruppen aufbrechenden Konflikten einen liebevollen, lösungsorientierten Umgang zu finden.
  6. Ein grundlegend friedliches, lernend offenes, respektvolles Verhältnis zu der uns umgebenden Natur, die nicht mehr einseitig nach unseren Zielsetzungen ausgerichtet werden soll, wollen wir Schritt für Schritt verwirklichen.
  7. Lernend aus bisherigen linken Parteien und Bewegungen wird versucht, einen inneren bunten Pluralismus zu fördern und die Einflussnahme von möglichst vielen Einzelnen auf Gemeinschaft und Gesellschaft zu fördern und zuzulassen: Wir üben uns in einem Verzicht auf (manchmal gedankenlose) Machtausübung und autoritäres Verhalten. Bestätigungen und Zuneigung geben wir uns gegenseitig, sodass ein zunächst vielleicht unstillbarer Anteil davon sich durch diese Erfüllung beruhigen und unser Angstpotential zurückgehen kann.
  8. Ein solcher Anfang ist hier und da gemacht. Aber nur wenn sich eine bewusst gelebte Menschlichkeit ausbreiten kann, wächst die Chance auf diesem Planeten dauerhaft zu überleben und zu leben.