Den letzten vernünftigen Gedanken hatte ich in der Nacht zu Montag- jetzt ist Freitag mittag. Zuletzt war ich „Ich selbst“ beim Aufschreiben des nächtlichen Gedankens. Nach dem Aufstehen am Montag morgen funktionierte ich bloß noch. Ich kratzte mein Auto frei, fuhr auf Arbeit. Ich brauchte nur bis Donnerstag arbeiten und die Arbeitswoche war erfolgreich. Nette Kollegen, selbständiges Tun und keine Probleme bei den Messungen und Auswertungen. Heute morgen wachte ich auf und konnte mich über den freien Tag nicht einmal freuen. Der Faden war abgerissen seit Montag nacht. Saubermachen – eine gute Ablenkung. Frisch glänzender Fußboden, da sieht man, was man gemacht hat. Nur nicht dran denken, wie es nach dem ersten Durchgang mit Straßenlatschen wieder aussehen wird…

Und dann ein Mittagsschläfchen… Erst während der halben Stunde, in der ich natürlich nicht eingeschlafen bin, entdeckte ich, dass meine Gedanken umswitchten. Aus dem dumpfen Tran weckte mich eine Erinnerung, ganz leise… Da war eine Idee aus einem Text von voriger Woche: Hatte nicht Kant mit seinem „Reich der Zwecke“ genau das gemeint, was St.Mz immer als „Inklusionslogik“ beschreibt, und das die strukturelle Voraussetzung für die Möglichkeit der Selbstentfaltung gesellschaftlicher Individuen ist?

Switch – ich bin wieder Ich selbst. Ich setze mich in mein Arbeitszimmer, an die Papiere, den Computer. Sortiere die Themen, möchte alles auf einmal machen. Ich werde einige Stunden brauchen, bis ich alles wieder in meinen Kopf geladen habe, was am Sonntag abend drin war. Dann erst werde ich wieder produktiv, vielleicht sogar kreativ sein können. „Flow“ nennen es die Glücksforscher. Bis zum Sonntag abend…

P.S. Diesmal nicht. Ich habe meinen Jahresurlaub. Ich brauch keine See, keine Berge, keine Reise und keine Ablenkung. Ich darf mal mehr als drei Tage hintereinander Ich selbst sein. Was für ein Glück.

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